Das hat’s grad noch gebraucht…

Was bin ich froh, daß meine Schulzeit zu Ende ist! Ich hab ja noch echt Glück gehabt! Anders als die Kinder, die fortan mit solchem Schwachsinn traktiert werden!!!

Der Verlag Pons bringt Lernbücher separat für Mädchen und Jungen heraus – um die Kinder speziell zu „motivieren“. Darin spielen Mädchen nur mit Mädchen.
(…) Aus dem sonst so renommierten Hause Pons stehen normalerweise gründlich recherchierte Wörter- und Grammatikbücher in den Regalen der Buchläden. Nun hat der Verlag neue Lernhilfen für Grundschüler herausgegeben, die stutzig machen: Je ein Buch mit Diktaten und eins mit Matheaufgaben – für Jungs und Mädchen getrennt.

Muß man dazu noch was sagen??
Außer: WAS BIN ICH FROH, DASS MEINE SCHULZEIT ZU ENDE IST!
Denn ganz ehrlich, hätte ich damals sowas gelesen:

Die Drillings-Meerjungfrauen Nele, Mia und Lara wollen sich genau den gleichen Haarreif und Flossenstrumpfhosen kaufen – wie viele Dinge kaufen sie insgesamt? Prinzessin Rosarot hat 45 Glitzersteine in ihrem Säckchen – wie viele Steinchen hat sie verschenkt, wenn sie nur noch 15 übrig hat?

ich wäre schreiend davon gelaufen. Oder zum Problemkind geworden.
In dem oben verlinkten taz-Artikel gibt’s noch mehr nette Beipspiele. Für die, bei denen jetzt schon das Carcrash-Syndom eingesetzt hat: es ist absolut eklig, aber man kann nicht aufhören, hinzugucken.

Via Bikini Kills Keller


20 Antworten auf “Das hat’s grad noch gebraucht…”


  1. 1 schokolade 06. Oktober 2009 um 14:52 Uhr

    och, aber immehin fahren die mädchen fahrrad und sticken nicht, das ist doch schon sehr fortschrittlich! ;) schön finde ich auch das buch mit schminktips incl. schminke für ca. 6-jährige mädchen, das ich neulich in einem buchladen gesehen habe. als ob man damit nicht früh genug anfangen kann.

  2. 2 zz 06. Oktober 2009 um 14:59 Uhr

    ist schminken was schlimmes?

  3. 3 dodo 06. Oktober 2009 um 15:12 Uhr

    nö, das nicht. kommt mir aber auch seltsam vor… aber in dem alter wollt ich mich mit mamas schminke kreativ austoben, statt mir „schminktips“ geben zu lassen (also mir erzählen lassen, was ich machen muß, damit ich auch ja „hübsch aussehe“ – was hübsch war, hab ich selber festgestellt, und wenns knallgrüner lidschatten bis zu den augenbrauen hin war).

  4. 4 laylah 06. Oktober 2009 um 15:23 Uhr

    zz: nee, aber als sechsjährige schon damit therapiert werden schon.

    das beste:

    Immerhin, ab und zu taucht in den Büchern das andere Geschlecht auf – aber nur, damit man sich gleich wieder abgrenzen kann. Im rosa Mädchenbuch für Diktate will ein Mädchen nicht mehr mit „Puppen spielen“. Sie nimmt sich einen Fußball und schießt ein Tor. Doch: „Dann kommt Bianca mit einem Malbuch. Schnell wird Anna wieder zum Mädchen.“

  5. 5 Mirabella 06. Oktober 2009 um 16:12 Uhr

    Was für ein Scheiß (entschuldigung, aber sowas regt mich immer auf!)!

    Das ist typisch: Immernoch wollen viele Menschen Jungen und Mädchen in stereotype Schubladen stecken! Genauso wie ich als Kind Verwandten ständig Barbie zum Geburtstag geschenkt bekommen habe und damit einfach nichts anfangen konnte…

    Jeder Mensch ist eben ein Individuum und der Unterschied zwischen einem Mädchen und einem anderen kann größer sein als der Unterschied zwischen einem Mädchen und einem Jungen. Deshalb sind diese unterschiedlichen Diktate auch der größte Schwachsinn überhaupt!

