Was wir schon immer über Pornos wissen wollten… oder vielleicht doch nicht

Bis heute hab ich eigentlich nicht verstanden, weshalb es den Begriff „sex positive feminism“ überhaupt braucht. Alles andere wäre ja eigentlich absolut sinnlos.
Und auch, wenn man bei der Emma hin und wieder den Kopf schütteln muß (manchmal mehr, manchmal weniger heftig), so kann man sie doch nicht als sexuell beschränkend abtun.
Ist aber alles harmlos.
Geht nämlich noch besser: auf dem Blog von Luise F. Pusch befindet sich ein Eintrag, der kurz den feministischen Pornofilmpreis sowie die Herkunft des Wortes „prüde“ anspricht. So weit, so gut.
Dann wendet man sich den Kommentaren zu. Die sind um einiges… ähm… naja, sagen wir mal, ich persönlich würde sie jetzt weniger unter sex positive feminism einordnen… *hüstel*

Da werden ganz schön happige Theorien aufgestellt.
Unter anderem:

1. Feministische Pornos GIBT ES GAR NICHT:

Es gibt keine feministische Pornographie. Feminismus steht für Rückeroberung der Würde der Frau in einer entwürdigenden Umwelt. Feminismus steht auch für Stolz und Ehre – im positivsten Sinne. Aus diesen Motivationen heraus hat er sich entwickelt und entfaltet. Da ist j e d e Vermarktung von Sexualität entwürdigend und erniedrigend. Das Adjektiv “feministisch” können sie sich glatt sparen. Es ist ein Deckmäntelchen für eine alte Falle.

Ich sehe das auch so, dass es keine `feministische` porNografie gibt. PorNografie als ausdruck einer männl. kultur jetzt mit dem pseudonym `feministisch` – und mag es noch so friedlich zugehen – soll plötzlich für weibl. selbstbewusstsein stehen? Hier geht es auch nur um`s geschäft und um eine scheinwelt.
(…) Mit dem gütesiegel feministisch meine ich, wird auch die männl. porNo-kultur verharmlost.

2. Weibliche Sexualiät und Pornographie können gar nicht zusammenpassen:

Im Uebrigen geht Pornografie schlicht und einfach an der Sexualität der Frau vorbei, genauso wie Striptease für Frauen.(…) In der (Sexual- ) Psychologie ist bekannt, dass Frauen auf visuelle Reize viel weniger reagieren als Männer. Frauen geraten durch erotische Situationen in Fahrt…

Die meisten frauen stehen nun mal nicht auf die unterleibsgesteuerte triebabfuhr der porNo-kultur, die Er uns ständig mit gewalt als normalität einverleiben will. Da ich diesen `pferdesport` nebst aufmarsch der `hengstparade` ablehne, lehne ich – auch aus anderen gründen – die zukünftige weibl.sog. fem. zuchtschau ab . Sexuelle befreiung kann auch heissen `nein` zu sagen.

3. Männer sind Pornoschweine

Nur typisch mann, dass er bei der konsumierung [von Sex] nie lernen wird, wie mann mit `messern und gabeln` hantiert. Oder setzen sie sich ins restaurant und beobachten die leute b.d. einverleibung ihrer mahlzeiten oder beim toilettengang ….

Pronografie (so wie sie hier zur Diskussion steht) ist IMMER und ausschliesslich frauenfeindlich, weil sie ein Frauenbild vermittelt, das Männer in ihrer Einfalt (man schaue sich mal das Gehirn eines Hasen an, es hat EINE Falte…!) dazu verleitet, zu glauben, es genüge IHRE sexuelle Erregung und dann sei die Frau verpflichtet, zu Verfügung zu stehen. Die Frustration(en) lassen sie dann an den wirklichen Frauen aus mit den bekannten Resultaten.

4. Pornos haben immer böses im Sinn:

Pornografie und Prostitution sind wie Gewaltverherrlichung und Tötungsbereitschaft Schmiermittel und Lockrufe an die Männer im Patriarchat, dazu geeignet, aus stolzen (prueden) Frauen verzagte zu machen.

