Die ewig Mythische

Jetzt mal alle festhalten, Jogamatten raus, Räucherstäbchen an und ein wohlwollendes Lächeln auflegen, denn Frauen dürfen wieder „weiblich“ sein. Besser gesagt dürfen sie sich in Wien in eine „Menstruationshütte“ legen.



Die Veranstalterinnen zu der Idee:

in der vorweihnachtlichen Hektik biete die Menstruationshütte den Frauen die notwendigen „Momente des Loslassens, der Stille und des Kräftesammelns – so wie auch der Winter ruhig wird und seine Energien in den Wurzeln sammelt, um im Frühjahr neu erblühen zu können“.

Das wir so eine Hütte brauchen ergibt sich ganz logisch aus der Gesichte

Wie aus der Ethnologie bekannt ist, hat es diese Orte in früheren Zeiten weltweit gegeben, in Sibirien bestünden sie sogar heute noch. Denn die monatliche Blutung diene dem Loslassen, der Vertiefung und Rückbindung an die weiblichen Wurzeln, dem Krafttanken und der Erneuerung. Dieses Wissen um das Potenzial der Menstruation war einmal Allgemeingut und sei in Form prophetischer Träume und Weissagungen zum Wohlergehen des Stammes gesellschaftlich genutzt worden.

Die eigentliche Intention aber zu guter Letzt

Im Verlauf der letzten Jahrhunderte wurde diese Kraft in ihr Gegenteil verkehrt, die Menstruation degradiert und in der Folge tabuisiert.

Ich weiß nicht wie es euch dabei geht,aber ich denke nicht, dass Frauen derartige „Hütten“ nötig haben.
Klar sollten die einen oder anderen mit dem Thema Periode locker umgehen können und es sollte nicht so ein „No-go“ sein zu menstruieren.
Aber aus unserer Regelblutung ein mythisches Highlight zu machen, das „Extra-Räumen“-Bedarf, finde ich reichlich übertreiben.
Geht es nur mir so, oder seid ihr während eurer Periode auch noch ganz „normal und wollt dieses „Wunder“ nicht überschwänglich feiern oder euch in rote Zelte legen?

Vielleicht sind wir Frauen ja doch ganz normale Menschen, die nicht einmal im Monat ihre “ Weibliche Kraft“ , neu für sich entdecken.
Was hat meine Periode überhaupt mit „Kraft“ zu tun. Bei mir kam es noch zu keinen Herkules-ähnlichen Erscheinungen. Aber naja..

Also, wieder mal ein guter Versuch die Gräben, zwischen Männern und Frauen aufgrund biologischer Fehlinterpretationen, aufzureißen.

über die.standard.at


36 Antworten auf “Die ewig Mythische”


  1. 1 chica 10. Dezember 2008 um 21:52 Uhr

    …und dann nur so ein schnödes Zelt ohne DSL-Anschluss, Playstation, Minibar und Pool…dieser Ethno-Hype ist mindestens genauso schlimm wie dieser Eso-Feminismus

  2. 2 laylah 10. Dezember 2008 um 22:10 Uhr

    auf jeden, chica weiß, was gut ist. dabei kann man so gut loslassen mit den neuen tollen dualshock controllern.. lass uns gemeinsam menstruieren, schwester! (ist ethno und eso hier eigentlich nicht ungefähr das gleiche?)

  3. 3 illith 11. Dezember 2008 um 1:30 Uhr

    och, ich find das ding ganz lauschig!
    also solang ich da nicht meine komplette regel darin verbringen müsste – dann bräucht ich nämlich zumindest noch nen fernseher da drin.

    Geht es nur mir so, oder seid ihr während eurer Periode auch noch ganz “normal

    ab tag 2 so schon. aber in der zeit davor meistens nicht und tag 1 knockt mich für gewöhnlich ziemlich aus. da ist, wenn irgend möglich mein schlafzimmer meine bevorzugte menstruations-hütte.

  4. 4 gtz 11. Dezember 2008 um 3:28 Uhr

    bizarr, dass mit diesem esoterischen *findungs blödsinn immer verzicht, askese und rückzug einhergeht. der urbane genussmensch hat ganz zurecht große zweifel ob dieser natürlichkeitspropaganda.

