Archiv für April 2009

„Schamlose Luder im Dienste der Macht“

In Italien ist kurz vor der Europawahl ein heftiger Streit um die Nominierungspolitik des Regierungschefs Berlusconi entfacht. Diesem wird vorgeworfen für seine Kandidatenliste nur Frauen nominiert zu haben, die mehr Aufsehen durch ihre TV-Auftritte und freizügigen Outfits als durch ihr politisches Engagement gemacht haben.
Nachdem sich nun auch die Frau Berlusconis, Veronica Lario, selbst Ex-Schauspielerin, in die Debatte einmischte und die TV-Schönheiten als “ schamlose Luder im Dienste der Macht“ beschimpfte, zog ihr Gatte die Nominierungen zurück. Nur eine der drei dürfte bleiben, Barbara Matera, Schauspielerin und Moderatorin ist weiterhin auf der Liste vertreten und darf ihr Können unter Beweis stellen.
Mit schönen Frauen um Wählerstimmen zu buhlen ist für Berlusconi nichts neues auch Frauenministerin Mara Carfagna, war dem italienischen Bürger, vor ihrer politischen Karriere, durch Aktfotos in diversen Männermagazinen bekannt.
Heute versucht sie eine Familienpolitik nach „französischen Vorbild“ durchzusetzen, also Familie und Beruf für Frauen vereinbar machen.
Natürlich ist Berlusconis Wahlstrategie zu kritisieren da Frauen für ihn vor allem eines sein müssen, „schön“ und „sexy“, Intelligenz ist zweitranig, aber die Heftigkeit der Debatte veranschaulicht doch ein uraltes Vorurteil: Schöne Frauen sind dumm.
Zu oft werden Frauen nach äußerlichen Kriterien beurteilt, so ist es für einen männliche Fernsehstar viel leichter auch politisch ernstgenommen zu werden als einen weiblichen. Männer aus dem Showbuisness haben schon oft politische Karrieren eingeschlagen ohne einen riesen Skandal auszulösen.
Ist eine Frau aber der gesellschaftlichen Norm nach „schön und gut gebaut“ verliert sie auf politischer bzw. sachlicher Ebene schnell an Authentizität.
Zwar müssen Frauen gut aussehen und sollten nicht zu „unweiblich“ wirken, ein Vorwurf den sich Angela Merkel oft gefallen lassen müsste, bis sie sich für ein neues, weiblicheres Styling entschied, aber sie sollen auch nicht zu viel von ihrer „Weiblichkeit“ Preis geben.
Die Medien und die Gesellschaft spielen bei dem alten Spiel „Heilige oder Hure“ immer noch fabelhaft mit. Das dieses „Spiel“ Frauen aber jeglichen Handlungsraum nimmt und sie immer nur auf ihrer „Sexualität“ reduziert, scheint den wenigste bewusst zu werden.

Wären die „Politikerinnen“ also nicht durch eine „wilde Vergangenheit“ aufgefallen, hätte ihnen wohl niemand so schnell die Kompetenz, die sie vielleicht wirklich nicht haben, abgesprochen, da sie aber „Showgirls“ sind, kann man und frau dies getrost tun.

Vielleicht wäre es in dem Fall aber angebrachter über den offensichtlichen Sexismus des Regierungschef zu sprechen als über die „schamlosen Luder im Dienste der Macht“, die auch nur ganz normale Frauen sind.

Zwischen Porno und Prüderie

Bei der Mädchenmannschaft macht sich Katrin Gedanken darüber, warum heutzutage allzuoft automatisch Nacktheit mit Sex gleichgesetzt wird.

[D]as perfide an diesen Entwicklungen ist, dass ein nackter Körper sofort und nur noch mit „Porno“ assoziiert wird. Früher war ein nackter Mensch ein nackter Mensch. Nicht mehr. Die Beziehung zu dieser natürlichen, asexualen Nacktheit ist verloren gegangen. Sie bleibt nur noch den Kindern – in den USA nicht einmal ihnen.

Das, was ich persönlich daran so interessant finde, ist der „Pornoaspekt“.
Heute hat man und frau überall (freiwillig oder nicht) Bilder nackter – oder zumindest halbnackter – Menschen um sich. Also die „Vergleichsmöglichkeiten“, deren Mangel Shere Hite unter anderen kritisierte, zu einer Zeit, in der frau in der Regel nicht den blassesten Schimmer hatte, wie eine Pussy aussah – abgesehen von ihrer eigenen.
Heute gibt es unendlich viele solcher Vergleichsmöglichkeiten. Aber mit was?
Meist nicht mit „echten“ Körpern. Sondern mit Silikon, Photoshop, per OP verkürzten und symmetrisch gemachten Schamlippen und mit viel Mühe gestylte Frauen. Damit sie in das 08/15-Pornoschema passen, das der Kunde erwartet.
Kommentatorin erna:

ich persönlich habe z.B. privat keinerlei probleme mit meinem bauch, meiner beginnenden cellulitis und kleinen brüsten, in der öffentlichkeit würde ich mich dafür schämen (übrigens nicht nur nackt sondern auch im bikini) weil man einfach mehr verglichen wird oder zumindest das gefühl hat.

