Das Mädchenblog hat jetzt eine Netiquette

Immer wieder werden von Mädchenblog-Leser_innen, -Kommentator_innen und -Schreiber_innen Unsicherheiten geäußert und Grundfragen angesprochen, wie Diskussionskultur auf einem feministischen Weblog stattfinden kann, welchen Rahmen sie bekommt und wo Grenzen sind. Nachstehend das vorläufige Ergebnis einer längeren, internen Diskussion der Mädchenblog-Autor_innen, welche Kommunikationsbasis wir uns wünschen und auf welche Art von schriftlichem Verhalten wir uns zukünftig nicht mehr einlassen werden. Anlass für unsere Netiquette waren regelrechte Flame-Wars in den Kommentaren, die sowohl inhaltlich als auch in ihrem „Tonfall“ zu einem Diskussionsklima geführt haben, das viele Nutzer_innen abgeschreckt und ermüdet hat. Mit diesen Leitlinien erleichtern und vereinheitlichen wir den Moderations-Stil des Blogs und machen für euch, die Nutzer_innen, transparent, auf welcher Basis das Mädchenblog steht.

Hier gibts sie komplett zu lesen: Netiquette (auch oben in der Navigationsleiste zu finde).


40 Antworten auf “Das Mädchenblog hat jetzt eine Netiquette”


  1. 1 n.n. 14. Dezember 2009 um 14:56 Uhr

    Ich hätte es schön gefunden, wenn deutlich gemacht worden wäre welche Richtlinen für Autorinnen und Autoren gelten. Diese Netiquette ist von der Ansprache her sehr auf die User hin ausgerichtet, im Sinne von Verhaltensnormen die sonst „von Oben“ sanktioniert werden. Als User wird man ein wenig im Unklaren darüber gelassen, an welche Anforderungen die Autorinnen und Autoren gebunden sind, was sie sich herausnehmen dürfen, an wen man sich wenden kann, wenn Autoren gegen de Richtlinien verstoßen usw.

  2. 2 Name (notwendig) 14. Dezember 2009 um 18:18 Uhr

    hey,

    kurze kleine konstrultive Anmerkung: Ihr seid mit eurer Nummerierung durcheinandergekommen. Ihr verweist mehrmals auf den Punkt 15. (insb. im zusammenhang mit Trollen) obwohl es nur bis 14. geht.

    Gruß

  3. 3 piep 14. Dezember 2009 um 19:35 Uhr

    ich finds gut.

    ich lese seit über einem jahr regelmäßig hier, habe noch nie was geschrieben weil ich keinen bock auf dieses zerfetzen in den comments hatte.
    danke.

  4. 4 sv 14. Dezember 2009 um 20:06 Uhr

    Ja, die Kommentare waren hier schon immer besonders fetzig!

  5. 5 QSymm 14. Dezember 2009 um 21:23 Uhr

    Hallo,

    ich finde es eine tolle Idee, eine Netiquette zu erstellen, die die Moderation transparenter macht.

    Zwei Dinge haben mich allerdings gestört:

    -In Punkt 4 heißt es: „Es besteht keine gemeinsame Basis, was eine Diskussion überflüssig macht.“

    Den Gedanken, sich hier nicht permanent mit FeminismushasserInnenn rumschlagen zu wollen, kann ich total verstehen, aber die zitierte Aussage finde ich schwierig. Im Allgemeinen denke ich schon, dass sich Diskussionen auch lohnen können, wenn die Sichten der Beteiligten sehr unterschiedlich sind. Nochmal: Keine Kritik am Inhalt von Punkt 4, aber an der sehr allgemeinen Aussage des zitierten Satzes.

    - In Punkt 7 heißt es: „Versuche, die Diskussion an sich zu reißen, sind nicht im Sinne des Mädchenblogs. Genausowenig väterliches „von oben herab“-Gehabe.“

    Auch hier habe ich keine inhaltliche Kritik an Punkt 7, aber an der Bezeichnung eines Verhaltens als „väterlich“. Ich finde, dass damit Stereotypen reproduziert werden. Man kann meines Erachtens das „väterlich“ ohne Verlust streichen.

    Viele Grüße und ein Lob und ein Dankeschön an die Menschen, die sich die Mühe gemacht haben, die Netiquette auszuarbeiten!

