Archiv für Februar 2009

Frauen schlimmer als Hitler

Wenn es um unpassende Vergleiche, frauenfeindliche Aussagen und rechte Parolen geht, gibt es wohl kaum eine anerkannte Institution die der Kirche darin so schnell ernstahft Konkurrenz machen könnte.
War es in den letzten Wochen noch der Kirchenchef der uns an dem menschlichen Verstand zweifeln lies, ist es diese Woche, sein nicht weniger unsympathischer Mitstreiter Walter Mixa.
Im Gegensatz zu anderen Kollegen räumte dieser zwar ein dass es einen Holocaust mit sechs Millionen getöten Menschen tatsächlich gab, beklagte aber im selben Atemzug, dass die Zahl der Abtreibungen die Opferzahlen des Naziregimes schon weit überschreiten haben.
Die Plattform für diese „These“ bekam er anlässlich des politischen Aschermittwochs der CSU, welche ihn zum Thema „Werte und Ethik in der Politik“ zu Wort kommen lies.
Das Augsburger Bistum lässt derweil verlauten, dass es „absurd und bösartig“ sei aus der Aussage des Bischofs eine Relativierung des Holocaust zu konstruieren.
Es ging einzig darum zu zeigen „dass auch in der Gegenwart Verbrechen gegen das Leben begangen würden, die höchste Wachsamkeit erforderten.“
Genau die gibt es, nur passieren diese Verbrechen meist fernab von unseren Bäuchen.
Also Augen auf, Herr Mixa und wachsam bleiben!

Sportlich

Endlich wurde die erste Frauenweltmeisterschaft im Skispringen ausgetragen! Lange hat`s gedauert.
Und 2014 dürfen die Damen dann hoffentlich auch bei Olympia mitfliegen!

Doll Domination

flickrMit ist schon klar, dass es verschiedene Ansichten gibt wie mensch in Utopie und Alltag das politische Begehren „Feminismus“ füllen kann. Eher überrascht bin ich aber über den vermeintlich „modernen“ Feminismus der Band „Pussycat Dolls“, dem es „allein um Demonstration von Selbstbewusstsein durch offensive Zurschaustellung der Weiblichkeit“ gehe. Abgelehnt hingegen würden „Frauenrechte, Gleichstellung oder politische Korrektheit“, denn „das empfinden sie als Anachronismus.“ Heißt also: Wenn die Erkenntnis, dass patriarchale, heteronormative Strukturen Grundlage für die Rolle von Frauen in der Gesellschaft sind, in der diese strukturell und direkt benachteiligt werden und genau dies der Ausgangspunkt jeden Feminismus‘ ist – dann feiere ich diese Position einfach mal ab.
Mir drängt sich eher der Verdacht auf, dass ein ganz besonders witziger Macho (Michael Hufnagel) der Anachronist ist, welcher sich an „Doll Domination“ – „was man am besten mit Herrschaft der Püppchen [sic!] übersetzt“ – erfreut und sich von „diese[n] Miezen“ angetörnt sieht, die „den Eindruck [erwecken], als gehöre die Gymnastikstunde zum natürlichen Lebensrhythmus. Geschmeidig und graziös gleiten sie über die Bühne, oft unterstützt von männlichen Animateuren.“ Mensch, vielleicht sind auch die männlichen Animateure der Feminismus? Gewieft! (mehr…)

Frauenrechte in Gefahr

Emma über die aktuellen Versuche den §218 auszuhöhlen.

Definitiv Indefinitiv

Wenn din Feindnin uns bekämpft, ist das gut und nicht schlecht.

Nein, ich bin nicht betrunken, sondern hochkonzentriert. Was auf den ersten Blick ein wenig an kindliche Geheimsprachen erinnert (z.B. die „Hühnersprache“: „Wennhenlefen, diehilefie Feinheinlefein dinhinlefin…“), ist ein sprachwissenschaftlich gut durchdachter Versuch, transinterqueere Geschlechtlichkeiten zu einer grammatischen Kategorie, einem eigenen Genus, zu erheben. Während die Schreibweise des Unterstrichs geschlechtlich undefinierten Menschen lediglich einen Raum „zwischen“ den grammatischen und semantischen Kategorien „Mann“ und „Frau“ gibt, spreche ich davon, eine eigene Kategorie der Ungewissheit zu etablieren. Kein Neutrum (das), sondern ein Indifinitivum (din).

Aus feministischen und dekonstruktivistischen Versuchen, kreativ mit Grammatik umzugehen, sind verschiedene Konzepte hervor gegangen1. Die „Sylvain-Konventionen“ sind eines darunter. Ich habe in der Liminalis 02/2008 davon gelesen und möchte versuchen, sie hier kurz darzustellen, da der Artikel lang und z.T. trocken-sprachwissenschaftlich ist.2 (mehr…)

Anleitung zum Geschlechterkampf

Wie das Stillen den Körper auslaugt, alles ist wund! Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft für ein Kind. Das war natürlich egoistisch.“ – „Genau“, sagt er. „An erster Stelle hast du nur an dich gedacht. Du hast das Kind einen Zellklumpen genannt.“ – „Aber das war es doch auch.“ – „Jetzt redest du wieder so abfällig.“ – „Ich hätte mein Leben nicht anders in den Griff bekommen.“ Thomas’ Lächeln ist starr geworden. Schon ist er wieder in der Defensive, wie damals im Mai. Er wirkt immer noch verletzt.

Puhhhh, schnauf, stöhn, „Die Zeit“ ruft zum Geschlechterkampf auf. (mehr…)

Never ending story

Nichts ist weltweit umstrittener als das Recht der Frau auf einen Schwangerschaftsabbruch.
Ein Abbruch gilt als unmoralisch, Frauen die ihn durchführen lassen als herzlose Unmenschen.

