Endziel Mensch

Ich freue mich, dass ich nun ab und zu hier schreiben darf und möchte sogleich mit einem Thema beginnen, das mich immer wieder umtreibt. – Der Frage, wie es um Frauensolidarität in diesem Gesellschaftssystem bestellt ist.

In einem älteren Beitrag auf dem Mädchenblog habe ich folgendes Zitat einer Autorin der Mädchenmannschaft gefunden:

Ich finde es sehr wichtig, dass die aktuelle Debatte um den Feminismus noch um einige Perspektiven bereichert wird – durch lesbische Frauen, durch Migrantinnen, durch Alleinerziehende, Arme und eigentlich durch alle, dessen Lebensumstände bisher noch zu wenig beleuchtet wurden.

Diese Haltung – dass Klasse, „Rasse“ oder auch Begehren noch ein bisschen zum Feminimus dazu addiert werden müssten, dann wäre alles im Lot – wurde schon in den 1980ern von Schwarzen Feministinnen kritisiert: Dabei würde nicht nur der historische, sondern auch der gegenwärtige Rassismus weißer Frauen kleingeredet. Ähnliches kritisierten auch jüdische Feministinnen: Bis Ende der 1980er Jahre galten die Frauen den meisten deutschen Feministinnen als kollektives Opfer nationalsozialistischer Herrschaft. Ausgeblendet blieben KZ-Aufseherinnen und fanatische Hitler-Anhängerinnen, ebenso, dass an „der Rampe“ das Geschlecht nicht ausschlaggebend war (was nicht heißt, dass es z.B. innerhalb der KZ keine Diskriminierung von Frauen gab).
Und mittlerweile zeichnet sich in der Theorie ab, dass die kritisierte Vormachtstellung der Geschlechterkategorie tatsächlich überwunden wird. Und ich meine: das ist gut so.

So mancher Feministin mag das nicht gefallen: So werden nun (wieder) vermehrt die Spaltungen zwischen Frauen thematisiert, zwischen der Unternehmerin und den Frauen, die für sie schuften für wenig Lohn, zwischen der erfolgreichen Wissenschafterin und der „illegalen“ Pflegerin, welche die „Drecksarbeit“ erledigt. – Das mag nicht so recht zur vielbeschworenen Frauensolidarität passen.
Doch das Wegschauen ändert nichts an den Tatsachen. Etwa an der Tatsache, dass so manche Karriere nur möglich ist, weil eine migrantische Putzfrau für einen Minilohn zuhause putzt: „Schwesterlichkeit“ äußert sich hier hierin, dass gut gestellte Frauen „geschlechtsspezifische“ Arbeiten an arme Frauen deligieren.

Die Berücksichtigung der Spaltungen der Frauen in Herrschende und Beherrschte, in Privilegierte und Unterpriviligierte, in Unten und Oben, in „Legale“ und „Illegale“, verweist auf etwas, was so manche Feministin schon vor Jahrzehnten wusste, was aber in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten war: Dass umfassende Emanzipation innerhalb dieses Systems nicht zu haben ist.

Dieses System produziert immer Verliererinnen und Verlierer: Menschen, die sich, um überleben zu können, prostitutieren müssen, die das, was man herkömmlicherweise als Würde bezeichnet, tagtäglich am Fabrikstor, Eingang zur Arbeitsagentur oder Ausländerbehörde abgeben müssen.
Oftmals trifft es von den Geknechteten die Frauen besonders hart: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – und viele Frauen wagen nicht sich zu wehren, aus Angst um die Stelle, die sie brauchen –, das Aufenthaltsgesetz, das es migrantischen Frauen, die unter ehelicher Gewalt leiden, oft unmöglich macht, sich zu wehren. Auch legen viele Arbeiter und Angestellte gegenüber Kolleginnen abwertendes Verhalten an den Tag: In der Konkurrenz ist nicht wenigen jedes Mittel recht; auch so mancher tröstet sich über seine niedrige Postion in der gesellschaftlichen Hierarchie damit hinweg, dass er auf anderen, von denen er meint, sie stünden in der Hierarchie der Wertigkeiten unter ihm, herumtrampelt. Das ist meiner Meinung nach auch ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter noch nicht immer in partnerschaftlichem Umgang im Privatem zeigt: Auf die Möglichkeit der Kompensation eigener Schlechterstellung will nicht jeder verzichten1.

Daran, dass diesen Missständen in aller Schärfe entgegengetreten werden muss, besteht kein Zweifel. Kapitalismuskritische Menschen z.B., bei deren Äußerungen man manchmal nachgerade den Eindruck gewinnt, Feminist_innen seien einer der „Hauptfeinde“, scheinen mir einer verqueren Verelendungstheorie anzuhängen. – Als würde der Verzicht auf solche Kämpfe und die sich nicht immer, aber doch des Öfteren einstellenden Erfolge, zu mehr „revolutionärem Bewusstsein“ führen würden.
Solange grundlegendere gesellschaftliche Veränderungen nicht abzusehen sind, müssen sich Frauen organisieren und wehren – soweit es möglich ist.

Doch es ist meiner Meinung eine Tatsache, dass die Kämpfe der Frauen beschränkte sind. Frauen, Arbeiterinnen und Kapitalistinnen, sind eben nur in einer Hinsicht „Schwestern“: als Angehörige eines Zwangskollektiv. Sie verbindet keine „weibliche Natur“ oder „Intuition“ – ihre einzige Gemeinsamkeit besteht in der Diskriminierung als Frau.
Ansonsten sind sie Gegnerinnen: Die Unternehmerin, die so wenig Lohn zahlen will wie nur möglich – also stets daran arbeitet, Lohnarbeiter_innen in eine noch miesere Lage zu drücken – , und die Arbeiterin, die sich den Unternehmer_innen prostituieren muss. Und auch die Arbeiterinnen unter sich bekämpfen sich nicht selten, stehen sie doch auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz zueinander. Die vielbeschworene Frauensolidarität findet schnell ein Ende in diesem System.

