Statistik und (feministische) Kritik

Im Ramen des Sex War-threads hat sich eine Nebendiskussion zum Thema (Repräsentativität von) Statistiken entwickelt, die mittlerweile gar nichts mehr mit dem Ausgangsthema zu tun hat und aus jedem anderen Anlaß genauso geführt werden könnte. Ich lagere daher diese Diskussion zwecks Fokussierung der dortigen Diskussion auf die dortige Ausgangsfrage hierher aus.

Thiel Schweiger – 17. Oktober 2009 um 13:30 Uhr

[…]
Portale wie „sklavenzentrale.com“ sind ja größtenteils öffentlich einsehbar. Das nur mal als kleiner Hinweis, da ja auch von dir wiederholt das Argument kam, die SM-Szene würde sich irgendwie abschotten und „heikle“ Themen nur intern diskutieren. Du kannst dir ja mal einen Account zulegen und selbst Nachforschungen betreiben, falls du misstrauisch bist.

Mirabella – 17. Oktober 2009 um 15:03 Uhr

„Portale wie „sklavenzentrale.com“ sind ja größtenteils öffentlich einsehbar. Das nur mal als kleiner Hinweis, da ja auch von dir wiederholt das Argument kam, die SM-Szene würde sich irgendwie abschotten und „heikle“ Themen nur intern diskutieren. Du kannst dir ja mal einen Account zulegen und selbst Nachforschungen betreiben, falls du misstrauisch bist.“

Ich würde aber nicht unbedingt zur Sklavenzentrale raten, da sich dort auch überdurchschnittlich viele Idioten herumtreiben und so ein wirklich falscher Einruck entstehen kann.
Was vielleicht interessant ist (auch im Bezug woher kommen die Neigungen), ist die smjg

Thiel Schweiger – 17. Oktober 2009 um 15:25 Uhr

„Ich würde aber nicht unbedingt zur Sklavenzentrale raten, da sich dort auch überdurchschnittlich viele Idioten herumtreiben und so ein wirklich falscher Einruck entstehen kann.“

Naja, es ist halt zahlenmäßig äußerst repräsentativ. Aber natürlich gibt es noch andere Quellen.
Ich gebe dir im übrigen in deiner Einschätzung recht.

l – 17. Oktober 2009 um 15:44 Uhr

Ich gebe dir im übrigen in deiner Einschätzung recht.

dass sich bei der einen plattform überdurchschnittlich viele Idioten herumtreiben? diese plattform aber zahlenmäßig äußerst repräsentativ ist?
OK, thiel. das ist ja mal ne auskunft.

Thiel Schweiger – 18. Oktober 2009 um 14:03 Uhr

„dass sich bei der einen plattform überdurchschnittlich viele Idioten herumtreiben? diese plattform aber zahlenmäßig äußerst repräsentativ ist?
OK, thiel. das ist ja mal ne auskunft.“

Meine Güte, es ist halt das größte SM-Portal im deutschsprachigen Raum. Die SMJG ist z.B. nicht repräsentativ, weil sie sich dezidiert nur als Vereinigung junger SMer (unter 27) versteht, die meisten aber älter sind. Idioten sind in der sz viele unterwegs: ja. Liegt wohl auch daran, dass das Portal so groß ist.

anmerkung – 18. Oktober 2009 um 17:42 Uhr

@thiel:

1. die verwendest das wort „repräsentativ“ falsch. normalerweise heißt das, dass man ergebnisse auf eine grundgesamtheit übertragen kann. das hieße in diesem zusammenhang, dass, wenn die sz repräsentativ ist für bdsm, sich insgesamt „überdurchschnittlich viele Idioten“ im bdsm-bereich herumtreiben.
2. auch wenn viele mitglieder vorhanden sind („zahlenmäßig äußerst repräsentativ“), ist das noch lange kein garant für repräsentativität. viele datensätze können nicht-repräsentativität nicht ausgleichen. ich sehe überhaupt nicht, wieso die sz repräsentativ sein sollte für bdsm-liebhaber im gesamten.
3. die sz steht nur für die sz. eine repräsentative stichprobe aus der sz lässt sich nur auf eine grundgesamtheit übertragen: die sz.

