aktive Mutterschaft als Privileg

Menschen kommen als Traglinge auf die Welt. Sie benötigen verlässlichen individuellen Kontakt in Form eines sie liebenden Erwachsenen. Weil die Natur um die Wichtigkeit dieser Beziehung weiß, wird die Babyphase durch die Schwangerschaft minutiös vorbereitet und vom Stillen begleitet. Dieser Umstand prädestiniert die Mutter, primäre Bindungsperson zu sein, auch wenn theoretisch oder im Schicksalsfalle jeder bindungsbereite, liebende Mensch ein Baby begleiten kann. Allen anderslautenden Behauptungen zum Trotz ist nicht egal, wessen Arm ein Kleinkind hält, wer es tröstet und mit ihm spricht. Die aktuelle Forschung untermauert dies. Schon das Ungeborene kommuniziert mit der Mutter über Kindsbewegungen und kennt ihre Stimme.


Schon mal gleich vorweg, die Dame die uns diese Zeilen bescherrt ist nicht Eva Herrmann, sondern Dorothea Böhm, Vorkämpferin für eine „aktive Mutterschaft“.
Zu Wort kam Frau Böhm in einen Zeitartikel der sich mit der „wichtigen“ Frage beschäftigt, ob weibliches Schaffen außerhalb der Mutterschaft dem Nachwuchs schadet .
Wie oben schon deutlich wird meint Frau Böhm klar, Ja.
Ihre Begründung ist zutiefst biologistischer Natur.
Die Frau als gebärendes Wesen, in der „ein Kind heranwächst“, hat per se eine bessere ,weil emotionalere Bindung zum Nachwuchs.
Aber nicht nur die Mutter ist vom Kind abhängig, sondern auch das Kind von der Mutter, das heißt wenn sich die Mutter zu früh von dem Kind trennt, hat dieses mit lebenslangen psychischen Schäden zu kämpfen, allen voran Aggressivität.
Und wir wollen ja nicht, dass unsere Gesellschaft durch die vielen arbeitenden Rabenmütter verroht, oder?
Also muss Frau sich erst mal um den Nachwuchs kümmern und in ihrer Rolle als Mutti ganz aufgehen. Der Job muss also wieder irgendwie schmachhaft gemacht werden.
Wie?
Frau Böhms Ansatz:

Es gibt eine exklusiv weibliche Kompetenz: Nur Frauen werden schwanger. Das könnten sie als Privileg auffassen, viele dagegen scheinen es eher als Benachteiligung zu empfinden.

Ganz klar, man will uns wieder mit stolz sagen hören, dass wir und nur wir Frauen* ,eine Gebärmutter haben.

Yeah unsere „exklusiv weiblich Kompetenz“, die immer nur und überall toll ist…

Vielleicht wäre es der bessere Ansatz sich in Zukunft nicht mehr in solche Themen einzumischen und jede_n so Leben zu lassen, wie er_sie es für richtig hält.


13 Antworten auf “aktive Mutterschaft als Privileg”


  1. 1 Gary 29. Mai 2009 um 20:43 Uhr

    Das Frau Böhm hier Quatsch verbreitet steht außer Frage, allerdings finde ich es wichtig, dass für Mütter nicht nur ein Job als Alternative gelten darf. Nahezu jede Form der Selbstverwirklichung (oder ihre Zeit zu verbringen) sollte vom anderen Elternteil/der Gesellschaft anerkannt werden um entsprechende Freiräume zu schaffen. Wenn mensch eben einen halben Tag ein Bild malen möchte, dann sollte dies genauso gelten, wie der Wunsch nach einem bezahltem Arbeitsverhältnis.

  2. 2 kritikER 29. Mai 2009 um 21:21 Uhr

    vollkommen richtig, allerdings wird dies nicht machbar sein, so lange „bezahlte arbeitsverhältnisse“ bestehen.

  3. 3 leonie 30. Mai 2009 um 13:04 Uhr

    @gary: ich finde es vor allem wichtig, dass bei der Kindererziehung nicht immer nur die Rede von „der Mutter“ ist, sondern den Eltern.
    Du sagst für Mütter sollte dies und das nicht gelten und da hast du Recht, aber es sollte für beide Elternteile nicht zwingend gelten.

  4. 4 lana 30. Mai 2009 um 13:46 Uhr

    leonie, da finde ich dich aber auch ein bisschen widersprüchlich. auf der einen seite betonst du immer, der bauch (+fötus) gehört der frau und der mann soll sich da bitte bei allen entscheidungen raushalten (dem würde ich auch erstmal zustimmen). genauso wenn´s darum geht, dass die mutter sich alleine um das kind kümmern will.
    - aber dann, wenns um pflichten geht, gehst du wieder davon aus, dass der vater sich in gleicher weise für das kind zuständig fühlen muss (finanziell, zeitlich, emotional). oder habe ich dich da falsch verstanden?

