Es ist zwar schon über eine Woche her, aber immernoch fällt es mir schwer, ein abschließendes Fazit zum „Gender is Happening“ zu finden. Damit ich aber nicht allen einzeln erzählen muss, wie es war, blogge ich doch mal was.
Insgesamt gesehen war das Gender is Happening eine bunt gemischte Veranstaltung, die sich bemüht hat, verschiedene Disziplinen, Menschen und Handlungsfelder einander näherzubringen. Dieses Aufeinandertreffen war gespickt mit Dialogen, Diskussionen und … Discomusik (jedenfalls am Schluss).
Fernab des typischen Kennenlernens (was im wesentlichen im Sushi-Essen, gemeinsam abhängen und dann zu Laura Mérrit gehen bestand) habe ich mir gezielt Veranstaltungen rausgepickt, die mich interessierten. Besonders beeindruckt hat mich „Poesie der schwarzen Frauenbewegung“ über May Ayim und Audre Lorde, sehr erheiternd war „Gegen den Strich lesen – Que(e)r Reading in SciFi und Jugendliteratur „ und „Vom Hardcore-Porno zur Postpornografie?“ aufgrund der Panelbesetzung eher schwierig (wobei ich mir seitdem eine Sitcom mit Manuela Kay als Hauptfigur wünsche).
Interessant auch fürs Mädchenblog war „Feminismus – Chancen on- und offline“: die Mädchenmannschaft (Verena Reygers und Katrin Rönicke) lud Teresa Bücker (Community-Managerin beim Freitag) und Julia Seeliger (grüne Bloggerin) ein, um über „Wege aus dem Nischendasein“ zu diskutieren. Verena und Katrin ging es dabei vor allem darum, Möglichkeiten des Feminismus aufzuzeigen und potentielle On- und Offline-Chancen zu diskutieren. Die Bestandsaufnahme war ernüchternd: es bloggen genausoviele Frauen wie Männer, bis auf dass die Frauen nicht so sichtbar sind, bzw. nicht in die (von Männern gemachten) Blogcharts kommen (Frage am Rande: hat dazu jmd. ne Quelle?). In dem Zusammenhang wurde auch über die republica09 mit ihren Platzhirschen geredet und neue Anstösse für Verbesserungen gesammelt. Auch wurden ein paar Sätze übers Mädchenblog gesagt (von mir, weil ich doch nicht so anonym unterwegs war, wie ich dachte).
Heraus kamen ein paar gute Ansätze für feministische Chancen in der Netzkultur und darüber hinaus:
- Frauen sollten mehr bei anderen Frauen kommentieren! Die meisten Kommentare schreiben immernoch Männer.
- Die Vernetzung muss weiter voran getrieben werden! Ein gutes Beispiel dafür ist die Facebook-Gruppe „Girls on Web Society“
- Frauen müssen mutiger werden beim Bloggen! Doofe Kommentare ignorieren und trotzdem weitermachen!
- Der Sprung zurück in klassische Printmedien und Offlinemedien (Tageszeitungen, Veröffentlichungen, …) muss geschafft werden, um das Thema weiter voranzutreiben!
Gefehlt hat mir leider in der ganzen Diskussion der queere Ansatz, zu oft gab es für meinen Geschmack die Ausdifferenzierung in „Frauen“ auf der einen und „Männern“ auf der anderen Seite (ok, ich habs ja auch selber nicht eingebracht). Trotz allem Pragmatismus würde ich vorschlagen, bei der ganzen Debatte in Zukunft eher die dekonstruktivistisch-queere als die differenzfeministische Brille zu wählen. Bei allen Gedanken über „Frauen“ und „Männer“ im Web stelle ich mir immer die Frage, wo denn die ganzen Transbois, -grrrls, Transgender, Intersexpersonen und co.*** abbleiben. Die Heteronormativität schlägt auch dort eine weitere dicke Kerbe ins Kerbholz.
Zu erwähnen wäre auch noch folgendes: Heide Oestreich hat in ihrem eher bruchstückhaften Artikel in taz online ihre Eindrücke geschildert, der für mich wie eine lose Assoziationskette von kontroversen Fetzen anmutet (zumal der Rechtschreibfehler: „THeresa Bücker“). Da ist der Sprung in die Offlinemedien eher nicht so gelungen.
Also doch lieber bei Verena, Katrin, Teresa oder Julia lesen! Oder hier bei uns! Oder gleich den Gender-Planeten! Alternativ könnt Ihr mir auch auf Twitter folgen.