Die SMJG ist z.B. nicht repräsentativ

das gleiche hier: eine zufallsstichprobe vom smjg-mitgliedern ist sehr wohl repräsentativ, nämlich für smjg-mitglieder.
wenn du repräsentative daten über bdsm unter deutschen willst, solltest du eine bundesweite umfrage, auf zufallsstrichprobe basierend, initiieren.
(4. das vorliegen repräsentativer daten lässt keinen schluss auf einzelne „datenträger“ zu. „der durchschnittliche xxxxx“ ist ein konstrukt. der versuch, den durchschnitt auf ein individuum zu übertragen (was heißt: die besonderheiten, die jeder mensch hat, zu ignorieren), sollte, wann immer angetroffen, kritisiert werden. und es ist kein zufall, dass adorno das stellenangebot von lazarsfeld ausgeschlagen hat.)
eine bitte, thiel: schau in ein einführendes buch zur empirischen sozialforschung. und dann verwende den begriff repräsentativ nur mehr, wenn es auch wirklich zutrifft. denn dein bisheriges unqualifiziertes geschreibsel dazu erweckt bei mitlesern, die sich ebensowenig auskennen, den eindruck, der unter 1. festgehalten ist: dass sich insgesamt „überdurchschnittlich viele Idioten“ im bdsm-bereich herumtreiben“.

TaP – 18. Oktober 2009 um 17:52 Uhrn.n. – 18. Oktober 2009 um 20:16 Uhr

Ich schlage vor, den Ausdruck fortan nur noch für ex-linke Sittenwächter wie TaP verwenden :)>-

earendil – 19. Oktober 2009 um 13:35 Uhr

@Lahma:

„dass sich bei der einen plattform überdurchschnittlich viele Idioten herumtreiben? diese plattform aber zahlenmäßig äußerst repräsentativ ist?
OK, thiel. das ist ja mal ne auskunft.“

Mein Gott, in der Gesellschaft treiben sich halt allgemein überdurchschnittlich viel Idioten rum. Kann mir nicht vorstellen, dass dir das noch nie aufgefallen ist.

l – 19. Oktober 2009 um 14:03 Uhr

ich teile das:
http://maedchenblog.blogsport.de/?p=639#comment-33020 [= anmerkung 18. Oktober 2009 um 17:42 Uhr, TaP]
„überdurchschnittlich“ impliziert übrigens: über einem anderen „idioten“-durchschnitt liegend. und welcher „idioten“-durchschnitt ist das, der da überstiegen wird?

Mein Gott, in der Gesellschaft treiben sich halt allgemein überdurchschnittlich viel Idioten rum.

überdurchnittlich verglichen zu welchem durchschnitt? überdurchschnittlich im vergleich zu earendils clique und deren „idioten“-durchschnitt, oder was?

überlegt doch einfach mal kurz, ob das sinn macht, was ihr da schreibt.

earendil – 19. Oktober 2009 um 14:10 Uhr

@Lahma:

überlegt doch einfach mal kurz, ob das sinn macht, was ihr da schreibt.

Hast ja recht. :“>
Streich halt das „überdurchschnittlich“ aus meinem Satz, dann geht’s schon.
Und so sehr viel sinnvoller war das, was ich von dir zitiert habe, ja nun auch nicht. :p

l – 19. Oktober 2009 um 14:23 Uhr

du hast nicht verstanden, was ich an thiels aussage kritisiert habe.

dass sich bei der einen plattform überdurchschnittlich viele Idioten herumtreiben? diese plattform aber zahlenmäßig äußerst repräsentativ ist?

