Archiv für September 2009

Vulva: Die Enthüllung des „unsichtbaren Geschlechts“

Ein Buch, das dem weiblichen Geschlechtsorgan endlich die Aufmerksamkeit schenkt, die es verdient.

Dazu die Autorin Mithu M. Sanyal im TAZ-Interview.

taz: Frau Sanyal, das einzige Wort, das der Webster für das weibliche Genital angibt, lautet Vagina. Die Vulva kennt er nicht. Sie sagen, das ist ein Problem. Warum?

Mithu M. Sanyal: Weil ich glaube, dass wir über etwas, wofür wir keine Worte haben, nicht reden und es uns auch nicht wirklich vorstellen können. Die Vagina ist nur ein Teil des weiblichen Genitals, nämlich die Körperöffnung, und umgekehrt würde ja niemand Hoden sagen, wenn er einen Penis meint. Verblüffend ist doch, dass man bei Frauen diese Fehlbezeichnung hinnimmt.

Hat das Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Körpers?

Ja, was mich daran geärgert hat, ist, dass das lateinische Wort Vagina für Scheide von Anatomen im 16. Jahrhundert deshalb gewählt worden ist, weil sie sich überlegt haben, wofür das Ding gut ist: Das Ding ist dafür gut, dass der Mann da sein Genital reinstecken kann. Man verglich die Vagina mit einer Scheide für sein Schwert. Vor allem in der Populärkultur wird häufig über das Genital der Frau als das Loch gesprochen. Das Genital wird nicht als ein eigenes Geschlechtsgenital gedacht – was unter anderem auf Freud zurückgeht –, sondern auf die Abwesenheit des Penis reduziert. Aber da ist ja mehr, es gibt ja ein sichtbares weibliches Genital. Ich glaube, dass das Abendland für alles Bilder braucht. Der Penis wird gleichgesetzt mit dem Stift, dem Pinsel, der kreativen, aktiven Energie und das weibliche Genital, die Vulva, die nicht existiert, mit Passivität, mit Annehmen, Aufnehmen. Das ist die Kultur, mit der wir aufgewachsen sind.

das ganze Interview hier

Feminismus und BDSM (Sadomasochismus) – unvereinbar?

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Liebe Mädchenblogleser_innen,
leider war uns nicht bewußt, daß Mirabella sich in den Kommentaren schon – unter dem Nickname „lili“ – an Diskussionen beteiligt hat, und das mit Positionen, die wir vom Mädchenblog unter keinen Umständen (mit-)vertreten möchten.
Daher wird Mirabella als Autor_in gelöscht.
Da aber um den Text und das Thema so eine rege Diskussion entbrannt ist, wollen wir den Beitag nicht löschen, sondern stehen lassen und auch gerne dazu aufrufen, sich selbst beim Mädchenblog als Autor_in zu registrieren und einen tatsächlich feministischen Text zum Thema zu verfassen.
Liebe Grüße
Euer Mädchenblog

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Ich schreibe diesen Text, da mich das Thema persönlich berührt und beschäftigt. Häufig findet man auf feministischen Seiten Stellungnahmen zu den Themen Sex, Pornografie oder Homosexualität (wobei es auch unter Feministinnen unterschiedliche Meinungen gibt, speziell zwischen den Altfeministinnen und den jüngeren). Aber über das Thema BDSM findet man wenig…
Einzig von Alice Schwarzer konnte ich einige sehr negative Zitate zu dem Thema finden, ein Beispiel:
„Nicht zufällig kam die Sado-Maso-Mode nach Aufbruch der Frauenbewegung gegen Ende der 70er auf. Sie drang dank Fernsehen und Videos auch bis ins letzte Eigenheim von Hintertupfingen. Jetzt dürfen, ja sollen, alle Männer Sadisten sein und alle Frauen Masochistinnen. Da ist es tröstlich, dass in der Psychologie-heute-Umfrage im Juli 2000 nur rund 1 % aller Männer und Frauen angaben, SM zu praktizieren.“ (Alice Schwarzer in „Der große Unterschied – Gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen“ (Kiepenheuer & Witsch, 2000))

Also bei Alice Schwarzer, die sich auch deutlich gegen jede Pornografie wendet und häufig sogar fast männerfeindlich rüberkommt, war nichts anderes zu erwarten.
Im Folgenden versuche ich etwas zu erläutern, wo ich Probleme sehe und zu welchem Ergebnis ich gelangt bin.

