Es ist wieder so weit…

… Menstruationshüttenzeit.

Wie schon im Vorjahr wird in Wien ein Zelt für menstruierende Frauen aufgestellt. Esoterik, Raucherstäbchen und Teelichter inklusive.
Ich bin zwar selbst Freundin von „menstrual activism“, verstehe nur, wie auch schon im Vorjahr, nicht wie ich durch ein bisschen Blut und Bauchkrämpfen zu „Wonder Women“ werden soll.
Solche Bewusstseinszustände würden sich bei mir wohl erst nach einer Überdosis „Buscopan“ einstellen.
Tabu Periode brechen ok, „Frauen ihrer zyklischen Natur und ihrem schöpferischen Potential näher bringen“, nein Danke.


18 Antworten auf “Es ist wieder so weit…”


  1. 1 stadtpiratin 06. November 2009 um 15:16 Uhr

    diese form der aufmerksamkeit für die gute alte menstruation ist doch ziemlich gruselig. selbstverständlich sollte das alles normal sein, die blutstropfen mit tee und räucherstäbchen zu zelebrieren kommt dann doch eher seltsam. ich kenne den hintergrund der aktion zwar nicht, klingt aber eher nach esoterischem krimskrams als nach feminismus.

  2. 2 posiputt 06. November 2009 um 15:50 Uhr

    stadtpiratin: ack

  3. 3 dodo 06. November 2009 um 16:59 Uhr

    ich bin immer noch derselben meinung wie beim letzten mal, als das thematisiert wurde: wieso nicht?
    mein fall wär das auch nicht, aber wenn es für manche frauen ein weg ist, ihre menstruation zu schätzen statt als eklig oder krankheit oder wasweißich abzulehnen, woliegt das problem?
    es wird einem ja immer aufgedrängt, den zyklus zu ignorieren (nicht meckern, wenns einem wegen der tage schlecht geht, möglichst den ganzen kram, was damit zu tun hat, ignorieren,…) und wenn manche eben büschn tee und hütte und buhei möchten, um erstmal was über die vorgänge in sich rauszufinden, ja mei, wieso denn nicht.
    ursprünglich waren menstruationshütten ja auch als rückzugsort gedacht (bevor das patriarchat es zur isolationshütte machte).
    manche müssen das tabu erstmal sich selbst gegenüber brechen oder sich überhaupt erstmal damit beschäftigen – und wenn das in einem (für sie) positiven umfeld mit räucherkerzen und kräutertee passiert statt wie gewohnt in klinisch-verklemmter atmosphäre, kann das für manche eine positive erfahrung im sinne von empowerment sein. und wenn man entdeckt, daß etwas, das lange ein tabu für einen war, auch positiv oder relaxed gesehen werden kann, dann kann ich mir vorstellen, daß man sich ein bißchen befreit, oder eben von mir aus wie „wonder woman“ fühlt.
    mir wär der ganze eso-zirkus zwar zu viel, aber wenn manchen das liegt…? die einen malen mit periodenblut anarchistische bilder, die andern tröpfeln sich’s inen tee. ja, und? wer gern iner menstruationshütte sitzt, kann ja trotzdem feministische gadnken dazu haben.
    ich hab keine ahnung, was genau in dieser wiener hütte da genau abgeht, aber nur, weil ich persönlich es für mich nicht vorstellen könnte, heißt das noch lange nicht, daß deren weg kein geeigneter zugang zu tabubruch, body acceptance und feministischen ideen sein kann.
    nur weil man selber nicht verstehen kann, wieso das manchen was gibt, brauch man doch echt nicht so von oben herab urteilen.

  4. 4 blablubb 06. November 2009 um 17:21 Uhr

    „es wird einem ja immer aufgedrängt, den zyklus zu ignorieren (nicht meckern, wenns einem wegen der tage schlecht geht,“

    Also wenn jemand in meiner Nähe jeden Monat ein paar Tage „meckern“ würde, noch dazu wegen erstmal unabänderlichen Sachen dann würde mir das auf den Nerv fallen.

    Warum irgendeine ihre Periode „schätzen“ sollte seh ich auch nicht.

  5. 5 hustensaft 07. November 2009 um 0:28 Uhr

    ma kann das alles so oder anderes sehen. pille im langzyklus ist für mich die beste erfindung seit dem fahrrad. man könnte es in einem wort zusammenfassen: freiheit! da pfeif ich auf das annehmen und tabu brechen und die zyklische natur. apropos natur: es ist nicht alles prima, nur weil es natur ist. diese einstellung ist naiv.