das ist die zusammenfassung des unhaltbaren quatschs, der von thiel verbreitet wird. zumindest implizit kommt’s so raus, als wollte thiel sagen: im bds-bereich noch mehr „idioten“ als durchschnittlich in der gesellschaft anzutreffen. im zusammenhang hiermit:
durch sein repräsentationsgerede erweckt er den eindruck, dass sich sz-daten (überdurchschnittlich viele „idioten“) auf die grundgesamtheit „bdsm-fans“ übertragen ließen. also sich insgesamt unter bdsm-fans überdurchschnittlich viele „idioten“ finden lassen.
ich nehme nicht an, dass thiel überhaupt selber checkt, was er da verbreitet. daher habe ich ihn dezent darauf hingewiesen. aber vllt täusche ich mich und er will wirklich zum ausdruck bringen, dass der bdsm-bereich übermäßig viele „idioten“ anzieht. auch möglich.

earendil – 19. Oktober 2009 um 15:14 Uhr

@Lahma:

zumindest implizit kommt’s so raus, als wollte thiel sagen: im bds-bereich noch mehr „idioten“ als durchschnittlich in der gesellschaft anzutreffen.

Nö, das liest du nur hinein. (Daher meine Bemerkung.) Ich hab das so verstanden: Bei der Sklavenzentrale gibt’s ne Menge Idioten, aber das scheint schon einen korrekten Eindruck der BDSM-Szene insgesamt zu vermitteln, weil – nun mein Hineinlesen – die Gesellschaft allgemein voller Idioten ist, und da die BDSM-Szene Teil derselben ist, ist auch da nichts anderes zu erwarten. Was „überdurchschnittlich“ und „repräsentativ“ betrifft, so vermute ich, dass die Begriffe auch bei Thiel ziemlich unreflektiert gebraucht wurden und keine wissenschaftlich haltbaren Aussagen darstellen sollten. Du könntest auch noch über den unreflektierten Gebrauch des Wortes „Idioten“ herziehen, Psychiatrisierung und so. Halte ich aber für verzichtbar.

Thiel Schweiger – 19. Oktober 2009 um 15:30 Uhr

@ Anmerkung:

Danke für deine Anmerkungen.
Was ich sagen wollte war eigentlich nur: auf der SZ tummeln sich einfach extrem viele SMer, deswegen ist die Stichprobe besonders groß. Gegenwärtig existieren 134324 Profile. In seiner Studie „SM-Sexualität“ (Gießen 2006) schätzt (!!) Norbert Elb die gesamte SM-Subkultur auf nicht viel mehr Angehörige.
Die Aussage ob sich dort überdurchschnittlich viele Idioten herumtreiben oder nicht ist ohnehin wissenschaftlich so nicht überprüfbar. Zu fragen ist, wie hoch denn die durchschnittliche Idiotendichte in Internetportalen ist, wie man überhaupt den Begriff „Idiot“ definiert. Insofern also garnicht Ernst zu nehmen.
Was man halt feststellen kann, ist, dass das Diskussionniveau in den Foren teilweise extrem gering ist und oft nur in dummen Anpöbeleien und Wichtigtuereien enden. Aber das ist wohl nicht nur dort so.
Letztendlich ist die Frage natürlich, an welchen Informationen man interessiert ist. Wie viele dominante Frauen in der SZ angemeldet sind, kann man z.B. garnicht so ohne weiteres feststellen, da man in der Profilsuche nicht gezielt danach suchen kann. Aber ich denke, wenn einen interne Diskurse interessieren, kann man dort schon einiges Material finden. Für Informationen, z.B. lexikalischer Art, sind andere Seiten vllt besser.
Wenn man speziell Informationen über die jüngere SM-Szene möchte, ist die Seite der SMJG natürlich besser geeignet als die SZ.
(Finde diese Diskussion ehrlich gesagt reichlich nervig und haarspalterisch, will mich aber ungern als Idioten darstellen lassen.)

l – 19. Oktober 2009 um 15:35 Uhr

FALSCH. falsch gebraucht. – und dadurch wird genau das suggeriert, was ich ausgeführt habe. ich wiederhole mich jetzt nicht nochmal. ist mir zu dumm.