  6. 6 msau 06. Oktober 2009 um 17:22 Uhr

    Was zum Teufel macht denn so ne Meerjungfrau mit Flossenstrumpfhosen? Stell ich mir ganz schön hinderlich vor damit im Ozean rumzupuddeln.

    Was steht denn in dem „für Jungen“ Buch?

    „Die Vierlings-Bauarbeiter Hotte, Ulf, Sven und Randy wollen sich genau die gleichen Helme und Schraubenzieher kaufen, rechne aus wie betrunken derjenige war, der sich diesen Blödsinn ausgedacht hat!“?

  7. 7 Zarah White 07. Oktober 2009 um 11:05 Uhr

    tja, das ist wohl als Reaktion auf die zwischenzeitlich festgestellte „verweiblichung“ des (Grund-)Schulunterrichts
    ( und die Probleme die „Jungs“ damit haben )gedacht.

    Ziemlich verunglückt, aber muss man ja nicht kaufen.

    „Deshalb sind diese unterschiedlichen Diktate auch der größte Schwachsinn überhaupt! “

    Ok , Dann sind die gegenwärtig verwendeten auch Schwachsinn.

    „gegenderte“ aber auch. Wären dann zwar politisch korrekt aber unreal.

    Und Schule sollte doch „auf das Leben vorbereiten“ ?

    Lösung ?

  8. 8 leonie 07. Oktober 2009 um 11:18 Uhr

    Heißt „auf das Leben vorbereiten“ die Kinder mit sexistischen Klischees zu bombardieren nur weil die „reale“ Welt so läuft?

    Hey werdet sexistisch und kapitalistisch weil die Welt halt so läuft, besser man passt sich an als anzuecken!

    Gleichberechtigung ist zwar schön und gut, aber in der Welt da draußen viel zu „irreal“!

  9. 9 illith 07. Oktober 2009 um 14:19 Uhr

    Die Vierlings-Bauarbeiter Hotte, Ulf, Sven und Randy wollen sich genau die gleichen Helme und Schraubenzieher kaufen
    LOOOOOOOOOOOOL

    onT: meing#tt was für ein DRECK oO

    erinnert mich an so eine aktion, die ich in der hiesigen stadtbücherei gesehen hab: so ein rucksack mit einem pappschald, auf dem sinngemäß stand „STRENG GEHEIM – NUR FÜR JUNGS!!“ oder so ähnlich. in dem rucksack waren dann halt kinder/jugendbücher mit detektiv-stories und dergleichen. kotz.

  10. 10 etwas 07. Oktober 2009 um 23:36 Uhr

    @Mirbella und ff

    Hier geht es meines Erachtens nicht um „in Schubladen“ sortieren, sondern darum Bücher zu verkaufen. Die Macher und Macherinnen haben absichtlich versucht bestimmte Bilder zu erzeugen, Bilder von dennen sie glauben das sie gerne gesehen sind. Die Hoffnung dabei ist, dass die entwickelten Bücher Kunden finden, die vorher außerhalb des Radars waren.

    Ob Jede oder Jeder ein Individuum ist, spielt bei dieser Marketing Idee keine Rolle. Aber natürlich muß ich auch sagen, dass ich es auch bescheuert finde, beide Varianten.

    Ob die ‚geniale‘ Aufmachung überhaupt ein Kind zum Chef oder Chefin motiviert ist zweifelhaft, den trotz Fassade ist diese Art Lernbuch genau so schnell langweilig wie jedes vergleichbare vorher.

    Die wollen des Absatzes wegen etwas, und das „in Schubladen stecken“ ist bloß ein Mittel zum Zweck.

  11. 11 Zarah White 08. Oktober 2009 um 7:16 Uhr

    „Die Vierlings-Bauarbeiter Hotte, Ulf, Sven und Randy wollen sich genau die gleichen Helme und Schraubenzieher kaufen
    LOOOOOOOOOOOOL“

    Was ist daran so „unreal“ ?

