Archiv für Mai 2009

Not a feminist?

Frauenwanderung: Auf den Spuren der PartisanInnen.

Urlaub mal anders. Hätte ich Zeit, wäre ich dabei.

Frauenwanderung: Auf den Spuren der PartisanInnen. Befreiungskampf und antifaschistischer Widerstand gegen des NS-Faschismus

Freitag 19. bis Sonntag 28. Juni 2009
in Südkärnten, Österreich

Weiterlesen auf Salon 21

Endziel Mensch

Ich freue mich, dass ich nun ab und zu hier schreiben darf und möchte sogleich mit einem Thema beginnen, das mich immer wieder umtreibt. – Der Frage, wie es um Frauensolidarität in diesem Gesellschaftssystem bestellt ist.

In einem älteren Beitrag auf dem Mädchenblog habe ich folgendes Zitat einer Autorin der Mädchenmannschaft gefunden:

Ich finde es sehr wichtig, dass die aktuelle Debatte um den Feminismus noch um einige Perspektiven bereichert wird – durch lesbische Frauen, durch Migrantinnen, durch Alleinerziehende, Arme und eigentlich durch alle, dessen Lebensumstände bisher noch zu wenig beleuchtet wurden.

Diese Haltung – dass Klasse, „Rasse“ oder auch Begehren noch ein bisschen zum Feminimus dazu addiert werden müssten, dann wäre alles im Lot – wurde schon in den 1980ern von Schwarzen Feministinnen kritisiert: Dabei würde nicht nur der historische, sondern auch der gegenwärtige Rassismus weißer Frauen kleingeredet. Ähnliches kritisierten auch jüdische Feministinnen: Bis Ende der 1980er Jahre galten die Frauen den meisten deutschen Feministinnen als kollektives Opfer nationalsozialistischer Herrschaft. Ausgeblendet blieben KZ-Aufseherinnen und fanatische Hitler-Anhängerinnen, ebenso, dass an „der Rampe“ das Geschlecht nicht ausschlaggebend war (was nicht heißt, dass es z.B. innerhalb der KZ keine Diskriminierung von Frauen gab).
Und mittlerweile zeichnet sich in der Theorie ab, dass die kritisierte Vormachtstellung der Geschlechterkategorie tatsächlich überwunden wird. Und ich meine: das ist gut so.

So mancher Feministin mag das nicht gefallen: So werden nun (wieder) vermehrt die Spaltungen zwischen Frauen thematisiert, zwischen der Unternehmerin und den Frauen, die für sie schuften für wenig Lohn, zwischen der erfolgreichen Wissenschafterin und der „illegalen“ Pflegerin, welche die „Drecksarbeit“ erledigt. – Das mag nicht so recht zur vielbeschworenen Frauensolidarität passen.
Doch das Wegschauen ändert nichts an den Tatsachen. Etwa an der Tatsache, dass so manche Karriere nur möglich ist, weil eine migrantische Putzfrau für einen Minilohn zuhause putzt: „Schwesterlichkeit“ äußert sich hier hierin, dass gut gestellte Frauen „geschlechtsspezifische“ Arbeiten an arme Frauen deligieren.

Die Berücksichtigung der Spaltungen der Frauen in Herrschende und Beherrschte, in Privilegierte und Unterpriviligierte, in Unten und Oben, in „Legale“ und „Illegale“, verweist auf etwas, was so manche Feministin schon vor Jahrzehnten wusste, was aber in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten war: Dass umfassende Emanzipation innerhalb dieses Systems nicht zu haben ist.

Dieses System produziert immer Verliererinnen und Verlierer: Menschen, die sich, um überleben zu können, prostitutieren müssen, die das, was man herkömmlicherweise als Würde bezeichnet, tagtäglich am Fabrikstor, Eingang zur Arbeitsagentur oder Ausländerbehörde abgeben müssen.
Oftmals trifft es von den Geknechteten die Frauen besonders hart: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – und viele Frauen wagen nicht sich zu wehren, aus Angst um die Stelle, die sie brauchen –, das Aufenthaltsgesetz, das es migrantischen Frauen, die unter ehelicher Gewalt leiden, oft unmöglich macht, sich zu wehren. Auch legen viele Arbeiter und Angestellte gegenüber Kolleginnen abwertendes Verhalten an den Tag: In der Konkurrenz ist nicht wenigen jedes Mittel recht; auch so mancher tröstet sich über seine niedrige Postion in der gesellschaftlichen Hierarchie damit hinweg, dass er auf anderen, von denen er meint, sie stünden in der Hierarchie der Wertigkeiten unter ihm, herumtrampelt. Das ist meiner Meinung nach auch ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter noch nicht immer in partnerschaftlichem Umgang im Privatem zeigt: Auf die Möglichkeit der Kompensation eigener Schlechterstellung will nicht jeder verzichten1.