  6. 6 Maria 15. Dezember 2009 um 2:07 Uhr

    Ich lese auch schon fast 1 Jahr diesen Blog und glaube auch schon mal irgendwo kommentiert zu haben (zumindest wurde mein Name von diesem Blog wiedererkannt^^). Auch finde ich die Netiquette im Grundgedanken sehr gut. Bis auf folgendes Zitat, welches ich bereits kopiert hatte, bevor ich es in dem Beitrag über mir sah:

    „Es besteht keine gemeinsame Basis, was eine Diskussion überflüssig macht.“

    Die komplette Etiquette besteht also nur noch darin, eigenes Wissen bzw. eigene Meinungen untereinander abzunicken und zu bestätigen. So hört sich das für mich an.

    Wie gesagt: ich finde es irgendwie gut, dass ihr auch mal eine Netiquette einführt. Allerdings ist es auch schade, denn bisher war gerade die Radikalität dieses Blogs wirklich amüsant. Hier wurde gepöbelt, beschimpft, beleidigt und das immer mit Schmackes.

    Ich erinnere mich an eine längere Diskussion, wo sich ein Maskulist einschlich, der einige wirklich gute Argumente brachte und anstatt auf seine Argumente einzugehen, wurde er permanent nur beleidigt.
    Schade, dass diese Zeiten vorbei sind….

  7. 7 Nicolai 15. Dezember 2009 um 3:09 Uhr

    Ich finde „Islamophobie“ sollte in Absatz 0 ersatzlos gestrichen werden.

    Begründung:
    „Islamophobie“ pathologisiert Kritik an islamischen Religionen und ihren Begleiterscheinungen.
    Es ist aber wichtig, richtig und notwendig Religionen und Weltanschauungen (nicht nur) wegen ihres Antifeminismus zu kritisieren.

    Rassismus gegenüber (als solche wahrgenommene) Muslim_innen ist schon einwandfrei durch „Rassismus“ abgedeckt.

    Disclaimer:
    Immer schön an die Netiquette halten. Auch und gerade in Metadiskussionen über sie. :d

  8. 8 jk 15. Dezember 2009 um 8:22 Uhr

    Der Versuch sich für eine positive Diskussionskultur einzusetzen finde ich begrüßenswert. Was mich stört ist dass in der Netiquette genau solche Ausdrücke vorkommen die eigentlich durch sie verhindert werden sollen. „alltäglichen Scheiße“, „Teppich kotzt“.

  9. 9 earendil 15. Dezember 2009 um 9:25 Uhr

    Es ist gut, dass Islamophobie explizit genannt wird, gerade weil sie oft nicht als rassistisch erkannt wird. Sonst hätte man ja auch Antisemitismus weglassen können, ist auch schon von Rassismus abdedeckt. Gerade in Zeiten, in denen sich Islamophobie in verschiedenen Erscheinungsformen von Dresden bis in die Schweiz manifestiert, ist die Nennung wichtig.

    Die Gefahr, dass Religionskritik, auch solche am Islam, hier zensiert wird, halte ich für vernachlässigbar. :)

  10. 10 n.n. 15. Dezember 2009 um 9:57 Uhr

    Also wenn, dann würde es Sinn machen „Antisemtismus“ ebenfalls zu streichen. Antiziganismus wird schließlich auch nicht aufgeführt und im Zweifel werden alle drei Begriffe „einwandfrei“ von Rassismus abgedeckt.

  11. 11 Ich_habe_eine_Ismusphobie 15. Dezember 2009 um 13:32 Uhr

    Na denn ein Kommentar der absolut vollkommen erlaubt und sehr korrekt ist: „Ihr seid alle total knorke, voll dufte und ein bischen hipp. Ich mag alle Lebewesen, tote Materie, Energie in jeder Form, das Universum im allgemeinen und finde alles gut und richtig. Ausser die Pfuibösen Sachen die wo mit -ismus oder -phobie enden, die sind total schlimm.“

