Wenn Geburt Zwang wird

Viel wurde in letzer Zeit über Spätabtreibungen geredet und diskutiert – auch hier im Blog- doch wie sieht die Lebensrealität von Frauen/Eltern aus die sich mit solchen Themen beschäftigen müssen und von denen eine Entscheidung verlangt wird?
Grau.
Spiegel-Online berichtet über eine Frau die ein schwerst behindertes Kind in sich trug und es nicht wollte.

Sie sagen sofort, dass sie es nicht wollen. Was, wenn es wirklich beatmet werden muss, nicht isst, nicht reagiert? Sie haben Angst, daran kaputtzugehen. Claudia Senge will das Kind keinen Tag länger in sich tragen. Die Ärzte sollen eine Abtreibung vornehmen, so, wie es nach dem Gesetz möglich ist.

Doch die Ärzte haben andere Pläne, für sie kommt ein „Fetozid“ nicht in Frage. Die „Ethikrunde“ des behandelten Krankenhauses in München entscheidet, dass ein Abbruch unter keinen Umständen möglich ist.

Nicht, weil die Mediziner zur Überzeugung gelangt wären, dass die Familie das Leben mit dem Kind schon schaffen werde. Oder weil kein Arzt gegen sein Gewissen gezwungen werden kann, eine Abtreibung durchzuführen. Sondern, weil nach einem ungeschriebenen Gesetz in keinem bayerischen Krankenhaus ein Arzt ein Kind nach der 22. Woche abtötet, wenn seine Behinderung mit dem Leben vereinbar ist – Bundesgesetz hin oder her.

Frau Senge ist in der 34.ten Schwangerschaftswoche.
Der behandelnde Arzt Dr. Krainer zeigt aber auch manchmal Mitleid.

Wenn Kainer sieht, dass die Not der Frauen sehr groß ist, schickt er sie manchmal weiter, nach Hamburg, Bonn oder Berlin. Aber auch dort lehnen die Kollegen immer öfter die späte Abtreibung ab, seit Politiker aller Parteien öffentlich darüber stritten, was zu tun sei, um möglichst viele dieser Eingriffe zu verhindern.

Dr. Krainer scheint ein redseliger Mensch zu sein, offen gibt er zu

wenn Eltern ihr Kind schon vorher so deutlich ablehnen? Dann hören wir lieber nicht so genau hin, wie wir vielleicht sollten. Weil wir wissen: Für den Abbruch gibt es sowieso keine Zustimmung.“ Und es sei ja auch so: „Es passiert einem nichts, wenn man es nicht macht. Irgendwann fahren die mit dem Kind nach Hause, und wir sind das Problem los.“

Nach der Geburt des Kindes sieht sich die Familie allein auf sich gestellt, staatliche Krippenplätze gibt es nicht.

Frau Senge bricht in Tränen aus, dann wird sie wütend. „Erst hat uns der Staat gezwungen, ihn auf die Welt zu bringen, aber wenn es um seine Förderung geht, ist keiner mehr zuständig.“

Danke an Rene für den Link


31 Antworten auf “Wenn Geburt Zwang wird”


  1. 1 lili 01. Juli 2009 um 18:51 Uhr

    [EDIT]

  2. 2 Paul Krüger 01. Juli 2009 um 18:59 Uhr

    Hm, früher sind Behinderte weggeschlossen worden oder gestorben, heute kommen sie oft in Heime. Diese Idylle von der der Familie, die sich dann zusammenreißt und Freunde am behinderten Kind hat, ist das nicht ei Scheinbild?

    Werden die nicht auch von Freunden verlassen , können nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben wie andere? Hm.

    Der Artikel drückt vor allem noch aus, wie diese Familie nun mit dem Kind von Amt zu Amt rennen muß, weil sie unterstützung braucht, Spezialtherapien etc, die sie ja allein nicht zahlen können.

    Außerdem leidet die Erwerbsarbeit drunter sowie die Psyche.

    Hm, die Eltern sollen also das Kind bekommen – beschließt der Staat – und dann läßt er sie damit allein.

    Außerdem: Die Frau mag ihr Kind nicht, ist das dann ihr Problem oder das ihres Kindes.

    Ich kann sie jedenfalls verstehen.

  3. 3 joit 01. Juli 2009 um 19:02 Uhr

    „Niemanden zwingt der Staat ein Kind zu bekommen!“ [lili wurde gelöscht]

    Doch. Siehe oben.