Die äußeren und die inneren Machtverhältnisse

Ist es möglich, die äußeren Machtverhältnisse, die patriachralen Strukturen, einfach zu vergessen? Sich unabhängig davon im Bett freiwillig zu unterwerfen und erniedrigen zu lassen?
Zuerst stellt sich hier für mich die Frage, wie die äußeren Machtverhältnisse überhaupt aussehen. Ist die Gesellschaft wirklich so patriachrchisch wie es scheint. Ist das weibliche Geschlecht dem männlichen gegenüber unterlegen oder sogar diskriminiert?
Mir scheint, dass oft Diskriminierung und Benachteiligung gesucht wird wo keine ist. Weniger Frauen haben einen guten Beruf und mehr Frauen arbeiten Teilzeit im Vergleich zu Männern. Aber das liegt nicht an der aktuellen Benachteiligung von Frauen, sondern an der Benachteiligung in der Vergangenheit: Erst in den Jahren nach dem Weltkrieg emanzipierten sich die Frauen und bekamen langsam die gleichen Rechte wie die Männer. Aber ältere Frauen, die in jungen Jahren noch nicht die gleichen Rechte hatten wie die jungen Frauen heutzutage, sind natürlich weiterhin noch benachteiligt, da sie in jungen Jahren nicht die gleichen guten Ausbildungen genießen konnten wie die Männer.
Wie also sind die äußeren Machtverhältnisse? Männer und Frauen sind heute gleichberechtigt, es gibt allerdings noch Nachwirkungen aus der Vergangenheit.
Gerade in einer Partnerschaft liegt eine gleichberechtigte Machtverteilung vor, die stets die Grundlage zur freiwilligen Unterwerfung bildet. Und BDSM beinhaltet schließlich nicht nur die Erniedrigung der Frau, sondern einige Konstellationen kommen vor: Der Mann, der Dom, der die Frau erniedrigt, aber auch die Frau, die sich den Mann unterwirft, selbst zwei Männer oder zwei Frauen. Demnach gibt es keinen Grund, sich bei oder vor den „Spielen“ Gedanken um die äußeren Machtverhältnisse zu machen. Die innere Struktur der Beziehung kann losgelöst von denen gesehen werden, solange in der Beziehung selber die Gleichberechtigung vorherrscht.

Weiblicher Masochismus

Und wieder beginne ich diesen Abschnitt mit einem Zitat von Alice Schwarzer:
„Die Propagierung des weiblichen Masochismus durch Männer ist ein Angriff, durch Frauen ist es Kollaboration mit dem Feind.“ (Emma, Heft 2, 1991)

Ich bin also eine Kollaborateurin. Aber warum ist denn der Mann der Feind? Oder ist hier gar nicht jeder Mann gemeint, sondern vielleicht nur der Mann, der zugibt auf masochistische Frauen zu stehen? Aber wenn ich masochistisch bin und einen Mann gefunden habe, der zu mir passt, mit dem ich mich perfekt ergänze, den ich liebe, warum sollte ausgerechnet dieser Mann dann mein Feind sein? Dieser Mann ist alles andere als mein Feind: Er ist mein Partner, mein Geliebter, mein ein und alles.
Man fragt sich, was geht in einer Frau vor, die sich freiwillig sexuell einem Mann unterwirft und sich sogar schlagen lässt. Ist dort nicht vielleicht doch ein Zwang von Seiten des sadistischen Mannes, der nur seine eigene Neigung ausleben will?
Da sind wir schon beim Thema: Bei BDSM handelt es sich um eine Neigung und nicht um eine Spielerei oder eine krankhafte Perversion. Vor Jahren hatten auch die homosexuellen noch die gleichen Probleme: sie wurden nicht akzeptiert und sogar kriminalisiert von der Gesellschaft, aber sie haben es geschafft, sich zu befreien, herauszukommen aus dem „Schmuddel-Image“ und gelten nun als normal.
Leider gilt es noch lange nicht als normal, Masochistin zu sein. Nein, wir sind entweder krank oder unterdrückt ohne eigenen Willen. Aber warum kann mein eigener Wille nicht sein, mich von meinem Partner schlagen zu lassen. Warum wird immer wieder – gerade von Feministinnen – gefordert, Frauen sollten sich emanzipieren und nach ihrem eigenen Willen handeln, wenn es dann doch wieder falsch ist? Warum darf meine sexuelle Selbstbestimmung nicht so weit gehen, dass ich für mich entscheide, Masochistin zu sein.
Ich kann doch im alltäglichen Leben genauso (vielleicht sogar mehr) selbstbewusst und eigenständig sein wie jede andere Frau auch! Ich kann studieren und meinen Beruf ausüben, viel Geld verdienen und sagen, was ich will – und dennoch kann mein Partner mich im Bett schlagen und demütigen, weil es mir gefällt! Würde ich nicht mein Einverständnis geben, es nicht genießen, so würde nichts in diese Richtung geschehen! Im Gegenteil, es gibt Männer, die mit dem Masochismus einer Frau nicht umgehen können und sich deshalb trennen. Auch bei mir und meinem Partner war der Anfang nicht leicht. Er schaute mich sehr erstaunt an, als ich ihm von meinen Fantasien erzählte, aber er war zum Glück nicht abgeschreckt.

Also ich für mich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es völlig ok ist, so zu handeln, aber dennoch interessieren mich die Meinungen anderer zu diesem Thema.

Roman Polanski

Feminsting.com setzt sich mit Poman Polanski kritsch auseinander, was wie ich finde auch ziemlich notwendig ist, da der Fakt, dass er ein Mädchen unter Drogen gesetzt hat und dann vergewaltigte nicht einfach eine Nebensächlichkeit ist!

