Im Knast wegen Hosen

Anfang Juli wurde im Sudan die Journalistin Lubna Hussein und weitere Frauen wegen Tragen von Hosen verhaftet.

Zehn Hiebe plus umgerechnet 100 Euro setzte der Al-Sagana-Schnellgerichtshof zwei Tage später fest, die sofort vollstreckt wurden. Zehn Frauen, unter ihnen drei minderjährige Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren, akzeptierten das Urteil, weil sie kein Aufsehen wollten und „um die Sache hinter sich zu bringen“, wie eine der Betroffenen später angab. Drei jedoch widersprachen, verlangten einen Anwalt und ein ordentliches Gerichtsverfahren – unter ihnen Lubna Hussein.

Hier kann man eine Petition unterzeichnen, um sich für sie einzusetzen. Und dabei geht es um mehr als nur diesen speziellen Vorfall:

Harassment of women by POP is very common in Sudan, but yet extremely under-reported. PoP are often abusive. Many women lack knowledge of their rights, fear social stigma and therefore do not resist the consequences of going to a police station, having a criminal charge against them and signing a paper that says that they will not repeat the offence. In addition, the bail of $100 is a load that the vulnerable and poorest women cannot pay easily.

Über The F-word


21 Antworten auf “Im Knast wegen Hosen”


  1. 1 different 11. August 2009 um 21:05 Uhr

    Demokratischen Staaten gehen die Petitionen ihrer eigenen Bevölkerung ja schon gehörig am Arsch vorbei, wie wir ja auch hierzulande vor kurzem erleben konnten. Warum sollte es also ausgerechnet den Sudan interessieren, wenn irgendwelche Deutschen oder Amerikaner diese Petition unterschreiben? Zudem auch noch wenn man bedenkt, dass es sich um eine islamische Republik, in der fast überall die Schari‘a gilt und eine Militärregierung an der Macht ist, handelt? Demokratieidealismus ist man von dir ja inzwischen gewohnt, doro, aber irgendwann musst das doch selbst dir einmal lächerlich vorkommen.

  2. 2 dodo 12. August 2009 um 1:17 Uhr

    nö, tut es nicht.

  3. 3 n.n. 12. August 2009 um 11:30 Uhr

    Für different mag es in Ordnung gehen mit seiner Behauptung dass „fast überall“ die Scharia gelte den Südsudan praktisch wegzudeffinieren. Entweder ein bisschen arg übertrieben, oder aber der Wunsch war hier Vater des Gedankens. Auf jeden fall ziemlich un‘different‘ziert.

  4. 4 earendil 12. August 2009 um 14:07 Uhr

    Different, was meinst du, warum ai u. dgl. seit Jahrzehnten so was immer wieder machen, wenn doch der öffentliche Druck dem demokratischen oder diktatorischen Herrschaftspersonal – spielt in der Frage nicht groß ne Rolle – so völlig egal ist? Noch jeder „Schurkenstaat“ sorgt sich um sein internationales Ansehen. Solche Aktionen können erfahrungsgemäß in Einzelfällen durchaus erfolgreich sein, auch wenn die Aussichten nicht gerade gut sind.

    Lächerlich sollte dir dagegen der abgeschmackte Vorwurf „Demokratieidealismus“ vorkommen. Hier müsstest du Dodo ja „Diktaturidealismus“ vorhalten. Etwa so: Die hält die Diktatur ja eigentlich für ne gute Sache, die (diktatorische) Herrschaft selber wird mit Petitionen immer schon abgenickt, der Herrschaft wird der eigentliche gute Zweck unterstellt, für das Wohl ihrer Untertanen zu sorgen usw. … Vielleicht fällt dir ja zumindest bei diesem Beispiel auf, wie blöd so ne Argumentation ist.