    „Wer ein Kind am Ende des 8. Monats abtreiben lassen möchte, ist eindeutig ein Mörder.“

    Nein, nicht eindeutig.

    „Wenn diese Frau keine Ahnung von Verhütung hat ist das wohl ihr Problem. „[lili wurde gelöscht]

    +

    „Sicher wäre es ein sinnvoller Plan, wenn der Staat Eltern von behinderten Kindern unterstützen würde, aber nicht mit der Begründung, der Staat zwänge eine Frau zum Kinderkriegen!
    Eine staatlich finanzierte Haushaltshilfe für Famlien mit behinderten Kindern wäre vielleicht eine Idee.“

    Wie jetzt, ist es „ihr Problem“ oder hat der Staat da eine ausgleichende Rolle zu spielen?

  4. 4 leonie 01. Juli 2009 um 19:11 Uhr

    Ok lili, jetzt reichts mit deinem rungetrolle!

  5. 5 leonie 01. Juli 2009 um 19:14 Uhr

    @lili: schön dass du in dem anderen Post „Maskulinisten“ verteidigst, wenn es um Verhütung geht ist es aber dann wieder die Frau, dies nicht richtig gemacht hat…

  6. 6 tba 01. Juli 2009 um 19:28 Uhr

    okay lili, jetzt nicht böse werden, das wird man gerne wenn man sich angegriffen fühlt. ich will dich nicht angreifen, nur ein paar Denkanstöße liefern:

    „Niemanden zwingt der Staat ein Kind zu bekommen! Wenn diese Frau keine Ahnung von Verhütung hat ist das wohl ihr Problem.“

    Keine Verhütung ist hundertprozentig sicher. Man kann trotz Verhütung schwanger werden. Selbst mit der Pille, der sichersten Verhütungsmethode überhaupt, wird im Jahr von hundert Frauen etwa eine schwanger (lies hier nach:http://www.langzyklus.de/pille/sicherheit/index.php). Natürlich wissen wir nicht, ob das bei dieser Frau der Fall war. Aber dass sie keine Ahnung von Verhütung hat darf man ihr ebensowenig unterstellen.

    „Wer ein Kind am Ende des 8. Monats abtreiben lassen möchte, ist eindeutig ein Mörder. Hier handelt es sich nicht mehr um einen Zellhaufen, sondern um ein voll lebensfähiges Kind: Es gibt Frühgeburten, die vor der 34. Woche stattfinden und das Kind überlebt.“

    Vermutlich überlebt das Kind eine Frühgeburt, weil die Medizin weit genug fortgeschritten ist, um Frühchen das zu geben was sie zum Überleben brauchen. Ob ein Kind unter natürlichen Umständen voll überlebensfähig wäre, weiß ich nicht. Du?

    „Warum haben behinderte Kinder ein geringeres Recht auf Leben als nicht behinderte? Wollen wir denn nur „perfekte“ Menschen auf der Welt?“

    Eine gute Frage. Im Artikel steht, dass das Kind schwerst behindert ist. Die Ärzte konnten der Mutter nicht versichern, ob es alleine atmen oder essen können wird. So ein Kind wäre, wie wahrscheinlich ein Frühchen, nur mit Hilfe von Technik am Leben zu erhalten. Der Unterschied ist aber: Das Frühchen hat es irgendwann geschafft und ist alleine lebensfähig, bei einem schwerst behinderten Kind ändert sich unter Umständen während des gesamten Lebens des Kindes nichts an seinem Zustand. Es stimmt schon, niemand sollte ein geringeres Recht auf Leben haben, aber welche Art von Leben meinst du denn damit?

  7. 7 dodo 01. Juli 2009 um 19:31 Uhr

    abgesehen davon, daß es ohnehin bullshit ist – die haben ABSICHTLICH nicht verhütet, die WOLLTEN ja ein kind! nur eben nicht dieses.
    wer dann mit „keine ahnung von verhütung haben“ kommt, hat das dingens schlichtweg nicht gelesen.

  8. 8 Mondfee 01. Juli 2009 um 20:57 Uhr

    Tja, als ich die Story im Spiegel gelesen habe, war ich erstmal sprachlos.
    Die verpfuschen einer Frau das Leben, indem sie sie nicht selbst über ihren Körper verfügen lassen. Unfassbar…[-(

  9. 9 lahmacun 01. Juli 2009 um 22:31 Uhr

    der skandal ist doch auch, dass in so ner gesellschaft eben überhaupt keine unterstützung da ist, sich die meisten ne unterstützung nicht leisten können, das ganze noch ein mega-armutssrisiko darstellt, auf sich alleine gestellt ein mega psychostress etc. wer weiß, in ner anderen gesellschaft hätte sie das kind vllt gemocht, austragen wollen … (und wenn nicht, man sollte niemanden zwingen, eh klar.)

    auf jeden fall ne krass beschissene sache. und auch so ne extreme heuchelei, wenn man sich mal anschaut, wie viele verfrühte tote das system so produziert. da kreischt ja auch niemand. ekelhaft das ganze.

