Willkommen im Alltag

The personal is political und deswegen sind nicht nur „große“ Aktionen wichtig, sondern auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Alltagsleben.
Denn, wie Verena von der Mädchenmannschaft schreibt:

Unabhängigkeit fängt nicht erst beim Konto oder der eigenen Wohnung an. Oft zeigt sie sich viel subtiler darin, dass wir die eigenen Pläne verfolgen, ohne sie von anderen abhängig zu machen.

Und daher macht es Sinn, auch mal alleine die Gegend unsicher zu machen.

Wenn meine Freunde am Wochenende lieber zuhause abhängen wollen, ich aber ausgehen möchte, ok, dann ziehe ich halt alleine los. Gibt es niemanden, der mit mir in den Urlaub fahren kann, ok, traue ich mir einen Solotrip zu. Egal, wie selbstbewusst unser Auftreten im Job oder sonstigen Alltag ist, es kann ganz schön schrumpfen, wenn es mit Dekolletee als einzigem Anhang dort unterwegs ist, wo es als ungewöhnlich auffällt.

Als „normal“ wird das von der Umwelt aber oft nicht gesehen (davon kann ich selbst ein Liedchen singen). Allein unterwegs als Frau, da wird man in den meisten Fällen (meiner Erfahrung nach hauptsächlich von Männern) als einsam (hat keine FreundInnen), versetzt oder aufrißbereit abgestempelt.

Allein auf der Straße hat eine Frau nur etwas zu suchen, wenn sie von a nach b unterwegs ist, ihren Hund ausführt oder durch den Park joggt. Und klar, wie konnte ich das bloß vergessen, wenn sie shoppt…

Cooler Beitrag – lesen!


47 Antworten auf “Willkommen im Alltag”


  1. 1 Zarah White 20. August 2009 um 18:00 Uhr

    Wow! Die Helden des Alltags. Überzeugende Leistung.

    Vorsicht, extrem tiefliegende Meßlatten.
    ( oder Bundesverdienstkreuz ? )

  2. 2 dodo 20. August 2009 um 18:38 Uhr

    Willst du damit irgendwas bestimmtes sagen oder einfach nur abkotzen?

  3. 3 Zarah Wite 21. August 2009 um 9:14 Uhr

    wo kotze ich ab ?
    Was hier als tolle Leistung verkauft wird, ist der Normalzustand meiner Kindheit und der meiner Geschwister und Spielkameraden gewesen.

    im übrigen : „The personal is political“ ist der perfekte Nährboden für jede faschistoide Gesellschaftsform.
    Alles was sich eine Diktator wünschen kann.

  4. 4 n.n. 21. August 2009 um 10:27 Uhr

    Argumente? :-w

  5. 5 Zarah Wite 21. August 2009 um 11:22 Uhr

    @n.n.

    „Argumente ?“

    Für die Kugelgestalt der Erde ?

  6. 6 earendil 21. August 2009 um 12:54 Uhr

    @Zarah: Nein, für die Scheibengestalt. „„The personal is political“ ist der perfekte Nährboden für jede faschistoide Gesellschaftsform“ ist nämlich auf genau diesem Niveau.

  7. 7 ping 21. August 2009 um 13:22 Uhr

    Boar Leute, als wärs das erste Mal das Zarah nur blöd rumstänkert.

  8. 8 Zarah Wite 21. August 2009 um 14:51 Uhr

    @earendil
    ich schrieb nichts von Scheibengestalt.

    aber wenn man einen Knochen hingeworfen bekommt („argumente?“)
    kann man schon mal nachfragen.

    und sonst (stark verkürzt):
    keine „Privatsphäre“ = totale Kontrolle

    Noch was offen ?

  9. 9 dodo 21. August 2009 um 19:31 Uhr

    zarah, du hast den spruch nicht ansatzweise kapiert.

  10. 10 flawed 22. August 2009 um 12:12 Uhr

    Naja, wenn das Persönliche politisch ist, dann folgt auch, dass alles an Persönliche der Anspruch gestellt werden kann, dass es politisch „richtig“ sein muss.

  11. 11 dodo 22. August 2009 um 17:25 Uhr

    das finde ich zu kurz gefaßt.

  12. 12 O)(O 23. August 2009 um 18:47 Uhr

    Ich finde die Parole: „das private ist politisch“ auch eher unklug.
    Nimmt mensch diesen Satz ernst werden echte Auseinandersetzungen über das komplizierte Verhältniss zwischen den Geschlechtern eher verhindert als ermöglicht.

  13. 13 l 23. August 2009 um 19:22 Uhr

    was ist das denn für ein verhältnis? ein privates? LOL!

  14. 14 l 23. August 2009 um 19:24 Uhr

    Naja, wenn das Persönliche politisch ist, dann folgt auch, dass alles an Persönliche der Anspruch gestellt werden kann, dass es politisch „richtig“ sein muss.

    und? wo liegt das problem? lieber (politisch) falsch? lieber den willen des gegenübers brechen beim abfeieren des privaten und der freiheit, oder was? „ich bin so frei …“

  15. 15 Zarah White 24. August 2009 um 7:06 Uhr

    @I
    „wo liegt das problem?“
    siehst du, genau das ist der Nährboden.
    Schön demonstriert.

    Wenn jemand(persönlich, privat) politisch falsch liegt, darf korrigiert werden. (z.B. durch Willen brechen)
    Und was falsch und richtig ist legt natürlich wer fest ..

    Grundlegende Mechanismen jeder Diktatur.

  16. 16 O)(O 24. August 2009 um 7:07 Uhr

    I@
    Ich für meinen Teil lasse mir ungern von einer (weissen, akademischen, mittelschichtsozialisierten und mit entsprechenden geistigen Beschränkungen ausgestatteten) linken Szene vorgeben wie zb. eine „emanzipierte“ „Liebes“-Beziehung zwischen 2 Individuen auszusehen hat. Mir scheint es doch klüger – weil lebenstauglicher und zusichselbstehrlicher – zu sein die aus den kap. Verhältnissen stammenden Grenzen und Dispositionen in meiner Ich-Konstelation und der damit verbundenen (teils regressiv wirksam werdenden) Bedürfnisökonomie einzugestehen, um sie mit meinem Partner menschenwürdig handln zu können, anstatt diese komplexen dialektischen Wiedersprüche zwischen 2 (3,4,5…) Menschen mit einem verkürzenden und verzerrenden Sprüchlein wie: „das private ist politisch“ zu versuchen unterzubuttern!

