Warum „Homo-Paare“ gegen das Kindeswohl sind…oder so

Sehr modern gerade (mal wieder) ist das „Kindeswohl“-Totschalgsargument, sieht man ja auch ganz nett bei Zensursula.
Daß es dabei meistens nicht um die Kinder geht, sondern um Durchsetzung irgendwelcher Strategien, wie man die Welt „wieder in Ordnung“ bringen kann, stört ja nicht… *hust*
Und im allgemeinen Trend taucht auch schon der Klassiker wieder auf, so à la „Ich hab ja nix gegen Homosexuelle, ABER DIE KINDER….!!!!“.
So auch in der Welt.
Nett, was?

Die Auswahl orientiert sich am Wohl des Kindes: Die Adoptiveltern sollen nicht zu alt sein und in stabilen und materiell sicheren Verhältnissen leben. Und sie sollen Frau und Mann sein, damit das Kind die beiden komplementären Elternteile erlebt.


Komplementär? Kann mir bitte mal eineR den konkreten Sinn dahinter genau erläutern? Denn das einzige halbwegs logische, das mir dazu einfällt (also, daß nur Mann vs. Frau „komplemetär“ sein können und diese es auch immer sind) wäre, dem Kind erklären zu können „Kuck mal, Papa hat nen Penis und Mama hat ne Vagina“. Ist auch so in einer „anständigen Familie“! Ähmja… irgendwie, also irgendwie kommt mir das ganze belämmert vor.

Des Pudels Kern kommt aber später noch:

Die Erfahrung aus Alltag und Geschichte zeigt allerdings, dass die klassische Familie eine ganz besondere Verantwortungsgemeinschaft ist. Zypries verlangt, diese Erfahrung auszuschlagen zu Gunsten einer schönen, neuen Familienwelt.

Ah, okay. Verantwortung! Die Homosexuelle natürlich nicht haben! Ganz klar! JETZT!

/sarkasmus

Was diese ganz besondere Verantwortung denn ist, die anscheinend nur heterosexuelle Paare haben können, erschließt sich mir allerdings nicht ganz. Vielleicht, weil eine „schöne neue Familienwelt“ gar nicht mal so übel wäre.

Ach ja, und wenn’s schon doch eigentlich um die Kinder geht (oder gehen sollte):

Die Mehrheit der Kinder sieht keine bedeutenden Unterschiede, die sich für sie aus dem Zusammenleben mit gleichgeschlechtlichen Eltern ergeben. 79 Prozent der befragten Kinder finden es „voll und ganz“ in Ordnung, mit gleichgeschlechtlichen Eltern zusammenzuleben.


13 Antworten auf “Warum „Homo-Paare“ gegen das Kindeswohl sind…oder so”


  1. 1 hn 31. Juli 2009 um 21:14 Uhr

    Also die Zeit hat sich ja schon sehr unbeliebt gemacht letztens, aber der verlinkte Artikel ist aus der Welt. Und, was gerne nicht erwähnt wird, von der Kommentarseite, also auch wenn die Welt ein konservatives Springerblatt ist, so krass sind sie dann doch nicht. Sonst hätten sie es nämlich von ihren eigenen Leuten schreiben lassen, nicht von Alibi-Dritten.

    Aber das Argument ist IMO am einfachsten mit Alleinerziehenden zu entkräften: da haben die Kinder auch keine „komplementären“ Elternteile. Funktioniert auch.

    Aber echt lustig ist halt, dass genau die Leute die immer fragen „Wer in eurer Homoehe ist denn dann so ‚der Mann‘ und ‚die Frau‘?“ jetzt komplett entgegengesetzt ankommen.

  2. 2 nina 31. Juli 2009 um 21:24 Uhr

    Und die restlichen 21% Prozent der Kinder finden es vermutlich deshalb nicht ‚voll und ganz in Ordnung‘, weil sie sich ständig dumme Kommentare ihrer Umwelt anhören müssen..
    Mehr mag ich dazu gar nicht sagen, sonst muss ich mich wieder so aufregen und meine Schokolade ist schon fast leer. Aber was anderes: Der verlinkte Artikel stammt von der Welt, nicht von der Zeit. Hatte mich schon gewundert.

