Purity Balls – patriarchaler Horror

Auf Jezebel.com findet sich eine interessante Zusammenfassung einer Dokumentation über sogenannte „Purity Balls“. Auf diesen Bällen, die von Töchtern und den dazugehörigen Vätern besucht werden, legen Mädchen den Schwur ab bis zur Ehe jungfräulich zu bleiben. Der Vater schwört im Gegensatz, nach alter patriarchaler Manier, die Jungfräulichkeit seiner Tochter zu beschützen.

Die Videoausschnitte sind ziemlich erschreckend. Gezeigt werden total durchgeknallte Väter und manipulierte Mädchen, die einzig und allein Daddy glücklich machen wollen.


13 Antworten auf “Purity Balls – patriarchaler Horror”


  1. 1 dodo 05. Januar 2010 um 20:55 Uhr

    …also ich fand diese teile ja schon immer irgendwie inzestuös angehaucht, dieses „papi ist verantwortlich für klain-ernas (nicht-)sexualität“…

    auch nett, daß die männliche variante „integrity ball“ heißt.
    also ist nicht sex haben reinheit für die mädels und rechtschaffenheity für die kerls…

    abgesehen davon scheint die sache eh nicht so ganz aufzugehen:
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/12/28/AR2008122801588.html?sub=AR

  2. 2 CARMENCITA 05. Januar 2010 um 21:43 Uhr

    ein wenig info zur krassen geschichte der hochzeit:
    http://carmenrueter.wordpress.com/2009/03/13/middle-ages/

  3. 3 aline 06. Januar 2010 um 11:54 Uhr

    grauenvoll, man könnte sich in essaylängen und noch weiter darüber auslassen. dieses purity movement erzieht keine gesunde sexualität, geschweige denn aufklärung… mädchen werden schwanger und daraufhin auch noch von der familie verstoßen. (ich habe mal darüber eine dokumentation gesehen, kann mich aber leider nicht mehr wie die hieß… dort gab es solche beispiele).
    wer enthaltsam leben will bis zu ehe, bitte. aber das hier gleicht ja einem eintritt in eine sekte.

  4. 4 Christian 06. Januar 2010 um 11:55 Uhr

    Gezeigt werden total durchgeknallte Väter und manipulierte Mädchen, die einzig und allein Daddy glücklich machen wollen.

    Meine Vermutung ist allerdings, dass die Mutter ebenso konservativ ist und davon ausgeht, dass der Vater die Jungfräulichkeit der Tochter zu beschützen hat (ebenso wie er sie zu beschützen und zu ernähren hat).

  5. 5 illith 11. Januar 2010 um 2:58 Uhr

    das dürfte nahe liegen.

  6. 6 Pik Ass 22. Januar 2010 um 3:55 Uhr

    Wie alt war das eine Mädchen da, Elf?!
    Also ehrlich, in 4 jahren ist ihr dieser „Schwur“ ihr so egal.

    Das sind überforderte Eltern mit Wertvorstellungen aus dem Vorletzten Jahrhundert, die nicht akzeptieren wollen das ihre Kinder irgendwann, genau wie sie selber, mal Sex haben werden (Gut, Kinder stellen dich auch ungern vor, wie die eigenen Eltern intim sind)

    Jedoch, muss ich immer Schlucken bei der Assoziation „Reinheit = Jungfräulichkeit“, diese Analogie Sex sei was „dreckiges“ besonders für Frauen lässt mich immer den Kopf schütteln, wenn Frauen nicht Jungfräulich sind, sind diese ja „dreckig“ bzw. „befleckt“ – toll

    Diese Aufwertung von jemanden der jungfräulich und Abwertung von Sexualität sehe ich sehr kritisch.
    Wichtiger finde ich natürlich Aufklärung in Sinne von Verhütung von Geschlechtskrankheiten und ungewollten Schwangerschaften.