Daran ändert auch die Beschwörung der „Weiblichkeit“ nichts. Dies ist nur Affirmation des Zwangskollektivs „Frau“. Radikaler Feminismus zielt auf Abschaffung dieses Zwangskollektivs. – Umfassende Gesellschaftskritik bleibt dabei aber nicht stehen und findet sich auch nicht mit der von bürgerlichen Feministinnen angestrebten geschlechtergerechten Herrschaft ab: sie zielt auf Abschaffung aller Zwangskollektive, somit auch auf Abschaffung von Kapitalismus und bürgerlichem Nationalstaat. – Auf dass es einmal eine Gesellschaft gebe, in der sich Frauen (und auch Männer) nicht mehr gegenseitig bekämpfen (müssen). Für eine Gesellschaft freiwilliger Kollektive.

  1. Doch auch so manche Frau findet noch jemanden, der unter ihr steht: Solidarität zwischen „ordentlichen deutschen“ Frauen und „sozialschmarotzenden Migrantinnen“ ist nicht ohne Grund selten. Statt mit migrantischen Kolleginnen „gemeinsame Sache“ zu machen, richtet sich manche Frau lieber in der gesellschaftlichen Hierarchie ein. [zurück]

35 Antworten auf “Endziel Mensch”


  1. 1 MPunkt 17. Mai 2009 um 7:20 Uhr

    Kapitalismuskritische Menschen z.B., bei deren Äußerungen man manchmal nachgerade den Eindruck gewinnt, Feministen seien einer der „Hauptfeinde“, scheinen mir einer verqueren Verelendungstheorie anzuhängen. – Als würde der Verzicht auf solche Kämpfe und die sich nicht immer, aber doch des Öfteren einstellenden Erfolge, zu mehr „revolutionärem Bewusstsein“ führen würden.

    Es mag ja an meiner Unkenntnis von linker Feminismuskritik liegen, aber mir ist bisher noch keine untergekommen, deren Inhalt gewesen wäre, dass mehr Elend automatisch zu mehr revolutionären Bewusstsein führe und Feminismus deshalb verkehrt sei, weil er dem Automatismus seine Bedingung entzöge. Kannst Du vielleicht noch ein Beispiel nachtragen, worauf Du Dich bei dieser Aussage beziehst?

  2. 2 nummer.drei 17. Mai 2009 um 15:12 Uhr

    thank u so much lahmacun. :)>-

  3. 3 lahmacun 17. Mai 2009 um 15:29 Uhr

    mpunkt, das ist ein seitenhieb auf gewisse linke blogger. – und das weißt du auch, deshalb fragst du auch so.

    dass jemand gegen sexismus kämpft (oder auch gegen ne lohnsenkung), lässt nicht darauf schließen, dass diese person das system affirmiert. und umgekehrt: es wäre doch schwachsinnig zu meinen, dass jene, die nicht gegen sexismus kämpfen (oder gegen ne lohnsenkung), nicht systemkonform drauf sind. – vielleicht finden sie ja sexismus (und lohnkürzungen) super.

    und doch, wer lohnkämpfe und antisexismus denunziert, der trägt implizit die behauptung vor, dass der verzicht auf diese kämpfe sinnvoller sei. doch warum?

    um ein beispiel zu nehmen: was wäre denn bitte der vorteil gewesen, wenn man die kampagne gegen vergewaltigung in der ehe bleiben lässt? – du sagst jetzt vllt wieder, das ist affirmation des bürgerlichen rechtes. dann frage ich, ist es nicht auch affirmation bürgerlichen rechtes, so ne kampagne erst gar nicht zu fahren?
    das problem ist doch: dass man innerhalb des systems immer auf das recht verwiesen ist. – daran kann man derweilen nichts ändern. ob man nun kämpfe führt oder nicht, spielt dabei keine rolle. auch nicht-kämpfende sind mit dem recht konfrontiert, zB waren sie mit dem recht konfrontiert, dass der gatte seine frauen zum sex zwingen darf. die, die nicht dagegen angingen, kann man genauso als affirmativ denunzieren.

    dazu auch noch: ist dir schon mal aufgefallen, dass die beschäftigung mit (anti)sexismus innerhalb ner gewissen bloggerszene gar nicht vorkommen würde, würden feministinnen nicht das maul aufreissen? mir schon.

  4. 4 tee 17. Mai 2009 um 15:42 Uhr

    ach lahmacun, das hat mpunkt doch schon hundertmal gehört und der vorwurf der affirmation springt ihm immer noch genauso leicht aus der tasche.

    hopfen und malz …

  5. 5 lateex 17. Mai 2009 um 16:00 Uhr

    „hopfen und malz …“

    Mach mal AA, tee!

  6. 6 lahmacun 17. Mai 2009 um 16:32 Uhr

    ich möchte noch was nachtragen: der bürgerliche feminismus kann sein ziel erreichen und hat es im großen und ganzen auch. das was nun noch manchmal als geschlechtsspezifische diskriminierung beanstandet wird, ist nämlich bei genauem hinsehen oft keine.

    ein beispiel, wieder auf den älteren beitrag bezugnehmend:

    Fast immer werden Migrantinnen außen vorgelassen, ein wirkliches Sprachrohr will ihnen niemand so wirklich bieten. Journalistinnen mit Migrationshintergrund sind rar in Deutschland…

    die behauptung, migrantinnen würden als frauen im journalismus diskriminiert werden, ist falsch. wie der grafik zu entnehmen ist, ist der frauenanteil in den meisten altersklassen bei den menschen mit migrationshintergrund höher als bei menschen ohne mh. ABER: journalist_innen mit mh machen nur 1% der journalist_innen insgesamt aus.

    und der grund hierfür liegt ganz einfach an dem, was im beitrag „ungerechtes“ bildungssystem genannt wird. – als an einem bildungssystem, dem eine ganz bestimmte funktion zukommt: in oben und unten zu sortieren. und dabei steigen menschen mit mh i.d.r. schlechter aus.

