Sizzla-Konzi Berlin: Keine Bühne für homophobe Mord-Propaganda!

Der homophobe Musiker Sizzla tourt mal wieder durch Deutschland – und am 26.11. gibt er Berlin die „Ehre“. Die Kulturbrauerei, wo das Konzert stattfinden soll, weigert sich, sich von Sizzla zu distanzieren. Erfreulicherweise ist es jetzt noch kurzfristig gelungen, eine Demo gegen die Verbreitung homophober Gewaltaufrufe durch Sizzla zu organisieren:

Smash Homophobia!

Keine Bühne für homophobe Mord-Propaganda!

Kein Sizzla-Konzert am 26.11.2009 in Berlin!

Am 26. November soll die Reggae-„Größe“ Sizzla in der Kulturbrauerei im Rahmen seiner Europa-Tournee auftreten. Sizzla ist bekannt für seine homosexuellenfeindlichen Texte. „Verbrennt die Männer, welche andere Männer von hinten reiten. Erschießt Perverse, meine große Pistole macht ‚bumm’“ heißt es u.a. in Sizzlas Song „Pump up“. Insgesamt 13 solcher „Battyman-Tunes“ hat er in seinem Repertoire. Amnesty International zitierte eine Aussage des Sängers bei einem Auftritt 2004 in Jamaika wie folgt: „Tötet sie, die Schwuchteln müssen durch Schüsse in den Kopf sterben.“

In der Vergangenheit führte dies unter anderem zur Indizierung von Sizzlas Album „Rastafari“ und der Absage seiner Europa-Tour 2005, da in Frankreich 13 von 14 Konzerten gecancelt wurden. Auch der Auftritt auf der „Summerjam“ im selben Jahr fiel aus, da er nicht auf schwulenfeindliche Äußerungen verzichten wollte. Sizzla hat daraufhin 2007 den „Reggae Compassionate Act“ (RCA) unterzeichnet und sich damit verpflichtet, zukünftig keine homophoben Inhalte mehr bei seinen Shows zu propagieren. Sizzlas Unterzeichung des „RCA“ belegt keine Wandlung seiner Einstellung gegenüber nicht-heterosexuellen Menschen. Es geht ihm um Geld! 2008 äußerte er sich in der „riddim“ nach einem Auftritt im Wuppertaler „U-Club“ wie folgt: „Bei einer Show wie heute Abend weiß ich, I have to just keep it clean. Bei einer Gangsta-Show in Jamaika erwartet man von dir, dass du härter rüberkommst.“. Weiterhin sagte er: „Selbst wenn wir singen, „kill Battyman“ dann ziehen wir nicht los und bringen Menschen um. Das ist kein Aufruf zur Gewalt. […] Doch die Bibel sagt, Homosexualität ist falsch, es ist ein Fluch.“. Die bloße Unterzeichnung eines Stückes Papiers ändert also noch lange keinen Menschen! Die Veranstalter_innen des Kesselhauses beziehen sich jedoch konsequent auf den von Sizzla unterschriebenen „RCA“ und haben angekündigt das Konzert unter allen Bedingungen durchzuführen. Für uns ist diese Entscheidung total inakzeptabel. Darum rufen wir für den 26. November zur Demo gegen das Sizzla-Konzert auf. Wir sehen darin die letzte Möglichkeit unserem Unverständnis und unserem Ärger gegenüber Leuten Luft zu machen, die anscheinend gern für Mord-Sänger eine Bühne bieten. Sizzla steht an diesem Abend lediglich beispielhaft für eine Vielzahl an Musiker_innen, die Homophobie propagieren. Wir verstehen die Demonstration darum nicht als ein bloßes Statement gegen Sizzla. Sie soll ein klares Zeichen gegen Sexismus, sowie Homo- und Transphobie in jeder Form sein. Die Texte Sizzlas sind widerwärtig und auch auf Jamaika haben es homo/transsexuelle Menschen schwer. Die Kritik daran darf allerdings nicht dazu herhalten die Verhältnisse hier schönzufärben. Homo- und Transphobie sind auch in Deutschland Alltag und keine Besonderheit vermeintlich „fremder Kulturen“. Am 26. November werden wir darum gegen jedwede Form von Diskriminierung auf die Straße gehen. Sagt euren Freund_innen bescheidet und kommt zur Demonstration.