  5. 5 n.n. 12. August 2009 um 15:01 Uhr

    Dein zweiter Absatz ergibt eigentlich nur Sinne, wenn man von vornherein Demokratieidelaismus als Maßstab ansetzt. Ansonsten könntest du zwischen der sudanesischen und der bundesrepublikanischen Demokratie nicht unterscheiden, wie du es tust. Für dich ist klar: Hier (oder in Frankreich, Belgien etc.) Demokratie, Da: Diktatur. Wie du darauf kommst? Offensichtlich schaust du dir nich an, wie da der Staat aufgebaut ist, sondern vergleichst deine Maßstäbe für Demokratie mit den dortigen Verhältnissen. Wenn da was nicht passt, wird aus der sudanesschen Demokratie eben eine Diktatur. Das ist doch dasselbe, wenn man hier vor Ort dem D-Idealismus fröhnt.

  6. 6 Gary 12. August 2009 um 15:04 Uhr

    @dodo Dein Umrechnungskurs zwischen Dollar und Euro ist nicht ganz richtig.

  7. 7 different 12. August 2009 um 15:43 Uhr

    @n.n.: Naja, der Südsudan ist ja inzwischen autonom, also gar nicht mehr im Einflussbereich der Regierung, an die hier appeliert wird. Von daher finde ich meine zugegeben etwas vereinfachte Darstellung nicht so tragisch.

    @earendil: „Schurkenstaaten“ (ein wirklich dämlicher Begriff) interessieren sich nicht im Geringsten darüber, wie hoch ihr Ansehen bei dir, mir oder Amnesty International ist. AI deckt menschenrechtswidrige Zustände auf, die dann von westlichen Nationen gerne als Argument genommen werden, den diplomatischen (oder sogar militärischen) Druck auf einen bestimmten Staat zu erhöhen, Handelsembargos auszurufen oder ähnliches. Das ist es, was den Staat dann interessiert, dass seine Ökonomie Schaden nimmt. Nicht irgendwelche Unterschriften. Und wenn AI dann mal die Ausländerpolitik von Italien oder der BRD kritisiert, interessiert das dann auch nicht mehr. Deiner Bezeichnung vom Sudan als Diktatur hat n.n. ja schon kritisiert.

  8. 8 dodo 12. August 2009 um 18:38 Uhr

    @Gary: hab nur zitiert, nicht selber gerechnet.

  9. 9 earendil 12. August 2009 um 22:08 Uhr

    @different und nn:
    Der Sudan ist mit Sicherheit kein demokratischer Staat. Das hat nix mit Demokratieidealismus zu tun, sondern ist ne objektive Tatsache. Wer was anderes behauptet, hat entweder vom Sudan oder von demokratischer Herrschaft keine Ahnung. (Different schreibt ja selber, dass da „eine Militärregierung an der Macht ist“ – was für ne Demokratie eher unüblich ist.)

    Klar ist „Schurkenstaat“ ein dämlicher Begriff, darum steht er ja auch in Anführungszeichen.

    Ob nun Diktatur eine angemessene Bezeichnung ist, weiß ich nicht, ist aber eigentlich auch völlig pillepalle, denn darum ging’s mir gar nicht. Sondern darum, dass Staaten, gleich welcher Verfassung, ihr Ansehen im In- und Ausland eben nicht egal ist. Und zwar – guess what – weil ein schlechtes Image ökonomische und politische Nachteile nach sich ziehen kann.

    Und was ihr offensichtlich immer noch nicht kapiert habt: Es ist lächerlich, der Dronte hier Demokratieidealismus zu unterstellen. Die Petition richtet sich an den sudanesischen Staat. Glaubt ihr im Ernst, Dodo idealisiere die sudanesische „Demokratie“?