  7. 7 MPunkt 17. Mai 2009 um 20:45 Uhr

    Ja und, das IST doch ein Fehler, die Möglichkeit von „Vergewaltigung in der Ehe“ für eine schlechte Umsetzung des an sich guten Rechts zu halten. Und nur so kommt man überhaupt darauf, Recht und Ehe ändern zu wollen, statt sie abzuschaffen. Die vom Staat ja besonders geförderte Ehe ist doch gerade das Versprechen vor ihm, zeitlebens eine Reproduktionsgemeinschaft zu bilden, füreinander einzustehen und das Staatsvolk zu reproduzieren. Und zwar „in guten, wie in schlechten Zeiten“, also auch dann, wenn man keinen Bock aufeinander hat. Na und dann ist der Übergang, dass der andere sich auch ficken lassen muss, wenn er gerade keinen Bock drauf hat, weil das zur Erfüllung seiner „ehelichen Pflichten“ gehört, doch genau passend. (Weshalb das staatliche Verbot dieser Praxis auch gar nicht verhindert, dass die stattfindet. Dem Vergewaltiger wird da ja nur die Kalkulation aufgemacht, dass der bgl. Staat den Rechtsbruch an ihm rächt, wenn er ihn dabei erwischt, statt das falsche Bewusstsein bürgerlicher Individuen auch in Liebes- und Partnerschaftsfragen zu kritisieren.)

    Dein Einwand ist daher auch geschummelt. NEIN, man affirmiert das Recht nicht, wenn man es korrekt kritisiert. Und die Schummelei ist gleich eine doppelte. Zum einen, weil sie auf dem Erfolgsargument beruht, dass man es noch nicht geschafft hat, den bgl. Staat und damit auch das Recht abzuschaffen. Das ist zwar ärgerlich, macht aber den reformistischen Idealismus über es auch nicht richtiger. Zum anderen, weil der Misserfolg doch zu einem guten Teil auch daran liegt, dass die Betroffenen ständig den schädlichen Scheiß verbessern wollen, da sie eine gute Eigentlichkeit an ihn heran tragen, durch den falschen Übergang, dass für sie doch eigentlich taugen müsse, was sie als Mittel – innerhalb der schädlichen Verhältnisse – verwenden müssen.

    Was übrigens gerade das exakte Gegenteil einer Verelendungstheorie ist. Die besagt doch, dass aus dem beschissenen Umständen der Leute sich automatisch ein richtiges Bewusstsein über deren Ursachen einstellen würde, die sie dann zu bekämpfen versuchen. Davon geht man doch aber gerade nicht aus, wenn man die für ihr affirmatives und idealistisches Bewusstsein, also ihre verkehrten Erklärungen für ihr Elend, kritisiert, damit die die wirklichen Gründe aus der Welt schaffen. Sondern man gibt damit gerade kund, dass es auf richtige Erklärungen, also auf Argumente, ankommt, weil es eben gerade keinen Automatismus gibt.

    P.S.: Ist Dir schon mal aufgefallen, dass aus dieser linken Bloggerszene die korrekten Erklärungen über Sexismus kommen, während die Feministinnen – also die dodos, leonies und wie sie alle heißen – sich darüber immer nur als angebliche Abweichung von einem angeblichen (moralischen) Recht empören können? :P

  8. 8 MPunkt 17. Mai 2009 um 21:20 Uhr

    Und ich möchte auch noch was nachtragen: Du tust halt so, als müsste Kritik und sich daraus ergebende politische Praxis die Wahl zwischen Verteidigung des status quo und konstruktiven Verbesserungsvorschlägen für ihn treffen. Ja wieso denn bitte? Das dementierst Du doch im Rest Deines Beitrags sogar selbst. Nur weil da andere die Konsequenzen ziehen, die Du nicht zu ziehen gewillt bist, sind sie eben noch lange keine Parteigänger der aktuellen Rechtslage.

  9. 9 dodo 17. Mai 2009 um 21:21 Uhr

    sehe ich nicht so aber whatever…
    und sooo schlimm können die dodos und leonies nicht sein, wenn du immer wieder aufs blog kommst und die beiträge liest und kommentierst…;)

  10. 10 MPunkt 17. Mai 2009 um 21:36 Uhr

    Die Leute, mit denen ich eh schon einig bin, muss ich ja nicht mehr agitieren – die dodos und leonies hingegen schon.

  11. 11 lahmacun 17. Mai 2009 um 22:13 Uhr

    Ja und, das IST doch ein Fehler, die Möglichkeit von „Vergewaltigung in der Ehe“ für eine schlechte Umsetzung des an sich guten Rechts zu halten.

    du gehst dann auf die bürgerliche ehe ein. nun bitte ich um einen beleg, dass feministinnen die bürgerliche ehe für eine gute sache halten („gutes“ recht).

    statt das falsche Bewusstsein bürgerlicher Individuen auch in Liebes- und Partnerschaftsfragen zu kritisieren

    ist ja ein witz! genau das haben feministinnen gemacht – und dass diese kritik des „privaten“ von vielen männern abgewehrt wurde (aber ICH doch nicht! nein, UNS betrifft das doch nicht! etc), war auch ein wesentlicher grund dafür, dass sie sich gespalten haben von den marxisten ende der 1960er/anfang der 1970er (»doppelte militanz«).

    NEIN, man affirmiert das Recht nicht, wenn man es korrekt kritisiert.

