Doll Domination

flickrMit ist schon klar, dass es verschiedene Ansichten gibt wie mensch in Utopie und Alltag das politische Begehren „Feminismus“ füllen kann. Eher überrascht bin ich aber über den vermeintlich „modernen“ Feminismus der Band „Pussycat Dolls“, dem es „allein um Demonstration von Selbstbewusstsein durch offensive Zurschaustellung der Weiblichkeit“ gehe. Abgelehnt hingegen würden „Frauenrechte, Gleichstellung oder politische Korrektheit“, denn „das empfinden sie als Anachronismus.“ Heißt also: Wenn die Erkenntnis, dass patriarchale, heteronormative Strukturen Grundlage für die Rolle von Frauen in der Gesellschaft sind, in der diese strukturell und direkt benachteiligt werden und genau dies der Ausgangspunkt jeden Feminismus‘ ist – dann feiere ich diese Position einfach mal ab.
Mir drängt sich eher der Verdacht auf, dass ein ganz besonders witziger Macho (Michael Hufnagel) der Anachronist ist, welcher sich an „Doll Domination“ – „was man am besten mit Herrschaft der Püppchen [sic!] übersetzt“ – erfreut und sich von „diese[n] Miezen“ angetörnt sieht, die „den Eindruck [erwecken], als gehöre die Gymnastikstunde zum natürlichen Lebensrhythmus. Geschmeidig und graziös gleiten sie über die Bühne, oft unterstützt von männlichen Animateuren.“ Mensch, vielleicht sind auch die männlichen Animateure der Feminismus? Gewieft!
Ich will dem jungen Mann seine erotischen Freuden nicht verbieten, das wäre ja Quatsch, theoretisch find ich’s ja nicht schlimm, wenn Frauen nackt auf der Bühne tanzen. Da wir aber nicht theoretisch leben, sondern „jetzt“, fehlt mir in solch plumpem Beifall doch das Bewusstsein darüber, dass es schwierig sein könnte, Feminismus frei von Inhalten als Performance von selbstbewussten Frauen darzustellen. Spätestens mit Hufnagels verniedlichenden und vertierlichenden Zuschreibungen sowie dem Wettern gegen „Political correctness“ entblößt er sich als wertkonservativer, einfältiger Schreiberling, dem Gleichstellung und Frauenrechte mal sowas von egal sind (ist ja auch gut so für die Absicherung seiner Position in der Welt) – die Überwindung der herrschenden Verhältnisse bringt er vermutlich nicht einmal mit Feminismus zusammen. Vielleicht hätten ja die Pussycat Dolls Bock drauf…? Deren Meinung zum Thema ist nämlich leider nicht Teil des Bandkonzepts.

Zur heimlichen Vermutung über die Performance der Pussycat Dolls als queere Burlesque (man kann ja alles immer positiv deuten, ne?) schreibt feministe:

But the creators of the Pussycat Dolls show aren’t about dress-up or gender-fucking or making a statement about how thoroughly false the entire thing is — and how that falsity can be turned into a pretty good time. They’re about making this an identity, about further equating female sexuality with pleasing men and being a toy (they are “dolls,” after all).

(Damit auch alles seine Ordnung hat: der Artikel ist aus der Morgenpost vom 19.02., das Bild vom flickr-User Leo Lavish.)

P.S.: mädchenblog-Autor_in „lila“ hat sich der Performance der Pussycat Dolls auf andere Weise genähert.


3 Antworten auf “Doll Domination”


  1. 1 hn 20. Februar 2009 um 12:54 Uhr

    und wie siehts mit der möglichkeit aus, dass es sich schlicht um blödes unpolitisches entertainment handelt? aber das mit dem anachronismus würde ich sogar unterschreiben, bitte leute, diese „performenden“ (im gegensatz zu musizierenden) girlbands sind doch so 90ies, leider haben das ein paar plattenbosse nicht wahrhaben wollen…

  2. 2 Caroline-NL 20. Februar 2009 um 22:25 Uhr

    Ich glaube man/frau muß nicht alles feministisch (fehl-)deuten.

    Ich habe nur eine CD der Pussycat Dolls und werde mir auch keine weitere kaufen, die reisst mich nicht vom Hocker. Diese Musik scheint nur kombiniert mit weiblichen Reizen richtig zu wirken.

    Ihre Performance hat schon etwas. Aber ich schließe mich hn an. Es ist eher seichtes und unpolitisches Entertainment.

    “allein um Demonstration von Selbstbewusstsein durch offensive Zurschaustellung der Weiblichkeit” Nur allein ist mir dies zu wenig, eine offensive Präsentation der eigenen Attraktivität und Sexualität finde ich aber nicht schlecht.

    “Frauenrechte, Gleichstellung oder politische Korrektheit“, denn “das empfinden sie als Anachronismus.”

    Wer Frauenrechte anachronistisch findet, scheint auch Menschenrechte anachronistisch zu finden. Oder ist es eher so gemeint, daß Sondergesetze und Frauenquoten abgelehnt werden. Die Frauenquote lehne ich auch ab, ich würde nicht gerne als Quotenfrau auf irgendeinem Posten sitzen. Und wenn ich höre was Frauenbeauftragte so von sich geben ( staub, hust ), dann sehe ich die eher als Gegnerinnen. Wenn politische Korrektheit als Maulkorb instrumentalisiert wird, dann bin ich auch dagegen.

    Solange dies alles nur auf ein paar Slogans und Schlagwörter runtergebrochen ist, fällt es mir schwer es pauschal abzulehnen.

    Die eher flache Musik der PD lässt aber nicht vermuten, daß sich dahinter eine tiefschürfende ideologisch-feministische Anaylse verbirgt.

  3. 3 Seren 22. Februar 2009 um 20:25 Uhr

    Ich glaube, dass PCD in Ordnung scheinen konnten. Leider haben Sie gesagt ‚Wir sind mit Feminismus‘! Sicherlich stimmt das total nicht, irgendeine kann das sehen. Persoenlich macht ihre Ausblick mich jede Menge mehr ärgerlich. Einerseits werden ein ‚Doll‘ (als sie haben schon gesagt) und unrealistisch sein. Aber wirklich…ich finde es unglaublich, dass sie sagen kann, sie mehr als das sind.(Wenn ich nicht so einfach verstanden bin, tut mir leid) Ich lerne Deutsch und lese gern MaedchenBlog, sondern ich nicht so gut es sprachen werde.

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