    „Das will ja auch keiner“ wirst du mir jetzt entgegnen wollen und der abgespeicherte Restwahrheitsgehalt dieser Parole ist mir auch völlig bewusst. Jedoch scheint mir diese dünne Wahrheit hinter dem teilweise repressiven Drive der oft in der linken (feministischen) Szene vorherrscht doch eher zu verschwinden. Ich weiss genau wie zb. Händchenhalten von Heteropärchen, offenes Knutschen, hochhackige Schuhe etc. in AZs, Szeneläden usw. aufgenommen werden. Da fällt das Individuum oftmals hinten runter und das feige Nörgeln, Neiden und Mosern hängt sich hintenrum an solchen Kleingkeiten auf.
    Mit einer solchen Praxis wird wirkliche Kritik am Sexismus verhindert und was mit dem Anspruch auf „Befreiung“ startete, endet in einem sadistischem Klein-Klein in dessen Vollzug wir uns gegenseitig das breitbeinige Sitzen und die Benutzung von sex. Worten verbieten und meinen damit etwas gegen die „Gesammtscheisse“ zu tun.

    „Das private ist politisch“ ist keine kluge Parole. Sie ist verkürzend, undialektisch und lädt zur „Gleichmachung des Ungleichen“– zur Repression gegen „Rest“– Individuen und ihre gesellschaftlich hochvermittelten, seelisch-prekären Beziehungen ein!

    Konkreter kann ich es nicht ausdrücken, sonst schlägt das ideelle Mädchenblog-ÜberIch gnadenlos zu.

  17. 17 n.n. 24. August 2009 um 9:31 Uhr

    @Zarah White:

    „Wenn jemand(persönlich, privat) politisch falsch liegt, darf korrigiert werden. (z.B. durch Willen brechen)
    Und was falsch und richtig ist legt natürlich wer fest ..

    Grundlegende Mechanismen jeder Diktatur.

    Nunja, wenn man jetzt den Hinweis von l mitberücksichtigt kommen wir zu dem Ergebnis, das man bei beidem irgendwie irgendwem den „Willen brechen“ kann. Aber warum findest du gerade an der privaten Willensbrecherei so viel gefallen, während dich eine meinetwegen demokratisch legitimierte und sonstewie vernünftige ao anficht?

  18. 18 l 24. August 2009 um 9:42 Uhr

    zarah, du hast wieder alles komplett falsch gelesen. wundern tut das nicht, du bemühst dich ja auch sonst sehr darum. „willen brechen“ bezog sich auf jene, die keinen einzigen gedanken daran verschwenden, ob und warum ihre „selbstverwirklichung“ im „privatem“ mitunter eine schädliche sache für andere ist. DIE fahren nämlich nicht selten über alles drüber. wer seinen willen im freiheitsrausch (und darum geht es ja: im „privatem“, da bin ich frei) gnadenlos verwirklichen will, wird die willen anderer brechen.
    ich habe im übrigen das politisch nicht ohne grund in klammer gesetzt. denn es geht zuvorderst um das falsch – und das kann man erkennen und korrigieren. da und dort.

    O)(O, ich habe dich nicht gefragt, was du willst oder nicht willst, sondern ob das „verhältnis“, das du als ein „kompliziertes“ beschreibst, ein rein privates ist. die antwort ist: nein, das verhältnis gestaltet sich u.a. so „kompliziert“, weil es politisch ist.

    Ich weiss genau wie zb. Händchenhalten von Heteropärchen, offenes Knutschen, hochhackige Schuhe etc. in AZs, Szeneläden usw. aufgenommen werden.

    ich weiß das nicht und es ist mir auch egal. es ändert nichts daran, dass das verhältnis nicht vom politischen getrennt werden kann.
    es gibt in der gesellschaft gründe, weshalb sich frauen mitunter zB in enge unbequeme röckchen und unbequeme und auch gesundheitsschädliche stöckelschuhe pressen, die sind politisch – es ist keine reine geschmackssache.
    falsch wäre, stöckelschuhe abschaffen zu wollen, indem man stöckelschuhträgerinnen abschafft. vor allem: weil man sich da nicht gegen die ursache wendet, sondern nur gegen eine ihrer widerspiegelungen.
    DASS das manches mal betrieben wird, glaube ich dir sofort. so wie ich auch sofort glauben würde, dass menschen, die das betreiben, ihrerseit sehr oft wieder nur ne konkurrenz im „privaten“ aufmachen: wer ist am korrektesten angezogen? da unterscheidet man sich dann kaum. aber woher kommt es denn das konkurrenzgehabe hier wie da?

    das spricht alles nicht gegen die aussage, dass das politische nicht getrennt werden kann vom privatem.

    wirkliche Kritik am Sexismus verhindert

    das wäre? eine kritik, die zeigt, dass das politische auch im privatem zuhause ist und auch in privaten beziehungen zu finden? oder willste mir erzählen, dass frauen ‚von natur aus‘ gerne im „privatem“ putzen und kochen? wer sich mit sexismus beschäftigt landet sehr schnell bei (unbezahlter) reproduktionsarbeit, beim gebären für die nation, bei (dazu passenden) „geschlechtscharakteren“ etc – alles durch und durch politisch und (überraschung!) auch im „privaten“ anzutreffen.

    „das private ist politisch“ beschränkt sich für mich übrigens nicht auf sexismus.

    ps: du sagst: erkennen und eingestehen; angenommen du erkennst nen fehler, dann wirst du das doch korrigieren wollen? oder sagst du dann: ok, ein fehler – weiter so! das fände ich komisch …

  19. 19 l 24. August 2009 um 10:10 Uhr

    zudem wäre ja noch zu klären, inwieweit es „privates“ nur gibt durch politisches. wer bestimmt denn, was privat ist? wer bestimmt denn die grenzen der privatheit? etc. und was heißt es denn?

  20. 20 Zarah White 24. August 2009 um 15:28 Uhr

    @I
    “ wer bestimmt die Grenzen der privatheit“

    Ausschließlich das Strafrecht ?

    Hier ist es doch genau andersherum. Das „Nichtprivate“ wird als Grenzenlos erklärt, da ja selbst das „private“ öffentlich ist.

