Am Samstag, den 26.09. findet in Berlin mal wieder der 1000 Kreuze Marsch statt. Dabei marschieren selbsternannte Lebensschützer, viele von ihnen christliche Fundamentalist_innen, dunkel gekleidet und mit weißen Kreuzen durch Berlin. Mit diesem „Trauermarsch“ wollen sie an die 1000 Abtreibungen erinnern, die angeblich pro Werktag in Deutschland stattfinden. Diese Zahl ist allerdings aus der Luft gegriffen: Dann gäbe es in der BRD 260.000 Abtreibungen pro Jahr, tatsächlich sind es laut dem Bundesamt für Statistik etwa 115.000. Die Abtreibungsgegner_innen berufen sich bei ihren Zahlenspielen übrigens auf Prof. Spieker aus Osnabrück, der zwar auch keine Belege für seine Behauptung liefern kann, aber Opus Dei-Mitglied ist.
Statistik ist nicht das einzige Themenfeld, bei dem es „Lebensschützer“ mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. So behaupten sie auch, 90% aller Frauen litten nach einer Abtreibung unter einer Krankheit namens Post Abortion Syndrom, die mit Depressionen, Drogensucht und erhöhtem Selbstmordrisiko einhergehe. Die American Psychological Association hat in einer vergleichenden Studie 2007 festgestellt, dass sich eine solche Krankheit nicht wissenschaftlich nachweisen lässt. Hier werden also emotionale Konflikte von Frauen pathologisiert. Ziel ist dabei wohl, frauenfreundlicher zu erscheinen, als man tatsächlich ist.
Dass es den Abtreibungsgegner_innen nicht um das Wohl von Frauen geht, wird spätestens klar, wenn man sich ihre Aktivitäten genauer anschaut.
In den USA ist es eine gängige Praxis, das Abtreibungsgegner_innen Kliniken belagern und Frauen und Ärzt_innen belästigen und bedrohen. Vor einem medizinischen Eingriff derart gestresst zu werden, ist wohl weder der körperlichen noch der seelischen Verfassung zuträglich. Im Mai 2009 wurde zudem Dr. George Tiller, ein Abtreibungsarzt, in Kansas von einem Abtreibungsgegner erschossen. So sieht Achtung vor dem Leben aus.
Auch in Österreich und Deutschland lungern die „Lebensschützer“ vor Kliniken und Praxen herum und belästigen Frauen, die diese Kliniken aufsuchen wollen.
In München betreiben Mitglieder von EuroProLife so genannte „Gehsteigberatung“. Unter dem Vorwand, Hilfe und Beratung anzubieten, werden Frauen vor einer Praxis angequatscht, ob sie denn wirklich ihr Kind ermorden wollten. Es werden kleine Plastikfiguren von Embryonen verteilt. Einziges Ziel ist, Frauen von einem Abbruch abzuhalten, nicht, sie zu beraten oder zu unterstützen.
Radikale Abtreibungsgegner_innen arbeiten kontinuierlich daran, den Zugang zu und das Recht auf Abtreibung weiter einzuschränken. In Deutschland wurde im Mai 2009 das Schwangerschaftskonfliktgesetz verschärft. Ärzt_innen müssen nun auf die Möglichkeit einer psychosozialen Beratung hinweisen, wenn sie eine medizinische Indikation erwägen. Tun sie dies nicht, droht eine Geldbuße bis zu 5000 Euro. Bevor sie eine medizinische Indikation stellen, müssen sie eine Wartefrist von drei tgen einhalten. Für die Schwangere heißt das, dass sie einem von Bußgeld bedrohten Arzt gegenübersitzt, und zudem drei Tage der Unsicherheit über sich ergehen lassen muss, ob sie eine medizinische Indikation bekommt oder nicht. Zivilgesellschaftliche Gruppen wie pro familia kritisierten,das diese Neuregelung zu Verunsicherung führt und, auch weil keine bessere finanzielle Ausstattung vorgesehen ist, keine Verbesserung des Beratungsangebots für Schwangere zu erwarten sei.
Für die „Lebensschützer“ war die Verschärfung erfreulich. Und sie werden versuchen, das Recht auf Abtreibung weiter einzuschränken. All das ist Grund genug, am Samstag zusammen mit dem Bündnis gegen Abtreibungsverbot und christlichen Fundamentalismus auf die Strasse zu gehen. Es wird zwei Kundgebungen geben
12.30 Uhr Rotes Rathaus
14.00 Uhr Bebelplatz
Weitere Infos findet ihr unter http://no218nofundis.wordpress.com
Im Moment Vorbei hat zudem eine sehr schöne Sammlung von Videos zum Thema Kirche und christlicher Fundamentalismus zusammengestellt.
Ich hoffe, es kommen ganz viele!!!
Ich!
hat mich gewundert, dass bei der anfangskundgebung der fundis die gegendemonstranten ungestört zwischen den verwirrten stehen und stören durften. warum haben das nicht mehr gemacht?
@crash
.
ich habs zB. nicht mitgekriegt, sonst wär ich dabei gewesen
1000 Dank an euch alle!
Fotos gibts hier
Für den Fall, dass dieser Beitrag jetzt freigeschaltet wird: In der BRD gibt es kein Recht auf Abtreibung! Abtreibung ist nach $218 Stgb verboten! Dass Abtreibung straffrei ist, stellt also lediglich einen praktischen Unterschied dar.
lieber Johannes, dass Abtreibung in Strafgesetzbuch steht wissen wir, deshalb ja auch „Smash §218″. Straffrei ist sie aber allemal, wenn:
Natürlich ist das nicht genug und deshalb der Kampf für ein Strafgesetzbuch ohne Verbot eines Schwangerschaftsabbruch, also weg mit §218!