  10. 10 different 12. August 2009 um 23:57 Uhr

    Nein (ich kann auch Fettschrift), das Image bei einer fremden Bevölkerung hat keine politischen und ökonomischen Nachteile für einen Staat, weil diese Bevölkerung eben gar keine politische oder ökonomische Macht hat! Das Gegenteil zu behaupten, das ist der Demokratidealismus, nämlich die falsche Bestimmung von demokratischer Herrschaft als eine Staatsform, in der es eigentlich gar keine Herrschaft gibt sondern der Staat nur das macht was die Bevölkerung will, Volk und Staat im Prinzip also das selbe wären und genau diesen machst du hier ja auch auf. Den USA, Russland oder irgendjemanden anders ist es scheißegal was ich oder du von dem Staat hält, solange die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zum deutschen Staat stimmen. Und unserer Regierung ist auch scheißegal was du von denen hälst, wenn solange das Verhältnis zu dem Staat positiv für Deutschland ist. Wenn der deutsche Staat mehr Demokratie oder einen freieren Markt in einem anderen Land möchte dann doch nicht weil das deutsche Volk den irgendwie doof findet, sondern weil dann der Handel mit dem besser klappen würde, keine terroristischen Gefahren von ihm ausgingen etc. Ob der Sudan nun eine Demokratie ist oder nicht ist deswegen vollkommen unerheblich.

  11. 11 bigmouth 13. August 2009 um 1:18 Uhr

    warum funktionieren breifkampagnen von amnesty international denn? da blamiert sich deine theorie an der wirklichkeit.

  12. 12 different 13. August 2009 um 1:28 Uhr

    In welchen Zusammenhängen haben sie das denn getan? Hast du Links?

  13. 13 earendil 13. August 2009 um 9:25 Uhr

    Wie wär’s hiermit:
    http://www.amnesty.de/was-wir-erreichen
    http://www.ai-wiesloch.de/Erfolge/erfolge.html

    Circa 35 Prozent aller „Urgent Actions“ für bedrohte Menschen sind erfolgreich.

    Wenn Staaten ihr öffentliches Ansehen scheißegal* ist, warum bitteschön investieren sie dann so einiges in Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda?

    *ich kann sogar kursiv :p

  14. 14 different 13. August 2009 um 13:40 Uhr

    Es ist schwer zu durchschauen, wie viel Einfluss ai auf die Ergebnisse dieser Fälle hatte und es müsste auch klar sein, dass eine Selbstdarstellung immer eher beschönigt. Sätze wie „doch später fand ich heraus, dass der von der internationalen Staatengemeinschaft ausgeübte Druck eine wichtige Rolle spielte. “ und „Auf Druck von amnesty international sandte der US-Kongress schließlich einen Appell an den turkmenischen Präsidenten.“ deuten für mich aber darauf hin, dass meist dann doch wieder der Druck anderer Staaten ausschlaggebend war, auch wenn ai das Entstehen dieses Drucks begünstigt hat. Und wenn ein Staat da keine besonderen Nachteile durch hat, wird er vielleicht auch mal einer Briefkampagne nachgeben, aber im Endeffekt doch auch wieder nur, wenn er den Eindruck hat, dass diese eine so hohe Öffentlichkeit hervorgerufen hat, dass sich wirtschaftliche und politische Beziehungen zu den anderen Staaten verschlechtern könnten. Ist dies nicht der Fall, wie z.B. meist bei so mächtigen Nationen wie den USA oder Russland, dann interessieren die Aktionen von ai plötzlich wenig. Schon lange kreiden sie z.B. auch die Asylpolitik in Deutschland an, ohne dass das zu irgendeiner Veränderung geführt hätte. Im Fall von Nationen die stark religiös geprägt und/oder Anti-Westlich eingestellt sind, wie der Iran, wird ja nicht einmal der tatsächliche Druck durch andere Staaten zum Anlass genommen, Veränderungen herbeizuführen.

    Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda hat ja vor allem den Zweck, einen gewaltsamen Aufstand der eigenen Bevölkerung zu verhindern und dafür zu sorgen, dass sie den Staatszweck teilen, auch wenn er eigentlich gegen ihre eigenen Interessen läuft. Da geht es dann aber vor allem darum, die Bevölkerung zu überzeugen und nicht, sich von der Bevölkerung überzeugen zu lassen.

  15. 15 earendil 13. August 2009 um 14:38 Uhr

    Und wenn ein Staat da keine besonderen Nachteile durch hat, wird er vielleicht auch mal einer Briefkampagne nachgeben, aber im Endeffekt doch auch wieder nur, wenn er den Eindruck hat, dass diese eine so hohe Öffentlichkeit hervorgerufen hat, dass sich wirtschaftliche und politische Beziehungen zu den anderen Staaten verschlechtern könnten.