    @n.n.
    ich schrieb nicht von „privater willensbrecherei“ sondern von Willensbrechen im privaten Bereich durch z.B. „demokratisch legitimierte Gewalt“ oder ebend durch diktatorische Gewalt.

    weil man ja kein Pproblem damit hat (@I), das das private (der anderen) politisch richtig zu sein hat ( und man das selbvertsändlich kontrollieren darf.

    und das:
    „lieber den willen des gegenübers brechen beim abfeieren des privaten und der freiheit, oder was? „ich bin so frei …“ “

    hat niemand gesagt( dafür gibts z.B. Strafgesetze)
    nur mit genau dieser Unterstellung das das die durchgängige Motivation für das private wäre ( wer nichts zu verbergen hat..)
    wird der Boden bereitet für den Bereich Terrorgesetze , Ermächtigungen usw.

  21. 21 dekolletee 24. August 2009 um 17:41 Uhr

    lüge!

  22. 22 dodo 24. August 2009 um 18:07 Uhr

    zarah, du unterstellst genau so.
    die allgemeine aussage bei „the personal is political“ ist doch nicht, daß kontrolle und zwang von außen geübt wird/werden soll.

    als lahmes beispiel: wenn mein mann sich wie ein pascha aufführt und sich wegen seiner männlichkeit nicht an den abwasch rantraut, ist das erstmal natürlich ne private angelegenheit. aber es hat auch die politische komponente rollenverteilung, sexismus, blah. wenn ich dann mir als politisch-denkender mensch darüber gedanken mache und erkenne, daß es eben nicht nur die private mein-männne-is-ne-faule-sau – komponente hat, sondern ich die zusätzliche politische komponente erkenne/verstehe/erforsche, und mein handeln nach meinen eigenen erkenntnissen dadurch leiten lasse, hat das nichts mit diktatur zu tun.
    oder drastischer: kinder kriegen oder eben nicht ist erstmal ne persönliche entscheidung. aber insofern auch politisch, daß abtreibung oder auch vieles in der kindererziehung schwupps ne öffentlich-politische ebene hat.
    das zu erkennen und sich damit auseinanderzusetzen, für sich zu analysieren und dann den eigenen besten weg finden – was hat das mit terrorgesetzen zu tun?

  23. 23 Blök 24. August 2009 um 19:17 Uhr

    „Das Private ist politisch“ hat eine schreckliche Geschichte in der deutschen Linken und StudentInnenbewegung. Der Slogan wurde und wird von K-Gruppen bis heute mißbraucht, um die eigenen Mitglieder total zu überwachen. Ich war dvor ein paar Jahren selbst mal Zeuge eines schrecklchen Referats von einer K-Gruppe zu „Kommunismus & Sexualität“. Die warben doch tatsächlich damit, dass in ihrer Gruppe jeder dem Plenum Rechenschaft über seine Beziehungen, Sexualpartner und Gefühle ableisten muss. Nötig sei das, um „bürgerliche“ Gefühle und Sexualität zu enttarnen und diejenigen mit unkommunistischer Sexualität dann auf den richtigen Weg zu bringen. Als bürgerlich galt den K-Grüpplern z.B. Monogamie (wegen Besitzdenken etc.), wer lieber monogam leben will muss sich ständig rechtfertigen und wird dauernd ermahnt. Dass damit an die Stelle von einem mehr an Freiheit nur neue Zwänge gesetzt werden, dass das Kollektiv die Einzelene sogar bis ins Schlafzimmer verfolgt und überwacht – sowas kann mir niemand als „emanzipatorisch“ verkaufen.

    In Anbetracht der heutigen Totalüberwachung und dem forcierten Bekenntniszwang (zu Deutschland, „Freiheit“, „Demokratie“ & Kapitalismus) seit dem 11.September bekommt der Slogan noch eine eine weitere bedrohliche Komponente. In vielen westlichen Ländern ist der Druck sich öffentlich zu einer bestimmten Art von Privatleben und privaten Überzeugungen bekennen zu müssen in den letzten Jahren stark gestiegen. Auch in Deutschland könnte es zukünftig normal werden, dass man sich öffentlich dazu bekennen muss, stolz auf Deutschland zu sein, regelmäßig in die Kirche zu gehen, nur Heterosex in Missionarsstellung zwecks Nachwuchszeugung zu haben, „unseren Jungs“ in Afghanistan die Daumen zu drücken, niemals abzutreiben, nicht an die Evolutionstheorie zu glauben, etc.
    So sieht „Das Private ist politisch“ in konservativer Manier nämlich aus.

  24. 24 O)(O 25. August 2009 um 4:34 Uhr

    @I
    „…das „verhältnis“, das du als ein „kompliziertes“ beschreibst, ein rein privates ist. die antwort ist: nein, das verhältnis gestaltet sich u.a. so „kompliziert“, weil es politisch ist.“

    Wenn du mir die Parole so erklärst, wird ein Schuh draus. Soweit, daccord.

    Leider gestaltet sich eine so platte Formulierung im linken (vulgär-feminsitsischen) Szenealltag eher in von @Blök beschriebener repressiver Armseligkeit. Wegen engagiertem Nichtverstehen und praxisfixiertem Unmittelbarismus, repressiv verkehrt.
    Da stellt sich mir doch die Frage wozu noch das Hochhalten der populistischen Verkürzung, wenn es doch darauf ankäme das komplizierte Verhältnis zwischen den Geschlechtern aufzudröseln, um Emanzipation über die unbegriffenen Zwangsverhältnisse überhaupt erst zu ermöglichen?

    Wieso soll das Tragen Stöckelschuhen politisch sein, wenn ich es in bestem Wissen und Gewissen aus freien Stücken tue? Die selbe Frage bei freigewählter Monogamie (engedenk der herschenden Propaganda), Händchenhalten, Küche putzen etc.
    Der Kapitalismus, die Herrschaft des Bürgertums in der wir uns alle „nackt“ als Äquivalenten tauschende Individuen gegenüberstehen hat uns die Freiheit des Privaten gebracht, in der jeder in Mündigkeit (oder eben Unmündigkeit) tun und lassen kann was er/sie will, ohne das ein „Führer“, die Religion, ein Feminist oder sonstwer reinreden darf! Wenn diese Freiheit/mein Genuss unter den Bedingungen einer individuellen Bedürfnisökonomie unmittelbar so aussieht das ich von meiner Frau jeden Tag an der Leine geführt werde und aus dem Hundenapf esse, dann ist das Ok. Einer Masochistin bedeutet Schmerz Freude. Welchen praktischen Sinn hat unter diesem Aspekt die vorneweg rausgekehrte Parole: „Das Private ist politisch“? Was hat es für einen Sinn zb. Stöckelschuhe zu thematisieren, wenn überhaupt niemand da ist der mich physisch dazu zwingt und es höchstens meiner spießbürgerlichen Feigheit, meinem eigenen vorauseilenden Gehorsam geschuldet ist das ich so doof bin die Scheiss Dinger zb. zu einem Geschäftsessen anziehe?