    Der Brückentroll

  12. 12 pip 15. Dezember 2009 um 20:16 Uhr

    @nn
    das ist doch quatsch, dass antisemitismus durch rassismus abgedeckt wird. rassismus -bzw. das was man darunter in europa versteht- läuft im allgemeinen nach dem muster ab, dass das gegenüber als minderwertig oder zumindest weniger „entwickelt“/modern wahrgenommen wird: zivilisation/kultur versus natur.
    bei antisemitismus dagegen wird die jüdische weltverschwörung herbeiphantasiert. der moderne antisemitismus ist im zuge der moderne entstanden, in einer zeit der umbrüche, zunehmender komplexer verhältnisse und voranschreitender globalisierung. um ein erklärungsmuster dafür zu finden, wurden all diese veränderungen „den juden“ zugeschrieben. „die juden“ sind quasi die hypermoderne und anti-natur.
    weiterer wichtiger unterschied ist der aspekt der vernichtung. beim rassismus muss das gegenüber nicht (geplant) vernichtet werden, da es zumeist nicht als existenzielle gefahr wahrgenommen wird. die als anders wahrgenommenen müssen also nur gebändigt/“nach hause geschickt“/untertan gemacht werden. in einem geschlossenen antisemitischen weltbild dagegen werden juden als eine gefahr gegen die ganzen menschheit wahrgenommen, da sie die weltherrschaft anstrebten und große macht, ressourcen und intelligenz vorzuweisen hätten. der elimentatorische antisemitismus ist sozusagen nur „konsequent“.

    @nicolau: ja das seh ich genauso, umso mehr, wenn man sich die entstehungsgeschichte des begriffs anschaut.

  13. 13 l 15. Dezember 2009 um 23:03 Uhr

    der moderne antisemitismus ist im zuge der moderne entstanden, in einer zeit der umbrüche, zunehmender komplexer verhältnisse und voranschreitender globalisierung.

    rassismus, sexismus, psychiatrie u.v.a.m. auch. das ist also kein unterscheidungsmerkmal. oder meinste das gab’s immer schon? ne. alles zur gleichen zeit entstanden.

    Die Wissenschaft vom Menschen drang seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert von der Betrachtung der Körperoberfläche immer mehr ins Innere des Körpers vor und schrieb jene soziokulturellen Hierarchien zwischen ‚Männern’ und ‚Frauen’, ‚Gesunden’ und ‚Irren’, ‚Normalen’ und devianten ‚Kriminellen’, ‚Zivilisierten’ und ‚Wilden’, ‚Schwarzen’, ‚Juden’ und ‚Nicht-Juden’ in die Strukturen des Körpers ein, die sie dann dort zu ‚entdecken’ glaubten. (Planert, Ute (2000): Der dreifache Körper des Volkes: Sexualität, Biopolitik und die Wissenschaften vom Leben. In: Frevert, Ute (Hg): Geschichte und Gesellschaft, Themenheft „Körpergeschichte“, Heft 4/2000, S. 539-576.

    weiterer wichtiger unterschied ist der aspekt der vernichtung. beim rassismus muss das gegenüber nicht (geplant) vernichtet werden, da es zumeist nicht als existenzielle gefahr wahrgenommen wird.

    das stimmt nicht (und du gibst das auch selber zu, wenn du zumeist schreibst). das ist weder empirisch zu halten (rassismus hat sich immer wieder in massenmorden zugespitzt), noch der innewohnenden logik nach. oder was ist mit den überall zu ortenden „islamischen schläfern“? sie sind „unter uns“! sind das nicht auch „(beinahe) unsichtbare feinde“? und: die türkenbelagerung, an die im diskurs immer wieder angeknüpft wird als „warnung“ – kommt da die wahrnehmung „existenzieller gefahr“ zum ausdruck? „wir“ werden doch mit „kopftuchmädchen“ überschwemmt! deutschland wird unterwandert und geflutet.
    und was ist mit denen, die heute den koran lesen und lesen – wie früher die antisemitischen bibelleser die bibel lasen und lasen?
    da werden hinterlistige unterwanderungsmethoden offengelegt! man kann’s kaum glauben!

    zudem:
    wenn zB schwarze eh so „minderwertig“ sind, warum hat man sie bevormundet und versklavt und ermordet? man hätte sie gleichbehandeln können – es hätte sich dann, nun rassistisch gedacht, eh nur die unterlegenheit zeigen können. so „minderwertig“ wie die sind, kann man die doch eh rumspringen lassen, diese halben kinder.

    man findet überall hier bedrohungsszenarios. (auch beim sexismus, frauen allerdings „ausmerzen“ kann sich keine nation leisten; aber sterilisation eines nicht geringen teils: ja …)

    die als anders wahrgenommenen müssen also nur gebändigt/“nach hause geschickt“/untertan gemacht werden.

    was meinst du? den von deutschen verübten genozid im kongo? oder die raserei in ruanda? oder wenn der nazi x im örtchen x wieder mal nen „fremdrassigen“ erschlägt? ist da dann nur was beim „nur untertan-machen“ falsch gelaufen?