Daran, dass diesen Missständen in aller Schärfe entgegengetreten werden muss, besteht kein Zweifel. Kapitalismuskritische Menschen z.B., bei deren Äußerungen man manchmal nachgerade den Eindruck gewinnt, Feminist_innen seien einer der „Hauptfeinde“, scheinen mir einer verqueren Verelendungstheorie anzuhängen. – Als würde der Verzicht auf solche Kämpfe und die sich nicht immer, aber doch des Öfteren einstellenden Erfolge, zu mehr „revolutionärem Bewusstsein“ führen würden.
Solange grundlegendere gesellschaftliche Veränderungen nicht abzusehen sind, müssen sich Frauen organisieren und wehren – soweit es möglich ist.

Doch es ist meiner Meinung eine Tatsache, dass die Kämpfe der Frauen beschränkte sind. Frauen, Arbeiterinnen und Kapitalistinnen, sind eben nur in einer Hinsicht „Schwestern“: als Angehörige eines Zwangskollektiv. Sie verbindet keine „weibliche Natur“ oder „Intuition“ – ihre einzige Gemeinsamkeit besteht in der Diskriminierung als Frau.
Ansonsten sind sie Gegnerinnen: Die Unternehmerin, die so wenig Lohn zahlen will wie nur möglich – also stets daran arbeitet, Lohnarbeiter_innen in eine noch miesere Lage zu drücken – , und die Arbeiterin, die sich den Unternehmer_innen prostituieren muss. Und auch die Arbeiterinnen unter sich bekämpfen sich nicht selten, stehen sie doch auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz zueinander. Die vielbeschworene Frauensolidarität findet schnell ein Ende in diesem System.

Daran ändert auch die Beschwörung der „Weiblichkeit“ nichts. Dies ist nur Affirmation des Zwangskollektivs „Frau“. Radikaler Feminismus zielt auf Abschaffung dieses Zwangskollektivs. – Umfassende Gesellschaftskritik bleibt dabei aber nicht stehen und findet sich auch nicht mit der von bürgerlichen Feministinnen angestrebten geschlechtergerechten Herrschaft ab: sie zielt auf Abschaffung aller Zwangskollektive, somit auch auf Abschaffung von Kapitalismus und bürgerlichem Nationalstaat. – Auf dass es einmal eine Gesellschaft gebe, in der sich Frauen (und auch Männer) nicht mehr gegenseitig bekämpfen (müssen). Für eine Gesellschaft freiwilliger Kollektive.

  1. Doch auch so manche Frau findet noch jemanden, der unter ihr steht: Solidarität zwischen „ordentlichen deutschen“ Frauen und „sozialschmarotzenden Migrantinnen“ ist nicht ohne Grund selten. Statt mit migrantischen Kolleginnen „gemeinsame Sache“ zu machen, richtet sich manche Frau lieber in der gesellschaftlichen Hierarchie ein. [zurück]

Der Deutschunterricht ist männlich

Halbstündiger Radiobeitrag zum Thema Identifikationsfiguren für Mädchen in deutschen Schulbüchern: Der Deutschunterricht ist männlich.

Girls on Top

Die Mädchenmannschaft ist beim Grimme Online Award 2009 nominiert. Wer für sie stimmen mag, kann das hier tun: http://tinyurl.com/r5hp24

TV-Tipp

3sat zeigt am Sonntag um 21.45 Uhr die Reportage „Die dünnen Mädchen“. Bin gespannt ob und wie sie das Thema Anorexie aufbereiten. Kennt jemand die Reportage?

