Spielsachen fair machen

Pünktlich zum weihnachtlichen Konsumrausch, eine weniger weihnachtliche Nachricht aus der Spielzeug Industrie. Disney, der amerikanische Kitsch-Exporteur No.1 steht schon seit längerer Zeit in der Kritik, da der Konzern seine „Konsumgüter“ in China unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren lässt.

Neue Untersuchungen, die in vier chinesischen Zulieferbetrieben von Disney durchgeführt wurden, haben erneut die unmenschlichen Arbeitsbedingungen von 1000enden von SpielszeugarbeiterInnen aufgedeckt. Keine Arbeitsverträge, inkorrekt abgegoltene Überstunden, keine adäquate Sicherheitsausrüstung, keine Sozialversicherung.[…]
Eine Arbeiterin der Montageabteilung bei Tianyu Toys berichtet: „Ich wurde gezwungen, 28 Stunden durchzuarbeiten, sogar ohne Essenspause. All das für 1.029 RMB (ca. 100 EURO) im Monat.“

Um ein Einkommen zu erzielen, mit dem sich das Überleben gerade ausgeht, müssen die ArbeiterInnen ohnehin viele Überstunden leisten. Doch in der Hochsaison, wenn für das Weihnachtsgeschäft in Europa und den USA Spielsachen produziert werden, bekommen die ArbeiterInnen keine freien Tage und müssen häufig auch Nachtschichten arbeiten.[…]
Die Untersuchungen in der Wai Ching Fabrik zeigen, dass ArbeiterInnen täglich ohne jegliche Schutzbekleidung mit chemischen Substanzen wie Farbe und Verdünner hantieren, von denen sie weder den Namen noch die Gefährdungspotenziale kennen. Gesetzlich vorgeschriebene Gesundheits-Checks werden auch nicht durchgeführt.

Die Recherchen haben auch zu Tage gebracht, dass die ArbeiterInnen zum Teil herabwürdigend behandelt werden. Das geht von Beleidigungen über Demütigungen bis hin zu verbalem Missbrauch. Bei Tianyu Toys darf ein Toilettengang maximal 5 Minuten dauern und die ArbeiterInnen brauchen dafür einen besonderen Ausweis.

Hier auch der Link zur Petition gegen Disney.


44 Antworten auf “Spielsachen fair machen”


  1. 1 l 26. Dezember 2009 um 14:10 Uhr

    „fair“ – was ist das? was ist denn ein „fairer“ lohn oder eine „fair“ entgoltene überstunde?

    finde es immer problematisch, wenn man auf china zeigt – wie schlimm! da schwingt immer mit: hier bei uns, da isses besser, da wird das ganze „menschenwürdigen“ abgehandelt.
    dasselbe findet sich aber, lediglich zT graduell abgestuft, auch hier.

    was es lidl, wo die frauen probleme kriegten, weil sie (angeblich) während der menstruation mehr auf die toilette gingen – und da dann dem konzern nicht zur verfügung standen?
    gibt’s bei uns nicht demütigungen?
    bei den sog. „atypischen beschäftigungsverhältnissen“, die seit jahren stark im kommen sind, ist man auch nicht sozialversichert, da zahlt der „arbeitgeber“ nix dazu, das hat die politik extra so eingerichtet mit entsprechenden gesetzen. werkverträge etc.
    glaubst du wirklich, dass meine freund_innen ihre überstunden in der pr-agentur „abgegolten“ kriegen? die werden gekündigt, wenn sie die nicht gratis machen, weil sich jede menge menschen finden, die gerne den miesen job übernehmen – die reservearmee wartet.
    sicherheitsausrüstung: auch das ist halt was, wozu die unternehmen im fall der fälle vom staat verdonnert werden (allerdings nicht aus menschenfreundlichkeit, sondern damit der laden läuft), weil es gerade nicht im sinne der unternehmen ist, da geld reinzustecken, dazu muss man sie immer wieder zwingen.
    als ich als fließbandarbeiter geschuftet hab in den 1990ern, hatte ich immer ganz blutige hände, weil der konzern sogar an den schutzhandschuhen gespart hab. hatte da nicht viel zu sagen dann, denn ich war leiharbeiterin… wobei ja gewerkschaften (interessieren sich kaum für leiharbeiter_innen) im fall der fälle auch zum unternehmen stehen. oder eigentlich: immer.

    so ne petition hängt doch der illusion an, es könnte nen „feinen“ kapitalismus geben. stimmt halt nicht. und dann zeigt man, obwohl man denselben mist vorzuweisen hat, auf „sündenböcke“.
    und dann hat das oft noch was mit china und co zu tun, den neuen konkurrenten aufm weltmarkt. kauft ordentliche WAREN, keine chinesischen!

