Antisexistische Interventionen @Fusion-Festival

Kam per Mail:

Warum wird es dieses Jahr keine antisexistische awareness- undUnterstützungsstruktur bei der Fusion geben?

Alle Jahre wieder: die Fusion steht vor der Tür; nur noch wenige Tage zeigt der Countdown der Fusion Homepage bis sich die Weiten rund um die Hangars mit zehntausenden Feierwilligen füllen werden, die sich einige Tage ausgiebig dem „kollektiven Ausnahmezustand“ hingeben wollen. Ein paar Tage der Monotonie des Alltags entfliehen und eintauchen in die schillernde Welt des „Ferienkommunismus“.
Aber weil auch der Ferienkommunismus eine „work in progress“ ist und ein Lippenbekenntnis allein leider nicht ausreicht, um den seligen Zustand, wenngleich nur für ein paar Tage, herzustellen, bedarf es immer wieder neuen und vielfachen Anstrengungen, um demselben ein wenig näher zu kommen.
Dieses Jahr war/ist es unter vielen Anderen ein Zusammenschluss von Leuten aus mehreren Berliner Beratungsstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt (Wildwasser, Tauwetter, Lara) und weiteren antisexistischen Zusammenhängen, die z.t. schon im vergangenen Jahr einen Infostand bei der Fusion ausgerichtet haben, die ihren Teil dazu beitragen woll(t)en.
Die Erfahrungen des letzten Jahrs mit dem Infostand haben gezeigt, dass
ein alleiniger Fokus auf Infoarbeit zu begrenzt ist. Den Anforderungen die ein Großereignis wie die Fusion (bzw. freilich eigentlich die bei solchen geballt zum Tragen kommenden gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse) an antisexistische Strukturen stellt nicht gerecht werden kann. Auf Basis von Erfahrungen der Beratungsstellen an die sich immer wieder Menschen wenden, die im Rahmen von Festivals (wie auch der Fusion) mit sexualisierter Gewalt konfrontiert worden sind, haben wir ein Konzept erarbeitet welches unterschiedliche Elemente antisexistischer Arbeit zu einem umfassenden Gesamtkonzept verbindet. So besteht selbiges aus Awareness- und Infoarbeit + psychosozialer Erstbetreuung + politischer Unterstützungsarbeit (Täterumgang) auf Basis von Definitionsmacht und Parteilichkeit. Ab Februar 2009 hat sich das Bündnis regelmäßig getroffen, um das Konzept auszuarbeiten, das wir bei d er Fusion 09 umsetzen woll(t)en.

Soviel zu unserem Vorhaben, jetzt zu dem eigentlichen Zweck dieses
Schreibens:
Im Verlauf der Auseinandersetzung mit der Fusionorga darüber, ob eine
antisexistische Awareness- und Supportstruktur sinnvoll, notwendig und
gewünscht ist, kam es immer wieder zu Unklarheiten und Verzögerungen.
Teilweise wurde die Auseinandersetzung noch erschwert durch intransparente Emailwechsel zwischen Einzelnen und der Fusionorga (durch ein unabgesprochenes Anschreiben, eines ‚Trittbrettfahrers‘, dessen Inhalt mit unserm Konzept nichts zu tun hatte). Dies hat einerseits zu Mißverständnissen bei Teilen der Fusionorga bezüglich unseres Vorhabens geführt, andererseits haben wir bis heute keine klare Rückmeldung der Fusionorga erhalten. Auf unsere Kommunikationsangebote (E-mails, Angebote sich persönlich zu treffen) wurde nicht reagiert. Das löst bei uns die Bedenken aus, dass die Fusionorga eine klare Stellungnahme bezüglich unserer Anfrage aussitzt und dass für eine umfassende antisexistische Arbeit kein Bedarf gesehen wird.
Desweiteren haben diese Vorgänge in der Eigendynamik der „Berliner Szene“ offenbar die Entstehung von Gerüchten gefördert.
Um dem entgegen zu wirken und noch einmal ganz klar zu unterstreichen, dass unser Hauptanliegen nach wie vor ist eine umfassende und arbeitsfähige antisexistische Awareness- und Unterstützungsstruktur bei der Fusion zu etablieren (mit dem Fokus auf 2010) haben wir im Folgenden eine kurze Chronologie der Ereignisse der letzten Monate zusammengestellt.
Wir bitten euch sowohl uns als auch der Fusion ein Feedback zu geben, ob ihr auch die Notwendigkeit seht, eine umfassende antisexistische
Awareness- und Unterstützungsstruktur bei der Fusion 2010 zu etablieren.

awareness_fusion2010 [ät] gmx.de (unsere adresse)
mail@fusion-festival. de (fusion adresse)

Chronologie:

- letztes Jahr Infostand bei der Fusion mit Schwerpunkt Sexismus in
Partykontexten; in diesem Rahmen bereits erste Kontakte auch zu Tauwetter,
Austausch und Ausblick auf weitere Zusammenarbeit; aus der Erfahrung des
Infostands heraus entstand bei einigen Beteiligten das Bedürfnis nach
einem umfassenderen Konzept für antisexistische Arbeit und Präsenz auf der
Fusion;

- Februar 2009: erste Treffen von Einzelpersonen aus der
Ex-Infostandgruppe mit Tauwetter, Wildwasser; Basics der Zusammenarbeit
(Definitionsmacht/Parteilichkeit/Betroffenenarbeitsansatz/Täterumgang)
werden festgestellt; beim nächsten Treffen, zu dem weitere interessierte
Personen aus antisexistischen Kontexten hinzustoßen, wird ein grobes
Konzept bestehend aus Awareness- und Infoarbeit + psychosozialer
Erstbetreuung + politischer Unterstützungsarbeit (Täterumgang) erarbeitet

- 5.3. erste Mail an die Fusion mit der Aufforderung sich zum Thema
Sexismus und sexualisierter Gewalt zu positionieren, sowie dem Angebot, dass Wildwasser/Tauwetter/u.a. sich vorstellen könnten, ein
Beratungs-/Unterstützungsangebot für Betroffene von sexualisierter
Gewalt/Sexismus auf der Fusion zu machen

- vergebliches Warten auf Antwort

- Ende März/Anfang April: Telefonat ausgehend von Wildwasser zwischen Wildwasser und Fusionorga. um den aktuellen Stand zu erfragen; es wird vereinbart, dass wir unser Konzept verschriftlichen und der Fusionorga schicken. Auf Grundlage dessen sollte beim nächsten Plenum der Fusionorga am 9.Mai über unsere Anfrage entschieden werden.

- ab 3. April: verschriftlichte Ausformulierung des Konzepts.

- Ende April: Konzept geht an die Fusion

– Anfang Mai: telefonische Nachfrage von Wildwasser, ob das Konzept
angekommen sei. Dies wurde bestätigt und es wurde zugesichert, dass
unsere Anfrage und das Konzept beim Plenum besprochen werden

- 9. Mai Plenum der Fusionorga.

- Anfang Juni: Telefonkontakt zwischen Fusionorga und Wildwasser bei dem zum ersten mal die unabgesprochenen Alleingänge Einzellner und
Szenegerüchte bekannt wurden und Verunsicherungen aufgrund von
Fehlkommunikation zur Sprache kamen. Eine schriftliche Zu- oder Absage der Fusion bezüglich des Gesamtkonzeptes erfolgte nicht, aber die Andeutung, dass eine Minimalvariante von zwei oder drei BeraterInnen für Notfälle eventuell denkbar wäre. Einladung auch bei der Fusion vorbeizukommen zwecks kennenlernen.

- Mail an Fusion zur Klärung des Durcheinander. Ablehnung einer
Minimalvariante, da sowas ohne die Einbettung in das Gesamtkonzept keinen Sinn macht, und niemand davon erfährt. Wir wollen aber
vorbeikommen und würden gerne für 2010 gucken, was geht.

Bilder via ФУЗИОН


8 Antworten auf “Antisexistische Interventionen @Fusion-Festival”


  1. 1 yaz 23. Juni 2009 um 21:40 Uhr

    Ich finde es gelinde gesagt sehr schade, dass ihr keine anlaufstelle habt auf der fusion!
    und ich finde es ein absolutes armutszeugnis, wenn die fusionorga noch nicht mal so etwas wie eine antisexistsische positionierung auf die reihe kriegt!!
    das ganze gerede von ferienkommunismus schön und gut, aber wenn das heisst, dass politische arbeit sich auf ein schild am eingang begrenzt (mit den gerade en voguen -ismen), dass alle abnicken, um dann doch wieder ihre sexistische kackscheisse zu produzieren, dann bin ich dafür das schild auch gleich abzuhängen!
    die fusionella letztes jahr fand ich ja ganz gut als prävention vor typen, die einen beim pinkeln nicht in ruhe lassen wollen, aber ich hab mich in anderen situationen ganz schön über krass aggressive anmachen geärgert und ich finde es echt so scheisse, dass sich die fusionorga um zunehmenden sexismus scheinbar keinen kopf macht!
    dann tanzt doch allein!