  5. 5 st_eve 11. Dezember 2008 um 16:08 Uhr

    mich erinnert das ja, wo die schon das wort „ethnologisch“ anführen, eher an so „frauen sind unrein“-konzepte, bei denen frauen während ihrer periode dem kollektiv fernzubleiben haben und irgendwo abseits in irgendwelchen hütten vor sich hin schimmeln.
    aber man kann ja alles auch positiv sehn, wa? :-?

  6. 6 illith 11. Dezember 2008 um 16:59 Uhr

    also solche assoziationen hab ich da gar nicht. liegt aber sicher auch mit an meiner eso-sozialisation :d

  7. 7 miri 11. Dezember 2008 um 17:07 Uhr

    Also, ich finds gut, erstmal weil so das Thema „Menstruation“ auf diese Weise ein bisschen aus der Tabuzone rausgeholt wird und öffentlich sichtbar gemacht wird (über „alles frisch und superhygienisch blaue Flüssigkeitswerbespots“ hinaus), dann auch weil es ein Zeichen setzt gegen die herrschende „alle Tage sind gleich, Frau muss ihre Menstruation ignorieren und 100% Leistung immer und überall“ – Dogmatik und weil die Aktion auf mich
    insgesamt eher selbstbewußtseinsfördernd wirkt: Ja, wir sind Frauen, wir bluten und wir nehmen uns das Recht auf Auszeit, wenn wir das brauchen.

    Jede Frau erlebt ihre Regel natürlich anders, aber jede hat auch das Recht sie so esoterisch zu gestalten wie sie will… es ist ja ein Angebot und es soll niemandem was vorgeschrieben werden….ich bin nicht besonders esoterisch unterwegs, kann aber auch diesen krassen Abwehr – Reflex vieler Feministinnen nicht ganz nachvollziehen.
    Man kann das doch ganz entspannt sehen, oder??? Was spricht dagegen?

  8. 8 neo 11. Dezember 2008 um 17:11 Uhr

    Steht sogar genau so in der Bibel: „Du sollst nicht dem Weib beischlafen, welche unrein ist“ (So oder so ähnlich, hab jetzt keine Lust das alte Testament hervorzukramen). Desweiteren soll der Mann nicht auf dem Sattel reiten, 1 Woche davor und eine Woche nachdem eine „unreine“ Frau drauf gesessen hat!

    Eine Assoziation an diesen Unsinn, hatte ich zuerst als ich den Text gelesen habe.

    Regressive Eso-Scheisse… führwar!

  9. 9 miri 11. Dezember 2008 um 17:39 Uhr

    Ja, „unrein“, das steht in der Bibel, kommt also aus unserer abendländisch – christlichen Tradition. Die Menstruationshütte gab es jedoch bereits in älteren Kulturen und hatte verschiedene, meist rituelle Funktionen, z.B. die Initiation in die Gemeinschaft, eine Art spirituelle Reinigung ect. Frauen in der Menarche wurde eine große Macht zugesprichen, z.B. in den indianischen Kulturen. In frühen japanischen Kulturen, die die Hütte auch kannten, wurde die Menstruation richtig gross gefeiert, es gab besondere Speisen, ect. … Es lässt sich also keinesfalls sagen, dass Hütte und Menstruation grundsätzlich negativ konnotiert waren, wie später die extrem misogyne Vorstellung des Christentums von der „Unreinheit“ der menstruierenden Frau.
    So, und nun zu heute: Wir leben ja heutzutage weitgehend ritenfrei, modern und aufgeklärt, wodurch wir viel gewinnen aber einiges auch verlieren. Bei dem Wiener Projekt geht es den Macherinnen soweit ich das verstanden habe einfach nur drum, das Thema mehr ins Bewußtsein zu holen, und Frauen zum gegenseitigen Austausch darüber anzuregen.
    Es hat doch keiner vorgeschlagen, Frauen darin tagelang einzusperren und ihnen den Kontakt zur Aussenwelt zu verbieten!!!
    Die Hütte als symbolischer Rückgriff auf vorchristliche Kulturen ist doch nur der Rahmen für das worum es den Frauen geht: Zu zeigen „Hey, so wie unsere Gesellschaft heute mit Menstruation umgeht, so war das nicht immer und es ist grundsätzlich auch anders denkbar“ – und vielleicht mehr darüber zu erfahren, wie Frauen vor hunderten von Jahren ihre Periode erlebt haben.
    Angesichts der Tatsache, dass von den USA her gerade die Mode aufkommt sich mit den entsprechenden Hormonpräparaten völlig von der Mentruation zu befreien, finde ich die Aktion ein gutes Statement zu sagen: So sind wir und unsere Körper nun mal. Ohne Bewertung!!!
    Ich wiederhol mich, aber ich kann den aggressiven Grundton gegen das
    Projekt nicht verstehen, obwohl ich mich keinesfalls als Esoterikerin bezeichne. Es ist doch nur die Erweiterung des Denkspektrums was das Thema Menstruation angeht, und wiegesagt: Damit sollte einfach jede Frau umgehen wie SIE es möchte! Niemand MUSS in die Hütte, aber wenn es Frauen gibt die das MÖCHTEN, dann ist es doch eine prima Sache! Macht euch mal locker, Mädels!