    DAS, lieber mpunkt, habe ich auch nicht geschrieben. lies doch bitte das, was da steht.

    um erfolg ging es auch nicht. es ging und geht um das simple ÜBERLEBEN im system – solange es dieses gibt, ist das ne frage, die sich eben stellt.
    privatisierende ausführungen (da muss die frau halt dies machen oder das, der schwarze muss halt vor der zone flüchten, der schwule nach berlin ziehen, wo er nicht verkloppt wird) kannst du dir bitte sparen bei der antwort.

    ich habe was anderes geschrieben. bsp:

    Und nur so kommt man überhaupt darauf, Recht und Ehe ändern zu wollen, statt sie abzuschaffen.

    das ist nämlich falsch. es haben massen von menschen die vergewaltigung in der ehe für gut umgesetztes recht gehalten. – weshalb die erst recht nicht auf die idee kamen, den staat abzuschaffen.

    es ist einfach bizarr jenen, die bemerken, dass eine einrichtung ihren interessen entgegensteht, dies vorzuhalten (wohingegen jene, die sich an der scheisse nicht stören und daher nicht mal in die reichweite einer kritik gelangen wieder mal außen vor bleiben).

    aber ich habe, um ehrlich zu sein, überhaupt keine lust auf diese diskussion. du machst nen gegensatz auf (wie ja auch beim lohnkampf zB wo jede lohnforderung zum unterschreiben des kapitalismus wird), den es so nicht gibt: systemimmanente kämpfe stehen radikaler kritik nämlich nicht entgehen.

  12. 12 MPunkt 18. Mai 2009 um 5:37 Uhr

    Wenn Du keine Lust auf die Diskussion hast, dann mache sie halt nicht auf. Und Dein Gegenstandswechsel ist nach wie vor kein Argument in dieser. Die Kritik am falschen Bewusstsein von Reformistinnen stimmt halt oder sie stimmt nicht und letzteres wäre in der Sache nachzuweisen, statt zu behaupten, dass sie nicht stimmen können, weil man (angeblich!) die Verfechter des status quos nicht auch kritisieren würde. Als würde man bei denen bspw. den Rechtsidealismus etwa unterschreiben, welchen man den Reformisten vorwirft.

    Und ja, das geht eben logisch nicht zusammen, ne korrekte Kritik des Rechts zu haben und gleichzeitig dessen gute Eigentlichkeit, dass es für einen da sein solle, beim bürgerlichen Staat als zu verwirklichen einzufordern. Weil das Recht schließlich der Maßstab ist, nach dem der bürgerliche Staat die einzelnen Interessen und die Mittels ihres Verfolgs nach seinem Interesse lizensiert, verbietet und gegeneinander abwägt.

  13. 13 MPunkt 18. Mai 2009 um 5:42 Uhr

    Und die Notwendigkeit ständig ums „Überleben IM System“ kämpfen zu müssen, besteht doch eben überhaupt nur deshalb, weil die Leute eben nicht GEGEN „das System“ und also die wirklichen Ursachen ihrer Schädigung kämpfen. Der Kritik an denen dann entgegen zu halten, dass man ja ums „Überleben IM System“ kämpfen müsse, ist daher einfach nur abgeschmackt bzw. eben nicht „doppelte Militanz“, sondern – s.o. – doppelt geschummelt.

  14. 14 lahmacun 18. Mai 2009 um 7:10 Uhr

    mpunkt, du vermischt alles, was ich schreibe. die doppelte militanz habe ich zB in nem ganz anderen zusammenhang gebracht.

    es hat hier auch niemand von eigentlich gutem recht gesprochen. das kommt auch nicht im beitrag vor. ich habe dich gebeten, mir zu zeigen, wo das vorkommt.

  15. 15 MPunkt 18. Mai 2009 um 7:25 Uhr

    Ohne dies vorauszusetzen kommt man eben gar nicht darauf, das Recht reformieren ANSTATT es abschaffen zu wollen. Denn dann unterstellt man eben, dass es für einen da sein könnte und also auch sollte.

  16. 16 lahmacun 18. Mai 2009 um 7:29 Uhr

    und es ist eigentlich ganz simpel:
    angenommen ein unternehmen würde alle frauen mit kind entlassen, weil es annimmt, dass die nicht grenzenlos überstunden machen können/wollen.
    wenn gegen sowas feministinnen angehen, schreist du: reformismus!
    ich sage: damit tust du v.a. dem unternehmen nen gefallen. es ist doch als ein fortschritt zu betrachten, wenn menschen sich gegen unternehmerinteressen stellen. wenn sie das nicht tun, ist es auch um einiges weniger wahrscheinlich, dass sie mal entdecken, dass sich innerhalb des systems ihre interessen nur unzureichend verwirklichen lassen.

    was anstünde, ist darüber aufzuklären, warum ihre interessen nicht zur gänze werden verwirklicht werden. – stattdessen wirfst du ihnen (und nicht dem staat oder den kapitalist_innen!) alles elend des system vor.
    und es ist nachgerade bizarr, einem häufchen von feministinnen vorzuwerfen, sie seien selber dran schuld, dass sie ums überleben im system kämpfen müssen, weil sie nicht gegen das system als ganzes kämpfen. musst du, der du gegen das system als ganzes kämpfst, denn nicht innerhalb des systems überleben? – wenn ja, dann sei doch bitte so nett und verrate uns den trick.

    das ist ein erfolgsargument? – meinetwegen, dann ist es eines. derweilen hast du ja nicht mehr zu bieten als ein: theoretisch große töne spucken, praktisch kuschen. (du weißt schon: frauen, schwarze, homosexuelle u.A. müssen halt selber schauen, wie sie sich arrangieren, bis es endlich soweit ist und die große umwälzung ansteht. und wenn die regierung zB das abtreibungsG ändert, dann muss die aufrechte kommunistin eben wieder zum kleiderbügel greifen. aber, immerhin: reformistisch war sie dann nicht, wa? aber sehr wahrscheinlich anschließend tot.)