  6. 6 dodo 07. November 2009 um 0:46 Uhr

    sagt ja auch niemand???

    blablubb: du mußt nicht das worst case szenario rausziehen. manche frauen fühlen sich während ihrer tage halt mal scheiße und auch wenn generelle rücksichtnahme („nicht meckern“) ja ne tolle sache ist, wird überall suggeriert, daß man ja bloß nicht sagen soll, daß es an der periode liegt, wenn man schlecht drauf ist – weil dann „hat sie halt ihre tage höhö“ und das braucht man ja eh nicht ernst nehmen.
    also am besten verstecken, so tun als ob nichts wäre, damit man auch ja schön brav funktioniert.
    ist das dann toll?

    und es gibt viele gute gründe, wieso es echt nicht schlecht ist, seine periode zu mögen. die mögen nicht für alle zutreffen, und wenn wer ihre menstruation lieber ignorieren möchte, na, auch gut. aber eben jeder das ihre.
    ich mag sie beispielsweise. ich mag es, die abläufe in meinem körper zu spüren, was da in bewegung ist, wie es sich anfühlt,… ich mag es generell, zu spüren, wie mein körper funktioniert, auch innerlich – bei der menstruation, beim sex,… es erinnert mich daran was für ein komplexes gebäude das ist, wie alles aufeinander abgestimmt ist und daß mein körper etwas tolles und was ganz eigenes, persönliches ist, das nicht nur zu arbeit, diäten, angegafft werden und was einem sonst noch suggeriert wird, da ist.
    und meine tage mit wohlwollen zu betrachten hilft mir im übrigen dabei, mich zu entspannen und die krämpfe zu lösen.
    deshalb denke ich, es kann für frauen durchaus von vorteil sein, ihre periode schätzen zu lernen.

  7. 7 astronautin 07. November 2009 um 2:55 Uhr

    Ich denke auch, die Menstruation als etwas Negatives zu sehen, verschlimmert die Sache nur unnötig. Ich sehe sie ebenfalls als etwas Natürliches im positiven Sinne. Man kann das doch auch als Neuanfang sehen- das, was viele Leute zum Neujahr verspüren, kann frau jeden Monat haben! Man kann sich bspw. vorstellen, dass durch das Blut alle „Giftstoffe“ rausgespült werden- schlechte Gedanken, Wut etc.

    Alles hat seinen Kreislauf und ich will jetzt ja gar nicht anfangen, über die ganz großen Dinge wie Jahreszeiten zu quatschen, aber trotzdem sind das unabänderliche Fakten. Man kann sich darüber ärgern- aber ich finde, es gehört zum Frau-Sein dazu und es gehört individividuell zu mir- das zu verläugnen würde bedeuten, dass ich meinen Körper nicht akzeptiere.

    (Aber die meisten Frauen akzeptieren ja ihren Körper nicht so wie er ist- also basteln sie daran herum. Die Frage ist nur ob man dadurch glücklicher wird… das muss jede selbst wissen.)

    Zu dem Zelt: ob man das Menstruieren zelebrieren muss, weiß ich nicht, ich wöllte es nicht, aber ich find das keine schlechte Idee, um das Thema zu enttabuisieren. Wobei ich zugeben muss, dass mein erster Gedanke eher mit Isolation von „kranken“ Frauen verbunden war.

  8. 8 leonie 07. November 2009 um 13:48 Uhr

    Ich weiß wirklich nicht warum ich meine Gebärfunktion zelebrieren sollte, wenn ich jeden Monat wie eine Wahnsinnige versuche, diese natürliche Funktion meines Körpers zu unterbinden. Ich will nämlich gar nicht gebärfähig sein, monentan. Diese Funktion bringt mir also nur Stress ein, dank staatlichen Repressionen gleich doppelten.

    Das damit Wut oder Ärger weggespült werden, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, sorry aber ich bin Naturwissenschaftlerin! Auch sonst, komisch. Aber jede_r soll machen was er oder sie wollen.

    Was mich an diesen Tipis aber stört ist, dass sie Frauen auch auf ihre Gebärfunktion reduzieren und den schöpferischen Geist des weiblichen Körpers bejubeln wollen. Yeah!
    Ich bin Frau, ich mag meinen Körper, hab kein Problem damit Frau zu sein, selbst meine Tage finde ich nicht schlimm. Sie fangen an ich nehm ein Schmerzmittel, die Sache hat sich.
    Trotzdem will ich diesen Zustand nicht feiern, dass ist doch Selbstverarschung, es gibt tausend mal geiler Sachen die man befeiern kann.

    Die ganze Party hat ihre Ansätze in Differenzialfeminismus.
    Und ich stelle mich immer dagegen wenn frau nur durch ihren Uterus was ganz besonderes ist.

  9. 9 dodo 07. November 2009 um 16:11 Uhr

    aber wo wird denn da gesagt, daß frau nur wegen ihres uterus so toll ist?
    also, wie gesagt: ich hab keine ahnung, was da in diesem zelt so genau abgeht und für mich wärs auch nix – aber von reduzierung auf gebärfähigkeit seh ich bis jetzt nix.
    seinen schöpferischen geist bejubeln kann man sicher auch (und zwar nicht nur als frau) auf den vielfältigsten gebieten, aber wieso sollte die gebärfunktion da ausgeschlossen werden, nur weil man gefahr laufen könnte, des differenzfeminismus verdächtigt zu werden? ist doch doof.
    auch wenn’s für unsereins nix bedeutet, andere freuen sich drüber: juhu, ich kann papa werden, ist das nicht was schönes! juhu, ich kann mama werden, wie toll!
    den eigenen zyklus und die gebärfähigkeit kennenzulernen, zu untersuchen, genau darauf zu hören usw. hat ja auch vorteile zur gebärverhinderung. wer auf natürliche verhütung setzt, die tut gut daran, die funktionsweisen der menstruation inklusive gebärmutterschleim, persönlichem zyklus etc. gut zu kennen. und das hat dann sicher nix mit reduktion der frau auf die gebärfähigkeit zu tun. es ist ja auch eine menstruationshütte und kein geburts-tipi.
    und nicht jede frau, die ihre tage kriegt, kann kinder kriegen.