  10. 10 leonie 11. Dezember 2008 um 18:16 Uhr

    @miri: Ich weiß nicht, was an dem Trend so fürchterlich ist wenn man seine Tage nicht mehr hat(ich steh jetzt nicht primär auf bluten) und was ich noch viel bedenklicher finde ist, das Frauen mit solchen „Menstruation-Partys“ (geschichtlich) nur auf ihre Fruchtbarkeit reduziert wurden/werden.
    Müssen Frauen, denn wirklich ihre Periode feiern, es gibt doch noch so viele tollere Ding auf der Welt die ne Party und Campingausrüstung sinnvoll machen.

    natürlich soll man sich ausruhen, wenn man sich bei seiner Periode schlecht fühlt, aber gleich ein Zelt bauen?
    Und ja wir haben unsere Periode und damit sollten wir wirklich normal umgehen, wie auch mit anderen Körperausscheidungen.
    Ich will die „Menstruationszelt-Insassen“ mal in einem brauen „Kackzelt“ erleben.

    und wenn die Ladys von der Veranstaltung wirklich cool drauf wären, dann würde es statt einem Korb voll Granatäpfel und Kerzen, Tampons und Binden für jeden bereitlegen… oder einen „Tampon-Wechsel- Schnelligkeits-Wettkampf“.

  11. 11 gtz 11. Dezember 2008 um 18:28 Uhr

    und vielleicht mehr darüber zu erfahren, wie Frauen vor hunderten von Jahren ihre Periode erlebt haben.

    wozu soll das gut sein?

  12. 12 Julinoir 11. Dezember 2008 um 19:29 Uhr

    @ Miri:
    Eines der Probleme mit diesem Weiblichkeits-Eso-Quatsch ist, dass eine festgelegte, an den biologischen Körper gebundene Weiblichkeit herbeihalluziniert wird:

    Diese ist bei den Eso-Frauen dann zwar positiv besetzt, aber nicht weniger festschreibend und Ausschlüsse produzierend.

  13. 13 chica 11. Dezember 2008 um 19:30 Uhr

    Die Möglichkeit einer Auszeit in einer Wellness-Oase ist prinzipiell super, nur sollte die es immer und für jedeN geben, dass geht doch voll an einer Gesellschaftskritik vorbei, die Menstruation als DAS Ereignis, für das man eines Auszeit bräuchte, darzustellen.
    (Einschränkung: den Gelben Zettel „Meine Tochter kann wegen Unpässlichkeit (sic!) nicht am Sportunterricht teilnehmen“ sollte man aus Solidarität mit allen anti-SPortlerinnern beibehalten)

    Und dann bleiben ja auch die Frauen mit diesem Frauenthema unter sich, d.h. eine Ent-Tabuisierung des Alltags, wie bspw. die „Peinlichkeit“ auf dem Schulhof in Anwesenheit von Jungs nach einem Tampon zu fragen, findet mE nicht statt.

