Vulva: Die Enthüllung des „unsichtbaren Geschlechts“

Ein Buch, das dem weiblichen Geschlechtsorgan endlich die Aufmerksamkeit schenkt, die es verdient.

Dazu die Autorin Mithu M. Sanyal im TAZ-Interview.

taz: Frau Sanyal, das einzige Wort, das der Webster für das weibliche Genital angibt, lautet Vagina. Die Vulva kennt er nicht. Sie sagen, das ist ein Problem. Warum?

Mithu M. Sanyal: Weil ich glaube, dass wir über etwas, wofür wir keine Worte haben, nicht reden und es uns auch nicht wirklich vorstellen können. Die Vagina ist nur ein Teil des weiblichen Genitals, nämlich die Körperöffnung, und umgekehrt würde ja niemand Hoden sagen, wenn er einen Penis meint. Verblüffend ist doch, dass man bei Frauen diese Fehlbezeichnung hinnimmt.

Hat das Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Körpers?

Ja, was mich daran geärgert hat, ist, dass das lateinische Wort Vagina für Scheide von Anatomen im 16. Jahrhundert deshalb gewählt worden ist, weil sie sich überlegt haben, wofür das Ding gut ist: Das Ding ist dafür gut, dass der Mann da sein Genital reinstecken kann. Man verglich die Vagina mit einer Scheide für sein Schwert. Vor allem in der Populärkultur wird häufig über das Genital der Frau als das Loch gesprochen. Das Genital wird nicht als ein eigenes Geschlechtsgenital gedacht – was unter anderem auf Freud zurückgeht –, sondern auf die Abwesenheit des Penis reduziert. Aber da ist ja mehr, es gibt ja ein sichtbares weibliches Genital. Ich glaube, dass das Abendland für alles Bilder braucht. Der Penis wird gleichgesetzt mit dem Stift, dem Pinsel, der kreativen, aktiven Energie und das weibliche Genital, die Vulva, die nicht existiert, mit Passivität, mit Annehmen, Aufnehmen. Das ist die Kultur, mit der wir aufgewachsen sind.

das ganze Interview hier


7 Antworten auf “Vulva: Die Enthüllung des „unsichtbaren Geschlechts“”


  1. 1 stadtpiratin 01. Oktober 2009 um 16:19 Uhr

    sehr interessantes buch, vor einiger zeit schonmal eine kritik dazu bei der mädchenmannschaft gelesen. das buch ist sicher lesenswert, nicht zuletzt auch für diejenigen jungen mädchen, die sich mit 15 einer schamlippen-schönheits-op unterziehen wollen, weil sie glauben, dass bei ihnen irgendwas nicht normal sei, gefördert von dr. sommer und co.

  2. 2 different 01. Oktober 2009 um 16:27 Uhr

    Ich hatte beim Dr. Sommer Team eigentlich nie den Eindruck, dass sie Mädchen dazu aufrufen würden, dem Schönheitswahn zu folgen, eher im Gegenteil.

  3. 3 illith 03. Oktober 2009 um 23:04 Uhr

    für männer GIBT es gar keinen begriff, der – wie „vuvlva“ – das „ganze paket“ beschreibt, oder?
    das mit der passivität stimmt aber sicher.
    mir wäre auch nicht bekannt, dass in der „populärkultur“ (den begriff les ich das erste mal – ich glaub, ich werde es noch gut gebrauchen können^^) das weibliche genital so autonom personifiziert wird wie das männliche (einen namen geben, es „ihn“ nennen etc). bei frauen sind es dann eher die brüste, die als gegenstück zum gemächt gelten. was ich recht bedauerlich finde, da das die frau irgendwie ‚kastriert‘ (andererseits wende ich diese gleichsetzung macnhmal sprachlich glaub ich auch an – wenn es um „externe“ geschlechtsmerkmale geht. hm)

  4. 4 n-no gender 04. Oktober 2009 um 12:56 Uhr

    Ich hatte beim Dr. Sommer Team eigentlich nie den Eindruck, dass sie Mädchen dazu aufrufen würden, dem Schönheitswahn zu folgen, eher im Gegenteil.

    Da hast du wohl recht, es wird aber manchmal bemängelt, dass in anderen Rubriken der Bravo genau das rüberkommt.

  5. 5 dodo 04. Oktober 2009 um 15:05 Uhr

    illith: „für männer GIBT es gar keinen begriff, der – wie „vuvlva“ – das „ganze paket“ beschreibt, oder?“
    -> „…die als gegenstück zum gemächt gelten“

  6. 6 illith 04. Oktober 2009 um 21:16 Uhr

    oh! *LOL* doch, das könnte passen :-? :d
    ich hatte bisher noch nciht näher darüber sinniert, welche sektionen der von mir häufig bemühte terminus eigentlich umfasst *g*

  1. 1 Wikipedias Vulvagate | fxneumann · Blog von Felix Neumann Pingback am 23. März 2010 um 19:09 Uhr

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