  2. 2 l 26. Dezember 2009 um 14:19 Uhr

    nochmal überstunden. ist natürlich nicht nur in pr-agenturen so. das sah und sieht man doch regelmäßig, was da überall für ansagen gemacht werden: „entweder ihr arbeitet mehr für den gleichen lohn, oder der laden macht dicht und dann habt ihr gar nichts mehr. seid froh, wenn ihr gratis überstunden machen dürft“. und spätestens da steht dann die gewerkschaft auf der seite der zu erhaltenden arbeitsplätze und kommt dem unternehmen gerne entgegen, macht sogar gerne noch eigene vorschläge, wie man die lohnarbeiter_innen noch mehr schröpfen kann …

  3. 3 mensch im mohn 26. Dezember 2009 um 15:05 Uhr

    Ich empfinde den Post zum Thema Arbeitsbedingungen in der Spielzeugherstellung hier als off-topic, weil die geschlechterspezifische Dimension nicht klar wird und der Post sich auch nicht auf etwas bezieht, das „normale“ jugend- oder mädchenzeitschriften immer predigen (Zitat Selbstverständnis mädchenblog).

    Mal kann es auch sowas auf dem Mädchenblog geben, aber ich will mal mosern, bevor es mehr wird.

    Und um mal inhaltlicher zu werden: Petitionen gegen Großkonzerne sind wie beten für den Frieden – macht ein gutes Gefühl, aber um Ausbeutung und Krieg zu überwinden braucht es schon was anderes.

  4. 4 n.n. 26. Dezember 2009 um 15:37 Uhr

    Mit dem Selbstverständnis des M-Blogs zu argumentieren halte ich nicht für sinnvoll, weil der Blog de facto die dort konzipierte Ausrichtung schnell verloren hat. Sprich: „sowas“ gab und gibt es schon immer. Das M-Blog war nie eine „feministische Barvo“. Wenn die AutorInnen auf den Trichter kommen, dass es noch andere Baustelen gibt, dann halte ich so ein falsches „Gemoser“ auf derart dünnem Boden für falsch. Über Beiträge zur „feministischen Kritik an Statistik“ hat sich schließlich auch keinR beschwert.

  5. 5 Timo 26. Dezember 2009 um 16:15 Uhr

    Spielzeuge vermachen und Spielzeuge machen, die sich überhaupt noch vermachen lassen, das sollte man machen.

  6. 6 Hakan 26. Dezember 2009 um 17:15 Uhr

    „Und um mal inhaltlicher zu werden: Petitionen gegen Großkonzerne sind wie beten für den Frieden – macht ein gutes Gefühl, aber um Ausbeutung und Krieg zu überwinden braucht es schon was anderes. “

    Ja, damit beginnt dann die Resignation. Das große Rad kann man sowieso nicht drehen, also scheiß drauf, partizipiere ich halt voll und ganz. Daran, dass man tatsächlich „boykottieren“ kann, ohne dass sich das „gute Gefühl“ einstellt, so eine unsinnige, weil inhaltsleere, Kategorie. Einfach etwas nicht zu kaufen, weil es zwar scheiße ist, dass man hier auch ununterbrochen Überstunden macht und die nicht abgeolten werden, aber man gleichzeitig trotzdem bestimmte Vorgehensweisen scheiße finden kann, wie z.B. oben skizziertes. Sowas nennt man sonst immer das, was der Kapitalismus an „objektiven Standards“ verbessert hat.

  7. 7 l 26. Dezember 2009 um 17:43 Uhr

    was heißt denn „gleichzeitig“? – du tust so, als wäre das was ganz ANDERES. es ist das gleiche.

  8. 8 l 26. Dezember 2009 um 17:48 Uhr

    ad resignation: ABFINDEN mit den verhältnissen im hier und jetzt tun sich jene, die meinen: fair möge es sein. ausbeutung JA, aber fair bitte. etc.

  9. 9 leonie 26. Dezember 2009 um 17:49 Uhr

    @l: ich denke schon, dass es „faire“ Arbeitsbedingungen geben kann, ob diese in einer kapitalistischen Gesellschaft möglich sind ist natürlich nochmal eine andere Frage.

    Natürlich gibt es bei uns auch genug Scheiße, keine Frage, Lidl ist das beste Beispiel. Ich finde aber nicht, dass ich das mit meinem Post zu vertuschen versuche. Zumal der Kern meiner Kritik ja ein westliches Unternehmen trifft.

