Zerrissen

Wir haben eine Kultur, in der wir wie verrückt hin- und herschwanken, mit fliegenden Haaren und leuchtenden Augen, zwischen hysterischem und konstantem Konsum, wo der unstillbare Hunger fast schon universell ist, genau wie der fanatische Glaube an die moralische Überlegenheit von Selbstkontrolle und Selbstverleugnung.
Kulturell gesehen würden wir nicht als anorektisch, sondern als bulimisch diagnostiziert werden, hin- und hergeschleudert zwischen zwei Extrempunkten, fressen und kotzen.
Die rasende Bewunderung des anorektischen Körpers und der aggressive Haß auf Fett – an uns selbst oder anderen – offenbart weder, daß Anorexie schön, noch, daß Fett besonders verabscheuungswürdig ist, sondern daß wir selbst unglaublich innerlich zerrissen sind.

(Übersetzung von mir. Marya Hornbacher: „The Obsession: Reflections on the tyranny of slenderness“, Harper&Row, 1981; S. 71/72)


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