  10. 10 rather ripped 02. Juli 2009 um 13:56 Uhr

    was mich aber ehrlich gesagt etwas schockiert hat, war die tatsache, dass der fötus vor der eingeleiteten geburt mit einer kaliumchloridspritze ins herz getötet werden muss. ist das überall so? ist das eine vorgabe?
    weil letztendlich könnte die frau das kind doch auch lebendig abtreiben. wenn es überlebt, dann hat sie doch trotzdem weiterhin bzw. wieder das selbstbestimmungsrecht über ihren körper. und ein behindertes kind wird sicher nicht in der pubertät auf die suche nach den eltern machen, das heißt es könnte dann ja in einem heim untergebracht werden und die eltern hätten ihr normales leben wieder hergestellt.
    klar stellt das möglicherweise eine psychische belastung für die eltern da, zu wissen, dass da irgendwo ein kind ist, dass sie geboren haben. aber ob die soviel größer ist, als wenn der fötus, der ja wahrscheinlich schon ziemlich nach baby aussieht, tot geboren wird?
    das waren jetzt nur spontane gedanken, und ich will mir nicht anmaßen, über menschen zu urteilen, die spätabtreibungen vornehmen. generell bin ich immer pro choice, aber ich fande die argumentation teilweise („es ist ja peinlich, sich mit einem behinderten kind in der öffentlichkeit zu zeigen“) etwas merkwürdig.

  11. 11 laylah 02. Juli 2009 um 14:18 Uhr

    laut irgend sonem professor/chefarzt-typen geschieht das mit grund:

    Eine zweite Indikationsmöglichkeit zum Fetozid ist dann gegeben, wenn ein Schwangerschafts-
    abbruch bei potentieller Lebensfähigkeit des Kindes vorliegt. Zugleich ist dieses der Zeitpunkt, wo
    möglicherweise eine Schmerzempfindung des Foeten bereits vorhanden ist. Medizinisch gibt es
    Anhaltspunkte dafür, dass ein Schwangerschaftsabbruch, der mit Prostaglandinen durchgeführt wird
    und zum Absterben des Foeten unter der Geburt oder nach der Geburt führt, von dem Foeten selbst
    wesentlich qualvoller empfunden wird als ein alternativ möglicher „Sekundentod“. Medizinisch gibt
    es in dieser Situation die Möglichkeit, mit einer intrakardialen Spritze (Kaliumchlorid) einen
    unmittelbaren Tod des Kindes herbeizuführen. Dieses Vorgehen würde dem Kind ein möglicherweise
    qualvolles Absterben unter oder nach der Geburt auf Grund des vorhandenen Sauerstoffmangels
    ersparen.

    http://209.85.129.132/search?q=cache:e3hn8dOQOB0J:webarchiv.bundestag.de/archive/2005/0309/parlament/gremien15/a12/Oeffentliche_Sitzungen/Stellungnahme_425-G.pdf unter 5.2. fetozid

  12. 12 Karla 02. Juli 2009 um 16:43 Uhr

    Ich fand den Artikel mehr als widerlich.
    Er spricht einem lebensfähigen Kind das Recht auf eben dieses Leben ab, nein, er stellt es schlicht und ergreifend überhaupt nicht dar. So wird z.B. „Der …“ beim Namen genannt, während der Name des gesunden Bruders aus Datenschutzgründen nicht genannt wird.
    Es wird einzig und allein das Recht der Eltern auf ein gesundes Kind herausgestellt. Aber was, wenn das Kind z.B. durch einen Badeunfall schwerstbehindert wird, oder in der Pupertät psychisch erkrankt? Dieses Recht gibt es nicht.

    @tba „Es stimmt schon, niemand sollte ein geringeres Recht auf Leben haben, aber welche Art von Leben meinst du denn damit?“
    Das klingt schon sehr nach „unwertem Leben“, meinst du nicht?

  13. 13 earendil 02. Juli 2009 um 16:55 Uhr

    „Ob ein Kind unter natürlichen Umständen voll überlebensfähig wäre, weiß ich nicht.“

    Was bitte sind denn natürliche Umstände?