    Neben der abgespeicherten Wahrheit überwiegt der „repressive Drive“ der diskutierten Parole. Nach den Erfahrungen mit der Geschichte, mit K-Gruppen, Nazis, Islamisten, Kirche, manchen Feministinnen und sonstigen Menscheitsbeglückern die glaubten und glauben ein objektives Interesse für alle Menschen definieren zu können, halte ich es mit dem bürgerlichen Recht:
    DAS PRIVATE IST PRIVAT!

    Es gibt Schlimmeres.

  25. 25 O)(O 25. August 2009 um 4:46 Uhr

    Aso:
    Was 2 volljährige Menschen in beiderseitigem Einverständnis… usw, usf. Bürgerliches Recht eben.

    Dann ist das Private privat.

  26. 26 n.n. 25. August 2009 um 10:54 Uhr

    Wenn ich mir obiges so anhöre, dann scheint es mir umso zwingender, festzuhalten dass das PRIVATE POLITISCH (man beachte die Großbuchtsbane!) ist. Nicht zuletzt, um Menschen wie O)(O die Möglichkeit zu nehmen sich derart aufzuführen.

  27. 27 vera 25. August 2009 um 10:55 Uhr

    @ O)(O
    Der Kapitalismus, die Herrschaft des Bürgertums in der wir uns alle „nackt“ als Äquivalenten tauschende Individuen gegenüberstehen hat uns die Freiheit des Privaten gebracht, in der jeder in Mündigkeit (oder eben Unmündigkeit) tun und lassen kann was er/sie will, ohne das ein „Führer“, die Religion, ein Feminist oder sonstwer reinreden darf!

    Das proklamiert nun das ende allen politischen, wıe es der neoliberalismus nun mal tut. aber eben dıese aequvivalenz der individuen ist lebenslüge.

    sicher, gegenüber regressiven herrschaftsformen gilt es, die bürgerlıchen freiheıten zu verteidigen. aber ist es wirklich die freiheit, die ich meine?

  28. 28 Cyrano 25. August 2009 um 11:39 Uhr

    Eine unbedingte Verteidigung bürgerlicher Gesellschaft ist bei O)(O doch nur mit einem gewissen Maß an Böswilligkeit zu erkennen. Die „Freiheit“ des Privaten, Anhängsel der von Marx bestimmten Doppelten Freiheit (von Produktionsmitteln zum Verkauf der Arbeitskraft) wird nur gegen die in Schutz genommen, die das „politische“ repressiv gegen das Individuum drehen wollen. Der Verweis auf fetischisierte Sexualität ist da etwa meines Erachtens ganz richtig, hier hat niemand reinzureden, solang es sich um einvernehmliches handelt . „Normale“ Sexualität ermöglicht die Bürgerliche Gesellschaft eh nicht, zu groß der Zwang zu Vergleich, zu Konkurrenz etc… (exemplarisch die Soap-Frage „Wie war ich“, oder, alternativ die Tendenz zur Zwangsgemeinschaft, zum kuscheligen Schutz gegenüber der ach so bösen Außenwelt.
    Dass einige an der Parole durchaus festhalten wollen ist glaube ich verständlich. Aus dem Wortlaut ist ja nicht ersichtlich, ob Kontrolle von außen intendiert ist, oder der Satz als Erinnerung gemeint ist, etwa daran, dass das private Glück die kleine, abgespaltene, Lüge ist, die das große Falsche am laufen hält (nicht zuletzt dient das Private ja zur Reproduktion der Arbeitskraft). Und die Agitation gegen klassische Rollenverteilung etc… oder von mir aus auch gegen die Zweierbeziehung an sich will ja niemand diskreditieren, obwohl der Erfolg gerade über griffige Parolen fraglich scheint.
    Schon die Identifikation des „Privaten“ mit Freiheit (d.i. den guten Seiten der bürgerlichen Freiheit) sollte da auf die offenkundigen Schwierigkeiten Verweisen.

    Dass einige an der Parole durchaus festhalten wollen ist glaube ich verständlich. Aus dem Wortlaut ist ja nicht ersichtlich, ob Kontrolle von außen intendiert ist, oder der Satz als Erinnerung gemeint ist, etwa daran, dass das Private Glück die kleine, abgespaltene, Lüge ist, die das große Falsche am laufen hält… (nicht zuletzt dient das Private ja zur Reproduktion der Arbeitskraft)

  29. 29 O)(O 25. August 2009 um 13:57 Uhr

    @n.n.
    „…Nicht zuletzt, um Menschen wie O)(O die Möglichkeit zu nehmen sich derart aufzuführen.“

    Danke für den Beleg des „repressiven Drives“ den manche an den Tag legen.
    Schön das du über mein Privatleben nicht zu richten hast!

  30. 30 n.n. 25. August 2009 um 14:18 Uhr

    Richten kann ich jederzeit, nur fehlt derzeit die Vollstreckungsgewalt. Eine Gewalt die jeder und jede früher oder später erfahren wird, der/die meint von traumatischen Erlebnisssen beim Händchen halten und knutschen mit einem ungleichgeschlechtlichen Gegenpart in autonomen Zentren berichten zu müssen (und sich noch dazu anmaßt, da irgendwas ableiten zu wollen). Kindergarten.

  31. 31 O)(O 25. August 2009 um 14:25 Uhr

    @n.n.
    Versteh ich nicht dein comment.
    Wieso soll ich irgendwann eine Vollstreckungsgewalt erfahren, weil ich meine vom Heteroknutschen in AZs berichten zu müssen?

    Hä?

