Archiv für Mai 2009

In jedem Fall – einen Schritt zurück statt nach vorn

Heute wird im deutschen Bundestag über das Gesetz zur Regelung von Spätabtreibungen abgestimmt.
Bisher sieht es leider so aus, als ob der Singhammer-Entwurf, der auch von der ehemaligen Frauenministerin Renate Schmidt unterstützt wird, eine Mehrheit im Bundestag finden wird.
Als Alternative zum Singhammer-Entwurf steht die Lösung der SPD Abgeordneten Christel Humme, sie macht sich für eine freiwillige Beratung stark. Allerdings beinhaltet ihr Entwurf eine sehr schwammige Formulierung zum Thema „Drei-Tages-Frist“.
So heißt es in ihrem Entwurf:

Schwangere und ihre Partner brauchen in einer solchen Situation eine ausreichende Bedenkzeit. Was in jedem konkreten Einzelfall ausreichend ist, kann nach unserer Auffassung nicht der Gesetzgeber festlegen. Es ist vielmehr anhand der individuellen Situation von den Betroffenen gemeinsam mit ihrem Arzt beziehungsweise ihrer Ärztin zu entscheiden.

Hier auch noch interessante Links zum Thema:
Strafrechtlerin, Monika Frommel in der Emma.
Die Pressemitteilung des „deutschen Ärtzinnenbundes“ zur Debatte.
Und nochmal Monika Frommel in der Taz.
ProFamilia hat ebenfalls eine Pressemitteilung verfasst.
Zuletzt die Stellungsnahme von Christel Humme zum Thema „Drei-Tages-Frist“

Leider sind alle Vorschläge die morgen diskutiert werden nicht „das Gelbe vom Ei“, den Singhammer-Entwurf gilt es aber entschieden zu vermeiden.

Eines führt uns aber die Debatte aber schon heute vor Augen, das Recht der Frau auf einen Abbruch wird wohl in den nächsten Jahren immer häufiger angegriffen werden. Es bedarf also einer starken Front gegen reaktionäre Politiker und Kirchen.

UPDATE: Der Bundestag hat mit klarer Mehrheit für den Singhammer-Entwurf gestimmt.

Es sich leicht machen

“ Frauen treiben nicht leichtfertig ab“ und wenn doch?

Der deutsche Staat hat, um dies zu verhindern, Frauen eine Zwangsberatung und eine Wartezeit von drei Tagen aufgedrückt.
Die Kirche überschüttet Frauen mit moralisch eindeutigen Botschaften um ihnen ihr „Gewissen“ näher zu legen.
Und alle anderen, darunter auch einige bekannte „Feminist_innen“, propagieren den Satz „sie tun es ja nicht leichtfertig“ und zeigen damit das auch bei ihnen die moralische Indoktrinations – Maschinerie schon eingesetzt hat.
Was dieser bekannte Satz nämlich sagt ist, das eine Abtreibung immer und für jede Frau ein große Sache zu sein hat. „Leicht machen“ gilt nicht. Wer es sich leicht macht, könnte es ja später bereuen oder gar „Leben“ sinnlos opfern.
Wen mit solchen Parolen in die Arme spielt wird, ist ziemlich schnell klar.
Gängiges Bild ist, dass Frau einen triftigeren Grund braucht als „ich will einfach nicht“ , entweder Armut, Minderjährigkeit oder sonst einen „Fehler“ der sie daran hindert nach gesellschaftlichen Vorbild Mutti zu sein.
Wer also Abtreibungen voll legalisieren und enttabuisieren will muss endlich den „Büßermantel“ ablegen und aufhören in jeder Diskussion den „Leichtfertig-Satz“ als Entschuldigung/Rechtfertigung aller abtreibender Frauen anzuführen.
Wirklich frei entscheiden kann Frau nämlich erst, wenn wir um Abtreibungen nicht mehr das soziale Konstrukt des heiklen und an sich verwerflichen Themas aufbauen.
Ansonsten wird Frauen das schlechte Gewissen quasi eingeredet und die „Lebensschützer“ jubeln und sprechen vom „Post Abortion Syndrom“.