    @mensch im mohn: natürlich ist es nicht super On.Topic, aber auch nicht soweit am Thema vorbei, da v.a Arbeiterinnen aufgrund der Nachteile die ihr Geschlecht in einer patriarchalen Gesellschaft mit sich bringt, einer Kette von Ausbeutungen unterworfen sind, aus der sie kaum aus eigener kraft ausbrechen können.
    Diese Abhängigkeit macht sie natürlich dann schnell für die „großen Firmen“ erpressbar.

    Zum Thema, weiterführende Literatur oder sowas…
    http://www.oneworld.at/wide/2009/Buchpraesentation-Wichterich-201009.pdf

  10. 10 tee 26. Dezember 2009 um 18:07 Uhr

    und wo beginnt nun „menschenunwürdig“?

  11. 11 l 26. Dezember 2009 um 18:23 Uhr

    naja, „fair“ – was heißt das? „fair“ ist für nen unternehmer was anderes als für den überzeugten nationalistischen arbeiter (der es unifair findet, wenn „diese ausländer“ hier wohnen dürfen) und nochmal was anderes für ne antifa-aktivistin.

    damit fängt’s doch schon an. ja nachdem, was man da drunter versteht, kann es faire und gerechte arbeitsverhältnisse auch hier geben. inkl. der ganzen menschenschinderei.

  12. 12 l 26. Dezember 2009 um 18:50 Uhr

    Diese Abhängigkeit macht sie natürlich dann schnell für die „großen Firmen“ erpressbar.

    „große firmen“: naja. man kann erklären, wieso die so groß sind. das waren sie nämlich nicht immer, sondern die waren auch mal klein! das waren mal kleine erfolgreiche unternehmen. und wieso erfolgreich? genau, weil sie die arbeiter_innen noch mehr und effektiver ausgequetscht haben als ihre konkurrenten. die konkurrenten sind daher eingegangen, und der erfolgreiche ausbeuterbetrieb konnte übernehmen, zumind. die entsprechenden marktanteile. und da arbeitet man sich halt immer weiter vor. „arbeiten“ heißt dabei, na klar: die lohnarbeiter_innen besser ausquetschen als die konkurrenten.

    die kleinen quetschen genauso. wer ein unternehmen im kapitalismus auf dauer halten will, was heißt, im wettbewerb zu bestehen, muss die leute ausquetschen.
    (und ich mein wirklich: ausquetschen. es ist ja kein zufall, dass es im kapitalismus längerfristig ne einrichtung wie urlaub braucht: das richtet der staat ein, weil er weiß, dass das menschenmaterial sonst irgendwann ganz elend verreckt – und dann kann man es nicht mehr ausbeuten! die kleineren schädigungen soll man in der „freizeit“ kurieren, abends und am wochenende („ausgleich“), für die gröberen gibt es den urlaub, ein paar wochen im jahr. das ist keine menschenfreundliche großzügigkeit, sondern dient der sicherstellung der dauerhaften optimalen ausbeutbarkeit der menschen.)

    hinzu kommt bei den kleinen betrieben aber dann in der regel noch so ne psycho-terror-schiene: der familienbetrieb!
    was nicht heißen soll, dass nicht auch mal ein großbetrieb auf familie machen kann.
    man weiß eh, was wieder mal ansteht, wenn von der familie die rede ist. opfern. weitere lohnkürzungen. etc.

  13. 13 Hakan 26. Dezember 2009 um 18:50 Uhr

    „was heißt denn „gleichzeitig“? – du tust so, als wäre das was ganz ANDERES. es ist das gleiche.“

    Nein, das ist es nicht. Es ist nicht das Gleiche, ob du hier in einer Fabrik arbeitest, an einem Fließband, 8 Stunden, 1000e Bierkästen, manchmal 4 Stück aufeinander runter nehmen, für – mittlerweile – keine 6€ mehr (damals waren es 9,50€)oder ob du in deinem Büro sitzt und dir Slogans für Unternehmen ausdenkst. Ich habe auf beiden Seiten gearbeitet und da sind einfach immense Unterschiede, angefangen bei der Körperlichkeit (Rückenschmerzen vs. Alltagsunbeweglichkeit der New Economy, die aber ohne Probleme ins Fitness gehen kann, wenn sie will, da sie psychisch z.B. nicht ausgelaugt ist), dann der gesellschaftliche Zwang usw. Ja, beide veräußern das, was sie „am Markte feilbieten können“, klar. Binsenweisheit. Aber es ist eben mehr als das und das hängt auch zwangsläufig mit der Arbeit zusammen.

    Und diese Unterschiede sind nur lokal. Auf globaler Ebene gibt es dann natürlich noch viel weitere Kategorien, die es dann möglich machen, 28h am Stück arbeiten zu lassen, ohne dass man von seinen Rechten weiß bzw. sie hat.