Vielleicht, weil öffentliche Darstellung von Nacktheit nur bei Entsprechung mit der geltenden Schönheitsnorm erlaubt oder erwünscht ist.

Reproduktionsfrei & Bound for Pleasure

Wie geil ist das denn?! Ab Montag ist HomoBiTrans*Aktionswoche in Wien – endlich passiert mal wieder was >>> Vorläufiges Programm

Rest in peace, Golden Girl


Samstagmorgen starb Bea Arthur.
Via Feministing

U-Bahn Werbung – Aktion Leben

Wer zur Zeit durch den Wiener Untergrund reist, wird an einigen Werbeplakaten der „Aktion Leben Österreich“ nicht vorbeikommen.
Die Plakate zeigen in großen Lettern den Schriftzug „Schwanger? Wir beraten sie. Wir helfen ihnen.“
Wie diese „Hilfe“ aussieht wird klar wenn man die Homepage der „Lebensschützer“ besucht.

lebenschützer

Wir sind die Lebensschutzbewegung in Österreich. Seit mehr als 50 Jahren setzen wir uns ein für den umfassenden Schutz menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Wir sind unabhängig und überkonfessionell, ein privater Verein, der von vielen tausenden privaten Spendern in ganz Österreich getragen wird

Bei dieser Definition von „Leben“ wird eines klar, Abtreibung ist bei „Lebensschützern“ kein Thema, es ist ein Tabu. Frauen die sich unwissend von diesen „Aktionen“ beraten lassen werden dadurch nicht sachlich über all ihre Möglichkeiten und Rechte aufgeklärt und informiert. Falls doch über Abtreibungen gesprochen werden sollte, werden diese als moralisch verwerflich oder gar als Tötung1 verteufelt, auf jeden Fall als etwas das „gute“ Frauen nicht wagen würden/sollten.

Die „Lebensschützer“ haben es aber nicht nur geschafft die U-Bahn Werbetafeln für sich zu vereinbaren, sondern auch die meisten Websites über Schwangerschaftsberatungen und Abtreibungen sind von diesen Gruppierungen besetzt.
Problematisch wird dies wenn Frauen nach sachlicher, unvoreingenommener Beratung suchen und auf diesen Seiten landen.
Deshalb hier auch gleich Seiten zu neutralen und informativen Internetseiten zum Thema „Schwanger?“.

  1. laut den Betreibern der Seite „Aktion Leben“ ist dies bei ihrer Beratung nicht der Fall, auf der Website versucht sich die Kontaktstelle auch von den radikalen Lebensschützern abzugrenzen. Die Weltanschauung (Leben beginnt mit der Befruchtung und ist damit schützenswert) ist aber die Gleiche. [zurück]

The morning after the night before

In Großbritannien gibt es die Pille danach schon eine ganze Weile „over the counter“, soll heißen, frau kann einfach in die Apotheke latschen und sich das Dingens holen.
Neu ist allerdings, daß die Pille danach (gibt es eigentlich auch ein anderes, kürzeres Wort dafür?) jetzt auch im Fernsehen beworben wird.
We proudly present: Großbritanniens erster Werbespot für Plan B:

Während in Deutschland und Österreich immer noch der Umweg über einen Doktor nötig ist (warum eigentlich?), weil man sich zuerst ein Rezept besorgen muß, ist sogar in den USA die Pille danach seit ca. 2 Jahren rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Interessant ist allerdings, wie oft der dortige Werbespot darauf hinweist, daß es sich bei „Emergency Contraception“ nicht um Abtreibung handelt.

Frauenrecht einfordern!

Drei irische Frauen wollen demnächst vor den Europäischen Gerichtshof ziehen um dort ihr Recht auf Abtreibung einzufordern. In Irland sind Abbrüche bisher nur bei Gefährdung des Lebens der Schwangeren legal.

über mädchenmannschaft

«Meine Freundin hat gesagt, ich bin dick.»

Schön, wenn Eltern gewisse Dinge auffallen. Wie etwa Nicole Althaus, die auf einem Mamablog die bei Kindern schon beliebten Schimpfworte „schwul“ und „fett“ kritisiert.

Dem neuen Komplex der Primarschülerinnen bin ich an der letzten Geburtstagsparty meiner Tochter zum ersten Mal begegnet: Eines der gelandenen Mädchen sass ganz allein auf dem Sofa, während die anderen Gäste Kuchen assen. Ich fragte die Neunjährige, ob sie keinen Schokoladencake möge, worauf sie nur mit den Schultern zuckte und sagte: «Meine Freundin hat gesagt, ich bin dick.»

Gut, jemanden als „dick“ zu bezeichnen, um sie zu beleidigen, ist nichts neues.
Trotzdem finde ich es irgendwie krass, wenn schon Neunjährige sich davon einschüchtern lassen (müssen).
Daß „schwul“ und „dick“ nur allzuoft bei vielen ganz unreflektiert als „anerkannte Mängel“ im Hirn gespeichert sind, Mängel, die es zu vermeiden gilt, zeigt ein polemischer Kommentator ganz musterhaft: (mehr…)

Riot don‘t diet

essen

über someecards

Sprüh-Chic

Bei Antisexistischen Aktionsbündnis München gibt’s Stencils zum downloaden. Natürlich nur für legale Flächen und die eigenen 4 Wände :)