  2. 2 sören 24. Juni 2009 um 1:58 Uhr

    Verzeihung, diese Erklärung ist nicht von der gesamten Gruppe geschrieben, die letztes Jahr den besagten antisexistischen Infostand gemacht hat, sondern zur Hälfte von Leuten, die dieses Jahr der Gruppe beigetreten sind und von Anfang an eine fragwürdige Machtpolitik gegen die Fusion machen wollten, um selbst Teil der Orga-Struktur zu werden. Das vorgeschobene Ziel von ihnen ist es ein zumindest zu hinterfragendes Konzept von „Betroffenen Arbeit“ umzusetzen. Die genannten „Szene-Gerüchte“ wurden von den Verfasser_innen des obigen Textes in Umlauf gebracht. Sie behaupten, dass die Fusion einen antisexistischen Stand dieses Jahr verhindert hätte, um sich mit dem Problem sexistischer Übergriffe nicht auseinandersetzen zu müssen. Das ist eine dreiste Behauptung, die ich nicht bestätigen kann (als ein Beteiligter im letzten Jahr und der Vorbereitung diesen Jahres).

    Erst Ende April ging das besagte Konzept an die Fusion. Welche Gründe auch immer (Zeitknappheit, inhaltliche Differenzen etc.) dazu führten, dass die Fusion 2 Wochen später nicht zu allem ja gesagt hat: bereits vor dem 9. Mai (also dem Fusion-Plenum) besprachen Einzelne aus der Ex-Infostand-Gruppe, eine Bashing-Kampagne gegen die Fusion machen zu wollen.
    Das hat z.T. in den o.g. „Gerüchten“ angefangen und setzt sich leider jetzt auch fort.

    Mit dem Ziel sich selbst eine Wichtigkeit zu geben und sich ausserhalb angebrachter Kritik zu stellen, werden schwerste Geschütze aufgefahren. Oder ist das zu übertrieben? Ich bin mir nicht sicher. Auf jeden Fall scheint es angebracht zu diskutieren, ob Leute ein „Betroffenen-Arbeits“-Konzept mit aller Gewalt (und öffentlichem Outing gegen die Fusion) durchsetzen sollten, die zur Hälfte keine praktische Erfahrung haben. Leute, die irgendwie gerne auch mal Betroffenen-Arbeit machen wollen.

    Vielleicht wäre das alles nicht ganz so schlimm, wenn dadurch nicht ein antisexistischer Stand auf der Fusion (den sie uns zugesagt haben, inkl. Freikarten usw.) sabotiert worden wäre. Letztes Jahr war – entgegen der Behauptung oben im Text – jedenfalls ein guter Anfang, der von vielen Leuten sehr gut wahrgenommen wurde (inkl. den Flyern, die wir verteilten).

    Ich finds jedenfalls sehr schade, dass die antisexistische Intervention für so ein Machtspielchen auf der Strecke bleibt.

  3. 3 m_adam 25. Juni 2009 um 22:48 Uhr

    sören, das ist inhaltlich und überhaupt total peinlich.8-|

  4. 4 fleischervorstadt-blog 30. Juni 2009 um 14:14 Uhr

    also ich war dieses und letztes jahr in der oase beteiligt und habe mich dieses jahr sehr über das fehlen eines entsprechenden infozeltes geärgert. in sachen antisexismus ist da sogar das force attack besser aufgestellt gewesen als die fusion.

    und das sexismus-problem wird mit sicherheit von jahr zu jahr schlimmer, das publikum wird größer und nicht gerade angenehmer. und das publikum gestaltet das festival maßgeblich.

    die fusionellas waren wirklich der hit und das einrichten der lady-piss-rinnen auch, dafür daumen hoch.

    es ist sicher ratsam, energien in die organisation und kommunikation antisexistischer arbeit auf der fusion 2010 zu stecken und sich nicht in einer überflüssigen bashing-kampagne zu erschöpfen.

  5. 5 steph 06. Juli 2009 um 0:49 Uhr

    @all: warum macht ihr nicht einfach so nen stand?? verjagt werdet ihr sicher nicht.
    insgesamt sind mir die meisten „anti-stände“ allerdings etwas suspekt. es interessieren sich meisst doch eh nur sowieso-informierte für die themen.
    flugblätter würden bestimmt mehr informieren. oder watt wollt ihr sonst erreichen?

  6. 6 anti 18. Juni 2010 um 1:13 Uhr

    „fuck for forrest“ waren ja auch auf der fusion ! und im übrigen alles mist … einfach spass haben auf der antifusion

  7. 7 E. 19. Juni 2010 um 21:41 Uhr

    „„fuck for forrest“ waren ja auch auf der fusion “

    Aber nicht weil die da nen Stand hatten, sondern weil die sich Tickets wie alle Beusucher gekauft hatten oder?

  8. 8 amy 20. Juni 2010 um 13:59 Uhr

    und wie sieht es dieses Jahr aus?
    In der Mail wurde doch geschrieben, dass es angestrebt wird, 2010 wieder dabei zu sein. Da wäre es schon zu wissen, ob das der Fall ist (was ich sehr hoffe!) oder wie es sich weiterentwickelt hat.

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