  3. 3 dodo 31. Juli 2009 um 21:44 Uhr

    ups, merci für die hinweise, hab’s schon geändert

  4. 4 earendil 01. August 2009 um 0:24 Uhr

    Aber das Argument ist IMO am einfachsten mit Alleinerziehenden zu entkräften: da haben die Kinder auch keine „komplementären“ Elternteile.

    Ja eben, das passt solchen Leute ja auch nicht. In deren Augen sind Mann und Frau als Eltern Voraussetzung für das Kindeswohl. Mann und Frau werden da auch komplementär gesehen, mit weit mehr Unterschieden als nur Schwanz und Muschi. Biologistische Sexisten halt.

  5. 5 Raven 01. August 2009 um 2:43 Uhr

    Irgendwie kann ich mit dem Artikel gar nichts anfangen, da an den entscheidenden Stellen einfach nur eine riesengroße Lücke klafft. In der „klassischen“ Familienkonstellation ist irgendetwas „komplementär“ und irgendwas „besonders“, aha. Nun fehlt aber dummerweise trotzdem noch jeder Hinweis darauf, in wiefern das eigentlich relevant sein könnte.

    Offenbar ist für die WELT ausreichend, diffus in Richtung der hoffentlich mitgebrachten Vorurteile der Leserschaft zu winken, damit diese sich der im Titel präsentierten Schlussfolgerung anschließt. Sehr strange.

    Wunderschön auch all die suggestiven Einschübe, die die Meinung von Frau Zypries wiederzugeben vorgeben. Mein Favorit: „einfach nur zwei Erziehungsberechtigte, austauschbar“ — obwohl der Sachinhalt des Satzes ein ganz anderer ist, werden in meinen Ohren mit dieser Formulierung die Menschen und das Geschlecht derart vertauscht, dass es ja irgendwie nach einer falschen, geradezu herabsetzenden Behauptung riechen muss.

  6. 6 dodo 01. August 2009 um 3:33 Uhr

    „diffus in Richtung der hoffentlich mitgebrachten Vorurteile der Leserschaft zu winken“
    naja, laut der abstimmung auf der site scheint das ja nüscht so gaaaanz zu klappen.
    zumindest als ich das letzte mal geklickt hab, war’s so fifty-fifty.

  7. 7 Wortbahnhof 01. August 2009 um 11:32 Uhr

    Also so ein Unsinn.
    Es ist wirklich schlimm, was man für das Wohl der Kinder zu rechtfertigen sucht. Ich habe zuletzt nämlich auch eine andere Studie gelesen, die bestätigt, dass es Kindern mit gleichgeschlechtlichen Eltern weder schlechter noch besser geht, und dass es letztendlich sogar unerheblich ist auf die Entwicklung des Kindes.
    Ich wage zu behaupten, dass sich gleichgeschlechtliche Eltern vielleicht sogar mehr anstrengen gute Eltern zu sein, weil sie mit solchen schwachsinnigen Vorurteilen konfrontiert werden.

  8. 8 Lena 02. August 2009 um 21:41 Uhr

    Ich bin ja generell dafür, dass Hetero- UND Homo-Paare (ich nenn’s jetzt ‚mal so) „geprüft“ werden sollten (oder zumindest Kurse besuchen sollten), bevor sie Kinder in die Welt werfen. Meiner Meinung nach hat nicht jeder die Kraft und das Verantwortungsbewusstsein und auch nicht das Geld, um ein Kind/mehrere Kinder zu versorgen. Es verstört mich immer wieder, was für Eltern es gibt. Wenn Eltern ihre Kinder in Bussen anschreien und sich dann wundern, dass diese nicht aufhören, zu heulen. Viele Menschen haben KEINE Ahnung wie man mit Kindern umgeht. Und sie scheinen sich auch nicht mehr dafür zu interessieren.
    Dass das jetzt relativ wenig mit Homo-Paaren zu tun hat, weiß ich selbst. Ich finde, dass viele Homosexuelle sogar besser für ein Kind sorgen könnten, als ein Hetero-Paar. Denn bei Homosexuellen kann es nicht einfach so passieren, die überlegen sich das vorher (gründlich).

