„Die Frauen überlegen sehr genau“

Die „TAZ“ hat heute ein Interview mit der Allgemeinmedizinerin Marietta Kiehl veröffentlicht, indem diese, die von mir schon berichtete Initiative zur Neugestaltung der „Spätabtreibungen“, kritisch hinterfragt.
Ihre Meinung zu dem Gesetzentwurf der CDU:

Die Stellen, die eine humangenetische Diagnostik durchführen, beraten die Frauen nach unserer Erfahrung gut. Die niedergelassenen Frauenärzte haben die psychosozialen Beratungsmöglichkeiten noch nicht so entdeckt. Aber um das zu ändern, braucht man weder Dokumentationspflichten noch Bußgelder.

Desweiteren stellt sie heraus, dass

Frauen sehr genau überlegen, ob sie das Leben mit einem behinderten Kind tragen können.

Ein sehr gelungenes Interview wie ich finde, vor allem der Schlusssatz trifft genau auf den entscheidenden Punkt

Die niedergelassenen Ärzte könnten häufiger auf eine ausführliche pränataldiagnostische Beratung verweisen, dann wäre im Vorfeld der Diagnostik schon eine Auseinandersetzung mit einer Entscheidung bei positivem Befund leichter möglich. Aber wir halten es für sinnvoller, dies auf einem partnerschaftlichen Weg zu erreichen als mit Zwang.


6 Antworten auf “„Die Frauen überlegen sehr genau“”


  1. 1 Julinoir 01. Dezember 2008 um 18:54 Uhr

    Meiner Einschätzung nach geht es der CDU weniger um eine wirklich gute Beratung von Schwangeren, sondern eher um eine Aufweichung des §218, wie er jetzt ist.
    In dem Interview wird aber angesprochen, was ich bei den Einlassungen der PolitikerInnen von CDU bis Grünen bisher eher nicht gelesen habe: Diese Gesellschaft ist behindertenfeindlich. Will man Spätabtreibungen, z.B. die Abtreibung von Kindern mit Down-Syndrom vermeiden, müsste sich vor allem daran etwas ändern. Fragwürdig ist auch, dass es zwar „eigentlich“ keine embryopathische oder eugenische Indikation gibt, und dann über die medizinische Indikation (physische oder psychische Gefahr für die Frau) Spätabtreibungen auf Grund von Behinderung durchgeführt werden.

  2. 2 Lars 12. Dezember 2008 um 14:35 Uhr

    Obwohl ich ein Mann bin, gebe ich, dass die Frauen alles sehr genau überlegen. Guter Artikel, bravo! Grüße!

  3. 3 mammal 16. Dezember 2008 um 23:01 Uhr

    julinoir bringt es ziemlich auf den punkt.
    ich habe von vielen frauen gehoert, das frauenaerzte auf die eugenischen untersuchungen draengen und schon bei minimalen anzeichen auf „abweichungen“ zur abtreibung „raten“.
    wir haben, trotz faktor alter, keine der untersuchungen durchfuehren lassen. ein kind mit down-syndrom waere fuer mich schon mal kein abtreibungsgrund; ob ich mit anderen behinderungen umgehen koennte, weiss ich nicht, aber genug schrecken um auf einen blossen verdacht hin abzutreiben tut es mich nicht.
    wir hatten auch lang genug auf diese schwangerschaft gewartet – das es nach einem abbruch keine zweite chance geben wuerde (ich mit dem hintergrund keine wollen wuerde), hat natuerlich auch damit zu tun.

  4. 4 Schand und Spott 18. Januar 2009 um 13:38 Uhr

    Wenn sich die Gesellschaft nicht ändern möchte und behindertenfreundlicher wird, dann muss sich halt das Gesetz ändern. Nach dem Motto: Einer muss ja mal den Anfang machen, nur entscheidet das Gesetz ja auch nach der Behindertenfeindlichkeit.

    Ist das nicht eigentlich traurig und tragisch?

  5. 5 Pia 24. Mai 2009 um 14:37 Uhr

    Hehe, stimmt. Wir überlegen uns alles ganz genau, ist doch aber sicher auch besser, als vorschnell Entscheidungen zu treffen!

  6. 6 Peter 10. April 2010 um 22:31 Uhr

    @PIA
    sehe ich genauso ich treffe meine Entscheidung auch immer mit bedacht!

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