…und noch so viel mehr.
Wow. Das alles ist so krass, ich hör jetzt einfach mal auf. Dabei gäbe es noch so, so viel zu sagen, aber dafür ist mir die Lust (sic!) vergangen.
Sicher, sicher… an Pornographie, so wie sie heute stattfindet gibt es einiges zu kritisieren, diskutieren und zurechtzurücken. Keine Frage. Aber so????

Im Blog der Mädchenmannschaft, wo ich den Link zu Pusch gefunden habe, schreibt eine Kommentatorin:

als frau und feministin, die hin und wieder einen non-mainstream-porno ganz gern mag und die sich mit diesem “frauen sind nicht so visuell wenns um sex geht und viel gefühlvoller”-zeug echt nicht identifizieren kann… da fühl ich mich regelrecht angegriffen und beleidigt.

Verstehe ich.


21 Antworten auf “Was wir schon immer über Pornos wissen wollten… oder vielleicht doch nicht”


  1. 1 hüstel 29. August 2009 um 17:25 Uhr

    ekeln sich solche „feministinnen“ eigentlich vor sich selbst, wenn ihnen einfällt, dass sie nicht nur aus einer eizelle entstanden sind? :D

  2. 2 l 29. August 2009 um 17:43 Uhr

    Weibliche Sexualiät und Pornographie können gar nicht zusammenpassen

    ja, die wissen halt ganz genau, wie die ordentliche/richtige weibliche sexualität auszuschauen hat. und wehe, wenn nicht! dann biste eine vom patriarchat gehirngewaschene (nur therapie bringt da heilung).

    Männer in ihrer Einfalt

    sexismus galore. keinen deut besser als die gegenseite.

  3. 3 crashintoahouse 29. August 2009 um 18:44 Uhr

    PorNografie als ausdruck einer männl. kultur jetzt mit dem pseudonym `feministisch` – und mag es noch so friedlich zugehen – soll plötzlich für weibl. selbstbewusstsein stehen?

    hier wird ganz nebenbei erwähnt, was diesen altbackenen „feminismus“ ausmacht: die auffassung von der bipolarität der geschlechter. das „echte“ wesen der frau ist gewaltlos und generell sozialverträglich. der mann an sich angriffslustig und herrschsüchtig.
    damit singen sie ja schön im kanon mit den atavistischen maskulinisten.

  4. 4 l 30. August 2009 um 0:47 Uhr

    auch arg an den kommentaren bei pusch: dass da zu aussagen, die eine – sich selbst als feministin verstehend – tätigt, gesagt wird, dass seien ‚männer-aussagen‘. – und kurz später wird sie („papierschiff“) schon als mann angesprochen (zb „herr“). dass ne feministin pornos mag, darf es nicht geben und gibt es daher nicht – daher ist diese feministin keine, und noch viel schlimmer 100 pro ein mann! richtige feministinnen wissen als stellvetreterinnen aller richtigen frauen sofort zu erkennen, wenn eine keine (richtige) frau ist!
    zum kotzen.

  5. 5 Sinamore 30. August 2009 um 13:25 Uhr

    „Pornografie und Prostitution sind wie Gewaltverherrlichung und Tötungsbereitschaft Schmiermittel und Lockrufe an die Männer im Patriarchat, dazu geeignet, aus stolzen (prueden) Frauen verzagte zu machen.“

    Argh..hinterfragen diese Leute eigentlich nie, woher sie ihr Ideal haben, was eine „stolze“ Frau ausmacht? Und dann reden sie von Pornos, egal ob es von Frauen für Frauen ist, als „männlich geprägter Kultur“…als ob ihr eigenes Ideal nicht zutiefst vom Patriarchat geprägt wäre.
    Wenn wir schon dabei sind, dass für DIE FRAUEN im Gegensatz zu DEN MÄNNERN(man beachte:Frauen und Männer als homogene Gruppen) visuelle Reize nicht relevant sind, können wir auch gleich mit den Geschlechterunterschieden begründen das Frauen nicht für Führungspositionen geeignet sind und sich mit Kinderbetreuung am wohlsten fühlen..und von Natur aus unterwürfig sind.