  14. 14 Julinoir 11. Dezember 2008 um 19:30 Uhr

    Oh, zitat verloren gegangen:
    „Denn die monatliche Blutung diene dem Loslassen, der Vertiefung und Rückbindung an die weiblichen Wurzeln.“

  15. 15 isabelle 11. Dezember 2008 um 21:09 Uhr

    „und vielleicht mehr darüber zu erfahren, wie Frauen vor hunderten von Jahren ihre Periode erlebt haben.

    wozu soll das gut sein?“

    würde ich auch gerne wissen.
    und was an hormonpräperaten, die einen völlig von der menstruation befreien, so unglaublich schlimm sein soll weiß ich auch nicht.

  16. 16 isabelle 11. Dezember 2008 um 21:13 Uhr

    hä? irgendwie ist mein kommentar komisch und lässt sich nicht verädern. ich wollte sagen:

    „‚und vielleicht mehr darüber zu erfahren, wie Frauen vor hunderten von Jahren ihre Periode erlebt haben.

    wozu soll das gut sein?‘

    würde ich auch gerne wissen.
    und was an hormonpräperaten, die einen völlig von der menstruation befreien, so unglaublich schlimm sein soll weiß ich auch nicht.“

  17. 17 miri 11. Dezember 2008 um 22:06 Uhr

    @Isabelle und gtz
    - ein Interesse an historischen Fragestellungen vorausgesetzt, natürlich. Soll aber Leute geben, die das haben, und gerade in den letzten Jahren hat sich zum Thema „Körpertheorie, Körperkonzepte, Körperkultur…etc.“ in der Wissenschaft viel getan. Ich finde es hoch spannend und erfahre immer gerne mehr darüber wie Menschen in anderen Zeiten und anderen Kulturen gelebt haben bzw. leben, gerade das was eben nicht in jedem Geschichtsbuch steht.
    Wozu es gut sein soll…. ja, hm, wozu es gut ist, etwas über die Vergangenheit zu wissen, also ich finde das selbsterklärend.
    Und gerade das Verhältnis zum Körper ist etwas das historisch sehr grossen Veränderungen unterliegt und was viel mit dem Welt und Selbstverständnis einer bestimmten Epoche zu tun hat. Wenn es einem denn interessiert.

    @Isabelle und Leonie: Hormone…ok, obwohl ich überhaupt NICHT geschrieben habe dass ich es irgendwie SCHLIMM finde, und keinesfalls „so unglaublich schlimm“ oder gar FÜRCHTERLICH (tu ich nämlich nicht, lest mal nach, ich hab sogar „ohne Bewertung“ drangeschrieben…), kann ich doch eine gewisse Skepsis meinerseits was das „Abschaffen der Menstruation“ angeht, wohl nicht ganz verbergen… ;-) Aber auch hier finde ich grundsätzlich: Jede Frau soll selbst entscheiden! Ich möchte mich vor allem dafür aussprechen nicht so reflexhaft etwas abzuwerten nur weil es der eigenen Denkweise nicht entspricht!
    Wenn eine Frau ihre Tage nicht mehr haben möchte, bitte, dann ist es
    natürlich sogar eine sehr gute Sache, wenn sie die Möglichkeit dazu hat, klar.
    Ich persönlich wittere da allerdings massive Interessen der Pharmaindustrie und habe die Befürchtung dass das irgendwann so aggressiv vermarktet wird, dass es normative Wirkung entfaltet und mann sich plötzlich rechtfertigen muss warum man seine Tage vielleicht gerne behalten würde…
    Es gibt aber Frauen, zu denen zähle ich mich auch, die ein ziemlich entspanntes Verhältnis zu ihrer Periode haben, für die diese Tage vielleicht sogar positiv besetzt sind! Dagegen ist doch nichts zu sagen!