    Ich glaub, Lahma hat schon den wichtigsten Punkt angesprochen, der bei der öffentlichen Debatte immer als selbstverständlich vorausgesetzt wird: Dass der Mutter bzw. den Eltern die alleinige Verantwortung für das Kind zugeschoben wird. In solchen Fällen macht sich das nochmal besonders krass bemerkbar.

    Aber ansonsten befremdet mich manches hier schon. Z.B. dass die eklatante Behindertenfeindlichkeit, die da zum Ausdruck kommt, m.E. kaum richtig wahrgenommen wird – „die haben ABSICHTLICH nicht verhütet, die WOLLTEN ja ein kind! nur eben nicht dieses.“ Und man muss ja wohl noch selber entscheiden dürfen, WAS FÜR ein Kind man haben möchte… (Oder unterstelle ich da jetzt fälschlich eine unkritische Haltung?)

    Und dann ist hier doch, im Unterschied zu „normalen“ Abtreibungen, das Thema nicht mit „Frau muss selbst über ihren Körper verfügen können“ erledigt – dass negiert einfach, dass hier nicht einfach ein Zellhaufen im Körper ist und darum sehr wohl ein Interessenkonflikt zwischen Mutter und werdendem Kind besteht, der nicht einfach nach einer Seite hin aufgelöst werden kann. Ein Interessenkonflikt, der aber keineswegs zwangsläufig ist und in einer anderen, besseren Gesellschaft vielleicht so gar nicht bestünde.

  14. 14 leonie 02. Juli 2009 um 17:21 Uhr

    @Karla: mir geht es vor allem darum, dass eine frau zu etwas gezwungen wurde das sie nicht wollte.
    Ihr wurde jegliche Selbstbestimmung genommen. Ich kann mir vorstellen, dass sich das ziemlich schrecklich anfühlt.

    die Entscheidung der Ärzte hat der Familie jegliches Recht auf ein selbstbestimmtes Leben abgesprochen.

    Man sollte sich dochmal fragen warum Eltern kein behindertes Kind wollen. Das liegt definitiv an einer feindlich eingestellten Gesellschaft, die will sich aber nicht ändern zwingt aber Frauen/Familien dazu dies zu tun. Das passt nicht zusammen und ist ungerecht.

  15. 15 tba 02. Juli 2009 um 18:34 Uhr

    @ karla: Nein, ich meinte mit der Aussage nicht, das es unwertes und wertes Leben gibt. Beim Schreiben des Textes dachte ich an die aktuelle Diskussion um Sterbehilfe. Ich finde es verständlich, das manche Menschen sich dagegen entscheiden, am Ende ihres Lebens künstlich am Leben gehalten zu werden, zum Beispiel durch künstliche Ernährung. Daran dachte ich, als ich diesen Satz lass: „Sie sagen sofort, dass sie es nicht wollen. Was, wenn es wirklich beatmet werden muss, nicht isst, nicht reagiert? “

    Eltern stehen in der Verantwortung für ihre, auch ungeborenen, Kinder. Wenn ein Erwachsener Mensch für sich selbst entscheiden kann, das er so nicht leben möchte, warum dürfen Eltern dann nicht eine ähnliche Entscheidung für ihr ungeborenes Kind treffen?

    @earandil: Mit „natürlichen Umständen“ meine ich ohne medizinische Versorgung. Das bezog sich auf die Aussage von lili, das Abtreibung Mord ist, wenn das Kind außerhalb des Mutterleibes als Frühchen überleben könnte. Der Punkt aber ist: viele Frühchen können nur deshalb außerhalb des Mutterleibes überleben, weil die Medizin weit genug fortgeschritten ist, um ihnen das zu ermöglichen. Deshalb finde ich dieses Argument nicht aussagekräftig dafür, Abtreibung mit Mord gleichzusetzen.

    @mädchenblog: Könnt ihr einstellen, das die eingegebenen Daten stehen bleiben, auch wenn man den Text ohne Name absendet und dann nochmal zurück gehen muss? Ich habe den Text ohne Namen eingegeben, wurde aufgefpordert, das nachzuholen – und musste alles nochmal schreiben!

