„Schamlose Luder im Dienste der Macht“

In Italien ist kurz vor der Europawahl ein heftiger Streit um die Nominierungspolitik des Regierungschefs Berlusconi entfacht. Diesem wird vorgeworfen für seine Kandidatenliste nur Frauen nominiert zu haben, die mehr Aufsehen durch ihre TV-Auftritte und freizügigen Outfits als durch ihr politisches Engagement gemacht haben.
Nachdem sich nun auch die Frau Berlusconis, Veronica Lario, selbst Ex-Schauspielerin, in die Debatte einmischte und die TV-Schönheiten als “ schamlose Luder im Dienste der Macht“ beschimpfte, zog ihr Gatte die Nominierungen zurück. Nur eine der drei dürfte bleiben, Barbara Matera, Schauspielerin und Moderatorin ist weiterhin auf der Liste vertreten und darf ihr Können unter Beweis stellen.
Mit schönen Frauen um Wählerstimmen zu buhlen ist für Berlusconi nichts neues auch Frauenministerin Mara Carfagna, war dem italienischen Bürger, vor ihrer politischen Karriere, durch Aktfotos in diversen Männermagazinen bekannt.
Heute versucht sie eine Familienpolitik nach „französischen Vorbild“ durchzusetzen, also Familie und Beruf für Frauen vereinbar machen.
Natürlich ist Berlusconis Wahlstrategie zu kritisieren da Frauen für ihn vor allem eines sein müssen, „schön“ und „sexy“, Intelligenz ist zweitranig, aber die Heftigkeit der Debatte veranschaulicht doch ein uraltes Vorurteil: Schöne Frauen sind dumm.
Zu oft werden Frauen nach äußerlichen Kriterien beurteilt, so ist es für einen männliche Fernsehstar viel leichter auch politisch ernstgenommen zu werden als einen weiblichen. Männer aus dem Showbuisness haben schon oft politische Karrieren eingeschlagen ohne einen riesen Skandal auszulösen.
Ist eine Frau aber der gesellschaftlichen Norm nach „schön und gut gebaut“ verliert sie auf politischer bzw. sachlicher Ebene schnell an Authentizität.
Zwar müssen Frauen gut aussehen und sollten nicht zu „unweiblich“ wirken, ein Vorwurf den sich Angela Merkel oft gefallen lassen müsste, bis sie sich für ein neues, weiblicheres Styling entschied, aber sie sollen auch nicht zu viel von ihrer „Weiblichkeit“ Preis geben.
Die Medien und die Gesellschaft spielen bei dem alten Spiel „Heilige oder Hure“ immer noch fabelhaft mit. Das dieses „Spiel“ Frauen aber jeglichen Handlungsraum nimmt und sie immer nur auf ihrer „Sexualität“ reduziert, scheint den wenigste bewusst zu werden.

Wären die „Politikerinnen“ also nicht durch eine „wilde Vergangenheit“ aufgefallen, hätte ihnen wohl niemand so schnell die Kompetenz, die sie vielleicht wirklich nicht haben, abgesprochen, da sie aber „Showgirls“ sind, kann man und frau dies getrost tun.

Vielleicht wäre es in dem Fall aber angebrachter über den offensichtlichen Sexismus des Regierungschef zu sprechen als über die „schamlosen Luder im Dienste der Macht“, die auch nur ganz normale Frauen sind.


2 Antworten auf “„Schamlose Luder im Dienste der Macht“”


  1. 1 dodo 07. Mai 2009 um 4:48 Uhr

    stimmt prinzipiell schon.
    aber ich glaube, in diesem fall geht es nicht darum, daß das vorurteil schöne frau = dumm (das definitiv existiert und bestimmt auch mit reinspielt) die debatte bestimmt, sondern daß die nominierten kaum bis null politische erfahrung besitzen. das heißt ja nicht, daß sie automatisch dumm sind. aber mangelnde politische qualifikation ist schon eine kritik wert, vor allem in kombination mit berlusconis verhalten frauen gegenüber.
    zu kritisieren wäre hauptsächliche die wortwahl von signora lario.
    allerdings bin ich mir sicher, daß diese wortwahl eben auch ein totaler presseaufhänger ist (vllt. sogar kalkuliert).
    die schriben nämlich viel lieber unter dem fokus des begriffs „luder“ als ünter dem üblichen fokus „berlusconi hat mal wieder was sehr fragwürdiges dahergebracht“ (was bei dem typ ja eh schon gähnender standard ist).
    und wenn man
    sich den brief von ihr mal anschaut, muß man ihr im grunde recht geben (sorry, es ist 6 uhr morgens, hab grad kein bock, den vollständigen brief oder ne übersetzung zu suchen).

  1. 1 Diese Woche gut und gender in den Blogs « Maedchenmannschaft Pingback am 02. Mai 2009 um 17:49 Uhr

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