Demonstration:

26. November 2009, 18.30 Uhr, S-Bhf. Schönhauser Allee

Mehr Infos hier.


11 Antworten auf “Sizzla-Konzi Berlin: Keine Bühne für homophobe Mord-Propaganda!”


  1. 1 uclubdichtmachen 23. November 2009 um 16:46 Uhr

    Auch in Wuppertal will Sizzla auftreten und dies direkt zwei mal in einer Woche. Denn das reguläre Konzert ist bereits ausverkauft. Es gibt dort auch Proteste und zwar zum einen gegen die Konzert, aber zum anderen auch gegen den Veranstalter selber. Den der wuppertaler U-Club macht häufig Konzerte mit Sängern wie Sizzla. Mehr Infos gibt es unter:
    uclubdichtmachen.blogsport.de

  2. 2 heidrun 23. November 2009 um 22:17 Uhr

    leider bin ich nich da. es kann gar nicht genug leute geben, die auf homophobe reggae/raggatexte aufmerksam machen. der großteil der leute hats ja immer noch nicht kapiert. auf einem die linke-fest vor 2 jahren oder so lief auch kram wie der chichiman-song rauf und runter und alle haben gekifft und sich gefreut. ich kann gar nicht sagen, wie mich das ankotzt, wie unkritisch speziell mit dieser musikrichtung (und der rastafari-religion) umgegangen wird.

  3. 3 frankenstein 24. November 2009 um 8:16 Uhr

    dass es homo/transsexuelle Menschen auch auf Jamaika „schwer haben“ ist aber ein bisschen untertrieben.

    http://www.youtube.com/watch?v=UZZFp-MzD-A

  4. 4 Fyahfidem 28. November 2009 um 17:52 Uhr

    Homosexuellen-Verbände und Politiker wollen seine Auftritte in Deutschland verhindern. Seine Fans wollen ihn hören und sehen. Was also macht man mit so einem in der toleranten Weltmetropole Berlin?

    Um eines klarzustellen: Hetze gegen Homosexuelle ist nicht zu akzeptieren, schon gar nicht, wo sie leider gerade bei Jugendlichen wieder in Mode zu kommen scheint. Sizzla, bürgerlich Miguel Collins, veröffentlicht Alben im Karnickeltakt, zwei davon sind in Deutschland auf dem Index, und wer das kreolische Kauderwelsch versteht, der hört auch, wie Sizzla Schwule ins Feuer wünscht und dergleichen mehr. Betrachtet man Sizzlas beachtliches Schaffen insgesamt, steht diese Thematik allerdings eher am Rand.

    Im Berliner Kesselhaus wollte man den Musiker auf Drängen des Lesben- und Schwulenverbandes dazu verpflichten, in seiner Heimat eine Anti-Schwulenhass-Kampagne zu starten, mit einer Sizzla-Videobotschaft, einer Sizzla-Broschüre, finanziert von Sizzla-Geld. Andernfalls würde der Auftritt abgesagt. Das hört sich politisch sehr korrekt an, grenzt aber an Erpressung. Schwuler Geschlechtsverkehr wird in Jamaika mit zehn Jahren Haft bestraft. Er würde gegen die Gesetze seines Landes verstoßen, ließ der Künstler mitteilen, wenn er das mitmacht, und ganz falsch liegt er damit wohl leider nicht. Sizzlas Botschaften, so scheußlich sie hier ankommen, sind in seiner Heimat Mainstream, in der Dancehall-Szene gehören sie – leider – zum kulturellen Komment. Von Herrn Collins zu erwarten, in Jamaika Schwulsein zu verteidigen, wäre in etwa so, wie vom Papst zu verlangen, sich mitten auf dem Petersplatz ein Kondom überzustreifen.