  14. 14 l 15. Dezember 2009 um 23:06 Uhr

    ich muss ehrlich sagen:

    die als anders wahrgenommenen müssen also nur gebändigt/“nach hause geschickt“/untertan gemacht werden.

    sowas widert mich an!

  15. 15 pip 16. Dezember 2009 um 1:57 Uhr

    das haste falsch verstanden, das sollte die logik des rassismus wiedergegeben. ich hab auch versucht, noch anführungszeichen (zb. bei „nur“) dazuzumachen, als ich mir den beitrag nochmal durchgelesen habe, aber lies sich leider nicht mehr ändern, weil der kommentar dann nicht mehr sichtbar war (weil erstmal moderiert). ich will damit auch keine hierarchie zwischen diesen unterdrückungsmechanismen aufmachen, finde aber schon, dass (europäischer) rassismus und antisemitismus unterschiedlich sind (und ja es gab zb. ruanda, aber trotzdem ist die akribisch und langfrisitg geplante judenvernichtung mit über 6millionen juden als konsequenz in meinen augen etwas anderes)

  16. 16 earendil 16. Dezember 2009 um 9:26 Uhr

    den von deutschen verübten genozid im kongo?

    Waren das nicht die Belgier?

  17. 17 Marcie 16. Dezember 2009 um 9:34 Uhr

    Netiquette?
    Heißt das, fäkalfetischistische Bonmots wie „kackscheiße“ bleiben uns in Zukunft erspart?

  18. 18 l 16. Dezember 2009 um 13:45 Uhr

    @e: doch. ich sollte nicht mehr in diesen zuständen posten. :((

  19. 19 n.n. 16. Dezember 2009 um 14:03 Uhr

    @ pip:

    Ja, und? Warum soll man wegen dem was du da dahererzählst (inklusive der steilen Mutmaßungen und der Fehler die dir l nachgewiesen hat) jetzt Islamophobie herausstreichen? Etwa wegen der Entstehungsgeschichte? Das würde ich nochmal prüfen, beim Antisemitismus scheint dir die Tatsache, wann der entstand, auch ungemein wichtig und trotzdem machst du da einen Fehler nach dem anderen. Sag mal an, damit wir das diskutieren können.

  20. 20 lula 16. Dezember 2009 um 15:57 Uhr

    „11. […] Ein kommentarloser Verweis auf „wo anders“ ist eine autoritäre Geste, die das Diskussionsklima unnötig anspannt.“

    bitte??? was an einem link soll den autoritär sein?

    http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=MPKR6K

  21. 21 laylah 16. Dezember 2009 um 16:35 Uhr

    l, meinste namibia?

  22. 22 riot.grrrl 16. Dezember 2009 um 18:58 Uhr

    eim rassismus muss das gegenüber nicht (geplant) vernichtet werden

    Man muss beim Antisemitismus auch niemanen vernichten. Und zum Glück vernichtet der Rassismus an den europäischen Außengrenzen ja ganz ungeplant Menschen…

  23. 23 pip 16. Dezember 2009 um 21:17 Uhr

    @n.n.
    der punkt ist nicht der, wann antisemitismus entstanden ist (den gibts schon viel länger als die moderne im übrigen!), sondern dass moderne antisemitischen stereotype konträr zu denen des rassismus sind (und ich werde mich jetzt nicht nochmal wiederholen, les es dir doch einfach nochmal durch). klar gibt es da widersprüche, überschneidungen und ausnahmen, jedoch geht es zumindest mir um die grundzüge der ideologien und die darin vorherrschenden, populärsten bilder.
    und bezüglich islamophobie, wie schon geschrieben wurde, ist die diskriminierung von menschen, die als „ausländisch“ und damit verknüpft auch als einer anderen religion – nämlich dem ilsam – zugehörig gedacht werden, rassismus. was ist denn sonst bitte rassismus bzw. wo ist der unterschied? oder denkst du, der ausgangspunkt sei die religion (somit könnten auch deutsche konvertiere ebenbürtig opfer von „islamophobie“ werden)? bei anti-arabischem rassismus bzw. hass gegen über moslems geht um VIEL MEHR als nur um die religionszugehörigkeit.
    (und wenn du islamophobie nur als abneigung gegenüber dem islam verstehst oder für „respekt“ gegenüber religion an sich plädierst, müsste dann deiner logik nach hier nicht auch zb. „christenphobie“ stehen?..dabei ist religionskritik gerade in einem feministischen blog superwichtig)

  24. 24 l 17. Dezember 2009 um 1:20 Uhr

    @laylah: ja.