  16. 16 dodo 02. Juli 2009 um 20:48 Uhr

    „Aber ansonsten befremdet mich manches hier schon. Z.B. dass die eklatante Behindertenfeindlichkeit, die da zum Ausdruck kommt, m.E. kaum richtig wahrgenommen wird – „die haben ABSICHTLICH nicht verhütet, die WOLLTEN ja ein kind! nur eben nicht dieses.“ Und man muss ja wohl noch selber entscheiden dürfen, WAS FÜR ein Kind man haben möchte… (Oder unterstelle ich da jetzt fälschlich eine unkritische Haltung?)“

    das hat nichts mit behindertenfeindlichkeit zu tun. ich habe selbst eine zeitlang bei der lebenshilfe gearbeitet.
    wenn ich das richtig interpretiert habe, wäre es den eltern aus dem artikel auch leichter gefallen, ein kind zu bekommen, das „nur“ downsyndrom hat.
    und auch wenn ich das falsch verstanden habe – wenn eltern ein kind wollen, sich dann aber herausstellt, daß dieses kind, das da in dem bauch drin ist, mit ihrem leben aus welchen gründen auch immer (sehr richtig schon bemerkt wurde, daß papa staat sich ja nen scheißdreck drum kümmert, sobald das kind auf der welt ist) nicht vereinbar ist, dann ist das nicht per se behindertenfeindlich.

  17. 17 rather ripped 02. Juli 2009 um 21:14 Uhr

    ich weiß nicht, ich finde diesen fall aber auch sehr zweifelhaft.. ich habe einen freund mit einer behinderung und ich weiß, dass es ihn ziemlich verletzen würde, diesen artikel zu lesen. unsere gesellschaft ist noch immer verflucht behinderten-feindlich und ich glaube eine vorstellung von dem ausmaß haben wirklich nur menschen, die selbst betroffen sind. der freund, den ich er erwähnte, hat mir geschichten erzählt, die mir wirklich tränen in die augen getrieben haben. er wird und wurde immer wieder auf der straße bespuckt, ihm wurde der tod gewünscht usw….
    kinder sind genauso berechtigt wie erwachsene menschen, das ist etwas, was unsere gesellschaft auch erst anerkennen musste und in teilen immer noch nicht hat (vor wenigen jahren durften kinder noch misshandelt werden und es hat niemenschen gestört).
    für mich ist dieser fall mehr als kritisch, wie gesagt, ich bin feministin. aber ich bin genauso gegen ableismus (behindertenfeindlichkeit). die tatsache, dass diese menschen ein kind wollte, nur nicht dieses, weil es nicht in das bild der vorzeige-familie passt, ist erschreckend. nicht das kind sollte hierfür verantwortlich gemacht werden, sondern die gesellschaft. der junge wird heute weder künstlich beatmet noch ernährt und aus dem artikel geht hervor, dass bei der pränatalen untersuchung noch überhaupt nichts über den schweregrad der behinderung gesagt werden konnte.
    bei dem von laylah zitierten artikel steht, dass der fötus zu dieser zeit schon ein schmerzempfinden hat. ich finde, das ist ein kriterium.
    ich bin nicht generell gegen spätabtreibungen, sollte daraus ein gesundheitliches risiko für die mutter entstehen oder sollte die schwangerschaft das ergebnis einer vergewaltigung sein, dann würde ich nichts dagegen einzuwenden haben. aber ein wunschkind zu einem so späten zeitpunkt noch abzutreiben, nur weil es nicht den idealvorstellungen entspricht, kann ich irgendwie nicht mit mir vereinbaren. wer sich bewusst entscheidet ein kind in die welt zu setzen sollte sich vorher bewusst machen, was eine da so alles erwarten kann. so wie ich die eltern in dem artikel einschätze, hätten sie auch ein kind nicht haben wollen, was in der pubertät drogenprobleme bekommt. meine cousine wurde mit 8 jahren von einem bus angefahren und ist seitdem geistig behindert. was ich damit sagen will: ein kind ist nie kalkulierbar und wer sich bewusst dazu entscheidet, eins in die welt zu setzen, sollte sich auch die konsequenzen bewusst machen. und ein schwer behindertes kind in einem heim unterzubringen ist oftmals gar nicht die schlechteste lösung, dort sind die leute ausgebildet und ein kind, das sowieso nur reize wahrnimmt, kann auch dort glücklich werden. eine bekannte arbeitet seit jahren in einem behindertenheim und hat dort teilweise fälle, die weder sehen noch laufen noch irgendwas können. und trotzdem, so sagt sie, merkt sie, dass sie sich freuen können, glücklich wirken.

    ich finde das thema zu komplex um es mit einem pauschalurteil abzufertigen. mehr kann ich dazu gerade nicht sagen.