Du könntest auch noch über den unreflektierten Gebrauch des Wortes „Idioten“ herziehe

ja, man könnte schon mal benennen, was deren fehler ist, was sie denn zu „idioten“ macht.

n.n. – 19. Oktober 2009 um 15:43 Uhr

Das wird nicht suggeriert, wenn man kurz prüft, was er denn sinnvollerweise gemeint haben könnte. Anstatt sofort die ungünstigste Auslegung zu unterstellen (auch wenn diese dem Wortlaut nach am nächsten liegt). Die Kommentatorin lahmacun (oder?) hat das in anderen Fällen ähnlich gehandhabt, und das ist ein eher unsensibles Diskussionverhalten, was bereits bemängelt wurde.

TaP – 19. Oktober 2009 um 15:47 Uhr

@ „Idioten“

1. Mirabella schrieb: „Ich würde aber nicht unbedingt zur Sklavenzentrale raten, da sich dort auch überdurchschnittlich viele Idioten herumtreiben und so ein wirklich falscher Einruck entstehen kann.“
Dieser Satz besagt: Die „Sklavenzentrale“ sei nicht repräsentativ für die BDSM-Szene; es würde dort ein „falscher Eindruck stehen“.
2. Darauf antwortete Thiel: „Naja, es ist halt zahlenmäßig äußerst repräsentativ. […]. Ich gebe dir im übrigen in deiner Einschätzung recht.“
a) Wie anmerkung zutreffend angemerkt hat, garantiert eine große Anzahl nicht automatisch Repräsentativität.
b) Der Satz danach hat wörtlich genommen in dem Kontext überhaupt keinen Sinn: Angenommen, die „Sklavenzentrale“ sei tatsächlich repräsentativ für die BDSM-Szene (darum ging es bei Mirabella, nicht um die Gesellschaft insgesamt!) – wie Thiel (allerdings mit untriftiger Begründung) behauptet –, dann würden sich dort genau duchschnittlich viele „I.“ versammeln.
c) Gemeint gewesen sein könnte, daß es dort ziemliche viele „I.“ gibt; vielleicht tatsächlich mehr als im Durchschnitt der Gesamtgesellschaft – das geht aber aus Thiels Kommentar nicht klar hervor.
Das wäre dann jedenfalls ein negatives Urteil nicht nur über die „Sklavenzentrale“, sondern über die BDSM-Szene insgesamt – denn Thiel behauptet ja (wenn auch mit untriftiger Begründung) die Repräsentativität des Portals.
3. In einem späteren Kommentar schreibt Thiel: „Idioten sind in der sz viele unterwegs: ja. Liegt wohl auch daran, dass das Portal so groß ist.“
Auch diese beiden Sätze sind unklar. Sie schwanken zwischen:
a) Das Portal ist groß, also gibt es – einen durchschnittlichen „I.“-Anteil vorausgesetzt – auch (in absoluten Zahlen) viele „I.“.
und
b) der Andeutung weiterer Gründe („liegt wohl auch daran, …“) für die hohe Anzahl von „I.“. Gibt es solche weiteren Gründe, so gäbe es also überdurchschnittlich viele „I.“.
c) Tendenziell läßt sich noch eine elitäre Implikation vermuten: Nur in kleinen und feinen Gruppen lasse sich der I.-Anteil gering halten. – Eindeutig ist das aber in Anbetracht der sprachlichen Konfusion der Ausführungen nicht.
4. Tatsächlich gemeint ist wahrscheinlich nicht der Anteile der dummen (bzw. umgekehrt: schlauen) Leute, sondern der Anteil von Leuten, die irgendwelche von Mirabella und Thiel nicht geteilten Haltungen und Verhaltensweisen in Tag legen.
Haltungsfragen sind aber keine Fragen von Dummheit und Schlauheit; und Verhaltensfragen (von Thiel jetzt konkret genannt: Pöbeln) sind nur in den seltensten Fällen Fragen von Dummheit und Schlauheit. Deshalb werde ich – falls die Diskussion zu diesem Nebengleis jetzt nicht aufhört – alle Beiträge mit dem I.-Wort löschen.
Wer/welche meint, das I.-Wort sei im vorliegenden thematischen Zusammenhang tatsächlich treffend, kann ja einen neuen thread anfangen – am besten auf der eigenen Seite.