21.05. Marburg: Homophoben Kongress verhindern!

In der Zeit vom 20. bis zum 24. Mai findet in Marburg der „6. internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ statt. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft wollen reaktionäre evangelikale Kräfte einen Kongress veranstalten, gegen den sich breiter Widerstand formiert hat.
Organisiert wird der Kongress von der „Akademie für Psychotherapie und Seelsorge“, die sich besonders durch die Verknüpfung von therapeutischer Beratung mit christlich evangelikalen Lebensvorstellungen hervortut. Es sind über 100 Workshops geplant, die sich unter anderem mit Themen aus dem Bereich Sexualität und Identität beschäftigen. Die einzelnen Referent_innen verbreiten ein konservatives Bild von der heterosexuellen Ehe als einzigem Lebensmodell und stigmatisieren Homosexualität als krankhaft und nicht erwünscht. Insgesamt offenbart die Auswahl der Referent_innen ein erzkonservatives und zutiefst reaktionäres Weltbild.

Ein Bündnis aus queeren, feministischen, antisexistischen sowie antifaschistischen Gruppen, kritischen Wissenschaftler_innen und Einzelpersonen u. a. aus Marburg, Frankfurt, Kassel und Göttingen hat sich gegründet, um gegen den Kongress mit seiner zutiefst sexistischen und homophoben Botschaft vorzugehen.
…“

Demonstration:
Donnerstag, 21.5.09
10.30 Uhr, Hbf Marburg

Infos: http://noplace.blogsport.de/

Auf diesem Kongress kommen Leute zu Wort, die Homosexualtät „therapieren“ wollen. Mit Heterosexualität als Therapie-Ziel.

Also bitte sagt es weiter und kommt nach Marburg zur Demo, wenn ihr könnt.

Viva España

Nach der gestrigen, katastrophalen Entscheidung unserer „Volksvertreter“, freut mich diese Nachricht umso mehr:

Die spanische Regierung hat trotz kirchlicher Dauerproteste ein neues, liberaleres Abtreibungsgesetz verabschiedet.
Demnach können Frauen in Spanien straffrei und kostenlos, ohne Angabe von Gründen, eine Abtreibung bis zur 14.ten Woche vornehmen lassen.
Liberal ist das Gesetz vor allem auch dadurch, da es Minderjährigen, ab 16 Jahren, einen Abbruch ohne Erlaubnis der Eltern ermöglicht.
Spätabtreibungen sind bei Missbildung des Fötus, psychischer oder physischer Gefährdung der Schwangeren bis zur 22.ten Schwangerschaftswoche erlaubt.

Weibliche Aggressivität=Amok?

Nachdem eine 16jährige bei dem geplanten Versuch, ihre Schule anzuzünden eine Mitschülerin verletzt hat, haben wir hier jetzt auch „unsere erste weibliche Amokläuferin“.
So. Und was sagt uns das jetzt? Erstmal gar nichts.
Denn eigentlich war es doch gar kein Amoklauf. Noch nicht mal ein geplanter.
Kuckt man bei Wikipedia nach, dann steht da:

Amok (malaiisch: meng-âmok, in blinder Wut angreifen und töten) ist eine psychische Extremsituation, die durch Unzurechnungsfähigkeit und absolute Gewaltbereitschaft gekennzeichnet ist.

(mehr…)

Es hätt echt nicht sein müssen…

nun also… alea iacta est:

Der Bundestag hat mit klarer Mehrheit für die striktere Regelung bei Abtreibungen nach der zwölften Schwangerschaftswoche votiert. In namentlicher Abstimmung sprachen sich 326 von 560 Abgeordneten für einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf aus, demzufolge die Bedenkzeit für Schwangere vor einer solchen Abtreibung ohne Ausnahmen auf drei Tage festgelegt und ärztliche Verstöße gegen Beratungspflicht oder Bedenkzeit mit Bußgeldern geahndet werden sollen.

Der Singhammer-Entwurf ist also durch.
Und das wirft meiner Meinung nach kein schönes Licht darauf, was die Damen und Herren PolitikerInnen von Frauen und ihrem Selbstbestimmungsrecht halten.

Ein Grund mehr, jetzt richtig Dampf zu machen gegen diese Entscheidung.

Edit:

- Die Zeit findet die Lösung vertretbar
- In der Welt wird die Abstimmung schön parteipolitisch aufklamüsert
- Nicht direkt auf die Abstimmung bezogener, aber äußerst lesenswerter Kommentar in der taz