(K)eine Frau in Sicht

Die erwartete Antwort war natürlich leicht herauszufinden – anhand von Haltung, Fußstellung, Körperbau, Frisur. Doch bin mit dem Captcha ziemlich unglücklich. Denn selbst in einer Logik, in welcher die Menschheit nur zwei offensichtliche Geschlechter kennt, würden vermutlich auch die Captcha-Macher_innen nicht leugnen, dass es zarte „Männer“ mit langen Haaren ebenso wie kurzhaarige „Frauen“ gibt. Dass die Antwort auf die gestellte Frage also genausogut „Linus“ oder „Kimi“ sein könnte.

Und selbst dann weiß ich immer noch nicht, ob Fenja, Linus und Kimi sich selbst auch als das „Geschlecht“ verstehen, als welches ich sie identizifiere. Vielleicht mag Fenja gar nicht eine „Frau“ genannt werden, sondern hatten ihren eigenen Begriff von sich selbst. Vielleicht mag „Fenja“ aber auch als Frau erkannt werden, wird aber amtlich nicht als eine solche anerkannt. Und so weiter.
Eigentlich will ich nicht groß ausholen, sondern nur mal wieder für mehr und mehrdeutige Geschlechter und Geschlechtlichkeiten plädieren. Und dafür, Menschen zu fragen, mit welchen Worten sie beschrieben werden wollen, statt ihnen eine Identitäten und Körperlichkeiten zuzuschreiben, die sie weder haben noch wollen noch kennen. Klar schafft das patriarchale heteronormative Strukturen nicht einfach mirnichtsdirnichts ab – es schafft aber Raum einer gewissen Erleichterung verquerer Lebens- und Sichtweisen unter dem Druck gegenwärtiger Gesellschaftsverhältnisse.


7 Antworten auf “(K)eine Frau in Sicht”


  1. 1 hn 19. Dezember 2008 um 1:50 Uhr

    naja, da ist das „hot or not“-CAPTCHA schon kritikwürdiger…
    um festzustellen, ob es sich bei den besuchern der site um menschen handelt ist *dieses* teil doch sowieso unnütz, wahrscheinlich reicht es aus, danach zu schauen ob eine silouette keine ohren hat…

    aber angestaubte ansichten sind bei programmierern ziemlich an der tagesordnung (erschreckt mich ständig, dachte leute die immer von modernster technologie umgeben sind hätten auch ne moderne weltsicht), hab gerade z.b. ein dokument zum „semantic web“ (computer sollen die welt verstehen, indem man diese komplett in computersprache erklärt) gelesen, indem Ehe als bund fürs leben zwischen 1 mann & 1 frau definiert wurde („gender“ sei exklusiv eines von beiden), außerdem sei es verheirateten unmöglich ihre partner zu hassen, (liebe war aber optional, kinder auch).

    dabei wäre doch gerade sowas eine tolle möglichkeit, festgefahrene denkweisen abzulegen — und computer wehren sich nicht oder zitieren die bibel wenn man „gender“ flexibel definiert und ehen zwischen allen personen ermöglicht…

    dazu passt auch, dass immer mehr Social Networks entweder keine Geschlechtsauswahl bieten, oder statt m/w/? auch „other“ oder (hab ich schon gesehen) freie beschreibungen ermöglichen…

  2. 2 okrinom 19. Dezember 2008 um 17:16 Uhr

    @hn:
    Du plädierst für freie Geschlechterrollen und scherst dafür Softwareentwickler und Programmierer über einen Kamm. Mal ehrlich, dein Vorwurf ist durch absolut nichts zu untermauern.
    Da du die Quelle des Dokuments zum Semantic Web nicht genannt hast, kann ich das nicht verifizieren, aber ich gehe stark davon aus, dass Du das Dokument bzw. die dort beschriebenen Bemühungen in iherem Ziel und Anspruch gründlich missverstanden und überinterpretiert hast.

  3. 3 xxy 19. Dezember 2008 um 20:52 Uhr

    ich finde es schon etwas komisch, dass du nicht mal in nem nebensatz den kontext erklärst (z.b. was denn so ein captcha ist). und der titel erschließt sich mir auch nicht so ganz.

  4. 4 st_eve 19. Dezember 2008 um 22:53 Uhr

    ich finde es schon etwas komisch, dass du nicht mal in nem nebensatz den kontext erklärst (z.b. was denn so ein captcha ist).

    ja sorry, hab ich vorausgesetzt, dass web 2.0 user_innen das kennen, aber stimmt natürlich. ich empfehle die lektüre von wikipedia. quelle des obigen bildes ist eine website, die dateien zum download anbietet…

    und der titel erschließt sich mir auch nicht so ganz.

    dafür kann ich nun wirklich nichts /:)

  5. 5 xxy 19. Dezember 2008 um 23:27 Uhr

    dir gehts doch nicht drum, dass eben nur eine bzw. keine frau in sicht ist, sondern mehrere [unterstrich] keine oder? zusammen mit der kontextlosigkeit fand ich das nur bisschen irreführend. anyway ;)

  6. 6 hn 20. Dezember 2008 um 15:56 Uhr

    @okrinom ja kann sein, ich generalisiere gerne und viel. da aber sowieso niemand absolute aussagen treffen kann, sollte man sich immer ein implizites „nach meiner erfahrung hat sich gezeigt dass in der mehrzahl der fälle folgendes zutrifft“. und das tut es auch hier.
    das Dokument finde ich nicht mehr, aber um meine These gleich mal wieder zu entkräften, ein schönes Gegenbeispiel: FOAF#Gender

    The gender of this Agent (typically but not necessarily ‚male‘ or ‚female‘). […] the same individual may have different values for this property at different times.

  7. 7 Got Ya 27. Dezember 2008 um 1:54 Uhr

    Es gibt in der aktuellen PHASE ZWEI einen Artikel zu CAptcha.

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