Thiel Schweiger – 19. Oktober 2009 um 15:54 Uhr

„ich nehme nicht an, dass thiel überhaupt selber checkt, was er da verbreitet. daher habe ich ihn dezent darauf hingewiesen. aber vllt täusche ich mich und er will wirklich zum ausdruck bringen, dass der bdsm-bereich übermäßig viele „idioten“ anzieht. auch möglich.“

Ja, ich habe mich in der Tat im Eifer des Gefechts blöd ausgedrückt, Fehler erkannt (s.o.).

l – 19. Oktober 2009 um 16:46 Uhr

@n.n.: es verdankt sich meiner pampigkeit, dass das hier als „bösartig auslegen“ verstanden wird – wohl i.s.v. sich gegen bdsm wendend. so war es nicht gemeint. ich finde mirabellas hinweis darauf, dass die sz nicht repräsentativ ist, wichtig.

@thiel: dasselbe.

von mir aus kann man alle meine repräsentativ-beiträge löschen.

Mirabella – 19. Oktober 2009 um 16:59 Uhr

Ich war die erste, die das mit den Idioten erwähnte und möchte daher nochmal kurz anmerken, wie ich das gemeint habe (bitte nicht gleich löschen!):
TaP hat in ihrem Punkt eins im Post zu dem Thema genau das geschrieben, was ich meinte.
Und als Idioten definiere ich eben die Menschen, die ein geringes Diskussionsniveau haben und sich auch dadurch auszeichnen, dass sie das Prinzip, was hinter BDSM steht nicht verstanden haben: Zum Beispiel eben solche Männer die sich damit brüsten, dass die Unterwerfung in der Natur der Frau läge und Menschen, die besonders das Sicher und Vernünftig laut eigener Aussagen wenig beachte…

n.n. – 19. Oktober 2009 um 17:00 Uhr

Du wendest dich ja nicht explizit gegen BDSM, sondern legst Thiels Aussagen einfach sehr ungünstig für ihn aus (ganz unabhängig vom Inhalt). Wie bei meinem Beispiel, bei dem eine empirische Aussage über Pronos gleich als normatives Gebot für Frauen ausgelegt wurde. Ich denke, dass – ganz abgesehen von der Pampigkeit, die ich Dir gar nicht unterstellen wollte – das nicht passiert wäre, wenn man dem/der AutorIn nicht die nachteiligste Ausage zuspricht, sondern auch andere Aussagen potenziell für möglich hält.

earendil – 19. Oktober 2009 um 17:09 Uhr

So, mal weg von der Idioten-Diskussion (lasst uns neue, alternative Formen von Diskussion entwickeln! ;) ): […].

l – 19. Oktober 2009 um 17:47 Uhr

das nicht passiert wäre, wenn man dem/der AutorIn nicht die nachteiligste Ausage zuspricht, sondern auch andere Aussagen potenziell für möglich hält.

was meinst du jetzt? schau: die aussage ist doch genau die, und das sagst du doch auch, wenn du sagst: vom wortlaut – und ich würde halt sagen: wortinhalt – her am naheliegendsten.
ich hab nicht nur nichts explizit gegen bdsm gesagt in diesem zusammenhang (und auch sonst nicht), sondern vielmehr darauf aufmerksam gemacht, dass man vorsichtig sein muss mit der verwendung „repräsentativ“. ich habe auch „anmerkung“ zugestimmt. auch wenn studien existieren würden, ist mit nem durchschnittswert, egal wie hoch oder niedrig, überhaupt nichts über einzelne ausgesagt, die einfach nichts für die anderen können. das ist ja der scheiss an solcher forschung, generell – unabhängig vom thema.
bei ner aussage wie: „die deutsche frau“ hat 1,47 kinder – da sieht man das sofort. keine frau der welt hat 1,47 kinder.