Hier noch ein Bericht auf Indymedia. Einen Pressespiegel, Bilder und Videos gibt es hier
Ach bitte, nicht schon wieder ein christlicher Troll…
@Julinoir
Also echt… Du stellst Fotos rein, die genau das widerlegen, was du geschrieben hast. Ich glaube du musst dir mal das Foto von „Mikael Zellmann“ Bild Nr. 25 ansehen. Und dann lies mal deinen Text:
„Dann gäbe es in der BRD 260.000 Abtreibungen pro Jahr, tatsächlich sind es laut dem Bundesamt für Statistik etwa 115.000 … Statistik ist nicht das einzige Themenfeld, bei dem es „Lebensschützer“ mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.“
maedchenblog.blogsport.de/2009/09/30/feminismus-und-bdsm-sadomasochismus-unvereinbar/#comment-31784
LÜGE!
Mirabella erkennt sicher auch ihre eigene Argumentation nicht: politik-forum.eu/viewtopic.php?p=544024#p544024
Dort auch der Link zu ihrem Blog (Signatur).
Re-Post nach ZENSUR:
my-little-world.over-blog.de/article-26354143.html
Ich fordere:
Die sofortige Löschung des Accounts von Mirabella und eine Stellungnahme des Mädchenblogs, wie in Zukunft verfahren wird, damit solche Unterwanderungsversuche verhindert werden können!
Des Weiteren die Anbringung eines Vermerks in Beitrag oben, denn bereits dieser enthält Sexismus und Antifeminismus (Bestreiten der Existenz von Sexismus …).
Beiträge über BDSM haben ihre Berechtigung, jedoch nicht, wenn sie begleitet werden von Sexismus und Antifeminismus (Bestreien von Sexismus). Alleine schon, dass der Beitrag oben erscheinen könnte, ist ein Skandal!
Jetzt ist Handeln und Stellungbeziehen gefordert! Ein Billiges „Wir haben keine Redaktion“ reicht nicht aus!
PS: Nachdem hier alle kritischen Kommentare ZENSIERT wurden, erfolgen weitere Veröffentlichungsmaßnahmen an anderem Ort.
PPS: Trotzdem: Wie angekündigt, erfolgt nach ZENSUR Re-Post.
@ungläubig: ich verstehe deinen Ärger, wir kümmern uns darum!
@ sara 92:
ich hab meinen text nicht nur gelesen, sondern sogar geschrieben … wenn du kritisieren willst, musst du schon ein paar argumente vorbringen.
gemeint ist wohl dieses bild? http://www.flickr.com/photos/mikaelzellmann/3955610811/in/set-72157622459370462/
^^ der hat es „genau“ genommen mit dem falsch rechnen. das meinte sara wohl.
Radiosendung zum Thema:
http://www.vafk.de/medien/Radio/2009/vr10-09.mp3
Marsch für das Leben
Frauenrechte kontra Lebensrechte
Die Fristenreglung mit Zwangsberatung der Mütter bezüglich der Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung hatte der Bundestag 1993 beschlossen, die Entscheidung allerdings allein der Mutter überlassen. Väter können ihre Kinder gegen den Willen der Mütter nicht schützen.
Diese Gesetzesänderung mit Beratungszwang sollte Schwangerschaftsabbrüche statistisch zurückdrängen, das Gegenteil ist allerdings der Fall. Aus diesem Grunde haben etwa 1000 Lebensschützer am 26. September mit 1000 weißen Kreuzen auf die täglichen Abtreibungen im Lande aufmerksam gemacht. Mittlerweile ist diese Aktion eines Schweigemarsches schon zur Tradition geworden. Verschiedene Organisationen unterstützen den Bundesverband „Lebensrecht“ dabei.
Ein Aktionsbündnis von Antifaschisten, Feministen und pro familia hatten zu einer Gegendemonstration aufgerufen. 1000 Kreuze in die Spree war ihre Antwort auf den Schweigemarsch für das Leben. Probleme lassen sich allerdings nicht durch eine „Abtreibung“ in die Spree lösen.
Problematisch sind die Ausgrenzung der Väter bezüglich der Entscheidung für oder gegen die Kinder, die wirtschaftlichen Interessen an abgetriebenen Kindern für Forschung, Medizin und Kosmetik, und die Gefühle nach einer Abtreibung.
problematisch ist vor allem, daß da noch mehr als nur die lebensschützer das bedürfnis haben über andere bestimmend wirken zu wollen. problematisch ist außerdem, daß denjenigen, die was dagegen haben von typen wie dir unterschwellig unterstellt wird büttel des kapitals zu sein, was ein interesse an einer „abtreibungsindustrie“ hätte.
NEIN, das ist falsch. Die Abtreibungszahlen sinken in Deutschland jedes Jahr. An der Zwangsberatung wird es zwar nicht liegen, aber an einer besseren Aufklärung und Verhütungsmitteln.
im Fall einer Abtreibung gibt es noch keinen Vater und auch noch keine Mutter, sondern nur eine Schwangere und einen Erzeuger. Und wenn die Schwangere ihren Körper nicht 9 Monate als Brutkasten zur Verfügung stellen will, hat sie verdammt nochmal ein Recht darauf die Schwangerschaft zu beenden. Ohne Erlaubnis von vom Staat oder von sonst jeMANden.
Auch dieses Jahr soll es wieder einen „Marsch für das Leben“ geben.
Sie mobilisieren für den 18.September 2010 zum Alexanderplatz. Hoffentlich wird das Happening noch besser als letztes Jahr. 100erte Kreuze in die Spree!