    ***

    und ja es gab zb. ruanda, aber trotzdem ist die akribisch und langfrisitg geplante judenvernichtung mit über 6millionen juden als konsequenz in meinen augen etwas anderes

    @pip:

    1. „langfristig geplant“

    man muss da über das ziel reden (da dürfte konsens bestehen) und über die verschiedenen pläne, es zu erreichen. es gab natürlich planänderungen.
    auschwitz stand 1933 nicht fest und auch nicht anfang 1939. da wurden jüd_innen nämlich noch „abgeschoben“. der antisemitismus, auf den die abgeschobenen in den aufnahmeländern stießen, war den nazis ein lichtblick hin zu einer „internationalen lösung“(1938/29) und sollte befördert werden. d.h. ich gehe davon aus, dass es der herzenswunsch von nazis war, alles „jüdische“ restlos zu vernichten, anders lässt sich das mit der „internat. lösung“ kaum verstehen. aber: auschwitz war nicht langfristig geplant, der wunsch nach massenhafter vernichtung bestand aber schon lange und auschwitz war dann später ausdruck davon.

    einschub: als auschwitz aber mal feststand, wusste die bevölkerung sehr bald davon – füg ich mal hinzu, nur um hier nicht das mißverständnis heraufzubeschwören, ich würde mir da eine reihe von zufällen denken, die die menschen unfassbar überraschten bzw. ihnen nicht bekannt waren. das war denen bekannt und die überwiegende mehrheit fand das ok, weil es antisemit_innen waren.

    der „witz“ an ruanda ist doch aber: in so kurzer zeit knapp ne million ermordete. das deutet auf was hin: dass nämlich dieser bis zu massenmordgelüsten reichende rassismus in den menschen tief verankert war (manche studien nennen bis zu 3 millionen mörder_innen), anders ist diese „explosion“ nicht zu erklären. d.h. der vernichtungswunsch bestand auch hier schon lange. (und man kann das auch historisch erforschen. und sich auch mal die ideologien anschauen.)

    In ancient times, Rwanda had been a peaceful Hutu realm, “before the arrival of the Tutsis,” wrote a leading perpetrator of the 1994 genocide. He asserted that “the Hutus of the great Bantu family and the Twa or pygmies of the smaller ethnic group were living harmoniously since as early as the 9th century.” Then in the sixteenth century came a race of northern interlopers, the “Tutsis from Abyssinia.”

    […] The Hutu Power radio station, Radio Télévision Libre des Milles Collines (RTLM) combined agrarian themes with violent racism. It proclaimed in 1993: “Tutsi are nomads and invaders who came to Rwanda in search of pasture.” RTLM’s editor-in-chief announced three weeks before the genocide began in April 1994: “We have a radio here, even a peasant who wants to say something can come, and we will give him the floor. Then, other peasants will be able to hear what peasants think.” At the height of the slaughter in mid-May, RTLM urged continuing efforts to “exterminate the Tutsi from the globe” and “make them disappear once and for all.”

    nomad_innen (also „wurzellose“), die man weltweit ausrotten muss: das ist durchaus ein thema, das bekannt ist.

    der autor sagt dann mmn das richtige: dass die nazi-ideologie prototypisch ist für was, was es auch sonst gibt (wenn auch zahlenmäßig nicht in dem ausmaß [dazu in bezug auf ruanda dann weiter unten noch] und nicht immer mit demselben mitteln verwirklicht, aber immer mit dem vernichtungswunsch und ganz bestimmten wiederkehrenden ideologischen elementen). und dass man, wenn man das mal ernstnimmt, da auch warnhinweise findet (nicht zuletzt, weil die nazi-ideologie relativ gut erforscht ist, ist das auch gut möglich).