    @Leonie
    Hm, das mit der Reduzierung kann ich so nicht nachvollziehen. Kann frau sich nicht einfach mal darüber freuen, fruchtbar zu sein?
    Umgekehrt und polemisch gefragt: Muss ich meine Fruchtbarkeit negieren, um eine emanzipierte Frau zu sein?
    „Wie mit anderen Körperausscheidungen auch“ – hm, irgendwie finde ich dass es da doch einen Unterschied gibt zwischen dem was von der Verdauung übrig bleibt, und dem was im Fall einer Schwangerschaft für den Embryo gedacht ist….
    In allem anderen stimme ich Dir voll zu – es gibt viele Anlässe zu feiern, und der Wettkampf wäre konsequent, ja!

    @Julinoir
    Frauen haben unterschiedliche Einstellungen, und Ausschlüsse und Festschreibungen werden immer irgendwie praktiziert, aber in diesem Fall würde ich sagen: wenn die Frauen, die diese Form von Fruchtbarkeitskult praktizieren sich damit gut fühlen….wo ist denn das Problem? Sie wollen ihre Ansicht, anders als Pharmaindustrie und Werbung, niemanden aufdrängen! Ich sehe die ganze Sache als sehr lustigen, interessanten Denkanstoss, that’s it!

    @chica
    gebe Dir voll und ganz recht! Wellness für alle! Wobei ich mir manchmal einfach mehr Sensibilität wünschen würde für das Thema Menstruation. Ich möchte sagen können: Chef, ich hab meine Tage, ich bin mies drauf, und Verständnis dafür bekommen OHNE dass es gleich mit Abwertung (ja, die hysterischen, emotionalen Frauen etc…) einhergeht.
    Zum Glück hab ich eine Chefin und uns hilft es im Umgang miteinander zu sagen, „Du, heute bin ich komisch, weil….“
    Das Schulhofproblem kenn ich so nicht, weil ich auf einer Mädchenschule war….
    Vielleicht ist die zusammenrottung von Frauen, die über ein Frauenthema sprechen ja der erste Schritt zur Enttabuisierung in der Öffentlichkeit? Mich würde interessieren wie Männer auf die Answesenheit des Zeltes reagieren….

  18. 18 gtz 12. Dezember 2008 um 6:46 Uhr

    dieses zelt und seine inszenierung schein mir doch wirklich eher dazu angetan, irgeneinen regressiven weiblichkeitsblödsinn zu transportiren, als irgendwem während de menstruation einen rückzugsraum zu bieten.

  19. 19 dodo 12. Dezember 2008 um 10:05 Uhr

    also ich verstehe das problem nicht.
    wenn es irgendeiner hilft, ihre tage etwas entspannter zu sehen statt dem üblich assoziierten „ist schmutzig/muß versteckt werden/nur keine schwäche zeigen/…“-blahblah, dann ist das doch prima. vielleicht gibts leut, die dieses zeltdrumherum irgendwie brauchen, um gelöst zu sein.
    persönlich würd ich mir ja dämlich vorkommen in dem dingens – aber warum nicht?
    ich kapier die aufregung nicht. wems gefällt, gefällt, wers nicht mag, der mag es halt nicht.

  20. 20 crashintoahouse 12. Dezember 2008 um 10:28 Uhr

    vor allem sind erwiesenermaßen ein gutteil der beschwerden nicht nur organisch, sondern auch psychisch bedingt. das heißt nicht, dass betroffene frauen sich die leiden einbilden. die sind ja durchaus real, aber eben auch konsequenz der extremen spannungen der gegensätzlichen erwartungen, die sie selbst und die gesellschaft in sie setzen.
    sicher ist: frauen die im berufsleben stehen und sich selbst verwirklichen, leiden weit seltener unter den psychisch bedingten beschwerden. eine frau, die als arbeitendes individuum ihren platz in der gesellschaft einnimmt, hat gar keine zeit, sich ständig damit zu beschäftigen.
    allgemein sollten regelbeschwerden meiner meinung nach behandelt werden wie jede andere unpässlichkeit, der menschen nunmal unterworfen sind. vor allem muss die last eben solidarisch aufgeteilt sein. wenn jemand kurzsichtig ist, bekommt derjenige eine brille bezahlt (so sollte es jedenfalls sein), bei nem gebrochenen knochen gibts ne reha und wenn eine frau menstruationbeschwerden hat, sollen ihr bitteschön zeit und möglichkeiten gegeben werden, damit fertig zu werden. ohne, dass darum viel aufhebens gemacht wird.