  18. 18 lahmacun 02. Juli 2009 um 21:28 Uhr

    Man sollte sich dochmal fragen warum Eltern kein behindertes Kind wollen. Das liegt definitiv an einer feindlich eingestellten Gesellschaft

    auch. das wesentliche ist mmn aber schon das finanzielle und auch dass man keine sonstige – also übers finanzielle hinausgehende (zB emotionale) – hilfe kriegt. sagt die frau doch auch, oder?

    Sie haben Angst, daran kaputtzugehen. […] Erst hat uns der Staat gezwungen, ihn auf die Welt zu bringen, aber wenn es um seine Förderung geht, ist keiner mehr zuständig.“

    also: auch wenn jemand überhaupt nicht behindertenfeindlich ist – die meisten können sich das kind aus finanziellen gründen nicht leisten. so wie auch nicht wenige frauen abtreiben lassen, weil sie sich ein kind nicht leisten können in dieser gesellschaft. kinder sind schlicht und ergreifend ein armutsrisiko, v.a. für frauen. das gilt doppelt und dreifach, wenn es um „behinderte“ kinder geht.

  19. 19 Pro-Femo 02. Juli 2009 um 22:06 Uhr

    Das Vorweg, ich bin erstens männlich konstruiert, was mich bei der Thematik vielleicht nur halb mitreden lässt. Zweitens unterstütze ich das Selbstbestimmungsrecht ‚der Frau‘ über ihren Körper, auch wenn es um Abtreibung geht.

    Als Mensch mit einer Körperbehinderung, der den Umgang mit ‚uns Krüppeln‘ in dieser Gesellschaft täglich als persönlich betroffener erfährt, fühle ich mich aber auch ein bißchen unwohl. Immerhin bin ich nicht abgetrieben worden, weil es bei mir ‚zum Glück‘ eine post-natale Ursache für die Behinderung gibt. Andererseits, kann ich nicht anders als mir die ‚Was wäre wenn‘-Frage stellen.

    Wenn wir wollen, dass Frauen über ihren eigenen Körper entscheiden dürfen, dann sollten wir meines Erachtens nach nicht nur an der Abtreibung selbst ansetzen, sonder da wo Gesellschaft auch die Vorbedingungen mit beeinflusst. Sprich wo die Entscheidung für oder gegen ein (bestimmtes) Kind durch Finanz-, Pflege- und ähnliche Fragen mitvorbestimmt wird. Da will ich jetzt nicht die Argumente meiner Vorredner‘Innen wiederholen, die auf das ‚perfekte Familienidyll‘oder die gesellschaftliche und staatliche Umgehensweise mit behinderten Menschen betonten. Allerdings möchte ich an dieser Stelle alle Beteiligten Fragen, ob sie ihre Argumente auch dann in dieser Form bringen würden, wenn es um de Abtreibung von Föten geht, deren ‚Behinderung‘ es ist weiblich zu sein. Immerhin werden in vielen Ländern dieser Welt weibliche Föten oder Neugeborene auch als bestenfalls lästig angesehen.

  20. 20 Achwas 02. Juli 2009 um 22:36 Uhr

    ..wobei man auch argumentieren könnte, ein weibliches Kind kann sich dort auch nicht jeder leisten.

    Sicher ist es falsch, wenn alles an der Frau / den Eltern hängen bleibt. Es muß sich doch durchsetzen lassen, daß Eltern von behinderten Kindern mehr Unterstüzung erfahren?

  21. 21 Pro-Femo 03. Juli 2009 um 7:09 Uhr

    Das Eltern von gesellschaftlich unerwünschten Kindern mehr Unterstützung erhalten, setzt aber auch voraus, dass die Gesellschaft bspw. Behinderte auch als normale Mitmenschen betrachtet und es beispielsweise nicht vorkommt, dass mensch auf offener Strasse und von anderen unkommentiert sich nicht anhören darf mensch sei ‚unwertes Leben‘.

    Ich teile in dieser Hinsicht das Argument von rather ripped. Abtreibung ist selbstverständlich das Recht einer jeden Frau, aber sich für die Tötung eines Kindes zu entscheiden, weil es kein gesundes, normales, whatever Kind ist. Sorry, aber da begeben wir uns in dünne Fahrwasser.

    Menschen mit ‚behinderten‘ Kindern bekommen übrigens durchaus finanzielle Beihilfe, ob diese ausreicht sei dahingestellt. Allerdings habe ich begründete Zweifel daran, dass bei Spätabtreibungen zu anderen Abtreibungen vergleichbare Erwägungen dahinterstehen. (Noch) Kein Kind zu wollen, es finanziell nicht halten zu können usw. sind ja Überlegungen die für gewöhnlich nicht erst in der 34. Woche kommen.