  32. 32 l 25. August 2009 um 19:42 Uhr

    Der Kapitalismus, die Herrschaft des Bürgertums in der wir uns alle „nackt“ als Äquivalenten tauschende Individuen gegenüberstehen hat uns die Freiheit des Privaten gebracht, in der jeder in Mündigkeit (oder eben Unmündigkeit) tun und lassen kann was er/sie will, ohne das ein „Führer“, die Religion, ein Feminist oder sonstwer reinreden darf!

    was hast du dann am kapitalismus überhaupt auszusetzen?

    das private meint das eigene – also die voraussetzung dafür, dass der kapitalismus überhaupt funktioniert: die möglichkeit zum auschluss von etwas (auf dass sich alleine mein wille durchsetze).

    aber das siehst du ja selber so: privat ist etwas, was herrschaftlich und mit gewalt (durch)gesetzt wird. man muss ja ausschließen können, da ist gewalt im spiel. und es geht um tausch (seine voraussetzungen). Erstaunlich, dass du das dann so positiv siehst, neocommunistin.

    und: du darfst natürlich nicht immer machen, was du willst, sondern nur dann, wenn die herrschaft dich das machen lassen will. es gibt also grenzen, die werden herrschaftlich bestimmt. und wie das abläuft, wird auch geregelt. wie dürfen sich privatsubjekte begegnen? innerhalb der grenzen, dich an die spielregeln haltend, darfste jedoch beliebig nach eigenem gutdünken verfahren – mit dem, was dir eigen ist. das heißt in dieser gesellschaft: du musst es auch. und wenn man nur den eigenen körper hat, schaut es schlecht aus. aber für die neocommunistin noch lange kein grund, die »freiheit des privaten« zu hinterfragen. lieber verteidigen.

    Also: das was du als »freiheit des privaten« bezeichnest, ist ein herrschaftlich hergestellter und u.a. mit gewalt aufrechterhaltener zustand. er ist die grundvoraussetzung für das funktionieren des kapitalismus. »das private ist politisch« ist korrekt.

    nochmal: was für ein problem hast du überhaupt mit dem kapitalismus? dass manche mit dem eigenen (privaten) schlecht aussteigen, also ihren willen so und so gelten lassen (und nicht selten wollen die durchaus sachen, die schädlich sind für andere) – und nie schaut was raus? vllt sogar du? na, das ist aber schon deine privatsache, und für mich, als privatsubjekt, keineswegs von belang. Außer du willst an mein eigenes – dann hole ich die polizei! Du weißt schon: »DAS PRIVATE IST PRIVAT!«

    liebe neocommunistin, »privat ist privat« heißt, konsequent umgesetzt, übrigens auch, dass einer, der über eine räumlichkeit verfügt, sagen kann: »nein danke, hier bei mir dürfen keine juden rein«. und weil das private privat ist, hat das auch zu gelten. ich finde schon, dass man da mal nachhaken kann in sachen »individueller bedürfnisstruktur«. – aber du bist ja gegen das »reinreden«.

    +++

    Was hat es für einen Sinn zb. Stöckelschuhe zu thematisieren, wenn überhaupt niemand da ist der mich physisch dazu zwingt

    mich zwingt auch niemand zur arbeit mit physischer gewalt. also ich zumindest werde nicht vom militär zur lohnarbeit gebracht, auch nicht von der polizei oder nem patriarchalen familienoberhaupt.
    aber weil ich von lebensnotwendigem ausgeschlossen bin, weil es das private anderer ist, muss ich lohnarbeiten (wollen). Ich muss dann das tauschen, was man eben so zum tauschen hat in der situation. Und was ich dafür bekomme, reicht lange nicht immer aus für die »individuelle Bedürfnisstruktur«. wobei man sich schon mal anschauen kann, ob jedes bedürfnis ok ist. ^^

    es gibt objektive gründe dafür, dass frauen oft stöckelschuhe (für die es übrigens spezialplaster gibt, weil sie oft so schmerzen) und männer nur selten. der stöckelschuh zählt zu den »aufputzmitteln«, wie auch das schminken. ich würde in richtung ökonomie schauen, frauenlohn, männl. familienerhalter(lohn), „guter fang“, „gut versorgt“ wären zB einschlägige stichwörter. hinzu kommt noch tradierung: ‚du kriegst eh ein kind, ne friseusenlehre reicht‘ (weil man weiß zB ja: dadurch dass frauen kinder kriegen*, kriegen sie eh weniger lohn – daraus schlussforgern eher konservative, dass ne investition in bildung sich nicht so rentiert wie bei männern), die wiederum zur suche nach dem „guten fang“, der einen versorgt, führt. aber auch mit ner höheren bildung, schaut es oft trostlos aus. das liegt u.a. an der privatheit der reproduktionsarbeit.

    und auch in der geschäftswelt gilt es standards zu entsprechen, was du ja selber schreibst:

    meinem eigenen vorauseilenden Gehorsam geschuldet […] Geschäftsessen

    ob man da vorauseilt oder nicht, ist wohl meistens egal. in der pr-branche zB kommt es nicht selten vor, dass man neue mitarbeiterinnen zuerst mal in nen schmink- und anzieh-kurs schickt. man kann sich vorstellen, was passiert, wenn eine nicht will. ersatz gibt’s ja. das ist deren privatproblem.

    +++

    was „blök“ beschreibt ist nichts anderes als konkurrenzgehabe „links“ gewendet. das hatten wir oben schon. und ich habe die frage gestellt:

    woher kommt es denn das konkurrenzgehabe hier wie da?

    ---

    *verstärkt wird das durch die gesellschaftliche zuweisung von hausarbeit und kindererziehung an die frauen.

    +++

    sicher, gegenüber regressiven herrschaftsformen gilt es, die bürgerlıchen freiheıten zu verteidigen.

    @vera: was ist eine „regressive“ herrschaftsform? zB nazifaschismus? wenn ja: besteht da kein zusammenhang? gibt es kapitalismus ohne freiheit des privaten und gibt es nazifaschismus ohne kapitalismus?

  33. 33 O)(O 25. August 2009 um 21:29 Uhr

    I@
    Was du versuchst anhand deines Stöckelschu-PR Branche-Schminkkurs-Beispiels zu umchreiben, nennt sich: Entfremdung (einfach bei dem Kerl mit Bart nachschlagen). Die findet allerdings während der Lohnarbeit immer statt und manifestiert sich nicht nur anhand eines Stöckelschuhs am Fuss diverser Mittelschichtendamen. Krawattenzwang, Arbeitsuniform, Freundlichkeitsdiktatur in der Distributionssphäre, Arbeitstakt, ein Leben als Anhängsel der Maschine, uvm, etc pp… eben das von den eigenen Bedürfnissen entfremdete Arbeiten.
    Diese einfachen Fakten erklären allerdings noch nicht warum der in der Freizeit getragene Stöckelschuh und die Lederleine um meinen Hals politisch sein sollten.