    Es scheinen mir hier leichte Defizite an Kenntnissen über die „Welt von Jungens“ vorzuliegen ?

    „STRENG GEHEIM – NUR FÜR JUNGS!!“

    ist doch einfach ein Aufhänger (um Jungs zum lesen zu locken, was sie ja angeblich zu wenig tun, sozusagen „Zielgruppenorientiert“, gute idee wie ich finde )
    Vermutlich wollen nicht alle Jungs Ponyhofbücher ?

    Ja, ja ich weiss, Schubladen.
    Vielleicht entstehen die Schubladen ja auch in den Köpfen der Menschen, die stets und ständig Schubladen wittern ?

    Und was ist an „generell keine Schublade“ so wertvoll ?

  12. 12 dodo 08. Oktober 2009 um 18:58 Uhr

    vermutlich wollen nicht alle mädchen ponyhofbücher?
    vermutlich wollen auch einige jungs ponyhofbücher?
    vermutlich geht es einigen jungs auch am arsch vorbei, ob sich ulf einen schraubenzieher kaufen will?

    picasso hatte wohl auch eher interesse an dem ach so weiblichen malbuch als an ulfs schraubenzieher.
    und birgit prinz war wohl auch eher an fußball interessiert als an den glitzerstrumpfhosen irgendwelcher meerjungfrauen.

    trotzdem wären die beiden in schubladen gesteckt worden (die werden nicht gewittert sondern auf dem präsentierteller serviert: schublade/buch #1: jungen, schublade/buch #2: mädchen): prinz in die „weibliche“ (und hätte sich mit prinzessinnendiktaten rumplagen müssen) und picasso in die „männliche“ – der hätte sich dann um ulfs bauhelm kümmern dürfen, was ihn wohl bestimmt totaaaal begeistert hätte. bestimmt viel mehr als diese ach so weiblichen malbücher…
    so viel zur welt von jungens und unrreal/real.

    mein neffe mag übrigens ponys.
    mein bruder findet fußball zum kotzen.
    mein freund kann mit bauarbeitern nix anfangen.
    ich interessiere mich nen scheißdreck für meerjungfrauen (war auch schon immer so).
    meine freundin hat von schminke schon ihr leben lang nichts gehalten.
    meine mutter hält pferde für grausliche tiere.
    meine kusine ist kfz-mechanikerin, hat schon als kind an autos, fahrrädern und allem was sie finden konnte rumgeschraubt.

    aber wahrscheibnlich haben die einfach nicht die „reale lebenswelt von jungen/mädchen“ (gehabt), wie du sie dir vorstellst.

  13. 13 earendil 08. Oktober 2009 um 20:17 Uhr

    Btw, werden Malbücher heutzutage der Mädchensphäre zugeordnet? Oder nur bestimmte? War in meiner Kindheit nämlich definitiv nicht so.

  14. 14 dodo 09. Oktober 2009 um 0:53 Uhr

    bei mir auch nicht, aber wenn die böse fußball-anne durch ein malbuch wieder zum mädchen wird, ist das ja anscheinend was „weibliches“.

  15. 15 Zarah White 09. Oktober 2009 um 11:27 Uhr

    @ und du nimmst einach deine „erfahrungswelt“ bzw die deiner Verwandten und postuliers diese als Realität (auch Schublade)
    sie ist aber nur ein teil davon genau, wie die „4 Bauarbeiter“

    Ich hate nicht geschrieben das alle Jungs keine Ponybücher mögen ?

    Wenn alle sowieso anders sind, warum darf dann für einen teil der anderen nicht „nur für Jungs“ draufstehen ? Wenn man gezielt Jungens ansprechen will, ist es vielleicht nützlich das auch zu schreiben ?

    Im übrigen ist doch Feminismus die Ideologie die das Etikett „nur für Frauen“ ( eigentlich „nicht für Männer und Jungs“ )
    „erfunden“ hat. Wieso regen sie sich jetzt darüber auf ?