  6. 6 illith 30. August 2009 um 15:07 Uhr

    :barf:

    aber das sind doch teils wirklich 1:1 die aussagen, die in EMMA-artikeln zu lesen sind… weil du die quasi als ‚gegenstück‘ zu den kommentaren aufführst @dodo (also nicht gegenstück im sinne von gegenteil, aber halt so abgrenzend dazu. wisst ihr, wie ich mein?^^°)

  7. 7 l 30. August 2009 um 15:34 Uhr

    also ich weiß, was du meinst.

    apropos: lest ihr die emma?! :o

  8. 8 illith 30. August 2009 um 15:57 Uhr

    *räusper* ich hab mein abo immer noch^^°

  9. 9 nummer.drei 30. August 2009 um 16:25 Uhr

    sehr gut finde ich auch den gegensatz im subtext: pornografie=“kommerziell, künstlich, unnatürlich, letztlich lustlos“ vs. „echter“, feministischer sex = „selbstbestimmt, befreit, natürlich“. ach, herrlich :)

  10. 10 n.n. 31. August 2009 um 8:18 Uhr

    „*räusper* ich hab mein abo immer noch^^°“
    Die Tugend liegt hier nicht im schamhaften eingestehen, sondern im Kündigen :)

  11. 11 dodo 31. August 2009 um 8:37 Uhr

    also ich seh da immer noch nen unterschied zwischen den emma-artikeln (denen ich gerade bei diesem themenfeld auch eher selten zustimmen kann) und den kommentaren bei pusch. allein schon was den respektvollen ton angeht, die4 differenziertheit.

  12. 12 Annie_Slut 31. August 2009 um 11:58 Uhr

    Also ich find‘ ja immer sehr schick, wenn mir wer erzählen will, was „weibliche Sexualität“ ist und worauf Frauen angeblich nunmal so stehen und auf was nicht.

    Ich persönlich kann von mir absolut nicht behaupten, dass ich kaum auf visuelle Reize reagiere. Da muss ich wohl entweder unwissentlich doch ein Mann sein oder ein Fall für eine Sexualtherapie, oder? :-“

  13. 13 crashintoahouse 31. August 2009 um 12:02 Uhr

    könnte natürlich auch sein, dass du die patriarchale unterdrückung schon so weit internalisiert hast, dass du ihr nur entkommen kannst, indem du männliche mechanismen übernimmst.

  14. 14 Zarah White 01. September 2009 um 7:29 Uhr

    Schon merkrwürdig, die Probleme mit den eigenen Wurzeln.

  15. 15 wikipedia 01. September 2009 um 12:02 Uhr

    Wow. Das alles ist so krass, ich hör jetzt einfach mal auf. Dabei gäbe es noch so, so viel zu sagen, aber dafür ist mir die Lust (sic!) vergangen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sic

  16. 16 laylah 01. September 2009 um 14:15 Uhr

    halt die fresse, wiki.

  17. 17 Cymaphore 02. September 2009 um 12:07 Uhr

    Schonmal im Emma-Forum unterwegs gewesen? Zumindest die Meinung der Anhänger dort ist ja teilweise bizarr… Hier gehts dann wiederum ins andere extrem…

    Warum kommen die Leute nicht ohne Extrem aus? ;-)

  18. 18 dodo 02. September 2009 um 12:48 Uhr

    wasist hier genau extrem?

  19. 19 n.n. 02. September 2009 um 13:32 Uhr

    @Cymaphore:
    Und warum ist der hier gepflegte Extremismus nun schlimmer, als der Extremismus, den du so verbreitest?

  20. 20 Caroline Kaiser 06. September 2009 um 21:05 Uhr

    Dodo, was erwartest Du denn ? Fast 35 Jahre Gehirnwäsche durch EMMA und deren Multiplikatoren, die haben eben in der deutschen Frauenbewegung ihre Spuren hinterlassen. Leider…….

    Es gibt ( noch mehr: gab ) durchaus andere Pornos, die frau ganz klar auch als feministisch bezeichnen kann. Die von den ganzen geäußerten Kritikpunkten nur einen einzigen erfüllen: Sie werden verkauft. Da aber auch die EMMA nicht verschenkt wird, scheint mir dies ein schlechtes Ausschlußkriterium zu sein.

  1. 1 Patriarchat abgeschafft – Das Private ist wieder unpolitisch?! « Theorie als Praxis Pingback am 30. September 2009 um 11:19 Uhr

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