    Was ich in diesem Zusammenhang gegen den Kapitalismus habe und woher die allgegenwärtige Konkurrenz zwischen den Menschen herkommt kannst du hier: http://www.mlwerke.de/me/default.htm nachlesen.
    Wenn deine Ansprüche nicht so hoch sind und du dich auch mit leichtverdaulicher Sekundärliteratur zufriedengibst, kannst du auch auf unserer Site nachschauen, die scheinst du ja zu kennen.

    Tut mir leid @I, genauer kann ich jetzt nicht werden. Mir scheint du bringst da in deinem letzten comment einiges durcheinander, bzw. weisst nicht einmal wo die Parole: „Das Private… bla“ eigentlich ihren Ursprung hat und welche gesellschaftlichen Konstellationen die Initiatiorinnen damit gemeint haben!

    Ich sehe mich hier ausserstande die Verwirrung die hier über 30 comments angerichtet wurde aufzudröseln. Schon garnicht wenn Leute wie @n.n. authoritär und bar jeglichen Nachvollziehens der dargelegten Argumente dazwischenkeifen.

  34. 34 Cyrano 25. August 2009 um 21:33 Uhr

    Bin verwundert. Was du „l“ aus O)(O´s Ausführungen schließt funtioniert doch letzlich nur über Unterstellungen, genauer gesagt über eine einzige: Dass die „Freiheit des Privaten“ von O)(O nicht kritisiert werde und(!) gegen schlimmeres verteidigt, sondern dass sie einfach affimiert werde. Diese Unterstellung erscheint mir umso erstaunlicher, da sich eure Analysen des Privaten als Raum der Reproduktion durchaus decken, wenn auch Formulierungen voneinander abweichen, Nuancen anders bewertet werden.
    Vielleicht liegt die Crux ja darin, dass „regressive Herrschaftsformen“ „l“ unvorstellbar erscheinen. Wo noch richtig bemerkt wird, dass zwischen Faschismus und Kapitalismus ein Zusammenhang besteht, wird gleichzeitig die Existenz „regressiverer“ Formen der Vergesellschaftung in Frage gestellt.
    Dabei konstituiert sich doch der (Nazi-)Faschismus gerade als solche. Als ein Staats/Gemeinschaftsgebilde, in dem sich auf kapitalistischer Grundlage das „Volk“ zusammenschweißt, indem es die Widersprüche die die kapitalistische Gesellschaft produziert auf ein „Äußeres“ projiziert. Auch hier würde dann das Private politisch, insbesondere in der Reinigung jeder Lebenssphäre vom „Fremden“. Also ja: Es gibt Szenarien gegen die es sich lohnt den Zugriff auf das Private (das innerhalb der heutigen Produktionsbedingungen nicht abgeschafft werden kann), bedingt zu verteidigen. Das heißt nicht, dass es nicht weiterhin einer radikalen emanzipatorischen Kritik unterzogen werden kann. Hier nur die Dichotimie denken zu wollen heißt gesellschaftliche Prozesse als reine Abstraktionen zu verkennen.

    P.S.: Ich muss übrigens nicht Lohnarbeiten, weil andere einen Rückzugsraum haben, sondern der Rückzugsraum als stets prekärer (der Staat scheert sich, wenn es hart auf hart kommt nen Dreck um Privatssphäre) ist notwendige Folge von Wertform und Warengesellschaft. Waren die jedem/r zugänglich wären, wären keine Waren mehr…

  35. 35 l 26. August 2009 um 0:50 Uhr

    „Das Private… bla“ eigentlich ihren Ursprung hat und welche gesellschaftlichen Konstellationen die Initiatiorinnen damit gemeint haben!

    1. weiß ich das schon. 2. was habe ich denn geschrieben? dass ich es nicht auf das beschränke (was ja heißt, dass ich weiß, wie das sonst verstanden wird). ich habe aber auch dargelegt, warum das private politisch ist (und du schreibst es ja auch selber! – es ist herrschaftlich gesetzt und wird mit gewalt aufrechterhalten). aber da kommt ja nur ein:
    1. toll – mir kann niemand dreinreden (für meinen hundeleinen-fetisch verteidige ich gerne die „freiheit der privatheit“ – die herrschaftlich gesetzt ist, damit tausch überhaupt möglich ist etc –, also den kapitalismus.)
    2. „genauer kann ich jetzt nicht werden“ …

    im übrigen: mir sind deine hundleinen einerlei*. allerdings wenn du wegen deiner hundeleinen die „freiheit des privaten“ in schutz nimmst, ist das in etwa dasselbe, wie wenn leute meinen, kommunisten wollten ihnen ihre zahnbürstchen nehmen – und zum schutze des zahnbürstchens müssten sie jetzt wacker das eigentum verteidigen. aber um himmels willen, wer will ihnen denn die zahnbürstchen nehmen?! da sollen sie sich doch lieber mal anschauen, unter was für bedingungen sie heute an ihre zahnbürstchen kommen!

    *und da kommen wir zu bedingungen, unter denen man hier und heute in den genuss von hundeleinen kommt (und zu dem thema, das feministinnen traditionellerweise beschäftigt): ist diese gesellschaft nicht so, dass frauen oft – alleine schon aus ökonomischen gründen – viel mit sich machen lassen ‚müssen‘? eben gerade auch was „intimitäten“ anbelangt? und das ist eben privat: es ist deine privatsache, wie du damit umgehst (lass ich den partner, den ich eigentlich mittlerweile nicht mehr scharf finde, schnell mal, damit ich nicht auf der straße sitzen muss [und vergewaltigung in der ehe war auch bis vor wenigen jahren privatsache – der staat bestimmt eben, was privat ist]). nicht wenige landen in der sozialhilfe, nach ner trennung. das gilt auch für männer, die dann unter der armutsgrenze landen. aber man kann sich die daten anschauen, und dann erkennt man muster, wie man in dieser gesellschaft auch sonst muster erkennt beim lohn, vermögen etc. die gründe wurden schon genannt. und hier sind viele feministinnen eben mißtrauisch, auch aufgrund der geschichte. wie einvernehmlich kann sowas dann sein? sind die bedingungen überhaupt solche, dass man von einvernehmlichkeit reden kann? – das ist das, was feministinnen in der regel beschäftigt. zumal ja auch die passende ideologie vorhanden ist: frauen sind so. wie auch bei allem anderen, wird hier biologisiert. und leider gibt’s frauen, die das aufnehmen und ins positive verkehren (zB biologistisch argumentierende differenzfeministinnen [soziologisch argumentierende wissen wenigstens, dass es nicht die natur ist – affirmieren aber den durch gesellschaftliche herrschaft erst hervorgebrachten „weiblichen geschlechtscharakter“ – und damit wiederum zumind. indirekt die herrschaft]).

