Ja, da haben wir es wieder, Deutschlands liebstes „Nachrichtenmagazin“ der Spiegel, zeigt vorbildlich wie man mit sexistischen Floskeln nach Aufmerksamkeit haschen kann.

Ein Cover der Zeitschrift zeigt Michelle und Barack Obama in enger Umschlingung, darüber steht in großen gelben Lettern: „Obamas bester Mann“.
Ist Michelle Obama jetzt ein Mann?, dies fragt sich auch Luise F. Pusch auf ihrem Blog.
Treffend formuliert sie
Uns Frauen wird “männliche Qualität” bescheinigt, wenn wir etwas besonders gut machen – paradoxerweise besonders gern dann, wenn wir etwas besser als die zuständigen Männer machen. Beliebt ist die Floskel vom “einzigen Mann im Kabinett” – dieses fragwürdige Kompliment mußte sich zuletzt Condoleezza Rice gefallen lassen, vor ihr schon Thatcher, Indira Gandhi, Golda Meir und viele andere.[…]
Stellen Sie sich einmal vor, Hillary hätte den Wahlkampf gewonnen und würde US-Präsidentin. Wäre ein Spiegeltitel mit dem Paar Hillary und Bill Clinton denkbar, betitelt ”Hillarys beste Frau”? Niemals.
Ich schließe mich Frau Pusch jedenfalls an und lese den Spiegel „nur noch im Wartezimmer“, wenn überhaupt!
Ich schließe mich Frau Pusch jedenfalls an und lese den Spiegel “nur noch im Wartezimmer”, wenn überhaupt!
denen hast du’s aber gegeben.
Erinnert mich an Marcel Reich Ranicki, der sich 1980 über viele seiner Kollegen lautstark ärgerte, die das Fehlfarben Album „Monarchie und Alltag“ als „Buch des Jahres“ vorschlugen, weil die Buchneuerscheinungen des Jahres so bescheiden waren.
Hab seinen polternden Auftritt auf einer alten VCR Videocassette.
“ So ein Schwachsinn, Blödsinn, Unsinn ! Da könnte ich auch sagen, der Mann des Jahres ist eine Frau, das Auto des Jahres ein Fahrrad, die Schallplatte des Jahres eine Zeitung. “
Dem ist nichts hinzuzufügen. Blödsinniger SPIEGEL Titel….
war auch nicht meine primäre Intention. Aber hey…
Was ist eigentlich so schlimm daran?
Sind wir nicht alle Menschen, egal ob Mann oder Frau? Da kann es doch eigentlich egal sein, wie man einen Menschen bezeichnet, vor allem in der heutigen Zeit des Dekonstruktivismus. Schließlich wurde uns die Wahrnehmung über unser Geschlecht doch nur anerzogen. Wieso also Sexismus? Den Begriff dürfte es eigentlich schon gar nicht mehr geben.
Hui, schöne heile geschlechtsfreie Welt. Träumen ist erlaubt, klar, und über diesen Spiegeltitel kann ich mich auch nicht richtig aufregen. Aber auch in Zeiten des Deskonstruktivismus gibt es nach wie vor Sexismus. Mit der Erkenntnis, dass es völliger Unsinn ist von menschlichen „Rassen“ zu sprechen, ist der Rassismus schließlich und leider auch nicht ausgestorben.
So wichtig der Dekonstruktivismus ist, Herrschaftsverhältnisse kann er nicht völlig dekonstruieren.
Wir sind alle Menschen? Ja schon, solange wir intelligibel sind, oder? Und was sich letztlich als intelligibel durchsetzt entsteht nun mal auch nicht im herrschaftsfreien Raum.