Es ist aber nicht nur tarurig zu sehen, dass es einige Menschen gibt die es Frauen nicht zugestehen können über ihren eigenen Körper zu entscheiden, sondern es ist besonders erschreckend mit welchen Methoden einige Menschen versuchen Frauen von ihrem Recht fernzuhalten.
In Deutschland geschieht dies durch die staatlich verordnete Zwangsberatung. Makaberer ist aber das hier :

In den USA überlegen 12 Bundesstaaten, eine Zwangsultraschalluntersuchung einzuführen. Bei der die „unverschämt gebärunfreudigen Frauen“ regelrecht dazu gezwungen werden, sich das unerwünschte Innenleben ihres Bauches anzusehen.
Texas hat sich etwas besonders widerwärtiges ausgedacht:

At least two hours before performing an abortion, a doctor would be required to perform an ultrasound and display the images „in a manner that the pregnant woman may view them,“ as well as describing the images and letting her hear the heartbeat

Den Frauen wird mit diesen Untersuchungen nicht nur das Recht auf eine selbstbestimmte Reproduktivität genommen, sondern alle Rechte auf einen selbständigen Umgang mit ihren Körpern.
Durch diese Gesetze würden schwangere Frauen endgültig zu Brutkästen ohne Würde und Menschenrechte degradiert werden.

(Hinweis für alle Kommentator_Innen: Das hier ist ein bekennendes feministisches Blog, wer also denkt er müsse das Recht des Abbruchs an Sich anzweifeln oder irgendwelche moralischen Bedenken äußern ist hier falsch! Es wird euch zwar vielleicht nicht abhalten, ist aber vorweg schon mal eine Erklärung warum ich nicht weiter darauf eingehen werde. Meine Meinung dazu hier und hier ich wette all eure „Argumente“ wurden dabei schon diskutiert!
Alle anderen sind natürlich herzlich willkommen!)

Armes Italien oder arme Italienerinnen!

Italien, nicht nur Land der Spagetti, sondern scheinbar auch Land der Sexisten und Chauvinisten. Diesen Ruf hat sich Italien, nicht zuletzt durch seinen unsympathischen Regierungschef Berlusconi eingefangen. Die Liste der frauenfeindlichen Taten ist auch ohne ihn, erschreckend lang.
(mehr…)

Frau gegen Frau

Kaum ein Thema zeigt das verheerende Ausmaß von Gewalt gegen Frauen, von Frauen, deutlicher als die grausame Praxis der Genitalverstümmelung. In manche Regionen Afrikas sind über 90% der Frauen verstümmelt.
Der Eingriff wird meist von Frauen, mit voller Unterstützung und Befürwortung der Mutter/Tanten/Großmütter durchgeführt.
Natürlich ist diese Praxis nicht „Schuld“ der Frauen, sondern beruht auf einer patriarchalischen Weltanschauung und zielt vor allem auf die sexuelle Kontrolle der Frauen, aber doch setzen Frauen diese Praxis gnadenlos durch, zeigen kein Mitleid und begegnen „unbeschnittenen“ Frauen mit totaler, sozialer Achtung.
Sehr deutlich wurde dieser Missstand nun wieder an der Entführung von vier Journalistinnen in Sierra Leone. Die vier Frauen traten öffentlich stark gegen die Verstümmelung auf und wurden darauf prompt von der Pro-Verstümmel-Organistation „Bondo“ verschleppt, ausgezogen und nackt durch ein Dorf gejagt.
Oberhaupt der Organisation eine Frau, namentlich Haja Massah Kaisamba.
Ihr Statement zu der von ihr durchgeführten Verschlppung:

Die Frauen seien „in unser Gewahrsam genommen worden, weil sie sich im Radio unvorteilhaft über die Genitalverstümmelung geäußert haben

Es ist also weit hergeholt mit der Solidariät unter Gleichen, vor allem unter Frauen.

(Eine andere Frage die mir dabei durch den Kopf geht ist ob für die „Bondos“, „Nacktsein“ in diesem Fall auch eine „angemessene“ Demütigung für Männer gewesen wäre ,oder ob sich diese nur auf das weibliche Geschlecht beschränkt.)

ghupft wie ghatscht oder ur leiwand?

Österreich? Eine Katastrophe, ich sag’s euch. Und warum es feministische Belange ausgerechnet hier erstaunlich gut in den Mainstream schaffen, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Sprachkritik zum Beispiel: Das Binnen-I ist deutlich üblicher als im bundesdeutschen Raum. Ein alltägliches Beispiel sind Überweisungsträger („Erlagscheine“):

Gleichzeitig zeigt sich natürlich: Die „Wirklichkeit“ – oder vielmehr die Bedeutungräume und -möglichkeiten –, die Sprache hier „schafft“, sind jene flexibler kapitalistischer Verhältnisse (und das hat nichts mit dem Beispiel aus der Bankenwelt zu tun, sondern betrifft genauso gut Werbeprospekte, Zeitungsannoncen und Hinweisschilder). Frauen werden mitgesprochen und explizit auch mit angesprochen und -gemeint – von einer geschlechtergerechten oder gar befreiten Gesellschaft ist man dennoch weit entfernt. Dazu braucht es dann doch wohl etwas mehr, als ein bisschen Sprache.
Ganz schön gut find ich’s trotzdem.

* zum Titel: „Gehüpft wie Gesprungen“ (also eh egal) „oder richtig toll?“

** Sorry für die schlechte Grafikqualität. Mit Rechtsklick >>> „Grafik anzeigen“ wirds etwas größer/besser.