    Jetzt hat die Berliner Gay-Community ein überspanntes de-facto-Auftrittsverbot für den Mann durchgesetzt, obwohl niemand erwartet hat, Sizzla würde ausgerechnet hier seine homophoben Battyman-Tunes zum besten geben. Er ist, trotz allem, ein Künstler und kein Polit-Aktivist, den man bekämpfen muss. Draußen eine gute Demo, drinnen gute Musik – es hätte ein guter Berliner Abend werden können.

    Von Jost Müller-Neuhof (www.tagesspiegel.de)

  5. 5 frankenstein 29. November 2009 um 0:41 Uhr

    „Betrachtet man Sizzlas beachtliches Schaffen insgesamt, steht diese Thematik allerdings eher am Rand.“

    schön wenn er homosexuelle menschen „nebenbei“ ins feuer wünscht. dann ist es ja nicht so schlimm. schwamm drüber, ne

    „Er ist, trotz allem, ein Künstler und kein Polit-Aktivist, den man bekämpfen muss.“

    gut zu wissen, dass hetze nun unter künstlerische freiheit fällt und man „polit-aktivist“ sein muss, um in die kritik geraten zu können

    was fürn scheiß-artikel

  6. 6 medium 20. Februar 2010 um 16:25 Uhr

    Sorry Leute,

    wir haben das alle einfach nur falsch verstanden. Die gestrige Podiumsdiskussion im Münchner Backstage vor dem Konzert von T.O.K. hat mir die Augen geöffnet:
    http://medium.blogsport.de/2010/02/20/eine-oeffentliche-entschuldigung/

  7. 7 mysa 20. Februar 2010 um 17:54 Uhr

    Guck mal die „gay“-Folge Southpark du Pfeife!

  8. 8 kinky 26. April 2010 um 16:28 Uhr

    jetzt auch schon wieder zwei wochen her:
    ein interview mit gentlemen, gerade nr. 1 in den bundesdeutschen charts, wo er seinen kumpel sizzla verteidigt:
    „Ja, aber wir reden hier von einer anderen Kultur. Ich kann ja auch nicht Kondomautomaten im Vatikan aufstellen. Oder im Iran gegen Kopftücher protestieren. Genauso wenig kann ich etwas gegen die Homophobie auf Jamaika tun.“ […]
    http://www.taz.de/1/leben/musik/artikel/1/was-mich-stoert-ist-diese-doppelmoral/

  9. 9 frankenstein 26. April 2010 um 20:00 Uhr

    bei den dummdreisten kommentaren wünscht man sich bei taz auch eine vormoderation…

  10. 10 frankenstein 11. Mai 2010 um 17:52 Uhr

    nachdem gentleman durch sein interview in der taz in kritik geraten ist, will er nun zu einem runden tisch laden:

    http://www.laut.de/Homophobie-im-Reggae/Gentleman-laedt-zum-Runden-Tisch/14-04-2010

    „Wir werden demnächst einen Roundtable veranstalten, zu dem ich auch Volker Beck und einen Verantwortlichen vom Lesben- und Schwulenverband einladen werde. Ich bin alles andere als homophob und ich unterstütze keine Homophobie – auch nicht im Reggae.“

    ob das nun reine imagepflege ist oder er tatsächlich eingesehen hat, dass er im taz-interview unglaublichen müll von sich gegeben hat…

  1. 1 Pressespiegel zum Sizzla-Konzert « Hassmusik bei Media Markt – Kein Geld mit Sexismus, Homophobie, Nationalismus und Menschenverachtung! Pingback am 25. November 2009 um 13:54 Uhr

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