  7. 7 Alfa 23. April 2010 um 16:38 Uhr

    Hier bekomme ich ja Angst wenn ich das lese.
    Habe ein recht gutes Verhältnis zu meiner Tochter (13). Genau die kam letzte Woche an und fragte nach so einen „purity Ring“. Ich hatte natürlich keine Ahnung und musste erst mal lesen was das genau ist.
    Habe dann noch mal mit Ihr über ihre Beweggründe gesprochen und festgestellt das ich das gar nicht so schlecht finde. Sie sagt das einige Mädchen schon diverse sexuelle Erfahrungen haben. Die haben dann auf dem Schulhof solche Namen wie „Lolly Job“, den Rest kann man sich denken. Sicher ist es normal das es immer ein paar gibt die schon damit anfangen.

    Sie sagte das sie den Wunsch hat, weil Sie sich dann an was festhalten kann. Hmmm, habe dann nur noch gesagt das es sicher nicht notwendig ist bis zu Ehe zu warten aber bis 18 sicher auch ok wäre. Da werde ich mir zwar den Zorn Ihrer Tante (Nonne) zu ziehen, aber ich kann mit diesem Kompromiss leben.
    Eine Party werden wir nicht machen, aber etwas feierliches lass ich mir einfallen. Sie soll ja etwas Stolz darauf sein.

    Ich bin weder gläubig, noch gehöre ich einer Sekte an. Sie ist die 4 Tochter die ich groß ziehe, die anderen sind schon über 20. und ohne so etwas ausgekommen. Aber so schlimm wie Ihr es hier darstellt finde ich es nicht. Die meisten sind doch eher Stolz nicht mehr Jungfrau zu sein, warum dann nicht umgekehrt auch?

    Alfa

  8. 8 laylah 25. April 2010 um 16:18 Uhr

    Sie sagt das einige Mädchen schon diverse sexuelle Erfahrungen haben. Die haben dann auf dem Schulhof solche Namen wie „Lolly Job“, den Rest kann man sich denken.

    deine tochter könnte sich mit den stigmatisierten lolly jobs solidarisieren, statt sich dem mob zu unterwerfen.

  9. 9 dodo 25. April 2010 um 18:32 Uhr

    alfa, wie wär’s wenn ihr nicht so etwas (an sich eigentlich wertfreies) wie die jungfräuflichkeit deiner tochter feiert, sondern eine feier für die tatsache veranstaltet, daß deine tochter sich ihren eigenen wünschen entsprechend und unabhängig von IRGENDwelchen trends (pro-jungfräulichkeit oder unbedingt-loslegen-müssen) und zwängen einen ganz eigenen und individuellen weg einschlägt?
    fänd ich viel schöner. sowas wie ne persönliche „unabhängigkeitsfeier“ ganz allein für sie, wo vermittelt wird, daß du als mutter hinter ihr stehst und sie in ihren entscheidungen und den dazugehörigen prozessen unterstützt.
    das wäre ne coole party und auch ein besserer grund zu feiern.
    denn wenn ich mir vorstell, ich hätt mit 13 ne purity-feier gekriegt – spätestens 3 jahre später wär ich anderer ansicht, was das mit der sexualiät angeht… und dann hätte ich nicht nur (und das als hormongeplagter teenager) mit der änderung meiner eigenen anscihten und das austarieren dieser änderung der eigenen werte zu tun – sondern zusätzlich auch noch ein schlechtes gewissen meiner mutter/familie gegenüber, weil ich ja denen gegenüber was versprochen hab – sind die dann enttäuscht? hab ich dann nicht irgendwie versagt? und so weiter… also ich hätt da dann ganz schön zu knabbern gehabt, und ich war ein vergleichsweise sehr selbstsicherer teenager…
    nä, sorrry. halt ich für keine so gute idee.

  10. 10 illith 28. April 2010 um 1:14 Uhr

    word an dodo und laylah.
    eine persönliche unabhängigkeits-feier. cooler gedanke. :)

  11. 11 frankenstein 28. April 2010 um 15:34 Uhr

    na ja, in einer gesellschaft, in der wir alle von irgendwem und irgendwas abhängig gemacht werden ist das vll auch etwas übertrieben? mal abgesehen davon ist sie ja auch erst 13.
    hört sich für mich so nach stammesritual an. da wurde jemand aber eher in den kreis als vollwertiges mitglied aufgenommen, anstatt für „unabhängig“ zu erklärt werden ;)

    zeigt so ein bedürfnis nach einem ritual nicht eine unsicherheit an, die man klären sollte? braucht es dann wirklich so eine feier?