    Wenn ihr Euch für die Spätabtreibung aussprecht, dann bitte in der vollen Konsequenz, will meinen, auch von körperlich und geistig völlig gesunden Kindern. Wenn einer Frau das Recht auf diese Entscheidung nämlich nur dann zugestanden wird, wenn sie vorweisen kann, dass ihr ein behindertes Kind nicht zuzumuten wäre, dann hat das mit ‚freier Entscheidung über den eigenen Körper‘ nichts zu tun.

  22. 22 earendil 03. Juli 2009 um 8:44 Uhr

    @Lahma: „das wesentliche ist mmn aber schon das finanzielle und auch dass man keine sonstige – also übers finanzielle hinausgehende (zB emotionale) – hilfe kriegt. sagt die frau doch auch, oder?“

    Das ist sicherlich die Hauptsache, aber da ist durchaus mehr im Spiel. Ein Zitat aus dem Artikel:

    „Vor Jahren hatten sie im Italien-Urlaub am Strand Eltern gesehen, grauhaarig, die ihren erwachsenen Sohn im Rollstuhl zum Wasser schoben. Alle hatten hingestarrt. So sieht sie sich jetzt mit dem Ludwig: umgeben von glotzenden Leuten. Vielleicht wird sogar mal einer sagen: So ein Kind, das muss doch heute nicht sein. „Die Leute sind eben auch unserer Meinung“, sagt sie. „Man hätte das verhindern können.“"

    Es ist hier noch nichtmal so, dass sich diese Mutter nur vor der gesellschaftlichen Stigmatisierung fürchtet, sie scheint die Meinung durchaus zu teilen, dass das Kind eigentlich lebensunwert ist.

    @tba: „Mit „natürlichen Umständen“ meine ich ohne medizinische Versorgung.“

    Naja, aber ohne medizinische Versorgung könnten auch Krebskranke etc. nicht überleben. Du hast schon recht, dass das Überlebenkönnen dank Medizin nicht als Argument taugt, Spätabtreibungen als Mord zu bezeichnen. Aber genauso wenig taugt die fehlende Lebensmöglichkeit unter „natürlichen“ Umständen dafür, dem (späten) Fetus kein Lebensrecht zuzuerkennen.

  23. 23 dodo 03. Juli 2009 um 9:01 Uhr

    „Vor Jahren hatten sie im Italien-Urlaub am Strand Eltern gesehen, grauhaarig, die ihren erwachsenen Sohn im Rollstuhl zum Wasser schoben. Alle hatten hingestarrt. So sieht sie sich jetzt mit dem Ludwig: umgeben von glotzenden Leuten. Vielleicht wird sogar mal einer sagen: So ein Kind, das muss doch heute nicht sein. „Die Leute sind eben auch unserer Meinung“, sagt sie. „Man hätte das verhindern können.““

    Es ist hier noch nichtmal so, dass sich diese Mutter nur vor der gesellschaftlichen Stigmatisierung fürchtet, sie scheint die Meinung durchaus zu teilen, dass das Kind eigentlich lebensunwert ist.

    bist du sicher, daß man das einfach so schnell aus dem gesagten folgern kann? mir scheint es nämlich eher so, daß die frau sich (nicht ganz zu unrecht) vor gesellschaftlicher ächtung fürchtet

  24. 24 earendil 03. Juli 2009 um 9:42 Uhr

    @Dodo: „Die Leute sind eben auch unserer Meinung“ – das spricht, finde ich, schon eine recht deutliche Sprache. (Sofern richtig und kontextgerecht widergegeben.)

  25. 25 rather ripped 03. Juli 2009 um 15:33 Uhr

    mir hat auch genau diese stelle zu denken gegeben und ich empfinde das genauso wie earendil. wenn diese eltern nicht generell behindertenfeindlich wären, hätten sie sich wahrscheinlich auch nicht so mit nachdruck und auf diese weise an die situation mit dem behinderten menschen am meer erinnert.