  21. 21 dodo 12. Dezember 2008 um 10:44 Uhr

    soweit sind wir aber noch lange nicht. und momentan WOLLEN manche vielleicht viel aufhebens drum machen, gerade weil es sonst als ein unschickliches tabuthema gilt.

  22. 22 Julinoir 12. Dezember 2008 um 10:58 Uhr

    @miri:

    wenn die Frauen, die diese Form von Fruchtbarkeitskult praktizieren sich damit gut fühlen….wo ist denn das Problem?

    Das ist eine ziemlich apolitische Haltung. Wie irgendwelche Frauen in wien ihre menstruation handhaben, in Zelten, Hütten, Palästen, mit Räucherstäbchen oder ohne, ist mir als individuelles Verhalten ziemlich wurscht. Wäre das alles, worum es geht, stünde es aber nicht auf diestandard.at oder auf diesem Blog.
    Da geht es auch um eine ganz bestimmte Inszenierung von Weiblichkeit, und zwar eine, die auf den biologischen Körper als Träger festgeschriebener angeblich weiblicher Eigenschaften zurückgreift. Mit Vorstellungen über „den Stamm“ in ahistorischer Zeit, der das „Wissen“ über Geschlecht noch in unverfälschter Form gehabt ahebn soll, wird es dann wirklich – wie gtz schrieb – regressiv und auch exotistisch.
    Eine solche essentialistische, also Geschlecht als festgeschrieben vor-gesellschaftlich begreifende Sichtweise kritisiere ich, weil ich denke, dass Geschlecht etwas durch die Gesellschaft hergestelltes ist. Wenn Feminismus das Anliegen hat, für Gleichheit und Befreiung aller Menschen zu sorgen, muss diese Erkenntnis berücksichtigt werden. Ich will keine Gesellschaft, in der Menschen auf Grund körperlicher Merkmale auf mystische Mütterlichkeit/Weiblichkeit/Naturhaftigkeit usw. festegelegt werden, egal ob mir das dann als ganz toll oder ganz unrein verkauft wird.

  23. 23 crashintoahouse 12. Dezember 2008 um 11:10 Uhr

    statt dem üblich assoziierten “ist schmutzig/muß versteckt werden/nur keine schwäche zeigen/…”-blahblah, dann ist das doch prima. vielleicht gibts leut, die dieses zeltdrumherum irgendwie brauchen, um gelöst zu sein.

    dagegen ist auch nichts zu sagen, im gegenteil muss für die auflösung dieser widersprüche gekämpft werden. frauen müssen ihre tage so erleben dürfen, wie sie sie eben erleben, ohne den anspruch, jetzt auf hart machen zu müssen, aber auch ohne die erwartung, jetzt für X tage ein pflegefall zu sein.

    aber nicht mit soner blöden hütte. die form, wie hier n raum für die menstruationszeit gegeben werden soll, stört mich total, weil sie n zitat ist aus einer zeit, in der frauen als andersartig gesehen wurden und durch diese diese andersartigkeit isoliert, mystifiziert und ihnen ihr sein diktiert wurde.

    ich würde den frauen, die ihre menstruation und ihre weiblichkeit als göttlich oder mystisch verklären, lieber sagen: meine güte, ja, da gehen dinge in deinem körper vor, auf die du wenig einfluss hast. aber: das sind nicht gott oder gaia, die das machen und dass du nicht direkt nachvollziehbaren vorgängen unterworfen bist, macht dich nicht zum orakel von delphi. diese selbstaufwertung als reaktion auf die fremdabwertung aufgrund körperlicher vorgänge kann ich einfach nicht nachvollziehen.

  24. 24 crashintoahouse 12. Dezember 2008 um 11:39 Uhr

    ps: was julinoir sagt.