Wie bei meinem Beispiel, bei dem eine empirische Aussage über Pronos gleich als normatives Gebot für Frauen ausgelegt wurde.

ich kann mich ehrlich nicht erinnern.
dein vorwurf ist: ich würde es absichtlich anders lesen. na, was soll ich dazu sagen außer: nein, das stimmt nicht. und das kannst du mir jetzt glauben oder nicht.

n.n. – 19. Oktober 2009 um 18:03 Uhr

„das ist ja der scheiss an solcher forschung, generell – unabhängig vom thema.“

Das Problem liegt an der Interpretation und dem Umgang damit. Auch in diesem Fall wählst du einfach die ungünstigste Interpretation. Wenn die Aussage ein Durchschnittswert ist, dann können damit nicht die reale Anzahl von Kindern gemeint sein. Kein Problem für l, die hält dem Ergebnis genau das vor. Du interpretierst das Ergebnis der Forschung so, als ob diese sagen wollte das Frauen in Deutschland mit knapp ein- einhalb Kindern durch die Gegend laufen. JedeR weiß, dass das Unsinn ist.

„dein vorwurf ist: ich würde es absichtlich anders lesen. na, was soll ich dazu sagen außer: nein, das stimmt nicht. und das kannst du mir jetzt glauben oder nicht.“

Mein Vorwurf: Anstatt deine Interpretation einmal zu prüfen legst du gleich solche Vorwürfe auf den Tisch (dass Du dich dabei an der ungünstigsten Interpretation abbarbeitest führt dann dazu, dass dein Urteil meist sehr negativ ausfällt). Mein Vorschlag: Spiel einfach ein paar Interpretationen durch und schau dann einfach ob eube Alternative in Frage kommen könnte.

l – 19. Oktober 2009 um 18:31 Uhr

Wenn die Aussage ein Durchschnittswert ist, dann können damit nicht die reale Anzahl von Kindern gemeint sein. Kein Problem für l, die hält dem Ergebnis genau das vor.

ne, aber forschern, die das dann so in berichte schreiben. und das steht auch als kritik vermerkt in jedem besseren statistikbuch. denn der unsinn wird nicht zu keinem, nur weil (fast) alle wissen, dass es unsinn ist.

n.n. – 19. Oktober 2009 um 18:43 Uhr

Derartige Berichte, in dem einE ForscherIn tatsächlich behauptet es gäbe so etwas wie 0,4 Kinder kenne ich nicht. Ich bezweifle auch ernsthaft, dass es sie gibt. Es bleibt einfach witzlos oder bewusst bösartig die ungünstigste Interpretation herauszulesen um sich daran abzuarbeiten. Wenn etwas unsinnig anmuten sollte besteht die Möglichkeit, dass das nicht die Aussage ist. Versuch das einfach mal in deine Überlegungen miteinfließen zu lassen.
Der angesprochene BEitrag hieß übrigens „zwischen Porno und Prüderie“
(Dass einE JournalistIn evtl. aus dem Mittelwert eine vermeintlich reale Zahl wie 1,4 Kinder macht, das steht nicht nur in deinen besseren Statistikbüchern sondern auch in denen von Normalsterblichen. Muss man ja festhalten, dass nicht jeder so kluch ist, wie so einE ForscherIn.)

l – 19. Oktober 2009 um 18:50 Uhr

aber was ich sagen wollte, ist eigentlich was anderes. auch wenn das ergebnis 1 wäre, was ja möglich wäre, ist es ein konstrukt, das der realität mit all den unterschiedlichen menschen die rumspringen nicht gerecht wird. wie sich ein durchschnitt gestaltet, tut bei der beurteilung des einzelnen nichts zu sache.
ansonsten empfehle ich dazu die – immerhin ehrlich gehaltenen – ausführungen von kohl-unterstützerin noelle-neumann zB in „umfragen in der massengesellschaft“.

l – 19. Oktober 2009 um 19:18 Uhr

„tatsächlich“: die aussage „die deutsche frau hat 1,4 kinder“ ist falsch, weil es keine 0,4-er-kinder gibt, und sie wird nicht dadurch richtig, dass alle wissen, wie diese falsche aussage zustande kommt.
ansonsten ist doch einfach nur klar, was ich sagen wollte.

