Der deutsche Philologenverband fordert nach Internetsperrungen für Seiten mit kinderpornographischen Inhalt, nun auch sogenannte Pro-Ana Seiten für User unzugänglich zu machen.
Auf Pro-Ana oder Pro-Mia Seiten tauschen sich meist junge Mädchen über ihre Essverhalten aus und geben sich Tipps, wie man Hungergefühle unterdrückt, noch mehr abnimmt, oder die Krankheit vor Eltern, Verwandten, Lehren verbirgt. Ziel dieser Seiten ist Essstörungen nicht mehr als Krankheit wahrzunehmen, sondern als Lebensstil.
Damit soll aber nun laut dem Bundesvorsitzenden des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, Schluss sein.
„Immer häufiger werden in Internetforen, Chats, auf Websites und auch im „Web 2.0″ Anorexie und Bulimie bewusst verharmlost und verherrlicht. Diese so genannten „Pro-Ana“-Seiten werden meist von Jugendlichen betrieben, die selbst erkrankt sind, aber keine Heilung anstreben, sondern andere missionieren wollen. Nach unseren Schätzungen gibt es inzwischen fast 1 000 „Pro-Ana“-Seiten im deutschsprachigen Raum, die regelmäßig von mehreren Hunderttausend Jugendlichen besucht werden. Diese Seiten sind deshalb so gefährlich, weil sie nicht nur Magersüchtige weiter in die Krankheit hineinziehen, sondern weil dadurch auch Gesunde zur Magersucht verführt werden können. Dem dürfen wir nicht tatenlos zusehen!“
Natürlich sind Essstörungen ein schwerwiegendes Problem in unserer Gesellschaft, aber Zensur wird es nicht ändern.
Ein krankhaftes Essverhalten entsteht nicht durch das Internet, sondern durch ein Frauenbild, das Frauen und Mädchen auf ihren Körper reduziert und ihnen das Gefühl gibt nur mit dem „perfekten“ Körper ein vollwertiger und liebenswürdiger Mensch zu sein.
Also Welt ändern, statt Internet zensieren!
vorschläge?
auch ich bin gegen eine zensur, aber „magersucht kommt nicht vom internet“ ist meiner meinung nach ein doofes argument.
diese seiten sind extrem krass und auch wenn sie keinen gesunden menschen zum anorexiker machen können sie sehr wohl bereits bestehende ansätze enorm verstärken.
da ne freundin von mir bulimie hat und mit so seiten ne zeitlang zu tun hatte, bin ich da auch mal interessehalber rumgesurft.
und sogar ich, die ich nie ne diät gemacht habe und mein liebes fettbäuchlein sogar schon stolz hier im blog jedem vor die fresse geknallt habe, hab mir nach den paar tagen in pro ana/mia-foren rumsurfen angefangen, mir über kalorien gedanken zu machen.
wie gesagt: klar, zensur ist deppert. aber man sollte die seiten nicht kleinreden, die sind wirklich enorm suggestiv, auch für gesunde menschen!
@Illith
ja wir lassen jede sexistische Drecksseite sperren *evil*
@ Gary
Emma ?
Zensur ist nur ein Mittel vom Patriarchat um uns Frauen zu schikanieren, demütigen und unterdrücken!!!! Kapiert das endlich und vernichtet das Patriarchat (einschließlich der Männer natürlich)!
ich stimme dir zu. zensur wird bei diesem schwerwiegenden problem nicht helfen, es wird nur dazu beitragen, es einmal mehr vom tisch zu wischen, aus den augen, aus dem sinn.
mit dieser forderung entlarvt sich mal wieder einiges an unkenntnis der thematik seitens der fordernden, ähnlich reflexhaft wie ein verbot nach „killerspielen“, sobald mal wieder ein schüler amokläuft, anstatt mal killerwaffen, oder in diesem falle ein killer-frauenbild zu verbieten.
ein guter beitrag hier. ich werde ihn weiterempfehlen.
@ A-Fanatikerin
Aber , aber. Wenn alle Männer vernichtet sind, wem wollen wir dann die Schuld für unsere Unzufriedenheit in die Schuhe schieben ?
Läuft doch ganz gut so.
absolut. wenn sich die gesellschaftlichen rahmenbedingungen nicht ändern, wird diese pro-ana-/mia-bewegung weiterhin bestehen. die materiellen umstände bringen solche lebenseinstellungen und damit diverse internetseiten erst zutage. seiten zu sperren, die sich mit diesem thema beschäftigen, finde ich problematisch. zensur ist nicht die lösung. und wie wäre es, diesen frauen/mädchen einfach ihre eigenen entscheidungen treffen zu lassen… dass neue magersüchtige rekrutiert werden sollen, ist übrigens total übertrieben. davon kann nicht die rede sein. kritisch wird’s bei ana till the end… schwieriges thema.