    wie gesagt, keine ahnung, was da in wien genau abgeht, kann auch voll der müll sein, wasweißich.
    aber nur weil in den 70ern ein paar eine auf „wilde, überlegene urmutter“ oder wasweißich gemacht haben, muß man nicht gleich alles, was einem auf den ersten blick ähnlich vorkommt, unter generalverdacht stellen.

    das mit dem „wut und ärger wegspülen“ ist eben auch eine psychologische sache. so wie es manchen leuten bei kopfweh (oder krämpfen oder sonstwas) hilft, sich vorzustellen, sie würden den schmerz „ausatmen“. das kann tatsächlich helfen, sich zu entspannen und den schmerz zu reduzieren, auch wenn’s der pharmaindustrie mal nix einbringt… das widerspricht auch den naturwissenschaften nicht.

    das alles sind halt methoden, die für manche ganz brauchbar sind, für manche nicht. ist eben jeder mensch anders.
    solang die dir nicht vorschreiben, du sollst deine buscopan gegen teelichter eintauschen, weil du sonst ne schlechte feministin wärst, finde ich es doof, denen vorzuwerfen, sie seien automatisch differenzfeministInnen, weil sie versuchen, inem lauschigen zelt ihrer menstruation was positives abzugewinnen.

  10. 10 illith 07. November 2009 um 22:11 Uhr

    wordy-word (mal wieder) an dodo. und in ansätzen an die astronautin

  11. 11 Guinivere 08. November 2009 um 10:30 Uhr

    Es gibt keinen Grund die Mens zu idealisieren, denn immerhin stinkt sowas doch ganz schön arg!

  12. 12 leonie 08. November 2009 um 12:57 Uhr

    #-o
    nee nicht idealisieren, aber ein cooler Umgang damit und dazu gehört dein Schrott ganz sicher nicht!
    „Sowas“, womit wohl Menstruationsblut gemeint, stinkt nämlich überhaupt nicht… werd erwachsen!

  13. 13 hustensaft 08. November 2009 um 13:00 Uhr

    „das alles sind halt methoden, die für manche ganz brauchbar sind, für manche nicht. ist eben jeder mensch anders.“

    ganz so einfach ist das nicht. wenn einige frauen sich öffentlich in diese hütte hocken, dann nehmen sie den rest der frauen quasi in geiselhaft.
    auch dem nicht hüttenden rest wird das fragwürdige image von hüttenhockerinnen – biologie gesteuert, immer ein zipperlein parat, kann man nicht ernst nehmen – am schuhwerk kleben bleiben. DAS finde ich extrem problematisch. hatte man früher schon, wo frau „unpässlich“ das haus nicht verließ.

  14. 14 laylah 09. November 2009 um 12:38 Uhr

    …und die juden sind schuld am antisemitismus. geh doch weg.

  15. 15 n.n. 09. November 2009 um 15:19 Uhr

    „mein fall wär das auch nicht, aber wenn es für manche frauen ein weg ist, ihre menstruation zu schätzen statt als eklig oder krankheit oder wasweißich abzulehnen, woliegt das problem?“

    Ich bin mir noch unsicher, meine Männlichkeit zelebriere ich auch am liebsten im Männerbund. Das bringt ja auch einige Vorteile mit sich, ist aber entsprechend problematisch.

  16. 16 kinky 10. November 2009 um 5:12 Uhr

    dodo 07. November 2009 um 0:46 Uhr
    und es gibt viele gute gründe, wieso es echt nicht schlecht ist, seine periode zu mögen. die mögen nicht für alle zutreffen, und wenn wer ihre menstruation lieber ignorieren möchte, na, auch gut. aber eben jeder das ihre.

    der spruch wird sicher nicht besser, wenn mensch ihn gendert…

  17. 17 Vanessa 14. Dezember 2009 um 9:47 Uhr

    Hallo,
    Also die Periode zu mögen wäre echt nicht schlecht. Und ich mag es auch meinen Körper zu spüren wie er sich entwickelt. Manchmal ist es zwar Langweilig, weil er grade nichts macht was man spüren kann. ;))

    „das alles sind halt methoden, die für manche ganz brauchbar sind, für manche nicht. ist eben jeder mensch anders.“

  1. 1 Maedchenmannschaft » Blog Archive » Menstruieren, demonstrieren, irritieren: Die Woche in Genderblogs Pingback am 06. November 2009 um 18:13 Uhr

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