    These powerful perpetrator preoccupations are also characteristic of other genocides. Common features of genocidal thinking can be identified even in cases that lacked the destructive power of the Holocaust. Indeed their perpetrators’ ideological preoccupations can often be discerned from early stages of their careers, before they come to power or amass the military or organizational apparatus required to carry out genocide. Description of these features common to many cases may help in the prediction and prevention of future genocides.

    [damit ist im übrigen noch gar nichts zu ursache gesagt.]

    2. 6 millionen vs. knapp 1 million = zynisch.

    du kannst doch wirklich nicht der meinung sein, dass das der entscheidende unterschied ist. weil nicht alle tutsi restlos ermordet wurden? sondern „nur“ 90%? du merkst schon an den zahlen: 6 millionen wären in ruanda gar nicht möglich gewesen.

    diese zahlen stehen für nen vernichtungswunsch, für nen rassistischen wahn, der sich bereits im ersten mordopfer in seiner ganzen brutalität zeigt. höhere zahlen zeigen doch „lediglich“ an, dass die mehrheit der bevölkerung den rassismus teilt (und zwar in dem maße, dass sie selber „hand anlegen“), gibt also nicht aufschluss über den inhalt des willens, sondern über seine verbreitung und damit über die möglichkeit seiner systematischen verwirklichung. der inhalt des willens, auch wenn nur von wenigen geteilt, lautet: vernichtung. und nicht: „nur unterdrückung“.

    zur massenhaften und systematischen verwirklichung des vernichtungswusches bedarf es zweierlei:
    1. viele anhänger_innen. (gegeben)
    2. die entsprechenden mittel:

    Wholesale destruction of five to six million Jews and the cataclysmic invasions of most of Europe and the USSR that made it possible required an advanced economy and a heavily-armed modern state.

    die massenmörder_innen in ruanda wussten sich aber zu helfen.

    wenn du sagst, ruanda ist was anderes, dann möchte ich dafür argumente hören.

    für mich ist die shoah in der tat auch was anderes, aus nem simplen grund:
    - weil sie hier stattfand
    - und weil hier der rassistische hass auf tutsi als tutsi eher nicht so verbreitet ist im gegensatz zum antisemitismus
    - weil sich hier gekränkte nationalist_innen im sekundärem antisemitismus üben
    etc.

    den leuten hier zu erklären, was am hass auf tutsi falsch ist, wäre etwas lächerlich. allerdings: wenn man hier gegen antisemitsmus agitiert, wird man viel sagen, was man auch in ruanda sagen würde.

    ***

    soviel zu ruanda. und nun könnte man von mir aus auch mal die rassifizierung von muslimen/as bereden. gibt es die? und wenn ja, wie schaut das aus?

  25. 25 crashintoahouse 17. Dezember 2009 um 7:58 Uhr

    ich hab mal einen sehr interessanten vortrag von stefan grigat runtergeladen, in dem er die mechanismen, die beim massenmord an den tutsi ein rolle gespielt haben auf überseinstimmungen mit antisemitismus und dem holocaust untersucht – und er findet da so einige.

    vielleicht finde ich denk link noch…

  26. 26 earendil 17. Dezember 2009 um 9:50 Uhr

    @Pip/“Christenphobie“: Da muss man auf den Kontext schauen. In Europa und Amerika ist das Christentum ja mehr oder weniger hegemonial, da hat es wenig Sinn von „Christenphobie“ zu sprechen. (Außer natürlich hier im Mädchenblog :(( ) Aus demselben Grund ist „antideutscher Rassismus“ bei Migrant_innen(-nachkommen) auch nicht dasselbe wie der Rassismus der Mehrheitsgesellschaft.

    In anderen Kontexten könnte man aber durchaus so etwas wie Christenphobie feststellen, manchmal auch rassistisch konnotiert, wie in Indonesien oder dem Sudan. Aber auch wenn Hass auf und Verfolgung von religiösen Minderheiten nicht rassistisch unterlegt ist, wie beim antiken-mittelalterlichen Antijudaismus oder der Bahai-Verfolgung im Iran, sind das eher unschöne Sachen. Selbst wenn man Religionskritik für „superwichtig“ hält, sollte man sich schon anschauen, wie, warum und mit welchem Ziel da jeweils Religionen „kritisiert“ werden.