  16. 16 dodo 09. Oktober 2009 um 20:27 Uhr

    nun – weder birgit prinz noch picasso gehören zu meinem persönlichen bekanntenkreis.
    überall auf der welt findest du egnug beispiele, die ich auch hätte zitieren können.
    und wenn wir uns einig sind, daß es auch jungs gibt, die ponies mögen, dann wäre es wohl sinnvoller, ein „ponylernbuch“ rauszugeben. dann würden sich, um mal bei dem beispiel zu bleiben, ponyliebende jungs auch nicht ausgeschlossen fühlen, wenn es nur in dem mädchenlernbuch um ponies geht. und mädels, die mit ponys null anfangen können, könnten sich stattdessen das sport-, meerjungfrauen- oder seeräuberlernbuch schnappen.

    zum letzten absatz von dir sag ich jetzt mal nix. das ist nämlich nicht nur ein beweis, daß du von feminismus keine ahnung hast, sondern auch generell murks.

  17. 17 illith 09. Oktober 2009 um 21:28 Uhr

    dodo, das ist ne tolle idee! :]

  18. 18 Herr Hallmackenreuther 19. Oktober 2009 um 11:35 Uhr

    Es gibt Bücher für Mädchen und Jungen (nicht gleichzeitig, sondern getrennt), keinen regt das auf.

    Es erscheint logisch, auch Schulbücher nach Geschlechtern getrennt zu haben.

    Allerdings sehe ich da noch ein Problem bei der politisch korrekten Formulierung der Aufgaben. Und wenn es erst geschlechterspezifische Schulbücher gibt, dann sicher auch bald migrationshintergrundspezifische Bücher. Ich finde, da gibt es eine Menge brauchbarer Ideen für Schulbücher. Ein paar Vorschläge:

    Themenkomplex Biologie: „Ayse, Nuray und Gülcan entdecken die Geschlechtlichkeit“.

    Jungengerechte Mathematik im Grundschulalter: „Kevin und sein Freund Timm gehen zum Fussball. Dabei kommt es zu einer Prügelei mit migrationshintergrundgeprägten Hooligans. Kevin schlägt einem Hooligan drei Zähne aus, Timm fünf. Wieviele ausgeschlagene Zähne sind das zusammen?“

    Ausgeschlagene Zähne könnte man in höheren Klassen wunderbar unter dem Mikroskop untersuchen. Praxisnaher Unterricht!

    Deutsch, ein Aufsatzthema: „Anna aus unserer Geschichte von Seite… wollte nicht mit Puppen spielen. Schreibe in Deinem Aufsatz, warum sie lieber mit Jungssachen spielen wollte und male das Bild, dass sie mit ihrer Freundin im Malbuch gesehen hat.“

    Ob ich Schulbuchautor werden sollte?

  19. 19 spieltrieb 27. November 2009 um 0:23 Uhr

    Ich denke, dass der Grund für diese Bücher war, dass Diktate/Aufgaben etc. in Grundschulen meist mädchentypische Texte behandeln. Man geht davon aus, dass dies Jungs benachteiligt. So gibt es zum Beispiel kaum Diktate mit naturwissenschaftlichen Themen, obwohl bekannt ist, dass Jungen sich bei Büchern sehr viel mehr für diese interessieren als für Romane. Diese sind für Mädchen anziehender.

    Die Lösung des Verlags (leider eine unglückliche) war zwei verschiedene Bücher rauszubringen, eins für Mädchen, eins zu jungs. Eine gute Lösung wäre es gewesen, entweder abwechselnd z.B. Diktate zu wählen, die Jungen vom Thema her eher interessieren und Diktate zu wählen, die Mädchen vom Thema her interessieren. Alterativ natürlich geschlechtsneutrale Texte.

  1. 1 PONS über wilde Jungs und brave Mädchen | emptysignifier | The Weblog of Jacob Fricke Pingback am 07. Oktober 2009 um 17:08 Uhr

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