  12. 12 dodo 28. April 2010 um 21:28 Uhr

    warum nicht? ob es die „braucht“, ist ja nunmal weniger die frage, sondern eher, ob die betreffende person dem ablehnend gegenüberstehet, oder ob sie persönlich davon profitieren kann (selbstbewußtsein etc.). das ist dann auch eine individuell zu entscheidende frage.
    persönlich sind mir kleine rituale ganz angenehm. und es gibt eben auch die möglichkeit, diese unsicherheiten MIT einer feier zu klären/thematisieren.
    und das muß man eben individuell abklären, sowas liegt ja nicht jedem.

    beispiel:
    als ich damals meine erste menstruation bekam, schlug mir meine mutter sowas wie eine „frauen/mädchen-party“ vor. das war mir dann damals doch echt zu viel und den sinn in sowas sah ich auch nicht. wir haben uns dann drauf geeinigt, stattdessen einfach zu zweit ins kino und hinterher essen zu gehen.
    das war für mich (auch jetzt in der retroperspektive) was sehr erfreuliches, was mir irgendwie auch einen positiv-natürlichen umgang mit meiner menstruation verschafft hat.
    statt „die periode ist eklig und schmutzig und muß so sehr wie möglich versteckt werden, vor allem vor brüdern und dem vater!!!“ (und so eine einstellung war – auf mehr oder weniger subtile art – damals gang und gebe, heute wohl auch noch!) konnt ich sagen: „hast du meine handtasche gesehen? ich geh mit der mama ins kino, meine periode feiern“ – „ach, ist sie nun da? cool, glückwunsch“. das hat mich auch irgendwie darin bestätigt, daß alles okay ist und daß meine familie meinen körper und dessen entwicklungen als natürlich statt schambelastet empfand, allgemein eben, daß mein körper mit seinem ganzen zirkus, den er in der pubertät so veranstaltet, vorbehaltlos als gut so, wie er ist, angenommen wurde. und daß diese erste periode, die für mich persönlich, schon ein kleines ereignis war, eben auch den anderen wichtig war, einfach nur deshalb, weil die wußten, daß es MIR wichtig war. das gab mir das gefühl, daß es akzeptierter teil von meinem leben (und eben auch familienleben) war, statt wie bei meiner freundin, die einfach ne packung binden und ein büchlein in die hand gedrückt bekam und damit dann „alleingelassen“ wurde.
    das alles wurde eben mit dieser kleinen „feier“ ausgedrückt, was mir auf unkomplizierte art und weise vertrauen eingeflößt hat, ohne das jetzt lang und breit in der theorie diskutieren zu müssen.
    da bin ich echt dankbar dafür, wie das bei uns gehandhabt wurde.
    und würd mir wünschen, daß andere ähnlich positive erfahrungen haben.
    andererseits liegt sowas sicherlch nicht jedem/jeder. und wenn wer sich bei sowas eher unwohl fühlt statt es als positives erlebnis zu erfahren, macht ne feier oder ein ritual auch keinen sinn. aber für andere wiederum kann es was echt gutes sein – deshalb bin ich auch eher für ganz arg individualisierte „riuatle“ oder feiern (wenn überhaupt) statt gesellschaftliche „stammesrituale“.

  13. 13 Alfa 20. Mai 2010 um 19:51 Uhr

    Der Gedanke das ganze anders zu nennen finde ich OK. Wir überlegen ja auch wie wir es machen können. Sie hat sich selbst einen Text für einen Ring ausgedacht.
    Finde das ganze ganz ok, soll ja auch nicht Ihre Jungfräuligkeit schützen. Ich fand es gut das sie sich abgrenzen möchte und nicht in den Strom springen will, ich muss jetzt mit einem Jungen gehen.

    Da sie etwas wie Halle Berry aussieht hat sie an Angeboten sicher keine Probleme.
    Ich überlege ob ich es mit einem Besuch in einem Musical verbinde. Anderseits hat sie ja im nächstem Jahr Jugendweihe. Na mal sehen, wir werden sicher einen Weg finden. :)

    Na ja, vielen dank für Eure Tips.

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