  9. 9 laylah 03. August 2009 um 9:36 Uhr

    genau, der staat erklärt den künftigen eltern nochma ganz genau, was er von ihnen erwartet und lässt sie am besten noch ne prüfung ablegen. schlag ihm das doch mal vor, der findet das bestimmt toll. wir könnten das auch gleich auf sex erweitern: wie manche typen dabei abgehn geht auch nicht klar. die kriegen dann erst nen staatlichen fickkurs und dann sex mit der familienministerin als test. oder die einschulung: die ganzen ausländerkinder, die kaum deutsch sprechen, könnte man so auch gleich aus der schule raushalten, statt sie jahrelang von steuergeldern mitzuschleifen. na, wie wärs?

  10. 10 neuer nick 03. August 2009 um 9:38 Uhr

    Ich bin ja generell dafür, dass Hetero- UND Homo-Paare (ich nenn’s jetzt ‚mal so) „geprüft“ werden sollten (oder zumindest Kurse besuchen sollten), bevor sie Kinder in die Welt werfen. Meiner Meinung nach hat nicht jeder die Kraft und das Verantwortungsbewusstsein und auch nicht das Geld, um ein Kind/mehrere Kinder zu versorgen.

    Also die Verbindung von „prüfen“ und dem Hinweis, das manchen Familien/Müttern/Vätern das Geld fehlt halte ich eher fragwürdig. Anstatt Menschen mit wenig Einkommen zu verbieten Kinder zu bekommen, sollte man vielleicht versuchen die Erziehung eines Kindes von den individuellen finanziellen Möglichkeiten abzukoppeln. Z.B. indem man ausreichend kostenlose Betreuungsangebote zur Verfügung stellt.

  11. 11 kopfundherzblog 07. August 2009 um 16:17 Uhr

    hallo,

    ich weiß nicht, ob es reiner sarkasmus ist, oder es tatsächlich unklar ist, worauf sich dieses argumente der komplementarität etc., dass ein kind mutter und vater braucht…
    es bezieht sich auf den ödipus-komplex und wie dadurch die geschlechtsidentität des kindes konstituiert wird (das ganze heißt triangulation (freud)) und darauf baut dann noch die verwandschaft, die kultur, die nation und der status als bürger auf.

    nachzulesen ist das ganze in einem butler aufsatz, der heißt „is kinship always heterosexual“.
    da die autorin ja nun butler ist, versteht sich, dass sie in ihrem aufsatz auch zeigt wie bescheurt und gestrig und überholt diese ganze theorie. interessant ist nur, warum nun manche menschen denken diese sachen aus der mottenkisten wieder hervor zu holen???

  12. 12 Lini 08. August 2009 um 21:40 Uhr

    Es war nicht nötig, über Lenas Kommentar so abzulästern. Kinder sind nicht das Eigentum ihrer Eltern, mit dem man verfahren kann, wie man gerade lustig ist. Ist bestimmt niemandem neu, aber deswegen muss man doch nicht so abgehen, bloß weil mal eine ausspricht, wie sch… sowas ist. Dein Kommentar, laylah, klingt wirklich, als ginge es bei der Frage, wie man sein Kind behandelt um nicht mehr als eine Frage des lifestyles. Ist sicher nicht dein Ernst, also warum regst du dich so auf? Wenn ich manche Eltern im Bus beobachte, würde ich deren Kind auch manchmal am liebsten selber mit nach Hause nehmen. Der Gedanke an eine Prüfung entspringt hier keinem Wunsch nach Totalitärstaat, sondern schlichtweg dem Mitleid. Das muss man doch nicht absichtlich mißverstehen

  1. 1 Unbedingt in anderen Blogs nachlesen « Maedchenmannschaft Pingback am 01. August 2009 um 10:48 Uhr

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