  25. 25 leonie 12. Dezember 2008 um 13:32 Uhr

    ICh finde auch nicht, dss man diesen ganzen „Menstruationkult“ einfach mit einem „lasst die doch mal alle machen, was geht uns das an, wenn sie halt unbedingt wollen“ abtun kann.

    siehe Julinoir

  26. 26 benny 13. Dezember 2008 um 2:39 Uhr

    sicher ist: frauen die im berufsleben stehen und sich selbst verwirklichen, leiden weit seltener unter den psychisch bedingten beschwerden. eine frau, die als arbeitendes individuum ihren platz in der gesellschaft einnimmt, hat gar keine zeit, sich ständig damit zu beschäftigen.

    Aber natürlich. Sobald mensch sich nur lange genug hinter der Supermarktkasse von Aldi oder im Rütlischulenklassenzimmer stressen lässt, gehören alle psychischen Probleme der Vergangenheit an…

    selbstaufwertung als reaktion auf die fremdabwertung aufgrund körperlicher vorgänge kann ich einfach nicht nachvollziehen.

    Wo ist das Geheimnis? miri schreibt doch sehr ausführlich über ihre Beweggründe:

    gebe Dir voll und ganz recht! Wellness für alle! Wobei ich mir manchmal einfach mehr Sensibilität wünschen würde für das Thema Menstruation. Ich möchte sagen können: Chef, ich hab meine Tage, ich bin mies drauf, und Verständnis dafür bekommen OHNE dass es gleich mit Abwertung (ja, die hysterischen, emotionalen Frauen etc…) einhergeht.
    Zum Glück hab ich eine Chefin und uns hilft es im Umgang miteinander zu sagen, “Du, heute bin ich komisch, weil….”
    Das Schulhofproblem kenn ich so nicht, weil ich auf einer Mädchenschule war….
    Vielleicht ist die zusammenrottung von Frauen, die über ein Frauenthema sprechen ja der erste Schritt zur Enttabuisierung in der Öffentlichkeit? Mich würde interessieren wie Männer auf die Answesenheit des Zeltes reagieren….

    Noch Fragen?

  27. 27 gtz 13. Dezember 2008 um 14:20 Uhr

    Ich möchte sagen können: Chef, ich hab meine Tage, ich bin mies drauf, und Verständnis dafür bekommen OHNE dass es gleich mit Abwertung

    innerhalb der verwertungslogik, is diese unpässlichkeit aber eine entwertung der entsprechenden frau als arbeitskraft. darum bringt das auch alles nix, innerhalb der verhältnisse irgendwie eine „gerechtere“ ausprägung derselben zu fordern.

  28. 28 benny 13. Dezember 2008 um 19:24 Uhr

    Das ist immer das Problem mit dem Mädchenblog: Das es hauptsächlich von Anarchafeministinnen gefüttert wird, es sich aber auf garkeinen Fall ein anarchafeministisches Blog nennen will (Es soll ja alles „offen“ sein und ihr wollt keine anderen Strömungen ausschliessen). Aber ich finde das einfach unfair gegenüber Aussenstehenden, wenn ihr sie in dem Glauben lasst, das sich die Queer Theory problemlos in jedes beliebigen bürgerlichen oder separatistischen Feminismusverständnis einfügen lässt.

  29. 29 gtz 13. Dezember 2008 um 19:42 Uhr

    heul doch, spiesser.

  30. 30 chica 13. Dezember 2008 um 20:42 Uhr

    wenn ich mir die beiträge hier so ankucke, dann trifft der begriff anarchafeminismus überhaupt nicht zu, weniger, weil sich hier manchmal affirmativ auf den Staat bezogen wird, sondern vor allem weil der A-fem. nicht dekonstruktivistisch orientiert ist. abgesehen davon, empfind ich dieses label als beleidigung. das mädchenblog ist in der tat offen für innerfeministische diskussionen, und diese wird hier am beispiel der mens-hütte geführt. m.E. wäre es falsch, bürgerlichen oder eso-feminismus oder ökofeminismus oder was auch immer von kritik zu verschonen.