Frauen dürfen also leichtfertig abtreiben, müssen es aber nicht.

Spanien – Ein Schritt in die richtige Richtung

Was Frauen in Deutschland noch untersagt ist, wird ihnen nun in Spanien ermöglicht.
Die sozialistische Regierung will noch in den nächsten drei Monaten „die Pille danach“ rezeptfrei auf den Markt stellen und dürfte damit genau wie bei ihrer versuchten Reformation des Abtreibungsrechts auf Kritik der katholischen Kirche und anderer konservativer Vertreter stoßen.

Für Frauen in Spanien dürfte dies aber eine große Erleichterung sein, da nun der lästige Arztbesuch zur Ausstellung eines Rezeptes weg fällt.
Sehr vorbildlich ist das neue Gesetz auch dadurch, dass es keine Altersbeschränkung für das Präparat beinhaltet.

Durch die neue Frauenministerin Doris Bures (SPÖ) ist auch in Österreich die Diskussion um die „Pille danach“ wieder neu entfacht. Bures plädiert darauf das Hormonpräparat von der Liste der Rezeptpflichtigen Medikamente zu nehmen. Ob sie die Mehrheit der Regierung auf ihre Seite zieht ist noch ungewiss.

Frau von der Leyen scheint dieses Thema, wie alle frauenpolitischen Themen jenseits der Gebärfunktion, eher weniger bis gar nicht zu interessieren.
Wahrscheinlich ist sie zu beschäftigt mit ihrer Schirmherrinnenschaft des „Christivals“ eines christlichen Jugendkongresses, der öfter negativ durch seine Äußerungen über Homosexualität und seine Ablehnung der „Abtreibungspraxis“ auffällt.
Wirklich eine Klasse Frauenministerin!
(Achtung böse Nachrede und Ironie)

Homophobie an Schulen

Spiegel Online über Schulen als Homophobie-Hochburgen.

Radha Lewis über Spätabtreibungen

Radha Lewis, vielseitig engagierte amerikanische Ärztin, kommt bei der Feministing community zu Wort. Und erklärt, warum sie – anders als viele andere US-ÄrztInnen – auch mit Überzeugung Spätabtreibungen vornimmt.
Wie in den vorausgegangenen Posts zu diesem Thema hier auf dem Blog oftmals erwähnt, ist die tatsächliche Anzahl der Spätabtreibungen verschwindend gering.
Was Frauen dazu bewegt, ist unterschiedlich. In den meisten Fällen bestehen erhebliche Gesundheitsrisiken für die Mutter oder das Kind wäre außerhalb des Mutterbauchs sowieso nicht überlebensfähig.
Das sind die Gründe, welche die meisten Leute immerhin gut nachvollziehen können. Allerdings trotzdem viel zu wenige. Sieht man gut an einem Beispiel, das eine Kommentatorin gibt:

I have a friend who required a late-term abortion when she found out her much-wanted baby had multiple birth defects incompatible with life. She actually had people telling her she ought to carry the child to term and have a Caesarean (because the baby’s organs were growing outside its body, it could not have gone through vaginal delivery) just so her child could live a few minutes or hours in pain, struggling, because it was God’s will.

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Musik für feministische Ohren

Auch wenn das „Video“ nicht überzeugt, Musik und Text tun es allemal.

Voila Freundeskreis mit Nebelschwadenbilder

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Genderstudies als Hindernis?


Kathryn schreibt in der feministing community über ein verzwicktes Problem bei der Jobsuche.
Sie hat als Hauptfach Englisch und Gender Studies, im Nebenfach Philosophie studiert.
Bei Vorstellungsgesprächen scheint aber ein ganz spezielles Interesse an den Gender Studies aufzutauchen:

I have had several interviews where the interviewer asks about my GWS major and seems rather preoccupied with it. The line of questioning tends to revolve around my idea of what sexual harassment is, and whether or not I am inclined to bring frivolous lawsuits.