Before we discuss how awesome his movies are or what the now-deceased judge did wrong at his trial, let’s take a moment to recall that according to the victim’s grand jury testimony, Roman Polanski instructed her to get into a jacuzzi naked, refused to take her home when she begged to go, began kissing her even though she said no and asked him to stop; performed cunnilingus on her as she said no and asked him to stop; put his penis in her vagina as she said no and asked him to stop; asked if he could penetrate her anally, to which she replied, „No,“ then went ahead and did it anyway, until he had an orgasm.

(Kate Harding, Salon.com)

Komischerweise gehen diese Fakten irgendwie unter, auch in den deutschen Medien. Vergewaltigung scheint wohl immer noch ein „Kavaliersdelikt“ zu sein. Arrrghhh

Nationalistische Sozialdemokraten in den Niederlanden

Nationalistisch, sexistisch, verblendet, der sozialdemokratischen Amsterdamer Bürgermeisters Job Cohen macht es vor.

Am ganzen Körper verhüllte Frauen könnten in den Niederlanden das Recht auf Arbeitslosengeld verlieren. Dieser Vorschlag des sozialdemokratischen Amsterdamer Bürgermeisters Job Cohen finde breite parlamentarische Unterstützung, berichteten niederländische Medien am Dienstag. Cohen hatte am Vortag erklärt, Frauen, die im Berufsleben nicht auf den als Burka bekannten muslimischen Ganzkörperschleier verzichten wollen und daher keinen Job fänden, sollten keinen Anspruch auf Arbeitslosenhilfe haben

Werbeeinblendung: GenderCamp 2010

song ein bisschen ausgelutscht, video irgendwie fad – das vorhaben jedoch: hot as hell!

GenderCamp 2010 in Hüll (7.-9.5.2010)
www.gendercamp.de

via danilola

Hot Lesbian Action


Nothing nice to say (größeres Bild).

An Pille gestorben?

Es wird geprüft, ob die Antibabypillen Yaz und Yasmintödlich sein können.

Ach ja

Does Angela Merkel Deserve to Be a Feminist Icon?

Diese unsinnige Frage diskutiert „Spiegel Online International“. Ich weiß nicht, wann auch der_die letzte merkt, dass Frau* sein nicht unbedingt etwas mit feministisch sein zu tun haben muss.
Bitte, wir hatten das doch schon bei Sarah Palin!

Trunkenheit des Opfers – wichtiger Sachverhalt bei einer Vergewaltigung?

Eine sehr bedrückende Nachricht aus München: Dort wurde eine 29 jährige Studentin nach dem Besuch des Oktoberfestes vergewaltigt.
Die Süddeutsche Zeitung berichtet und lässt uns wissen, dass die Frau während der Tat alkoholisiert war.

Nach bisherigen Vermutungen der Polizei ging sie gegen 23.15 Uhr die Schaustellerstraße entlang, als sie ein Unbekannter von hinten packte und in die angrenzende Gebüschreihe zog. Dort vergewaltige er die Frau, ließ schließlich von ihr ab und verschwand in Richtung Bavariaring.

Die Studentin, die unter Alkoholeinfluss stand, erinnert sich nach Aussagen von Polizeisprecher Gottfried Schlicht noch daran, dass in der Nähe des Tatortes Schaustellerwohnwagen geparkt waren.

Wichtiger Sachverhalt oder ein Touch von „hätte sie mal nicht so viel getrunken, dann… “ ?

queer:feministisch

http://www.flickr.com/photos/celesteh/852079827/Women’s oppression can’t be effectively fought without incorporating the battle against gender oppression. The two systems of oppressions are intricately linked. And the population of women and trans people overlap. (Leslie Feinberg 1998) ///

For us feminism is not just about women(’s issues), it is a gendered power sensitive perspective on all aspects of life as developed in various ideas and practices that need to be addressed again and again.(The Feminist Salon 2007) ///

Aber dann sind auf einmal in den letzten Jahren Selbstorganisationen aufgetaucht, die nicht diese rigiden Regeln aufgestellt haben, Räume, die offen sind für Menschen unabhängig von ihrem Namen, ihrem Aussehen, ihrer Geschlechteridentität, ihrer sexuellen Orientierung, wo Widersprüche möglich sind und das nicht gleich einen Ausschlussmechanismus in Gang setzt. (…) Da werden Räume geöffnet, in denen es möglich ist, das eigene Tun und Sagen auch zu verändern. (Vlatka Frketić in Yun/ Patulova 2007) ///

Queer ist für mich total vielfältig: ich würd sagen, es ist ein sehr differenziertes Werkzeug, das mir ermöglicht, Strukturen zu erkennen, eben oft an der Oberfläche zu kratzen und bestimmte Dinge profunder anzuschauen. Ich kann damit Machtverhältnisse analysieren. Und ich find, dass es sich überhaupt nicht beschränkt auf Sexualität und Geschlecht: mit einem queeren Blick kann man ganz vieles anschaun, auch Zusammenhänge besser erkennen. (Elisa Heinrich 2008) /// (mehr…)