  17. 17 lahmacun 18. Mai 2009 um 7:48 Uhr

    Ohne dies vorauszusetzen kommt man eben gar nicht darauf, das Recht reformieren ANSTATT es abschaffen zu wollen.

    blödsinn. auf sowas kommt man zB auch dann, wenn man zur einschätzung gelangt, dass eine abschaffung derzeit nicht machbar ist, aber abzusehen ist, dass kleine veränderungen – die eben schon ne ordentliche erleichterung für die geknechteten sein können – erzielbar sind.
    dass man damit das ziel aufgebe, das (bürgerliche) recht insgesamt abzuschaffen, ist ne behauptung. es kann sich genausogut um ne taktik handeln. – wie gesagt, du machst nen gegensatz auf, der so nicht bestehen muss.

  18. 18 MPunkt 18. Mai 2009 um 7:59 Uhr

    Na „immerhin“ mal was Neues. Sonst ningeln mich linke Reformisten und Moralisten immer voll, dass ich ständig nur den bgl. Staat und den Kapitalismus kritisieren würde – für Dich kritisiere ich die hingegen gleich gar nicht. Und zwar ausgerechnet deshalb, weil ich die affirmative Haltung der Leute kritisiere, die dabei willig mitmachen. Und zwar deshalb, weil die damit ihre eigene Schädigung, welche durch bgl. Staat und Kapitalismus verursacht wird, unterschreiben. So weit stimmt es aber dann doch: ich kritisiere nicht den bgl. Staat dafür, dass der sich nicht einfach auflöst (wieso sollte er?), sondern die Nationalisten von unten, dass die nicht mal ihren Nationalismus bleiben lassen und ihn abschaffen.

    ***

    Noch mal zum Recht: ne vernünftige Haltung zu dem wäre doch, zu bestimmen, was es ist – und dann weiß man auch, wie man darin vorkommt und dass man es also abschaffen sollte, wenn einem die eigene Schädigung stört. Das machen Reformisten doch aber gerade nicht. Sondern, weil sie – das stimmt ja – beim Betreiben ihrer Interessen ständig mit dem Recht konfrontiert sind, nehmen die gleich die interessierte Stellung zu ihm ein, dass es für sie beim Betreiben ihrer Interessen taugen solle. Und das wäre der Fall, wenn es ihre Interessen und ihre Mittel zu deren Verfolg erlaubt und dem entgegengesetzte Interessen und die Mittel von deren Trägern zu ihrer Verwirklichung verbietet. Weil sie sich mit ihren Interessen dabei moralisch eh im Recht (und die Gegenseite im Unrecht) sehen, machen sie das eben nicht als ihre private Spinnerei, sondern als Verwirklichung des eigentlich guten Rechts gegen seine aktuelle Abweichung von ihm auf. Und weil es der bgl. Staat ist, welcher das Recht macht, machen sie auch gleich die Übergänge dazu, dem zum einen auch eine gute Eigentlichkeit zu unterstellen, welche mit einer Anpassung des Rechts an ihre Interessen zu verwirklichen sei und zum anderen dazu, ihm dies als sein Erfolgsmittel anzutragen. Wofür sie dann auch wieder bereit sind, ihr Interesse am Erfolg des Staates zu relativieren und sich darüber zu streiten, was denn für den wirklich ein Sachzwang ist und wo ihr Interesse ohne diesen guten Grund skandalöser Weise keinen Rechtstitel von ihm erhält. Das ist doch kein Schritt in die richtige Richtung, sondern schlicht verkehrt.

  19. 19 MPunkt 18. Mai 2009 um 8:12 Uhr

    Wenn man den bgl. Staat zu einer Änderung des Rechts zwingen kann, dann ist dessen Souveränität eh futsch und man kann ihn vom „Kräfteverhältnis“ her genau so gut abschaffen – wenn der Wille dazu da ist.

    Darum geht es doch aber real eh nicht, sondern darum, den bgl. Staat durch Masse und Aktionen davon zu überzeugen, dass da ein – auch im nationalen Sinne – berechtigtes Interesse vorliege, welchem er sich bitte mal annehmen solle. Und dann kommt es halt drauf an, ob sich das ausreichend viele Berufsnationalisten einleuchten lassen, welche dann die Bewegung als ihren politmoralischen Berufungstitel, sowie als ihre Wahl(kampf)pumpel benutzen. Oder ob dem nicht der Fall ist und als politmoralischer Berufungstitel darauf verwiesen wird, dass man im Gegensatz zu den Protesten auf der Straße ja durch demokratische Wahlen zum Herrschen ermächtigt sei.

    Last but not least: selbst Leute wie Du, die sich den Widerspruch leisten, Kritik und Reformismus betreiben zu wollen, schlagen sich dadurch doch auf die Seite des Reformismus‘ und lösen den Widerspruch auf diese Weise auf. Schließlich unterstützen sie die Reformisten bei ihren Vorhaben, statt sie auf deren Fehler hinzuweisen. Und sorgen so nicht mal für die Bedingung dafür, dass die ihren Reformismus mal bleiben lassen und sich an die Kritik machen – dass sie die Argumente überhaupt kennen.

  20. 20 lahma 18. Mai 2009 um 8:41 Uhr

    mpunkt, hast du zu dem beitrag eigentlich sonst noch was sagen, zu beanstanden o.s.ä. oder müssen wir hier jetzt auf alle ewigkeiten diesen einen seitenhieb verhandeln bzw. das zum anlass nehmen, alte diskus aufzuwärmen?