    „Aber für uns ist die Welt z‘amm‘broch‘n: Familie, zwei Kinder, Garten, die Zukunft, das ganze Leben, wie ein Kartenhaus.“

    wieso? sie sind eine familie, haben zwei kinder, haben immer noch den garten… ich hatte beim lesen die ganze zeit das gefühl, dass ein kind, dass nicht „perfekt“ ist einfach nicht ins bild der vorzeige-familie zeigt die diese menschen gerne seien würden.

    was würdet ihr denn zu der abtreibung weiblicher föten sagen? die motivation dahinter wird in einigen ländern sicher die selbe sein, wie die in deutschland ein behindertes kind abzutreiben. das müsste dann ja auch das selbstbestimmungsrecht der frau sein, sich gegen ein biologisch weibliches kind zu entscheiden.

    ich finde es geht in diesem fall nicht um das selbstbestimmungsrecht der frau, weil sie ja bereit war, ihren körper neun monate lang mit diesem kind zu teilen. nur eben nicht mit DIESEM kind. und das finde ich irgendwie… eine zweifelhafte argumentation.

  26. 26 René 03. Juli 2009 um 15:44 Uhr
  27. 27 bigmouth 03. Juli 2009 um 16:19 Uhr

    was würdet ihr denn zu der abtreibung weiblicher föten sagen? die motivation dahinter wird in einigen ländern sicher die selbe sein, wie die in deutschland ein behindertes kind abzutreiben. das müsste dann ja auch das selbstbestimmungsrecht der frau sein, sich gegen ein biologisch weibliches kind zu entscheiden.

    ja, müsste es.

    frage ist doch, aus welchen motiven heute leute kinder kriegen. und das ist nun mal oft selbstverwirklichung, idealbild einer familie usw. da sind dann abtreibung aus gründen privater eugenik usw. auch nur folgerichtige auswirkungen. erst da anzusetzen und zu sagen: so geht das aber nicht, kommt mir merkwürdig vor.

  28. 28 rather ripped 05. Juli 2009 um 9:35 Uhr

    aber ein kind ist doch keine bestellung sondern ein lebewesen!

  29. 29 Tanja 10. Juli 2009 um 18:33 Uhr

    wegen der kaliumchloridspritze- ja die ist verpflichtend.
    in der 25. woche hat eine frau in oldenbourg ein kind „abgetrieben“ aufgrund von trisomie 21, dabei wurde ein natürliche Geburt eingeleitet.
    Die Frau wurde versorgt, das Baby lebend geborgen.
    Die Ärzte erwarteten, dass es stirbt, aber das tat es nicht und wurde erst Stunden später versorgt. Um solchen Fällen vorzubeugen werden den Ungeborenen Kaliumchloridspritzen verabreicht.
    wenn du mehr dazu wissen willst:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Oldenburger_Baby
    Die Situation ist sehr schwierig zu beurteilen, da die Eltern das Kind ja sowieso nicht wollten.
    In wie weit es sinnvoll ist, die Verantwortung dann der Gesellschaft zu übertragen, damit das Kind doch bitte irgendwie irgenwo leben kann, ist fraglich.
    Wenn die Eltern es anders wollten, könnten sie das Kind ja auch zur Adoption freigeben..

  30. 30 alex 29. Juli 2016 um 9:22 Uhr

    Auch wenn ich ein Mann bin:
    ich stimme euch zu.

    Das selbe Problem gibt es bei Frühgeburten, dort wird teilweise alles unternommen um das Leben zu erhalten, obwohl eigentlich schon absehbar ist, dass das Kind durch die Behandlung schwerste Schäden erleiden wird (Beispiel: Hirnblutung 4. Grades) und lebenslang im Zustand eines Säuglings verharren wird.

    Die Meinungen der Mutter/Eltern interessieren nicht, nach dem Motto: kommt ihr mal damit klar, nicht unser Problem.
    Resultat: die Kinder kommen schnellst möglich in ein Heim und sind lebenslang von der Mildtätigkeit Dritter abhängig.

    Und ja, natürlich ist dieses Risiko immer gegeben, da z.B. auch ein absolut gesund geborenes Kind nachträglich noch Verletzungen erleiden kann aber das kommt nicht durch eine Behandlung, zu der die Eltern gezwungen wurden.

    Auch hier gilt: der Staat spielt sich als moralische Instanz auf aber die Konsequenzen müssen andere tragen (die Kinder und deren Eltern), denn Hilfe gibt es dann eigentlich nur über Vereine, Organisationen und mit viel, viel, viel Glück lebt man in einer Stadt, die sich engagiert. Aber ein Anrecht darauf hat man nicht und so können solche Programme jederzeit beendet werden.

  1. 1 Abtreibungen, Nietzsche, Iran und die MG « meta.blogsport Pingback am 02. Juli 2009 um 1:22 Uhr

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei × vier =