„Frauen regieren die Welt“ blahblahblubb…

Nachdem ich mir gestern abend mal wieder so Schwachsinn à la „Ihr Frauen habt doch eigentlich eh die ganze Macht – braucht bloß neckisch mit den Augen zwinkern und alles fällt euch zu Füßen“ anhören mußte, hier einen Ausschnitt aus Elizabeth Wurtzels Buch „Bitch“:

Jedesmal, wenn wir sehen, wie Männer, die an den Schaltstellen der Macht sitzen, oder Männer, die eine unbedeutende Rolle in unserem eigenen Leben spielen, sich wegen einer Frau völlig verlieren und wir dann annehmen, daß sie ihn manipuliert hat, ihm geschmeichelt hat und ihn so in den Ruin und ins Unglück trieb, jedesmal, wenn wir glauben, daß sie ihn zu Fall gebracht hat, machen wir es ihm viel zu leicht. Wenn Frauen so viel Verantwortung, Anerkennung und Schuld für das Verhalten der Männer, mit denen sie schlafen, zugesprochen wird, dann glauben wir in der Tat, daß bei jedem Mann mit einem Steifen die Blutversorgung des Gehirns abbricht – was, so muß ich zugeben, häufig der Fall ist, aber normalerweise kommen selbst Männer irgendwann wieder zur Besinnung. Wenn Männer tatsächlich nur tumbe Sexsklaven wären, dann säße jetzt Gennifer Flowers im Weißen Haus, und Bill Clinton wäre Barsänger im Excelsior Hotel in Little Rock (vielleicht wäre Hillary Vizepräsidentin).
Ich meine, wenn Pussy Power derart potent ist, daß sie die britische Regierung in die Krise stürzen, daß sie John Lennon dazu bringen kann, ein paar völlig indiskutable Alben zu machen und für einige peinliche blaßärschige Fotos zu posieren, und wenn sie Samson – einen Mann, der so stark war, daß die Samsonite-Koffer nach ihm benannt wurden, die selbst von Gorillapranken nicht zerstört werden können – schwach und zittrig und zum Sklaven seiner Lust werden lassen kann, wenn Männer also so leicht manipulierbar sind, warum haben wir dann bis 1920 gebraucht, um das Wahlrecht zu bekommen?
Jedesmal, wenn jemand im Hinblick auf den Geschlechterkampf behauptet, sie habe ihn zu Fall gebracht, ist das ungefähr so, als würde man sagen, Denn sie wissen nicht, was sie tun sei ein Film mit Natalie Wood: Die Hälfte der Geschichte fehlt. Wer Samson als irgendwie nicht beteiligt an der Vernichtung, dem Desaster und Chaos sieht, wer alles auf Delila abwälzt – die ja eine tolle Frau gewesen sein mag, aber eben nur eine Frau und dazu noch eine unwissende Philisterin (im Kulturbanausen-Sinn des Wortes)-, der gibt ihr viel Verantwortung, aber keine Rechte.

(Zitat aus Elizabeth Wurtzel, Bitch – ein Loblied auf gefährliche Frauen, Blessing Verlag, München 1999

Zusatz: bei Happy Feminist gab’s mal eine Diskussion zu genau dieser Stelle. Lesenswert.


10 Antworten auf “„Frauen regieren die Welt“ blahblahblubb…”


  1. 1 frankenstein 08. Juni 2009 um 12:47 Uhr

    das kommt gerade richtig, da ich gestern gesagt bekam, dass sich frauen doch eigentlich nicht beschweren dürften, schließlich sind sie es ja, die die kinder zu solchen männern und frauen erziehen. praktisch selbst schuld an allem. it’s a womens world? das ist schon ein ding. allerdings bin ich auch von den frauen genervt, die das ja als „gar nicht so schlimm“ empfinden und sich eher noch darüber amüsieren, dass sie männer ja angeblich so leicht um den finger wickeln können. was steckt dahinter? reine dummheit, oder doch bequemlichkeit? anscheinend haben ja doch oft beide geschlechter ein interesse daran, solche unwahrheiten in die welt zu setzen und sie dort zu erhalten. was ich zum beispiel im umgekehrten fall nicht verstehe: männer werden durch ihre rolle ja auch nicht gerade in eine positive rolle gesteckt, aber eine männerbewegung zur emanzipation des mannes gibt es nicht. wenn überhaupt dann ja nur als maßnahme gegen feminismus, nicht aber, um mit vorurteilen aufzuräumen. ich kapier das nicht. kapiert das jemand? beispielsweise wird weiterhin das klischee vom starken mann verkauft, der immer kann, und immer will, und vor allem nie opfer ist. wenn er es dann eben doch ist (was ja gar nicht so selten vorkommt), dann wird eben nicht drüber gesprochen. wem soll das nutzen? sorry, wird hier wohl ne themaverfehlung. aber das sind die dinge, die mir dazu durch den kopf gehen.

  2. 2 Kane 09. Juni 2009 um 20:14 Uhr

    „aber eine männerbewegung zur emanzipation des mannes gibt es nicht“

    manndat.de
    Arne Hoffmann

    Aber zum Artikel selber: Wer glaubt denn wirklich die Realtität mit der einfachen Formel „Männer haben das Sagen“ reduzieren zu können? Also ich bekomme ständig Bauchschmerzen, wenn ich – egal in welchem Zusammenhang – redundante „Weltformeln“ höre.