    Noch mal zum Recht: ne vernünftige Haltung zu dem wäre doch, zu bestimmen, was es ist – und dann weiß man auch, wie man darin vorkommt und dass man es also abschaffen sollte, wenn einem die eigene Schädigung stört.

    ne vernünftige haltung ist es, feministinnen auf die beschränktheit des bürgerlichen feminismus aufmerksam zu machen. und v.a., wieso der beschränkt ist und warum es mit der vielbeschworenen frauensolidarität oftmals nicht weit her ist.
    damit habe ich mit diesem beitrag begonnen. – im gegensatz zu manchen linken bloggern, deren kritik des bürgerlichen feminismus sich so äußert, dass sie v.a. spott übrig haben und nicht mal ansatzweise was erklären, verzichte ich auf besserwissergehabe, nachvollziehe die anliegen und versuche dann aufzuzeigen, was dem oftmals entgegensteht.

    Schließlich unterstützen sie die Reformisten bei ihren Vorhaben, statt sie auf deren Fehler hinzuweisen. Und sorgen so nicht mal für die Bedingung dafür, dass die ihren Reformismus mal bleiben lassen und sich an die Kritik machen – dass sie die Argumente überhaupt kennen.

    also wenn du das aus meinem beitrag herausliest, bist du wohl nicht in der lage, sinnverstehend zu lesen.

    Die Berücksichtigung der Spaltungen der Frauen in Herrschende und Beherrschte, in Privilegierte und Unterpriviligierte, in Unten und Oben, in „Legale“ und „Illegale“, verweist auf etwas, was so manche Feministin schon vor Jahrzehnten wusste, was aber in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten war: Dass umfassende Emanzipation innerhalb dieses Systems nicht zu haben ist.

    Dieses System produziert immer Verliererinnen und Verlierer: […]

    aber dass du das ausblenden musst, liegt daran, dass du eben nen gegensatz herstellen willst, auf biegen und brechen.

  21. 21 Chartist 18. Mai 2009 um 8:43 Uhr

    „Wenn man den bgl. Staat zu einer Änderung des Rechts zwingen kann, dann ist dessen Souveränität eh futsch und man kann ihn vom „Kräfteverhältnis“ her genau so gut abschaffen – wenn der Wille dazu da ist.“

    Das ist eine blöde Alles oder Nichts Gegenüberstellung. Da könnte man auch sagen, wenn man seinem Arbeitgeber schon eine Lohnerhöhung abpressen konnte, dann hätte man auch gleich das Lohnsystem wegfegen können.
    Manchmal haben sich eben Staaten zu einer Rechtsänderung bequemt, die sie urprünglich nicht wollten, das zeigt z.B. die Geschichte der Arbeitsschutzgesetzgebung und der Stellung zu Gewerkschaften. Und dies nicht nur, weil sie letztlich „eingesehen“ haben, daß sowas auch ihren Interessen nützt, sondern immer überhaupt nur, weil es zuviele Leute gabe, die sowas gefordert haben und dafür Unruhe gestiftet haben.

  22. 22 lahma 18. Mai 2009 um 8:46 Uhr

    >Wenn man den bgl. Staat zu einer Änderung des Rechts zwingen kann

    vom zwingen war nicht die rede. ich rede ja schließlich auch von reformen. natürlich wird ein staat sich auf nichts einlassen, was an seinen grundfesten rüttelt. – hat niemand behauptet.

  23. 23 Chartist 18. Mai 2009 um 8:58 Uhr

    Doch, vom „Zwingen“ sollte schon die Rede sein. Denn über die „Reformen“, die dem Staat ein Herzensanliegen sind (wie z.B. Agenda 2010). reden wir doch nicht, sondern um so Sachen wie Legalisierung von Abtreibungen, Organisationsrecht für Gewerkschaften, Legalität kommunistischer Organisationen usw. sowas mußte man den Staaten jeweils schon abzwingen, sonst gab es die nicht, bzw. sonst war sowas auch schon mal ganz schnell wieder weg.

  24. 24 MPunkt 18. Mai 2009 um 9:01 Uhr

    Müssen wir nicht – Du kannst mir auch einfach zustimmen und dann können wir weiter zum nächsten Kritikpunkt an Deinem Beitrag gehen :P

    ***

    Wenn Du schon zugestehst, dass Reformismus nix damit zu tun hat, den bgl. Staat zu etwas zu zwingen, dann stimmst Du also konsequenter Weise der Aussage zu, dass der das eigene Interesse auf eines des Staatserfolgs zurecht biegt, es daran relativiert und dieses Ziel somit affirmiert, um so bei den Berufsnationalisten zu landen? Und das soll bitte kein Fehler sein, den man kritisiert?

    ***

    @ Chartist: Da ist eben nix mit Zwingen, sondern das musste schon ausreichend vielen Berufsnationalisten einleuchten, dass sie die Arbeiterbewegung nicht mehr für die Forderung nach Arbeitsschutz niedermachen ließen, sondern einen solchen in Gesetzesform gegossen haben. Und das hat denen eingeleuchtet, weil sie gemerkt haben, dass das Staatsvolk sonst nix mehr für Kriege und die Reproduktion des Staatsvolks (und damit auch der Arbeiterklasse als Bedingung für den von ihm gewollten Kapitalismus) taugt.

    Wenn hingegen die Situation so ist, dass die Berufsnationalisten nicht mehr die Möglichkeit haben, Proteste bei Bedarf auch niedermachen zu lassen, dann ist eben die Souveränität des Staates futsch und man könnte – einen entsprechenden Willen voraus gesetzt – ihn genau so gut abschaffen. Das kann der dann nämlich auch nicht mehr gewaltsam verhindern.

  25. 25 lahma 18. Mai 2009 um 9:37 Uhr

    >dann stimmst Du also konsequenter Weise der Aussage zu, dass der das eigene Interesse auf eines des Staatserfolgs zurecht biegt, es daran relativiert

    nö. denn eine erfolgreich durchgesetzte reform lässt nicht darauf schließen, dass man nicht noch darüber hinausgehende interessen hätte – die sich aber eben nicht innerhalb des systems durchsetzen lassen.

    so können antirassist_innen etwa für reformen des asylgesetzes kämpfen im hier und jetzt und gleichzeitig für den systemwechsel agitieren, der dann auch reformen überflüssig macht. dass das nicht gleichzeitig ginge, ist ne behauptung deinerseits.