  31. 31 benny 13. Dezember 2008 um 21:53 Uhr

    Okay, das stimmt, Anarchas sind tatsächlich eine Sorte Radikalfeministinnen; mein Fehler. Ich kenne persöhnlich nur Anarchas mit erklärtem dekonstruktivistischem Anspruch, deswegen.
    Ist aber auch völlig egal, nicht alle Esos, die mädchenblog lesen, sind fit in sozialistischer Theorie und in Dekonstruktivismus schon gar nicht, das war mein Punkt, fertig.

  32. 32 Nichtidentisches 02. Januar 2009 um 13:51 Uhr

    Die Verherrlichung der Menstruation weist nur um so deutlicher auf die narzisstische Wunde hin, die diese für ihre VerherrlicherInnen darstellt. Weil Menstruation eben nicht etwas normales ist, wird sie überhöht, um die mir ihr konnotierten Pejorative zu verdrängen.
    Weil die Empfindung der Menstruation als Wunde dann nicht dem Selbst angelastet werden darf, wird der Vorwurf externalisiert: Gesellschaftliche Diskriminierung ist es dann, wenn ich mich nicht wohl fühle, Schmerzen habe, mein Freund/Freundin keinen Oralverkehr während der Menstruation mit mir haben will.

    Der Ökofeministische Hype um die Menstruation will aus einem biologischen Vorgang mystische Weihen und Potenz schöpfen, um so einem Konflikt um wirklich feministische Belange aus dem Weg gehen zu können – ist ja auch einfacher, im Menstruationszelt vor sich hin zu schwitzen und zu kuscheln, als auf die Straße zu gehen und mal wieder gleichen Lohn für gleiche Arbeit einzufordern.

    Im Frankfurter Museum der Weltkulturen gab es 2001 oder 2002 eine Ausstellung, bei der die Türen mit roten Polstern verengt wurden, durch die man sich in Nachempfindung eines Geburtskanals zwängen sollte. Schnell beendet wurde anscheinend auch der Super-Öko-Hype, auswaschbare Naturschwämme als Tamponersatz zu verwenden und demonstrativ neben der Zahnbürste liegen zu lassen. Ich meine, Verhütung ist auch ok und natürlich und so, trotzdem lege ich benutzte Kondome nicht neben den Toaster oder lasse zum Onanieren benutztes Klopapier nicht herumliegen – es gibt einfach so etwas wie Geschlechtskrankheiten und Hygienegrundregeln. Wer sein Glücksversprechen allerdings im Privaten daraus schöpft, mit Menstruationsblut Spiralen an die Wand zu malen, dem sei das gegönnt. Bedenklich ist lediglich die aktivistische Seite daran, die versucht, solches als Norm in die Öffentlichkeit zu tragen.

    Sehr schön dazu die Simpsons-Folge, in der Springfields Grundschule in eine Jungen und eine Mädchensektion geteilt wird und in der Folge eine „fühlbare“ Mathematik praktiziert wird – vor der Lisa angewidert flieht und aus ethnologischem Interesse zum Transgender wird.

  33. 33 lesli 17. Februar 2009 um 18:12 Uhr

    Ist es nicht purer Narzissmus sich während seiner Tage in ein rot ausgelegtes Zelt zu setzen? Schau mich an, ich blute, ich bin ja so natürlich und mit meinem Körper im Reinen! Zufriedenheit mit sich selbst und blah sind ja toll & so, aber muss man das allen anderen aufzwängen?
    Als nächstes gibt es Iglus für schwangere Frauen, Menschen denen hormonbedingt Haare ausfallen werden Hängematten aufgebaut, für impotente Männer gibt es Baumhäuser? Dann wird die Wiener Innenstadt im Lauufe der Zeit zu einem kunterbunten Campingplatz mutieren. Und das Ganze erinnert wirklich an althergebrachte my[s]thische Rituale.
    Warum ist das Ding eigentlich rot? Sieht man die Farbe während seiner Periode nicht oft genug? Oder soll man dadurch keine Blutflecken auf dem Boden sehen?
    Ziemlich übertrieben.

  1. 1 Die Szene und ich Trackback am 18. Dezember 2008 um 19:16 Uhr
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  3. 3 Es ist wieder so weit… « mädchenblog Pingback am 06. November 2009 um 13:06 Uhr

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