  27. 27 pip 17. Dezember 2009 um 12:14 Uhr

    @l
    grundsätzlich finde ich zahlen manchmal durchaus relevant. ich verstehe , warum du das zynisch findest, aber wie du selber schreibst, sagt es etwas zum beispiel auch etwas über die täter_innen (ihre anzahl, ihr „vernichtungswille“,..) aus. und nein, ich meine damit nicht, dass eine tat mit nur einem einzigen opfer somit weniger furchbat sei!
    ansonsten gebe ich dir durchaus recht bzw. kenne ich mich sowieso zu wenig über ruanda aus. aber ich habe auch mehrmals erwähnt, dass ich von einem unterschied zwischen antisemitismus und „europäischem“ rassismus rede (d.h. in europa und von europäer_innen ausgehend) und da sehe ich von den grundstrukturen einfach unterschiede (und wie gesagt primär in den damit verknüpften bildern).

    @crashintoahouse
    wenn du den link findest, poste den doch mal!

  28. 28 rhizom 17. Dezember 2009 um 13:20 Uhr

    „Was unsern Vätern der Jud, das ist für uns die Moslembrut“ (Wie islamophob ist Österreich?)

  29. 29 huenerei 17. Dezember 2009 um 13:52 Uhr

    vielleicht auch das diskussionen eher so gesehen werden könnten das ein gespühr/fühlen der eigennen gedanken daraus hervorgehen kann, als das anderen die eigenen gedanken zu spühren gegeben wird.

    was ist das motiv mitzudiskutieren. [..]

  30. 30 rhizom 17. Dezember 2009 um 14:19 Uhr

    Statt auf die Einzigartigkeit des Antisemitismus zu pochen, wäre es um einiges hilfreicher, daraus ein paar allgemeinere Lehren für alle gegenwärtigen und zukünftigen Hassideologien zu ziehen, wie das z.B. das „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ in seinem Vergleich zwischen Antisemitismus und rassistischer Islamfeindschaft getan hat.

    Den Antisemitismus pauschal vom Rassismus abzugrenzen, ist doch schon allein deshalb offenkundiger Blödsinn, da der moderne Antisemitismus sich von Anfang an als ein Rassenantisemitismus konstituiert hat, ja der Begriff der „Rasse“ überhaupt wesentlich an (und in Abgrenzung zu) den sich im neuzeitlichen Europa assimilierenden Juden entwickelt wurde, um auf diese Weise eine Differenz aufrechterhalten zu können, die mit dem Bedeutungsverlust der Religion zunehmend in Frage gestellt wurde.

  31. 31 frankenstein 17. Dezember 2009 um 15:21 Uhr

    man möge punkt 10 der netiquette beachten ;) aber ich hab nichts gesagt…

  32. 32 l 17. Dezember 2009 um 15:42 Uhr

    und da sehe ich von den grundstrukturen einfach unterschiede (und wie gesagt primär in den damit verknüpften bildern).

    nenne die doch mal. ich kann dir zB in bezug auf die von dir genannte „minderwertigkeit“ dann anhand von zig zitaten zeigen, dass die nazis „die juden“ für „MINDERWERTIG“ hielten (und sich selber für ein „HÖHERWERTIGES RASSE- UND KULTURVOLK“) und auch für angehörige eines „fremden staates“, der lediglich unterm titel religion segelt und „parasitäre kolonien“ gründet.

    man kann feststellen: dass sich jemand von ner kleinen gruppe so fürchtet, zeigt dass hier was als übermächtig gezeichnet wird. na klar! das ist ja fixer bestandteil JEDER verschwörungstheorie – das hat man bei antifeminist_innen, die davon schwadronieren, dass feminist_innen deutschland regieren (und es sind eh immer alle, bei jeder verschwörungstheorie, große tabubrecher: da sagt man mal die wahrheit!); das hat man auch bei PI und co, die von der nahenden weltumma heulen, wo „wir“ dann alle nur noch arme ausgebeutete dhimmis sind; das hat man bei den islamhasser_innen, die sich wahnhaft einbilden, dass „die“ bereits die medien kontrollieren bzw. die medien schon im vorauseilenden gehorsam kuschen und sich in den dhimmistatus begeben bereits jetzt; das hat man, wenn man davon redet, dass die taqiyya eine feige und hinterlistige unterwanderungsmethode darstellt (die die behaupten, ungläubig zu sein, sind doch auch solche! die lügen nur zwecks täuschung und unterwanderung!).