    „ad resignation: ABFINDEN mit den verhältnissen im hier und jetzt tun sich jene, die meinen: fair möge es sein. ausbeutung JA, aber fair bitte. etc.“

    Die sowieso. Aber in meinen Augen ist ein Gedankengang à la ja, Ausbeutung gibt es so oder so, egal ob ich jetzt Produkte von XYZ kaufe oder nicht, dann ist es für mich angewandte Resignation.

  14. 14 Hakan 26. Dezember 2009 um 18:51 Uhr

    ich meinte physisch, nicht psychisch.

  15. 15 laylah 27. Dezember 2009 um 9:30 Uhr

    Aber in meinen Augen ist ein Gedankengang à la ja, Ausbeutung gibt es so oder so, egal ob ich jetzt Produkte von XYZ kaufe oder nicht, dann ist es für mich angewandte Resignation.

    nee. wenn der gedanke richtig ist, ist auch die verhaltensweise richtig und nicht resignativ. also widerleg doch den gedanken, statt sone dreisten behauptungen aufzustellen. als wäre die alternative rumboykottieren vs. nichtstun.

  16. 16 n.n. 27. Dezember 2009 um 13:53 Uhr

    Für Hakan ist die Alternative Rumboykottiererei oder Nichtstun.

  17. 17 Hakan 27. Dezember 2009 um 15:50 Uhr

    n.n. Einsatzkommentare ftw.

    nee. wenn der gedanke richtig ist, ist auch die verhaltensweise richtig und nicht resignativ. also widerleg doch den gedanken, statt sone dreisten behauptungen aufzustellen. als wäre die alternative rumboykottieren vs. nichtstun.

    Dann hast du einfach einen anderen Begriff von Ausbeutung als ich, soweit ich das verstehe. Ich unterscheide durchaus zwischen der Ausbeutung, Ich in der Agentur vs. Ich am Fließband vs. Ich hinter der Kasse im Museumsshop. Das sind für mich DREI Arten von Ausbeutung, weil sie komplett unterschiedlich greifen. Dann noch das Schreckgespenst „Kinderarbeit“ usw. Und da kann ich durchaus sagen: Ja, krass scheiße und das als solches benennen (wie das dieser Artikel ja auch macht). Dann zu sagen, das macht nur ein gutes Gefühl, geht an der Sache vorbei, weil es zu subbjektorientiert ist. Als ob es MIR dadurch besser gehen würde.

    Ja, die Aufteilung in Boykott und Resignation habe ich aufgemacht. Eher uncool meinerseits.

  18. 18 l 27. Dezember 2009 um 16:15 Uhr

    es geht um das benennen der ursachen, hakan. wenn man die ursachen begreift, kann man damit anfangen, das abzuschaffen.

  19. 19 laylah 29. Dezember 2009 um 18:53 Uhr

    Dann hast du einfach einen anderen Begriff von Ausbeutung als ich, soweit ich das verstehe.

    scheint so, ja. meiner ist ökonomisch (es wird mehrwert geschaffen) und deiner moralisch (es geht uns schlecht und aber anderen noch schlechter). letzterer ist für kritik unbrauchbar und hat deshalb nix in ner politischen diskussion verloren. außer man ist, wie l sagt, nicht an der beseitigung der ursachen interessiert, sondern an der bereinigung des eigenen gewissens. das kannste drehen, wie du willst.

  20. 20 Timo 30. Dezember 2009 um 6:53 Uhr

    Was wäre denn die Alternative zur Resignation? So eine Art Stiftung Warentest hilft genau gar nix. Dann gibt’s nur eine betont politisch correcte Abteilung im Unternehmen zur Vertuschung bzw. zur Gegenrechnung – Verhaltensänderung vs Marketingplus. Boykott ist auch kaum möglich, die lachen mich zumindest immer aus im MC D, wenn ich statt des Kids Menus 4 Cheesies kaufe mit dem Hinweis auf Disney.
    Es gibt nur eine Lösung, Hartz 4 für alle – weltweit – und dann gucken wir mal. ;)

  21. 21 n.n. 30. Dezember 2009 um 12:24 Uhr

    Die Alternative ist die Beseitigung der Gesellschafts- und Eigentumsordnung die zu so etwas führt. Der erste Schritt wäre eine Kritik daran.

    Noch zwei Fragen: Wirst du in einer McDonalds Filiale von den Angestellten tatsächlich ausgelacht und kaufst du tatsächlich um Disney zu boykottieren kein Keds Menu sondern vier Cheesburger?

