Ich kenne mich mit dem Thema Feminismus noch nicht so gut aus wie ich gern möchte, aber war das Credo nicht: Die Frau soll tun was sie möchte?
Wenn sie einen Minirock tragen möchte, dann soll sie einen tragen dürfen, wenn nicht, dann soll sie auch das dürfen.
Wenn sie ein Kopftuch tragen möchte, dann soll sie eines tragen dürfen, wenn nicht, dann soll sie auch das dürfen.
Wenn sie sich schmicken möchte, dann soll das dürfen, wenn nicht, dann soll sie auch das dürfen.
Mir als Laie in Sachen Feminismus erscheint es so, dass eine (Intim-)Schönheits-Op nur ein weiterer Schritt im Bereich dieser Selbstbestimmung von Frauen ist. Wenn eine Frau das machen möchte, dann soll sie dürfen, wenn sie es nicht machen möchte, dann soll das auch ok sein.
Jetzt dem behaupteten* kapitalistischen Gebot zur Intim-Op ein an antikapitalistisches Verbot der Intim-Op gegenüberzustellen klingt für mich spontan nicht sehr emanzipativ, sondern eher so als sollte hier ein ideologischer Konflikt auf den Rücken von Frauen ausgetragen werden…
Wäre es der selbstbestimmung von Frauen in dieser Situation nicht eher förderlich wenn im Vorfeld der Op noch eine unabhängige Psychologische Beratung empfohlen (vorgeschrieben?) wird. Das könnte den Frauen vllt. eher helfen zu erkennen ob sie es nur aus Druck von außen, aufgrund einer gestörten Selbstwahrnehmung oder einfach aufgrund vom eignen Schönheitsempfinden machen wollen. Dann könnten sie möglicherweise besser eine selbstbestimmte Entscheidung treffen.
Den Holzhammer „Intim-Op = kapitalistisch = Böse“ finde ich zu simpel.
* In dem Artikel wird gesagt, dass ein kapitalistisches Schönheitsideal angestrebt wird. Einige Absätze später heißt es aber, dass es überhaupt keine Norm gibt. Ja was denn nun? Entweder es gibt eine „kapitalistische“ Norm (über deren richtigkeit sich sicher streiten lässt) oder es gibt sie nicht. Beides geht nicht. Dass mir eine solche noch nicht untergekommen ist will nix heißen.
PS: Der Vergleich mit Genitalverstümmelung hinkt auch extrem. Ist denn nicht die Freiwilligkeit das entscheidende Kriterium?
Den Frauen die eine Intim-Op machen die Fähigkeit zur freien Entscheidung pauschal abzusprechen sehe ich sehr kritisch. Wo ist der Unterschied wenn Frauen von Männern untertrückt werden, die meinen zu wissen was gut für sie ist, oder wenn Frauen von Frauen unterdrückt werden, die meinen zu wissen was gut für sie ist. Ist nicht beides abzulehnen?
Da leonie den Artikel unkommentiert verlinkt hat, ist nicht klar, was sie über die Sache denkt. Die Ansichten, die im Text zitiert werden, sind jedenfalls ordentlicher Quatsch:
„Das ist alles reine Körperverletzung“ (Heidi Besas)
Die Modifikation des Körpers durch freiwillig erfolgte Operationen ist im Leben keine Körperverletzung, höchstens für Leute, die jegliche Veränderung der organischen Natur ablehnen. Das ist ein zutiefst reaktionärer Standpunkt, der den Menschen (hier: Frauen) die Kontrolle über ihren eigenen Körper entziehen und sie geradezu zu Verbrechern machen will. In Zeiten der cyborg-Theorie mutet das beinahe mittelalterlich an.
„Da wird ein Schönheitsideal der modernen, kapitalistischen Welt suggeriert. Und man glaubt, Schönheit sei mit Geld und chirurgischen Eingriffen zu kaufen.“ (nochmal Besas)
Da das Empfinden von Schönheit zwar subjektiv verschieden ist, jedoch stets gesellschaftlich bedingt, referiert Besas da nichts als Tatsachen, die nicht mit ihrer Moral übereinstimmen, und allein deswegen nicht sein dürfen.
„Eine Genitalverstümmelung ist in dem Moment vorhanden, wenn etwas weggenommen wird – also auch, wenn die Labien verkleinert werden“
Analog ließe sich behaupten, Warzenentfernung sei Hautverstümmelung, Ohrringe sind Ohrläppchenverstümmelung und wer sich einen Tumor entfernen läßt, verstümmele sich in Wirklichkeit… Man sollte den Willen der Menschen doch mal soweit ernst nehmen, daß sie selbst entscheiden können, was sie mit ihrem Körper anstellen und was nicht, und auf die absurden Vorstellungen einer dahergelaufenen psychologischen Beraterin gut verzichten können.