    In diesem Zusammenhang bekomme ich wohl Bauchschmerzen, weil ich nebenbei ehrenamtlich tätig bin und weis, dass die Mehrheit der Obdachlosen und Behinderten männlich ist.

    Und nur weil ein Kerle irgendwo in irgendwelchen Führungspositionen sind, haben 40mio Deutsche (nämlich die männliche Hälfte) das Sagen in diesem Land?? Also bitte…

  3. 3 frankenstein 09. Juni 2009 um 21:00 Uhr

    die seite kenne ich schon. macht mich aber stutzig, dass man „Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit“ unter Literaturempfehlungen findet.

  4. 4 kritikEr 09. Juni 2009 um 21:16 Uhr

    Und nur weil ein Kerle irgendwo in irgendwelchen Führungspositionen sind, haben 40mio Deutsche (nämlich die männliche Hälfte) das Sagen in diesem Land?? Also bitte…
    ok, was heißt es denn für dich? haben besagte männer etwa nicht „das sagen“?

  5. 5 lahmacun 09. Juni 2009 um 21:40 Uhr

    und was ist mit der merkel? --> es ist falsch, alles auf ‚gender‘ zurückzuführen.

  6. 6 kritikEr 09. Juni 2009 um 22:36 Uhr

    Ich führe nichts auf ‚gender‘ zurück. Wir können uns gerne anschauen wie die Funktionselite des Kapitals so zusammengesetzt ist. Du wirst einfach wenig Frauen finden (vielleicht mal so einen Token, über den du und andere FeministInnen sich dann freuen, weil sie es „geschafft“ haben ;) ). Das ist eine simple Tatsache. Du wirst darüber hinaus auch wenig Leute aus der ArbeiterInnenklasse finden usw. Kannste mal sehen.

  7. 7 XYZ 10. Juni 2009 um 11:31 Uhr

    Der Text stellt ganz richtig fest, dass man Frauen nicht für alles in die Verantwortung nehmen kann und dass sie sicherlich nicht die Welt dominieren.

    Aber genausowenig kann man das „den Männern“ in die Schuhe schieben. Denn „Die Männer“ gibt es einfach nicht.

    Die Lage unserer Gesellschaft wird nun mal von „der Gesellschaft“ verantwortet und dazu gehören Männer, wie Frauen.

    Sicherlich gibt es manipulative Frauen, die Männer nur so um den Finger wickeln und sie zu Sachen treiben, die dem gesunden Menschenverstand widerstreben. Aber es gibt genauso Frauen mit dem Einfühlungsvermögen eines Hackklotzes.

    So what! Da nehmen sich die Geschlechter wenig.

    Die Welt ist komplexer als „Frauen und Männer“ – das Geschlecht ist doch nur eine willkürlich gewählte Eigenschaft.

    Wer die Machtfrage auf der Welt oder in einem Land mit einem Fokus von 1% der Gesamtbevölkerung festmacht, der hat das Gesamtbild nicht im Blick.

    99% der Frauen und Männer auf der Welt gehört eben nicht zu den „Mächtigen“. Das heißt aber nicht, dass sie keine Macht haben…

    Alle beschweren sich, dass Männer in den Chefsesseln sitzen, aber trotzdem wird „konservativ“ gewählt oder gar nicht erst zur Wahl gegangen.

    Alle unken, dass Politik von und für Männer gemacht wird, aber das politische Engagement von Frauen ist deutlich geringer, als das von Männern.

    Alle beklagen sich, dass Frauenberufe schlecht bezahlt sind, aber bisher gab es erst einen ernsthaften Streik in diesem Bereich.

    Alle meckern, dass Männer die Unternehmen an den Baum fahren, dabei waren es auch die Männer, die die Unternehmen gegründet haben.

    Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung in den meisten Ländern. Sie haben große Macht zur Verfügung…nur bisher sehe ich nicht, dass diese Macht ausgenutzt wird. Stattdessen werden nur Forderungen von kleinen Interessengruppen an die Politik gestellt: der Staat möge doch etwas hier und etwas da tun…

    Das ist leider zu wenig anscheinend…

    Grüße

  8. 8 MPunkt 10. Juni 2009 um 11:40 Uhr

    Alle beschweren sich, dass Männer in den Chefsesseln sitzen, aber trotzdem wird „konservativ“ gewählt oder gar nicht erst zur Wahl gegangen.

    Was hat denn bitte die demonstrative Zustimmung zur demokratischen Herrschaft durch die Ermächtigung des Herrschaftspersonals damit zu schaffen, wer genug Geld hat, um daraus mehr Geld machen zu lassen bzw. damit, wen er für diese Aufgabe stellvertretend einstellt?

  9. 9 XYZ 10. Juni 2009 um 12:11 Uhr

    @MPunkt

    Stimmt. Eigentlich nicht viel. Es ging in diesem Fall um die politischen Chefsessel.

  10. 10 kritikER 10. Juni 2009 um 12:21 Uhr

    Alle beklagen sich, dass Frauenberufe schlecht bezahlt sind, aber bisher gab es erst einen ernsthaften Streik in diesem Bereich.
    Da sind jetzt aber zwei, wenn nicht drei, Fehler bei. Was soll das? :-w

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