  22. 22 Timo 30. Dezember 2009 um 20:04 Uhr

    Meist eher angelacht, den meisten sind böse Konzerne ja recht schnuppe. Jein ich kauf die Cheeseburger nur, weils‘ die einzigen Burger sind bei denen McD es sich traut mit dem Stiftungwarentestergebnis zu werben.
    Wie gesagt, H4 für alle und keine Mark mehr, das gäbe Nachhaltigkeit die lange nachhallt. ;-)

  23. 23 n.n. 30. Dezember 2009 um 22:18 Uhr

    Wieso erzählst du denn den Leuten da, dass du Cheeseburger aus einem Grund kaufst, obwohl dein Grund ein ganz anderer ist?

  24. 24 Hakan 31. Dezember 2009 um 1:28 Uhr

    @laylah:
    Wie du darauf kommst, dass mein Ausbeutungsbegriff „moralisch“ sei, ist mir ein Rätsel. Nur weil du dich auf eine einzige Analyseebene einlässt „ökonomisch“ und den als den relevanten, weil „brauchbaren“ hältst, heißt es nicht, dass mein Begriff per se moralisch sein muss. Dazu mehr:
    Ich hatte geschrieben, dass es für mich mehrere Arten von Ausbeutung gibt. Hier ein Beispiel: Jemand, der als Bäcker arbeitet, also einer handwerklichen Arbeit nachgeht, sofern er keine Lehre zum Meister macht, wird seinen ganzen Arbeitstag mit einer bestimmten Beschäftigung vollbringen. Sollte er aber politisch interessiert sein und vom Arbeitsalltag her nicht zu kopfgefickt („Nachtschicht“), so kann er ohne weiteres Bücher lesen und sich autodidaktisch weiterbilden. Ein Mensch, der Grafikdesign studiert und sich beruflich mit Büchern beschäftigt, wird auf einer ganz anderen Ebene ausgebeutet, nämlich mental. Das muss noch lange nicht heißen, dass er privat nicht auch gerne Bücher liest oder dass Bücher die einzige Art der Weiterbildung sind (mir fallen Gespräche, Podcasts, Lesezirkel, Veranstaltungsreihen usw.), aber es ist nicht dasselbe. Wenn du den ganzen Tag über Konzepte nachdenkst, versuchst „kreative“ Lösungen zu bringen, dann bist du vielleicht geübter in Sachen Denkansätze, aber auch ausgelaugter. (nicht umsonst schaltet man bei Urlauben sprichwörtlich sein Gehirn ab.)
    Du siehst: „Person A veräußert das, was von Relevanz (mal Handwerk, Bäcker) ist, und Person B (mal Geist, Philosoph) macht das auch, also ist es die gleiche Art der Ausbeutung.“ So zumindest deine Beschreibung. Das finde ich zu vereinfachend gedacht. Sonst fiele mir z.B. keine geeignete Unterscheidung zwischen Arbeit und Prostitution ein (kann sein, dass es in deinen Augen welche gibt, dann wäre ich dankbar um Argumente/Links etc.). Vor allem scheint mir die Prostitution auch ein geeignetes Beispiel zu sein, um zu zeigen, dass es mehr ist als eine strikt ökonomische Ausbeutung. (s. Machtverhältnisse und Unterdrückung usw.). Und ja, ich weiß, dass so ein Begriff von Ausbeutung auf den ersten Blick, zumindest erscheint es mir so, als zu facettenreich erscheint. Aber Praktikabilität ist nicht wirklich meine Maxime.

  25. 25 Timo 31. Dezember 2009 um 8:13 Uhr

    Weil flunkern nicht verboten ist. =)
    Hin und wieder mag das ja sogar ein Denkanstoss sein für andere, wenn sich einer beim Burgerkauf über das Merchandising aufregt.
    Ist aber wirklich schwer einem Disneykonzern zu entgehen.
    Beispielsweise hieße das keine Filme mehr mit und von Ben Affleck, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Quentin Tarantino und Renée Zellweger zu sehen, aufgrund deren Verstrickungen mit Miramax. Ehemals Teil von Disney.
    Also Nachhaltiges Einkaufen halte ich für eine schöne Art potenzielle Weltverbesserer gegen Windmühlen rennen zu lassen.
    So blödsinnig das vielleicht klingen mag, ein Leben auf H4 Niveau dürfte noch mit das nachhaltigste sein, was man machen kann.

  26. 26 n.n. 31. Dezember 2009 um 13:45 Uhr

    Wenn die Firma ehemals Teil von Disney ist, haben sie doch nichts miteinander zu tun.
    Was meinst du denn mit Nachhaltigkeit im Bezug auf die zur Verfüung stehende Geldmenge inklusive der Überwachungs und Gängelungsmaßnahmen? Ich verstehe auch nicht so recht, ob es dir um Nachhaltigkeit geht, oder ob (und wie) du darin ein Mittel siehst um „potenzielle Weltverbesserer gegen Windmühlen rennen zu lassen“?