    Genau so ist es. Dass ein gutes Image das einzig wichtige Interesse der Staaten wäre, hat ja niemand behauptet, und häufig wiegen andere Interessen eben schwerer. Dass Petitionen, Brief- und Mailkampagnen u. dgl. aber gar keine Aussicht auf (wenigstens kleine) Erfolge hätten, ist falsch.

    Außerdem ist auch der psychologische Aspekt wichtig, dass die Betroffenen merken, dass es Menschen gibt, die sich für ihr Schicksal interessieren. Das kann für die ziemlich wichtig sein.

    Dass Petitionen eine Wundewaffe und machtvolles Druckmittel wären, sagt ja niemand. Aber realistisch betrachtet bleibt gewöhnlichen Mitteleuropäer_innen auch nicht viel mehr, um auf Vorgänge etwa im Sudan einzuwirken. Und so schlecht ist die Aufwand-Nutzen-Relation dabei ja auch nicht. Man muss sich nur keine Illusionen über die Wirkungsmächtigkeit machen.

    Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda sind nicht nur nach innen, sondern auch nach außen gerichtet. Natürlich geht es dabei nicht darum, sich überzeugen zu lassen. Aber wenn die Staatspropaganda durch wirksame Gegenöffentlichkeit konterkariert wird, vefehlt sie ihren Zweck.

  16. 16 n.n. 14. August 2009 um 10:54 Uhr

    @n.n.: Naja, der Südsudan ist ja inzwischen autonom, also gar nicht mehr im Einflussbereich der Regierung, an die hier appeliert wird. Von daher finde ich meine zugegeben etwas vereinfachte Darstellung nicht so tragisch.

    @ different.
    Zwei Fehler: Der formelle Status der Autonomie sagt nicht viel über Einfluss der Zentralregierung aus (siehe Baskenland, diverse Regionen in China, Südtirol etc.). Zum anderen (und das ist der springende Punkt) ist die Bewegung/Parteiwasauchimmer des Südsudan Teil der Gesamtregierung im Rahmen einer nationalen Front oder so etwas ähnlichem. Es geht nicht darum ob deine Schwindelei „tragisch“ ist, sondern rein um die Feststellung, dass sie falsch ist.

  17. 17 earendil 14. August 2009 um 20:35 Uhr

    Es geht nicht darum ob deine Schwindelei „tragisch“ ist, sondern rein um die Feststellung, dass sie falsch ist.

    Wieso denn „Schwindelei“? Kann man nicht einfach mal so Fehler korrigieren, ohne die Unterstellung einer bewussten Lüge?

  18. 18 different 14. August 2009 um 23:37 Uhr

    @earendil: Okay, ich habe gegen deine letzten Post nichts mehr einzuwenden, ich habe das erwas zu überspitzt dargestellt. Über die Wirksamkeit von Petitionen sind wir uns ja grundlegend relativ einig.

    @n.n.: Du hast aber offensichtlich mehr Ahnung vom Sudan als ich und ich will dir da überhaupt nicht widersprechen. Ich wüsste aber ehrlich gesagt nicht, was ich für ein Motiv haben sollte hier zu „schwindeln“, vor allem da es hier um den Südsudan doch überhaupt nicht geht. Dort wo die beiden Frauen angeklagt sind, gilt die Scharia. Das war mein Punkt.

  19. 19 leonie 07. September 2009 um 18:54 Uhr
  20. 20 n.n. 08. September 2009 um 9:28 Uhr

    Aus den 100 $ sind inzwischen 140 € geworden :-?

  21. 21 Ela 07. Februar 2013 um 13:20 Uhr

    Ich weiß, der Artikel hier ist etwas älter, aber gerade wieder aktuell geworden, daher ein kleiner Nachtrag: Auch im zivilisierten Frankreich ist das öffentliche Tragen von Hosen für Frauen legal erst jetzt, im Jahre 2013 wieder straffrei möglich…

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sechs − fünf =