    (heraus kommt ne äußerst zynische haltung: nämlich, dass die leute sich eben privat arrangieren müssen. – das hatten wir alles schon in der antifa-debatte, wo dann deinerseits verkündet wurde, dass frauen, homosexuelle und andere für „minderwertig“ gehaltene halt in dieser gesellschaft nicht ohne sich fürchten zu müssen aus dem hause gehen können – das sei nunmal so. damit muss man sich halt arrangieren. und so weiter.
    das ist für mich, und andere auch, eine inakzeptable haltung. so einfach ist das.)

  26. 26 Chartist 18. Mai 2009 um 10:15 Uhr

    „inakzeptabel“
    Das ist so arg schnell und laut in die Runde geworfen und klingt unheimlich trotzig. Und wieviel weiter bist du denn jetzt? Entweder in einer gegebenen gesellschaftlichen Situation hast du als schwarzer Koch in einer Provinzkneipe schlechte Karten oder nicht. Entweder du kriegst nicht mehr als einen Hungerlohn angeboten in deiner Armenhausgegend oder nicht.

    Deine Haltung, „Das lasse ich (und die meinen) mir und uns nicht bieten!“ „“ich arrangiere micht nicht!“ ist doch regelmäßig entweder nur privates Frustablassen oder Kamikaze (jedenfalls solange du nicht bereit bist, aus deiner mißlichen Lage kommunistische Schlußfolgerungen zu ziehen und das daraufhin Gebotene anzugehen). Geh du doch mal in eine McFritten-Bude und verlange auch nur 15 € pro Stunde, sonst würdest du gar nicht erst anfangen. Dann fängst du nämlich auch gar nicht erst an.

    Du tust so, als ob das „sich privat arrangieren“ keine von der Not der Verhältnisse aufgezwungene Haltung wäre, sondern nur zynisches feiges Jammerlappentum. Als Einwanderer ohne Papiere z.B. muß man sich aber völlig zu Recht (in doppeltem Sinne) jeden Tag aus Neue fürchten, wenn man morgens aufsteht oder sich abends hinlegt.

  27. 27 lahma 18. Mai 2009 um 10:48 Uhr

    oje. ich habe geschrieben „antifa-debatte“. es geht also um kollektives auftreten. und genau gegen das agitiert mpunkt ja.
    alleine machen sie einen nämlich tatsächlich ein.

    beim organisieren von gegenwehr unterschreibt man aber die verhältnisse nicht. das ist eben die behauptung mpunkts. er übersieht, dass es oft simple notwendigkeit ist. so kann man etwa nicht agitieren, wenn einem alle 2 minuten ein nazi die fresse poliert. so einfach ist das.

  28. 28 Chartist 18. Mai 2009 um 11:17 Uhr

    „wenn einem alle 2 minuten ein nazi die fresse poliert“ agitiert man eh an der falschen Stelle. Vor allem, weil eine darauf abzielende Antifa-Agitation daran ja regelmäßig gar nichts ändert, außer die berühmten symbolischen Kurzzeitsiege.

  29. 29 MPunkt 18. Mai 2009 um 11:47 Uhr

    Und weil einem aller zwei Minuten der Nazi auf die Fresse haut, agitiert man für die demokratische Herrschaft, um dadurch gegen sie agitieren zu können. Sehr logisch, aber auch. Zumal ich übrigens nie gesagt habe, dass man sich von Nazis verprügeln lassen soll. Sondern, dass wenn so eine Bedrohung ansteht, man sich eben einen Kopf darum machen muss, ob man seinen politischen Zweck, den demokratischen Kapitalismus abzuschaffen, weniger dadurch gefährdet, zu Hause zu bleiben bzw. wegzuziehen, oder halt ne Gegengewalt gegen die Nazischläger zu organisieren.

    ***

    Sich mit der eigenen Schädigung arrangieren muss man übrigens nicht, weil ich das sage, sondern gerade wegen der „Sachzwänge“, denen einen der demokratische Kapitalismus aussetzt. Und? Darum agitiere ich ja für dessen Abschaffung. Für ein gutes Klarkommen in notwendig schädlichen Verhältnissen kann ich hingegen nicht sorgen – und Du übrigens auch nicht.

    ***

    Und zum Asylgesetz: das ist doch echt mal ne zynische Härte Deinerseits. Du gestehst ja zu, den bgl. Staat zu nix zwingen zu können. Wenn Du also ne Änderung des Gesetzes willst, musst Du die Berufsnationalisten davon überzeugen, dass eine Änderung von deren Sortierung innerhalb der Sortierung „Ausländer“ mehr für den staatsnützlichen Zweck des Asylrechts taugen würde, als die bisherige Regelung. Die Politikberatung, dass anders geregelt als bisher ein paar Ausländer mehr vom Staat als Opposition gegen zu changende regimes und zugleich als politmoralischer Titel gegen die (Eure schlechte Herrschaft macht es nötig, Euren Landsleuten Asyl zu gewähren!) gehalten werden können, die bei einer Änderung der internationalen Lage dann so schnell wie möglich wieder abgeschoben werden, weil sie diese Nützlichkeit verloren haben, auch noch als Dienst an den Ausländern auszugeben, ist schon ein starkes Stück.

    Und na klar kannst Du so nen Scheiß machen und hinterher immer sagen: „Ätschibätsch, aber in Wirklichkeit bin ich für ein Ende dieser Sortierungen!“ – nur dass das den Widerspruch aufweist, dass das mit Deiner Praxis nicht die Bohne zu schaffen hat. Schließlich ist das Denken nicht auf Logik verpflichtet.