  27. 27 n.n. 31. Dezember 2009 um 13:48 Uhr

    Hakan, Prostitution ist (Sex)Arbeit.

  28. 28 Anmerkung 31. Dezember 2009 um 14:55 Uhr

    @Hakan:

    http://www.infopartisan.net/trend/trd0901/t390901.html

    @Timo: Was soll das sein, „nachhaltig“? Wnd wieso grad Hartz 4? Du bedienst doch hier ein antimarxistisches Ressentiment: „Da sind dann halt alle arm. Jetzt aber gibt es noch Hoffnung……“

  29. 29 zuckermitstreusel 31. Dezember 2009 um 16:35 Uhr

    „Beispielsweise hieße das keine Filme mehr mit und von Ben Affleck, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Quentin Tarantino und Renée Zellweger zu sehen, aufgrund deren Verstrickungen mit Miramax. Ehemals Teil von Disney.“

    ehemals? wo ist dann das boykottproblem???

  30. 30 timo 01. Januar 2010 um 11:20 Uhr

    Wenn ich den genannten Personen heute Quote bringe, dann hat das auch auswirkungen auf die Strahlkraft älterer Projekte, und wenn die dann zB im TV gesendet werden verdient Disney wieder. Ich – würde ich denn Boykott für möglich halten – sehe da ein Problem.
    Ich kann meinem Gemuesehaendler ans Bein pissen, aber ein Disney ist zu groß.

    @ Hakan Armut ist relativ zu den Reichen, wenn alle H4 haetten, wären alle reich. Nachhaltig deshalb, weil man sich bei heutigen Preisen mit den Sätzen wenig Umweltverschmutzung kaufen kann. :-)
    Da ist nicht soviel mit auswärts essen gehen oder abseits der öffentlichen Verkehrsmittel die Luft verpesten oder mal eben mim Billigflieger hier und dorthin sich kosmopolitisch geben. Das meine ich mit Nachhaltig, ausser man glaubt den medialen Märchen, dass alle Flachbildschirme dieser Welt und alle neuen handys, sowie aller Alk und alle Kippen im Lande von H4-Empfängern gekauft werden.
    Ach blöde deutsche Mittelschicht, aus meiner Mittelsicht, ich mag dich nicht.:“>

  31. 31 l 01. Januar 2010 um 16:02 Uhr

    @zuckermitstreusel: filme, die damals gedreht wurde, gehören selbstverständlich immer noch disney. alle 550.

    aber tee hat schon die richtige frage gestellt, auf die hier noch nicht geantwortet wurde: ab wann ist denn was „menschenunwürdig“? sind 3 euro die stunde „fair“ und 2,50 euro die stunde „unfair“? ab wann sind mangelnde sicherheitsvorkehrungen „unfair“?
    http://derstandard.at/1233586873614/Gesundheit--Arbeit-Krankmacher-am-Arbeitsplatz?sap=2&_pid=11992209 (--> beklagt werden, na klar, zuvordest die entgangenen gewinne der unternehmen. kranke lassen sich eben nur suboptimal ausbeuten. warum trotzdem hier gespart wird, habe ich oben schon erklärt.)

    sagt mal: ab wann ist was „fair“ (also wohl nicht der klage wert) und ab wann „unfair“?

  32. 32 frankenstein 01. Januar 2010 um 16:40 Uhr

    seit wann gehts bei bezahlung denn überhaupt um so was wie fairness?

  33. 33 n.n. 01. Januar 2010 um 17:21 Uhr

    „@ Hakan Armut ist relativ zu den Reichen, wenn alle H4 haetten, wären alle reich. Nachhaltig deshalb, weil man sich bei heutigen Preisen mit den Sätzen wenig Umweltverschmutzung kaufen kann. :-)

    Das Problem ist aber, dass die Ausgangsbedingungen doch unterschiedliche sind. Auch wenn der Manager einer Großbank morgen statt Gehalt den H4 Satz bekäme hätte der immer noch Immobilien, Geld auf Konten, als Aktien etc. Deine Armen wären nach wie vor Arm im Verhältnis zu den Reichen. Ich sehe da die Veränderung nicht.

  34. 34 l 01. Januar 2010 um 17:56 Uhr

    @frankenstein: das ist die frage! im beitrag geht’s darum.