    +

    ich habe schon im ersten kommentar erklärt, dass es falsch ist, stöckelschuhträgerinnen zu verfolgen – statt an der abschaffung der herrschenden gesellschaft beizutragen, die frauen massenhaft dazu bringt, sich schuhe anzuziehen, die weh tun und gesundheitsschädlich sind. DASS es das gibt, weiß ich auch, so wie es das gegenteil gibt, und beides ist falsch. und?
    so wie es auch falsch ist, hundeleinen-fans zu verfolgen, weil die gesellschaft eine ist, wo über die einvernehmlichkeit nicht immer gewissheit herrschen kann – da sollte man die gesellschaft ändern, auf dass es als gesichert gelten kann, dass alle teilnehmenden wollen.

    +

    wenn die ursache der stöckelschuhe (oder zB anzüge) EBENSO wie das konkurrenzgehabe der „politisch korrekt“ gekleideten die „freiheit des privaten“ ist (worin du mir ja zumind. implizit zustimmst), dann ist es doch absurd, diese zu verteidigen.

    ++++

    Unterstellungen

    :

    Der Kapitalismus, die Herrschaft des Bürgertums in der wir uns alle „nackt“ als Äquivalenten tauschende Individuen gegenüberstehen hat uns die Freiheit des Privaten gebracht, in der jeder in Mündigkeit (oder eben Unmündigkeit) tun und lassen kann was er/sie will, ohne das ein „Führer“, die Religion, ein Feminist oder sonstwer reinreden darf!

    dass diese freiheit die voraussetzung dafür ist, dass der kapitalismus funktioniert, habe ich dargelegt. korrekt: was als „freiheit des privaten“ hier hochgehalten wird, ist der kapitalismus.

    und(!) gegen schlimmeres verteidigt,

    dieselbe frage wie an vera: schlimmeres? zB nazifaschismus? wenn ja: besteht da kein zusammenhang? gibt es kapitalismus ohne die freiheit des privaten und gibt es nazifaschismus ohne kapitalismus?

    in dem sich auf kapitalistischer Grundlage das „Volk“ zusammenschweißt

    danke.

    ps:

    der Staat scheert sich, wenn es hart auf hart kommt nen Dreck um Privatssphäre

    es gibt das private NUR, weil es VOM BÜRGERLICHEN STAAT GESETZT und erhalten wird.

    von daher isses ein bisschen absurd, zu beklagen, der bürgerliche staat würde die grenzen der privatheit nicht respektieren. er setzt sie ja! das wurde ja schon festgehalten:

    du darfst natürlich nicht immer machen, was du willst, sondern nur dann, wenn die herrschaft dich das machen lassen will. es gibt also grenzen, die werden herrschaftlich bestimmt.

    und: natürlich musst du lohnarbeiten, weil du auf dein privates verwiesen bist. – und keinen zugriff hast auf das private anderer (zB produktionsmittel).

    lege bitte dar, wie du „rückzugsraum“ meinst. und warum der „prekär“ ist. ist das sowas wie ein zahnbürstchen?

    Also ja: Es gibt Szenarien gegen die es sich lohnt den Zugriff auf das Private (das innerhalb der heutigen Produktionsbedingungen nicht abgeschafft werden kann), bedingt zu verteidigen.

    nein, damit verteidigt man diese produktionsbedingungen, denn deren vorausaussetzung ist das private. du schreibst ja selber:

    Waren die jedem/r zugänglich wären, wären keine Waren mehr…

    schau, du sagst: nazifaschismus – eine schreckliche, besonders mörderische art bürgerlicher herrschaft. das stimmt, dem kann man als halbwegs vernünftiger mensch nicht widersprechen. aber: das ist ein urteil über den nazifaschismus. es ist kein urteil über den kapitalismus demokratischer art. schau dir doch mal die demokratie gesondert an. schau dir doch mal die realexistierende demokratie an, ohne sie ständig mit etwas anderem zu vergleichen – zumal dieses andere, seien wir uns ehrlich, nicht unmittelbar bevorsteht.
    und wer alle heutigen grausamkeiten zurückführt auf einen angeblichen postfaschismus, der verharmlost schlicht und ergreifend den demokratischen kapitalismus.

    und dann halt die vera-frage. die du eigentlich schon beantwortet hast. – auf kapitalistischer grundlage. warum man dann die voraussetzung dieser „grundlage“ verteidigen sollte, weiß ich nicht.

  36. 36 Cyrano 26. August 2009 um 1:49 Uhr

    Auf die Gefahr hin, dass das hier beginnen wird sich im Kreise zu drehen:
    - Gerade weil etwa der Faschismus sich zwar auf der Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft, aber durch Externalisierung der Widrsprüche konstituit, ist er mehr als nur eine „besondere Form bürgerlicher Herrschaft“. Die Volksgemeinschaft ist/will sein: negative Aufhebung des Klassenantagonismus.
    - Der Rückzugsraum ist prekär, da eben nur durch die bürgerliche Vergesellschaftungsform und ihre Staatsform(en) garantiert und eben durch diese wieder aufzuheben.
    - Dass der Schein des freien, des unbedingten Privaten daher angegriffen gehört, bestreitet hier (soweit ich das bei unvoreingenommenem Lesen beurteilen kann) niemand. Dass eine solche Kritik aber ohne das sich beziehen auf anderes Auskommen kann, bestreite ich tatsächlich vehement.
    -> Kritik, die aufgrund ihrer eigenen Verstricktheit in die Warengesellschaft eben nicht einfach positiv bestimmen kann, wie die Freie Gesellschaft mal aussehen soll, muss sich negativ auf Tendenzen beziehen die mit dem Anspruch des Fortschritts auftretend gerade auch noch gegen die Chancen der Emazipation antreten. (Hier geht es im Übrigen weniger um den Rückgriff auf einen Postfaschismus, als um den Vorgriff,um das, was kommen kann).
    Dichotomisches Denken steht sich hierbei im Wege, da es zwar mit „Gegen das Kapital“ klar die undbedingte Stoßrichtung ausmachen kann, ansonsten aber in idealistischer Projektion verharren muss. Denn will die Kritik konkret werden, offenbart sie bereits ihre Abhängigkeit von gesellschaftlichen Gegebenheiten, und damit ihre Bedingtheit.