Anstatt es als Gewinn anzusehen, eine Mitarbeiterin mit Wissen in diesem Feld zu haben, fürchtet man sich vor ihrer Gefährlichkeit. Das mag in gewissem Sinne ja bestätigen, wie notwendig dieses Fach noch ist, gereicht der Bewerberin aber nicht zum Vorteil. (mehr…)

Gegen teurere Preise bei großen BHs

Eine Britin hat sich Aktien bei Marks & Spencer gekauft, um ihrer Beschwerde über höhere Presie bei BHs ab Größe DD Nachdruck verleihen zu können.

Sei wie ein Mann, dann packst du es!

Marion Knaths, Managertrainerin mit Spezialgebiet Frauen, beglückt uns regelmäßig im Videoformat mit ihren „Karrieretips für Frauen“ . Zu sehen ist das Ganze auf „zeit.de“.
Diese Woche Thema: „Kontakte in der Bar“ . Wer sich bei diesem Titel schon entsetzt abwendet und denkt „was für ein sch…“, hat vollkommen recht.
Frau Knaths packt in ihren Vorträgen alle nur bekannte Stereotypen über „Die Männer“ und „Die Frauen“ aus. Und macht uns Frauen eines klar: wer nach oben will muss fußballerisch sprechen und über sexistische Witze hinwegsehen. Denn wer nimmt eine Frau nicht gleich ernster wenn sie die Abseitsregeln erklären kann und über Männerwitze „nach 23 Uhr“ lacht oder wenigstens müde lächelt.

Dass nicht „wir“ Frauen uns ändern müssen, sondern die sexistische, patriarchale (Arbeits)-welt scheint Frau Knaths wenig zu interessieren.

Und ich warte gespannt auf die Folge „Mit dem Simensvorstand im Puff“.

Ärztinnen gegen Zwangsberatung

Zur Debatte um die Verschärfung des §218 im Bezug auf Spätabtreibungen, meldete sich nun auch der „Deutsche Ärztinnenbund“ zu Wort. Sie erteilen der Fraktion um den konservativen Politiker Singhammer eine klare Absage: „Zwangsberatung ist inhuman“ heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung vom 16.3.
Die Ärztinnenkammer betont auch, dass eine umfassende Beratung von Schwangeren auch ohne Gesetzesverschärfung möglich sei.
Dazu Dr.med Gabriele du Bois

Zusätzliche Gespräche sollten angeboten, aber nicht erzwungen werden. Schwangere mit einem auffälligen Ergebnis in der Pränataldiagnostik werden darauf hingewiesen, dass sie ihre Entscheidung für oder gegen die Schwangerschaft in Ruhe und möglichst über drei Tage hinweg treffen sollten. Der Verdacht auf eine schwere Störung des Kindes besteht aber oft schon Tage bevor das endgültige Laborergebnis vorliegt. Schwangeren Frauen dann eine Zwangsbedenkzeit aufzuerlegen, erscheint im Einzelfall unzumutbar

Sehr wahr auch der Satz von Präsidentin Dr. Astrid Bühren.

Dass Frauen sich durch Zwangsberatungen, Einhalten von Bedenkzeiten und stärkere Dokumentation eher zum Austragen eines schwer behinderten Kindes entscheiden können, ist für uns als Ärztinnen nur schwer vorstellbar.

Desweiteren sprechen sich die Ärztinnen gegen die Aushöhlung der ärtzlichen Schweigepflicht aus, die der Singhammer-Entwurf mit sich bringen würde.
Mit dieser Mitteilung stellt sich der „Deutsche Ärztinnenbund“ auch gegen die “ Bundesärtzekammer“ deren Präsident Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe mit dem Singhammer-Entwurf liebäugelt.
Als Alternative zu einer Gesetzesverschärfung spricht sich der Ärztinnenbund für den Ausbau freiwilliger Beratungsangebote aus.