Radha Lewis über Spätabtreibungen

Radha Lewis, vielseitig engagierte amerikanische Ärztin, kommt bei der Feministing community zu Wort. Und erklärt, warum sie – anders als viele andere US-ÄrztInnen – auch mit Überzeugung Spätabtreibungen vornimmt.
Wie in den vorausgegangenen Posts zu diesem Thema hier auf dem Blog oftmals erwähnt, ist die tatsächliche Anzahl der Spätabtreibungen verschwindend gering.
Was Frauen dazu bewegt, ist unterschiedlich. In den meisten Fällen bestehen erhebliche Gesundheitsrisiken für die Mutter oder das Kind wäre außerhalb des Mutterbauchs sowieso nicht überlebensfähig.
Das sind die Gründe, welche die meisten Leute immerhin gut nachvollziehen können. Allerdings trotzdem viel zu wenige. Sieht man gut an einem Beispiel, das eine Kommentatorin gibt:

I have a friend who required a late-term abortion when she found out her much-wanted baby had multiple birth defects incompatible with life. She actually had people telling her she ought to carry the child to term and have a Caesarean (because the baby’s organs were growing outside its body, it could not have gone through vaginal delivery) just so her child could live a few minutes or hours in pain, struggling, because it was God’s will.


Es gibt aber auch andere Gründe, die nicht oder nur indirekt mit Leben und Tod zu tun haben. Da ist die Basis der Unterstützung wesentlich geringer.
Rechnet man mal nach, wieviele das pro Jahr so sind (bei – in Deutschland, im Jahr 2007 – genau 229 Spätabtreibungen mit 80 % außerhalb des Mutterleibes nicht lebensfähiger Föten. Bleiben also noch 46 Fälle übrig) so finde ich es faul und ignorant, das alles über einen Kamm zu scheren, wie es so gern getan wird. Bei so wenigen Fällen ist es möglich, sich differenziert damit auseinanderzusetzen (wenn man denn will…) und es zum allermindesten anzuerkennen, daß es vielleicht „trotzdem“ Gründe gibt, die für eine späte Abtreibung sprechen und die nicht minder gewichtig sind als direkte akute Lebensgefahr für Mutter und/oder Kind. Wer nicht genug Lebenserfahrung oder Phantasie dafür hat, findet bei Radha Lewis ein bezeichnendes Beispiel.
Und für ihr Schlußwort möchte ich die Frau am liebsten umarmen. Und einen Ausdruck davon an Herrn Singhammers Badezimmerspiegel kleben.

In my experience, every woman who comes in seeking a second trimester abortion has a compelling reason to do so. I have yet to meet a woman who makes this decision with anything but the utmost gravity. In an era where politicians, zealots, and hospital administrators are chipping away at a woman’s right to abortion, we must advocate for these women’s access to abortion services, and show them our sympathy, compassion, and unwavering support.

Auch lesenswert: Leonies Beitrag über die Pressemitteilung der Ärztinnenkammer weiter unten hier im Blog.
Sowie die eindringliche Stellungnahme der Strafrechtlerin Monika Frommel.


5 Antworten auf “Radha Lewis über Spätabtreibungen”


  1. 1 gtz 09. Mai 2009 um 6:45 Uhr

    ich kann irgendwie nich finden, dass die rezitation solcher extrembeispiele irgendwie zur debatte beiträgt. ausser der skandalisierung der eh unbenommenem beklopptheit der religiotiker taugt das irgendwie nich, finde ich.

  2. 2 dodo 09. Mai 2009 um 17:04 Uhr

    darauf will ich ja hinaus.
    solche fälle sind bei spätabtreibungen eben keine extremfälle.

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