    Still funny, how we got here from a rather „personal“ narration. That´s where „the personal is political reveals its progressive side… well, bedtime

  37. 37 O)(O 26. August 2009 um 2:08 Uhr

    @Cyrano
    Mit deinem letzten comment hast du mir das mühselige Ringen um weitere Worte erspart.

    Zustimmung.

  38. 38 Blök 26. August 2009 um 2:15 Uhr

    Nicht alles, was innerhalb eines kapitalistischen Systems existiert, existiert nur weil es „der Kapitalismus“ nun mal so braucht und so möchte. Ob und wieviel Privatsphäre dem Einzelnen gegönnt wird, ist ständigen Veränderungen unterworfen. Wieviel angebracht wäre ist denn auch ständig Diskussionsstoff unter den Sachverwaltern des Kapitals und ihren politischen Repräsentanten. Im Moment wird Privatsphäre rasant abgebaut um stärkere soziale Kontrolle zu ermöglichen. Keine Ahnung wie man auf die absurde Idee kommt, das verteidigen zu wollen. Es geht schlicht darum, so viel Zeit und Raum wie möglich zu haben, in denen man nicht ständig sozialer Kontrolle unterliegt, und auf seine Staatstreue, Konformität und Nützlichkeit für den Markt hin begutachtet wird.

    P.S.: Wie kommst Du drauf, in mein K-Gruppen-Beispiel irgend ein „konkurrenzgehabe“ reinzulesen?

  39. 39 l 26. August 2009 um 3:02 Uhr

    Im Moment wird Privatsphäre rasant abgebaut um stärkere soziale Kontrolle zu ermöglichen. Keine Ahnung wie man auf die absurde Idee kommt, das verteidigen zu wollen.

    fad. das hat hier niemand gemacht.

    ps: lies halt mal die kommentare hier.

    +++

    cyrano, dass der NS nicht kapitalistisch war – da lachen ja die hühner. und die nazis wollten und wollen das auch nicht, gegen gute deutsche lohnarbeit haben die nämlich gar nix.

    ansonsten ist eigentlich alles in vorherigen kommentaren schon beantwortet worden.

  40. 40 dodo 26. August 2009 um 20:00 Uhr

    was mich wundert ist, daß hier so oft „das private ist politisch“ (was an sich ja eigentlich erstmal nur eine feststellung ist) automatisch gleichgesetz wird mit „alles private muß daher von außen durch druck reguliert werden“.

  41. 41 Blök 26. August 2009 um 20:04 Uhr

    Die Repression und Überwachung in K-Gruppen ist durch „Konkurrenzgehabe“ nicht im Mindesten erklärbar. Es geht dabei nicht darum, in irgendeiner Form hervorzustechen, sondern im Gegenteil um Gleichschaltung und die Ausmerzung von Unterschieden. Möglich wird das durch den Zugriff des Kollektivs auf alle Lebensbereiche. Triebfeder ist nicht Konkurrenzdenken, sondern Strafsucht, der Wunsch nach Untergang und Auflösung in der Masse und – wie immer beim Themenkomplex Überwachung – auch schlichte voyeuristische Befriedigung.

  42. 42 Blök 27. August 2009 um 0:26 Uhr

    @dodo: Zunächst mal ist die Feststellung ja nur ein rhetorischer Kniff. Es geht ja gerade darum, eine Ansicht die nicht allgemein geteilt wird durchzusetzen. Und natürlich passiert das nicht grundlos, bzw. weil man halt einfach mal feststellen möche, sondern weil man sich dadurch Veränderungen erhofft. Im konkreten Fall soll die Parole ja dazu dienen, Sachverhalte die bisher angeblich im Privaten verborgen bleiben zum Politikum zu machen. Und selbstverständlich ist das Ziel mehr soziale Kontrolle – anders lässt sich ja weder beobachten noch sanktionieren, ob sich jemand im Privaten korrekt, „emanzipatorisch“ usw. verhält. Dass die Staatsmacht und der Mob aus anderen Gründen das gleiche Etappen-Ziel – die Privatsphäre zugunsten sozialer Kontrolle auszuhebeln – verfolgen, kann man doch nicht einfach ignorieren. Außer viellecht man glaubt, wenn erst in jedem Haushalt Überwachungskameras stehen, hätte das ein Verschwinden häuslicher Gewalt zur Folge.

  43. 43 O)(O 27. August 2009 um 5:12 Uhr

    @Blök
    Yes!

  44. 44 laylah 27. August 2009 um 13:14 Uhr

    Und selbstverständlich ist das Ziel mehr soziale Kontrolle – anders lässt sich ja weder beobachten noch sanktionieren, ob sich jemand im Privaten korrekt, „emanzipatorisch“ usw. verhält.

    ach, das ziel ist kontrolle, weil man die leute ohne kontrolle nicht kontrollieren kann? sehr erhellend, dankeschön.

  45. 45 dodo 28. August 2009 um 17:01 Uhr

    vielleicht geht es ja auch nur darum (wie ich oben schon mal angerissen habe), um SELBST die eigene situation besser zu verstehen und zu meistern, gegebenenfalls zu ändern und zwar durch die erkenntnis, daß auch die eigene private position in ein politisch-gesellschaftliches system eingebettet ist?

    wenn ich meinem freund (und neeee, das ist jetzt kein „echtes“ beispiel, falls wieder jemand psychologisieren will) immer nen orgasmus vortäusche, weil ich meine „das muß so sein“, daß ich den nicht enttäusche oder mich als anormal oute oder wasweißich, dann ist das ne sehr private sache, klar.
    dann aber zu erkennen, daß dieses phänomen in ein riesen-patriarchales system in punkto weibliche sexualitäts-rollenzuteilung etc pp ist, das ist doch wichtig und diese politischen aspekte zu verstehen, zu analysieren und so kann doch ne große hilfe sein.
    das heißt doch nicht – nur weils auch ne politische dimension hat – daß dann alice schwarzer neben dem bett steht und mir den arsch verkloppt, wenn ich nen orgasmus vortäusche.

  1. 1 Willkommen im Alltag « mädchenblog Pingback am 19. August 2009 um 12:40 Uhr
  2. 2 In den letzten Tagen gelesen « Theorie als Praxis Pingback am 02. September 2009 um 17:29 Uhr

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