  5. 5 leonie 30. Mai 2009 um 14:42 Uhr

    Ja mein Bauch gehört mir, wem sonst? Du verstehst aber einiges falsch.
    Meine Kritik bezieht sich hier darauf, dass wenn es um Kindererziehung geht immer die Mutter den aktiven Part zugeschoben bekommt, auch wenn beide das Kind unbedingt wollten. Der mutter wird immer die volle Kompetenz zu gesprochen wenn es um Erziehungsfragen geht weil sie ja den „Mutterinstinkt“ hat.
    Und gegen dieses Vorurteil stelle ich mich hier. Frauen sind nicht die besser Eltern!- will ich damit sagen

    Und mich nervt es auch, dass Frauen die ein Kind haben sofort ihr ganzes vorheriges Leben aufgeben müssen um eine gute Mutter zu werden. Hier findet einfach eine totale Reduzierung der Frauen auf die Mutterrolle statt.

    Was das jetzt mit Abtreibung etc zu tun hat.. I don´t know..

  6. 6 Annie_Slut 30. Mai 2009 um 21:39 Uhr

    Ääääähhhhhhm ja. Soweit ich weiß, hören Ungeborene im Mutterleib nicht nur die Stimmte der Mutter, sondern auch die Stimmen von Leuten, die so um die Schwangere herum sind. Also warum sollen nicht auch andere Leute als die biologische Mutter sich auf diese Weise dem Fötus schonmal bekannt machen können, so dass sie nach der Geburt für das Baby vertraut klingen?
    Außerdem, wenn das so ungeheuer extrem wichtig für die Entwicklung sein soll, muss Adoption ja ein ganz grausames Geschäft sein, weil es ja unheimlich schädigend für Kinder ist, wenn andere als die leibliche Mutter die primären Bezugspersonen werden. Dafür hätte ich dann gerne mal Nachweise.

    Außerdem ist diese „exklusive weibliche Kompetenz“, von der die Böhm da redet, wirklich ein unglaubliches Privileg, easy Job, gut bezahlt, sorgloses Luxusleben, bevorzugte Behandlung auf dem Arbeitsmarkt, ’ne gut gefüllte Rentenkasse, alles locker vom Hocker…
    Oder verwechsle ich das gerade? :-?

  7. 7 Gary 30. Mai 2009 um 23:54 Uhr

    @Leonie

    Sorry da habe ich mich unklar ausgedrückt. Klar sollte dies für beide gelten nur gilt es meist für Väter schon lange. Ich habe noch nie einen männlichen Kollegen erlebt, der es nicht geschafft hätte Beruf, Hobby und Familie unter einen Hut zu bekommen. Dass dies dann wahrscheinlich auf Kosten der jeweiligen Mutter geschieht, wird natürlich nicht erwähnt. Mir geht die Forderung nach Beruf+Familie bei Frauen nicht weit genug, da jeder auch noch das Recht auf ein Hobby hat.

    @Kritiker

    Es muss ja nicht gleich die Abschaffung der Lohnarbeit sein. Ein bedingungsloses Grundeinkommen sollte es für den Anfang auch tun.

    @Lana

    „aber dann, wenns um pflichten geht, gehst du wieder davon aus, dass der vater sich in gleicher weise für das kind zuständig fühlen muss (finanziell, zeitlich, emotional). oder habe ich dich da falsch verstanden? “ Nein, hast du (wahrscheinlich) nicht.

  8. 8 KritikER 31. Mai 2009 um 13:13 Uhr

    so lange lohnarbeit besteht steht ds grundeinkommen immer im widerspruch zum nationalen geschäftserfolg. weshalb dem grundeinkommen per definition enge grenzen gesteckt werden. und almosen in lächerlich niedriger höhe – wer will das schon? tatsächlich veränderungen müssen sich an den bedürfnissen der menschen orientieren und nicht an wirtschaft und lohnarbeit.

  9. 9 leonie 31. Mai 2009 um 17:15 Uhr

    @Annie-Slut: ja Adoption ist für die Gute sicher ein No-Go und aggressive Kinder das Resultat.
    Das Argument mit der Stimme, d.h dass auch die von anderen Menschen wahrgenommen werden, scheint sie bereits zu kennen, deshalb spricht sie hier auch noch davon, dass die Kommunikation zw. Mutter und Kind über Kindsbewegungen abläuft.
    Damit hat sie das 1a Todschlagargument für alle Kritiker.

  10. 10 leonie 31. Mai 2009 um 17:18 Uhr

    @lana und alle: ich finde es nicht verpflichtend dass sich ein Erzeuger emotional oder zeitlich für ein Kind aufopfern muss, dass er nicht wollte.
    Naja und dass mit den Finanzen muss er. Den Frauen wäre es aber sicher egal wer ihnen das nötige Geld für die Erziehung gibt, da „papi staat oder sonst wer“ darauf aber keinen Bock hat müssen nun mal die Väter ran.

  11. 11 Alice-Fanatikerin 11. Juni 2009 um 11:58 Uhr

    Frauen wehrt Euch! Zertrümmert das Patriarchat und töte die Männer – ein für alle mal!

  12. 12 Alice-Fanatikerin 11. Juni 2009 um 11:58 Uhr

    Frauen wehrt Euch! Zertrümmert das Patriarchat und tötet die Männer – ein für alle mal!

  13. 13 lahmacun 11. Juni 2009 um 19:01 Uhr

    ^^entweder ein fake oder durch den wind.

    wundere mich nur, dass der kommentar durch- bzw. stehengelassen wird. ist einfach nur krasser sexismus mit entsprechendem gewaltaufruf.

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