Muss man ja festhalten, dass nicht jeder so kluch ist, wie so einE ForscherIn

oh, und ich soll die bösartig-leserin sein? jaja. du bist es wohl gerade, die hier auf die 1,4 kinder losgeht und die eigentliche aussage ignoriert.

x% – 19. Oktober 2009 um 19:26 Uhr

Dass bei populärwissenschaftlichen Artikeln immer nur das arithmetische Mittel angegeben wird, hat schlicht damit zu tun, dass es die einzige statistische Größe ist, die sich bei Journalisten und Bevölkerung größerer Bekanntheit erfreut. Mit Angabe von Median, Modus, Streuung, Interquartilsabstand usw. ließe sich ja viel mehr aussagen. Dann sieht man z.B. auch, ob das arithmetische Mittel total selten vorkommt, weil sich die Werte nicht in der Mitte sondern an zwei Punkten konzentrieren. Man stelle sich vor, die große Mehrheit aller Frauen hätte keine Kinder, aber eine kleine Minderheit von religiösen Fanatikerinnen immer mehr als 5, dann würde ein arithmetisches Mittel wenig zur Beschreibung der Situation beitragen. Hinsichtlich Geburten wär also auch schlicht eine %-Übersicht á la x% haben keine Kinder, y% eines, z% zwei und der Rest mehr interssant. Grundsätzlich ist es jedenfalls nicht die Schuld irgendwelcher „Forscher“, dass Journalisten und Leser von Mainstreammedien von Statistik keine Ahnung haben, oder Ergebnisse absichtlich falsch verstehen um Anpassungsdruck zu erzeugen und reaktionäre Ideologien zu stützen.


11 Antworten auf “Statistik und (feministische) Kritik”


  1. 1 l 19. Oktober 2009 um 19:49 Uhr

    vielleicht mal ein forum anlegen? es gibt doch so gratis foren. oder einfach löschen als spam.
    off-topic isses, aber irgendwie auch kein eigener artikel fürs mädchenforum.
    ich bekenne mich auf jeden fall schuldig.

  2. 2 earendil 19. Oktober 2009 um 20:37 Uhr

    Och TaP, es ist doch nun wirklich nicht jeder Nebenstrang einer Diskussion es wert, eine Mini-Diss darüber zu verfassen…

  3. 3 TaP 19. Oktober 2009 um 20:46 Uhr

    Das könnt Ihr gerne unter Euch ausmachen; aber schüttet damit nicht den anderen thread zu.

  4. 4 n.n. 20. Oktober 2009 um 9:58 Uhr

    Das ist nur ein weiterer Ausdruck von TaPs mieser Diskussionskultur. Anfangs beschwert er sich noch über fehlende Moderation (will heißen: beschwert sich, das kritische Stimmen nicht entfernt werden) um dann durch das Eröffnen immer zahlreicher werdender Nebenstränge die eigene Position zu stärken. Wen wundert’s?

  5. 5 n.n. 20. Oktober 2009 um 10:14 Uhr

    So, jetzt nehme ich mir nochmal l’s „feministische Kritik“ vor:

    „aber was ich sagen wollte, ist eigentlich was anderes. auch wenn das ergebnis 1 wäre, was ja möglich wäre, ist es ein konstrukt, das der realität mit all den unterschiedlichen menschen die rumspringen nicht gerecht wird.“

    Nein, es wäre kein Konstrukt. Wenn wir den Mittelwert eines Samples berechnen und ein Ergebnis erhalten, dann ist das Ergebnis eben genau dieser Mittelwert. Das ist kein Kosntrukt, keine Erfindung oder sontwas, das ist dann wahrscheinlich das Ergebnis einer mathematischen Formel. Wenn Du dann wieder auf die Idee kommst, die Präsentation eines Mittelwerts sei die Behauptung, jede Frau hätte ein Kind, dann ist das einfach deine möglichst ungünstige Interpretation. Q.E.D.


    wie sich ein durchschnitt gestaltet, tut bei der beurteilung des einzelnen nichts zu sache.