  35. 35 n.n. 01. Januar 2010 um 17:58 Uhr

    Ja, und worin besteht eigentlich bei der ganzen Sache die Möglichkeit „potenzielle Weltverbesserer gegen Windmühlen rennen zu lassen“? Die Frage hattest du übersehen.

  36. 36 l 01. Januar 2010 um 18:04 Uhr

    @timo:

    du erklärst lang und breit, weshalb armut gut ist: die armen können nicht: alk kaufen, zigratten kaufen, frech auf reisen gehen etc. leben also nachgerade vorbildlich, nicht so wie die konsumist_innen. und warum nicht? weil sie keinen zugriff haben. sind ja arm. also so ganz freiwillig leben die nicht „nachhaltig“. aber gut isses.

    jetzt sollte es nur noch fair zugehen, alle sollten keinen bzw. nur äußerst wenig zugriff haben. weil arm. wenn dann mal alle nur mehr ein bissl in der tasche haben, zum überleben reicht es kaum, und an allen ecken und enden an zugriffsbarrieren stoßen, dann wird alles gut: dann können die konsument_innen keine „umweltverschmutzung mehr kaufen“.

    verstehe ich dich richtig?

  37. 37 zuckermitstreusel 01. Januar 2010 um 20:05 Uhr

    „Das Problem ist aber, dass die Ausgangsbedingungen doch unterschiedliche sind. Auch wenn der Manager einer Großbank morgen statt Gehalt den H4 Satz bekäme hätte der immer noch Immobilien, Geld auf Konten, als Aktien etc.“

    ziemlich falsch, n.n.

    immobilien, geld auf konten oder aktien etc. würden dem manager erst einmal angerechnet werden, er würde nicht denselben satz bekommen und wäre somit immer noch reich.

  38. 38 zuckermitstreusel 01. Januar 2010 um 20:07 Uhr

    leonie antwortet ja leider eher selten auf nachfragen bzgl. ihrer beiträge. in diesem fall wäre es wieder einmal interessant und vor allem korrekturwürdig.

  39. 39 n.n. 01. Januar 2010 um 21:13 Uhr

    Zuckermitstreusel, bitte aufmerksamer lesen! Da steht: „Auch wenn der Manager einer Großbank morgen statt Gehalt den H4 Satz bekäme“. Was ist denn daran falsch? Wenn er den H4 Satz bekäme, dann bekäme er den H4 Satz. So ist das nunmal. Würde er unter H4 fallen, würde ihm sein Gedöns angerechnet. Darum geht es aber nicht.

  40. 40 zuckermitstreusel 01. Januar 2010 um 21:36 Uhr

    irrtum! er bekäme den satz ja nicht, wenn er noch so einiges in immobilien, aktien und kontoguthaben hätte.

    wenn er tatsächlich den satz bekäme, hätte die arge seinen anspruch und seine bedürftigkeit ja geprüft und festgestellt dass der gute manager nichts auf der hohen kannte hat.

    unter hartz4 fällt ersteinmal jede_r, jede_r kann alg2 beantragen. nur bekommen würde der manager den h4-satz nicht, weil er erstmal von seinem ersparten leben müsste.

    am besten du liest selbst: http://www.sozialticker.com/anrechnung-von-vermoegen-fuer-bezug-von-arbeitslosengeld-ii-alg-ii

  41. 41 zuckermitstreusel 01. Januar 2010 um 21:42 Uhr

    oh, verzeih. ich glaube jetzt habe ich dich verstanden. aber warum schreibst du denn etwas vom „h4-satz“? schreib doch „wenn er genauso viel wie ein h4ler bekäme.

    ich schrieb ja gerade, unter h4 fällt grundsätzlich jede_r bedürftige.

    im von dir kritisierten zitat hiess es aber auch:

    „Armut ist relativ zu den Reichen, wenn alle H4 haetten, wären alle reich.“

    nicht dass einige h4 hätten und andere h4 und vermögen dazu. timo ging schon vom h4-satz und der dazugehörigen bedürftigkeit aus. sorry für mein krümelkacken, aber deines hat es erst verursacht ;)

  42. 42 MPunkt 02. Januar 2010 um 9:57 Uhr

    @ Timo

    (ergänzend zu den von l und laylah bereits vorgebrachten Argumenten, auf die Du auch nicht eingegangen bist):