  30. 30 lahma 18. Mai 2009 um 12:20 Uhr

    es hat keinen sinn. nicht dass ich es nicht vorher schon gewusste hätte. ich ziehe die konsequenz – und breche die debatte ab. es kommt eh nur ein vollgespamter thread raus. interessierte können sich ja ältere threads zur thematik anschauen (zB: http://mpunkt.blogsport.de/2009/01/14/bericht-lea-va/), die argumente haben sich kein bisschen geändert, beiderseits.

    http://mpunkt.blogsport.de/2009/01/14/bericht-lea-va/#comment-21364

  31. 31 Annie_Slut 18. Mai 2009 um 16:39 Uhr

    Ich habe zwar jetzt nicht die Zeit gehabt, alle Kommentare durchzulesen, aber ich wüsste zu gerne von MPunkt: Ääääääääähhhhhm, liege ich mit der Vermutung richtig, dass du vielleicht weiß, männlich und nicht in Armut lebend bist? Und vielleicht noch in anderen Hinsichten privilegiert?
    Denn dass du anscheinend kaum eine Notwendigkeit anerkennst, sich innerhalb eines beschissenen, abzulehnenden Systems, dass durchaus abgeschafft werden sollte, was aber sicherlichm nicht gleich morgen passieren wird, um das eigene Überleben zu kümmern?
    Ich kann mir nicht vorstellen, das eine Person mit leichter Zunge die Verschärfung von Elend als angebliches revolutionäres Potential (und ich weise diese These zurück, dass Elend irgendwann automatisch zu revolutionärem Bewusstsein führt. Und erst recht, dass revolutionäres Bewusstsein nur durch extrem verschärftes Elend möglich sei.) verherrlichen kann, wenn selbige Person ernsthaft von Elend betroffen ist.
    Viellecht kannst du es dir leisten, die Revolution, die den Kapitalismus zu Geschichte macht, abzuwarten. Wer nicht weiß, ob sie_er morgen essen oder verhungern wird, kann das nicht.
    Vielleicht kannst du dir auch den Glauben daran leisten, mit der Abschaffung von Kapitalismus würden auch alle anderen strukturellen Gewaltverhältnisse enden. Ich kann’s nicht.
    Ich bin mir sicher, dass eine Revolution, die ausschließlich antikapitalistisch wäre und nicht gleichzeitig explizit anti(hetero)sexistisch, auch nicht zum Ende von Sexismus und Heterosexismus führen würde. Und damit wär’s nicht meine Revolution. Und wenn sie nicht explizit antirassisitsch wäre, wäre es es auch für sehr viele Menschen nicht ihre Revolution.

    Es ist albern, zu glauben, dass Menschen sich bereitwillig so lange sexistisch, heterosexistisch, antisemitisch, antirassistisch usw. unterdrücken lassen, damit sie durch ihr Elend irgendwann ein revolutionäres Bewusstsein entwickeln, aus dem heraus dann die jetzige Welt zu einer revolutioniert wird, in der weiße, männliche, nicht-jüdische, heterosexuelle, erwachsene, „able-bodied“ Arbeiter dann von Klassen-Untersrückung befreit und glücklich sind und glauben, sonst gäb’s keine Unterdrückung, weil sie selber keine mehr spüren.

  32. 32 der Klassensprecher von 1984 18. Mai 2009 um 18:04 Uhr

    Genau, mpunkt!
    Immer deinen Sprechort mitdenken, du Fiesling!

    *runs real fast & hides*

    Zu dem Vorwurd der Verelendungstheorie haste ja schon was geschrieben, aber das scheint entweder nicht gelesen oder nicht verstanden worden zu sein.

  33. 33 MPunkt 18. Mai 2009 um 18:11 Uhr

    @ Annie_Slut:
    und nicht in Armut lebend bist

    Schön wärs, aber Du kannst mir ja gerne ne Menge Geld überweisen, damit ich zu Deinem Vorurteil über mich passe. Ändert nur auch nix daran, ob meine Argumente stimmen oder nicht. Zum Rest: fange halt einfach mal an, die Kommentare zu lesen, am Besten von vorne, und dann wirst Du recht schnell sehen, dass ich kein Vertreter einer Verelendungstheorie bin.

    @ lahma:
    Mein letzter Comment war zu wütend formuliert und daher missverständlich … es geht mir nicht darum, Dir da ne böse Absicht zu unterstellen, sondern um den Hinweis darauf, dass das Asylrecht (und nicht nur das) wegen seines Zwecks nicht zu einem tauglichen Mittel für die armen Schweine gemacht werden kann. Weshalb es eben auch kein Zynismus ist, die darauf hinzuweisen, dass da schon ein Kampf gegen den bgl. Staat ansteht, wenn sie ihre Schädigung loswerden wollen – und nicht nur ein konstruktiver Verbesserungsvorschlag an ihm.

    Ansonsten hast Du wenigstens darin recht, dass die Debatte derzeit nix bringst.

  34. 34 Julinoir 18. Mai 2009 um 18:17 Uhr

    hey, lahmacun und annie-slut, ich stimme euch beiden weitgehend zu. allerdings hab ich über diese bemerkung hinaus null bock, mich in die debatte mit mpunkt zu stürzen, das wesentliche ist gesagt worden, und die aussichten, dass da ein vernünftiger austausch rauskommt gering. mit leuten, die andere lediglich „agitieren“ wollen, statt zu diskutieren, ist eben letzteres meistens schlecht möglich. und keine sorge, bis mpunkts revolution kommt, haben wir eine, die nicht nur antikapitlaistisch, sondern auch antisexistisch, antirassistisch und noch so einiges andere ist, gerockt.

  35. 35 lahmacun 18. Mai 2009 um 19:09 Uhr

    sowohl zum thema asyl als auch verelendung findet man in der verlinkten debatte beiträge.

    http://mpunkt.blogsport.de/2009/01/14/bericht-lea-va/#comment-21418

    „argument wohlstandskind“ u.Ä.

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