  33. 33 nyx 17. Dezember 2009 um 19:08 Uhr

    ENDLICH eine netiquette!!! was bin ich froh :)
    danke *freufreufreu*
    hoffentlich halten sich alle auch dran :)

    das mit der islamophobie/rassismus/… finde ich schon okay so, wie es steht. ist oft (aber ich denke nicht immer) dieselbe üble wurzel, aber doppelt gemoppelt hält besser, das ist doch in ordnung so.
    und was an der aufzählung fehlen mag, ist dann ja auch durch „gruppenbezogene diskriminierung“ (oder wie war die formulierung nochmal?) abgedeckt. da kann man sich nicht ernsthaft beschweren, finde ich.

    den begriff „väterlich“ finde ich auch komisch… aber ich weiß schon, was damit gemeint ist (dieses überheblich-paternalistische „na, du lernst das auch noch“-gehabe beispielsweise), von dem her würde ich das auch nicht rausgenommen haben wollen. macht ja gerade hier schon sinn.

    auch toll finde ich dieses „erstmal nachfragen, was gemeint ist“.
    ich trau mich meiste3ns nicht, was zu schreiben, weil ich nicht weiß, ob ich gerade bei komplexeren themen immer die richtige wortwahl finde. und dann falsch verstanden werde und das inem flamewar ausartet :(

  34. 34 O)(O 19. Dezember 2009 um 23:23 Uhr

    Terror der Freundllichkeit!

  35. 35 n.n. 04. Januar 2010 um 14:08 Uhr

    „Ich hätte es schön gefunden, wenn deutlich gemacht worden wäre welche Richtlinen für Autorinnen und Autoren gelten. Diese Netiquette ist von der Ansprache her sehr auf die User hin ausgerichtet, im Sinne von Verhaltensnormen die sonst „von Oben“ sanktioniert werden. Als User wird man ein wenig im Unklaren darüber gelassen, an welche Anforderungen die Autorinnen und Autoren gebunden sind, was sie sich herausnehmen dürfen, an wen man sich wenden kann, wenn Autoren gegen die Richtlinien verstoßen usw.“

    Über eine Antwort seitens des Teams würde ich mich freuen. Auch aufgrund jüngerer Vorkommnisse würde ich gerne von den AutorInnen wissen, wie ihr Erfahrungen bisher sind. Ich merkte selbst, dass ich mich in manchen Diskussionen zurückgenommen habe, während einige Trolle nach wie vor mit abstrusen Einwürfen tolleriert wurden. Das macht diese Netiqette für mich als User noch undurchsichtiger.

  36. 36 n.n. 26. Januar 2010 um 15:54 Uhr

    Gerade aufgrund der fragwürdigen Zensurpraxis von leonie hätte ich gerne einmal eine Antwort vom Team. Immerhin habt ihr ja die Netiquette diskutiert und eingeführt, da wird doch eine weitere Auseinandersetzung damit nicht schwer sein.

  37. 37 leonie 26. Januar 2010 um 19:48 Uhr

    Ich habe keine Kommentare, außer 2 Werbungen für Schuhe, zensiert…

  38. 38 admin 26. Januar 2010 um 19:52 Uhr

    @n.n. für die autor_innen gilt die netiquette genauso wie für alle anderen, spezielle autor_innen-richtlinien gibt es nicht. beschwerden können, wenn es sein muss und sich die sache nicht in den kommentaren klären lässt, über das kontaktormular an uns geschickt werden: http://maedchenblog.blogsport.de/kontakt/

  39. 39 frankenstein 14. März 2010 um 13:44 Uhr

    ich bin zufällig über die seite www.derailingfordummies.com gestolpert (habe leider noch keine deutsche übersetzung gefunden). vielleicht kennen sie einige bereits, aber ich fand die seite ganz hilfreich, um sich mal über die mehr oder weniger subtilen taktiken von trollen zu informieren.
    interessanterweise ist mir durch die seite aufgefallen, dass ich teils selbst zu „trolligem verhalten“ neige, bzw mir das unter umständen angelastet werden könnte, obwohl ich damit ja nichts zu tun haben will.
    die seite ist also nicht nur praktisch um trolle besser zu erkennen, sondern auch um bewusstsein für das eigene diskussionsverhalten zu schaffen und eigenes trollen zu verhindern.

  1. 1 Maedchenmannschaft » Blog Archive » Christmas-Countdown in den Blogs Pingback am 19. Dezember 2009 um 10:15 Uhr

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