    Du beschreibst da doch bloß verschiedene konkrete Arbeiten (Brot backen, Werbekampagne erstellen), die als solche selbstverständlich verschieden sind, woraus Du schließt, dass sie den Arbeiter je anders belasten. Nur Ausbeutung kommt in Deinem ach so „facettenreichen“ „Ausbeutungsbegriff“ gar nicht vor. Ausbeutung ist nämlich nicht, dass Arbeit (meinetwegen je verschieden) anstrengt – das ist Arbeit nämlich immanent, dass sie eine für ihren Zweck auf sich zu nehmende Mühe ist. Sondern Ausbeutung ist die Benutzung fremder Arbeit für den eigenen Reichtum. Wie geht das nun im Kapitalismus? Der Kapitalist kauft die Arbeitskraft von Leuten, die wegen der staatlich durchgeherrschten Eigentumsordnung ganz prinzipiell ausgeschlossen sind, also an Geld kommen müssen, die aber sonst nichts haben, was sie verkaufen könnten, um es zu Geld zu machen, als eben ihre Arbeitskraft. Also gehen diese Lohnarbeiter des Geldes wegen arbeiten – was sie dabei herstellen, also was sie für eine konkrete Arbeit verrichten, wie diese konkret eingerichtet ist und was dabei für ein konkretes Produkt herauskommt, hat ihnen dabei egal zu sein, weil sie die Verfügung über ihre Arbeitskraft ja dem Kapitalisten verkauft haben. Dieser hat sie wiederrum für seinen Zweck gekauft, aus seinem für den Kauf von Arbeitskraft, Produktionsmitteln und Rohstoffen vorgeschossenen Geld mehr Geld zu machen. Folglich kommt es auch ihm nicht auf die geleistete konkrete Arbeit und das konkrete Produkt an – was ggf. auf dem Müll landet, wenn es sich nicht zu Geld machen lässt –, sondern darauf, dass mit der für die Produktion geleisteten Arbeit dem Produkt etwas hinzugefügt wird, dass es dem Kapitalisten ermöglicht, dieses für mehr Geld zu verkaufen, als er für Produktionsmittel, Rohstoffe (aus denen beiden ja kein Mehr kommt) vorgeschossen hat. Dann kommt es ihm und damit kommt es im Kapitalismus in Bezug auf die Arbeit eben auch ausschließlich auf diese kapitalistische Abstraktion von ihrem konkreten Inhalt an: sie ist ganz getrennt von ihrem konkreten Inhalt das Mittel, um aus Geld mehr Geld zu machen – und entsprechend dieses Zwecks wird sie übrigens auch in ihrer konkreten Form dann ausgestaltet, also diese Abstraktion so weit als möglich an ihr auch praktisch vorgenommen.

    @ leonie:

    Genau deshalb kann es auch keine „faire“ Ausgestaltung des Lohnarbeitsverhältnisses geben, denn in diesem selbst ist doch gar kein Maßstab enthalten, an Hand dessen Einhalten man über „fair“ oder „unfair“ entscheiden könnte – darauf zielte ja auch tees Frage ab. Da treffen Lohnarbeiter mit dem Interesse, möglichst viel Geld für ihre Arbeitskraft zu bekommen und diese (also auch sich selbst) so wenig wie möglich zu verschleißen, weil sie ja auch zukünftig auf deren Verkauf angewiesen sind, auf Kapitalisten, welche aus ihrem Profitzweck heraus so wenig wie möglich für die Arbeitskraft für die Arbeitskraft bezahlen und diese so viel und intensiv wie möglich benutzen (was ihren Verschleiß notwendig mit sich bringt) wollen. Wie diese beiden Interessen übereinkommen, ist eine Frage ihrer Durchsetzung gegeneinander und keine der Fairness. Sondern „fair“ ist da immer bloß die Übersetzung des jeweils eigenen Wunsches, wie man das Lohnarbeitsverhältnis und damit die Ausbeutung gerne eingerichtet hätte, in einen höheren Maßstab, nämlich den eines der Herrschaft vorgängigen Rechts (in welchem Ideenhimmel das auch immer rumschwirren mag), welchen das reale Herrschaftspersonal im bürgerlichen Staat auch umsetzen würde, wenn es eine gute Herrschaft wäre. Womit bürgerlichen Staat und Kapitalismus auch ein eigentlich guter Zweck unterstellt wird, nämlich die Identität mit dem imaginierten höheren und deshalb guten Recht, den diese nur leider schlecht verwirklichen würden. Weshalb man an die Herrschaft appellieren solle, doch bitte bitte ihrem eigentlich guten Zweck nachzukommen und falls sie das nicht ausreichend macht, sich selbst im Rahmen der eigenen Möglichkeiten als Hüter dieses höheren Rechts aufzuspielen.

  43. 43 l 02. Januar 2010 um 13:11 Uhr

    @mpunkt: ich glaube, du meinst HAKAN?

  44. 44 MPunkt 02. Januar 2010 um 17:44 Uhr

    @ l: ja, stimmt …

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sechs − zwei =