    Möglich. Bietet aber Hinweise. Wie gesagt behauptet das auch niemand. Damit trifft deine feministische Kritik einfach in’s Leere.


    „tatsächlich“: die aussage „die deutsche frau hat 1,4 kinder“ ist falsch, weil es keine 0,4-er-kinder gibt, und sie wird nicht dadurch richtig, dass alle wissen, wie diese falsche aussage zustande kommt.“

    Nein, denn die Aussage ist nicht falsch. Wenn Du sie falsch interpretierst ist das erstmal Dein Problem.


    „ansonsten ist doch einfach nur klar, was ich sagen wollte.“

    Achso? Und jedeR andere muss sich auf l ihre böswillige Lesart einlassen nur sie selbst ist davor gefeit? Ich glaube kaum… (ernsthaft: Reflektier doch mal. Was soll denn das?).


    oh, und ich soll die bösartig-leserin sein?

    Damit Du mal ein Gefühl dafür bekommst, wie doof das anderen vorkommt wenn du das immer und grundsätzlich so betreibst ;)

  6. 6 l 20. Oktober 2009 um 10:38 Uhr

    >„feministische Kritik“

    lol

  7. 7 n.n. 20. Oktober 2009 um 10:49 Uhr

    Das ist ja jetzt erkenntlich ein Seitenhieb auf TaPs komische Moderation :)>-

  8. 8 l 20. Oktober 2009 um 11:12 Uhr

    Bietet aber Hinweise

    es lässt vermutungen bezogen auf den einzelnen mehr oder weniger plausibel erscheinen – und das war’s auch schon.

    wenn der durchschnittsdeutsche nen hohen nationalismus-wert hat, lassen sich daraus keine „hinweise“ entnehmen darauf, dass du auch nationalistisch bist, n.n. es lässt sich lediglich eine vermutung formulieren, die aber zu prüfen ist statt dass man über n.n. hinwegurteilt.

    moralstatistik und repräsentativumfragen vermögen verblüffend zuverlässige angeben über alle zu machen, über die gruppe, über das aggregat, aber nicht über jeden. über die einzelnen wissen sie nichts, die menschliche persönlichkeit betreffen sie nicht, sie bleibt ihnen entzogen. (umfragen in der massengesellschaft

    das war schlicht das, worin ich „anmerkung“ zugstimmt habe.

    und das „alle“ ist natürlich ein konstrukt, das auch regelmäßig leute auf einzelne übertragen:
    http://www.amazon.de/Trugschl%C3%BCsse-Statistik-Spannungsfeld-zwischen-Einzelfall/dp/3936142602
    http://www.vep-landau.de/Materialien.htm#3-933967-59-7
    das ist auch in lehre & forschung anzutreffen! es ist total ignorant so zu tun, als gäbe es diesen fehler in der forschung nicht!

    Wie gesagt behauptet das auch niemand.

    dann musst du auch nicht meiner zustimmung ad „anmerkung“ widersprechen. und so ein theater veranstalten.

    deine feministische Kritik

    feministisch? quatsch.

  9. 9 l 20. Oktober 2009 um 11:25 Uhr

    @n.n.: ah, ok. – also das letzte dann wegdenken.

  10. 10 Cymaphore 27. Oktober 2009 um 19:45 Uhr

    Hey, laut EMMA ist das allerschlimst-sexistischste der vergangenen Monate: (Polanski? Roland Koch? Satan??? Nein:) Die Piratenpartei. Ich will ja garnicht wissen welche Statistiken sie sich dort in der Redaktion dafür „schön“drehen mussten:

    http://bit.ly/4uMNob

  11. 11 n.n. 27. Oktober 2009 um 23:43 Uhr

    Allein deine Reaktion wäre Grund genug.

    @l:
    Entschuldige, dass ich dich hier vergessen hatte. Der Hauptfeind war schuld.

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