„Ich vermute, dass es letztlich die Lust des Mannes steigert.“
Was bedeutet, daß alle Frauen, die Intim-OPs vornehmen lassen, willige, selbstredend heterosexuelle Lustobjekte ohne eigene Interessen sein müssen. Zumindest in Besas‘ Welt. Ne, is‘ klar.
Weitaus richtiger wäre doch, zugleich gesellschaftliche Normen bzw. das, was dafür gehalten wird, kritisch zu betrachten und gleichzeitig keine natürliche Ursprünglichkeit (weiblicher) Körper zu glorifizieren. Weder der durch Gene bestimmte Körper noch der modifizierte Körper ist per se richtig.
Wenn Petra Bentz sagt: „Keine Frau weiß, wie Frau in dem Bereich auszusehen hat. Es gibt so eine große Vielfalt – eine wahnsinnige Bandbreite, die die Natur ausgebreitet hat.“, dann muß ergänzt werden, daß auch ein operierter Intimbereich nicht grundsätzlich verkehrt sein muß. Gleiches gilt für Männer und jeden anderen. Das ist denn auch ein weiterer Kritikpunkt am Artikel, daß Geschlechtsumwandlung dem Dogma der körperlichen Unverfälschtheit offensichtlich widersprechen, aber überhaupt nicht erwähnt werden. Aber ach, sich auch das körperliche Geschlecht auszusuchen, nicht nur das soziale, ist sicher auch „Genitalverstümmelung“.
Ist das normal, daß jedes Kommentar von mir erst freigeschaltet werden muß?
@ Raphael Grande:
„In dem Artikel wird gesagt, dass ein kapitalistisches Schönheitsideal angestrebt wird. Einige Absätze später heißt es aber, dass es überhaupt keine Norm gibt. Ja was denn nun? Entweder es gibt eine „kapitalistische“ Norm (über deren richtigkeit sich sicher streiten lässt) oder es gibt sie nicht.“
Das sind zwei verschiedene Personen mit unterschiedlichen Ansichten, die im Artikel zitiert werden. Ich für meinen Teil würde behaupten, daß es verschiedene Normen gibt, die nur in beschränkten gesellschaftlichen Bereichen gelten.
Solchen Normen muß man aber schon folgen wollen. Das kann man wiederum kritisieren. Nur sollte man dabei nicht in so reaktionäre Naturalismen verfallen wie es Besas tut.
Was mir nun noch an deinem Kommentar genauso negativ auffällt wie am Artikel, ist die Aufrechterhaltung des Geschlechtsdualismus. Als würde das, was für Frauen gilt, nicht auch für Männer gelten. und umgekehrt. Da kommt viel zu viel vor als Spezifikum, was keines ist. In der Kommentarspalte bei „diestandard.at“ wird das auch richtig angemerkt, daß Intim-OPs nun wirklich keine Angelegenheit sind, die einzig Frauen betrifft. Und für alle scheint es ausgemachte Sache zu sein, daß es Männer gibt, daß es Frauen gibt, und sonst nichts.
Dieses Telefoninterview in der CROMAG ist keine wortgetreue Widergabe des Gesagten, sondern entstammt der „Feder“ der Journalistin und gehört zur Pressefreiheit.
Wer über den Artikel diskutiert und genau wissen möchte, was der Verein FORWARD-Germany STOPPT weibliche Genitalverstümmelung, INTEGRA, deutsche Netzwerk gegen FGM, EuroNet FGM sowie das Interafrican Commitee zum Thema Intimchirurgie zu sagen haben, hat die Möglichkeit sich u.a. auf unserer homepage: www.forward-germany.de zu informieren.
selbstverständlich sollen alle an ihrem körper rumoperien (lassen) können, wie sie lustig sind. hinterfragbar wäre das welt- und selbstbild, das einen menschen zu der ansicht bringt, das wäre irgendwie notwendig oder sinnvoll.
Ich kenne mich mit dem Thema Feminismus noch nicht so gut aus wie ich gern möchte, aber war das Credo nicht: Die Frau soll tun was sie möchte?
Wenn sie einen Minirock tragen möchte, dann soll sie einen tragen dürfen, wenn nicht, dann soll sie auch das dürfen.
Wenn sie ein Kopftuch tragen möchte, dann soll sie eines tragen dürfen, wenn nicht, dann soll sie auch das dürfen.
Wenn sie sich schmicken möchte, dann soll das dürfen, wenn nicht, dann soll sie auch das dürfen.
Mir als Laie in Sachen Feminismus erscheint es so, dass eine (Intim-)Schönheits-Op nur ein weiterer Schritt im Bereich dieser Selbstbestimmung von Frauen ist. Wenn eine Frau das machen möchte, dann soll sie dürfen, wenn sie es nicht machen möchte, dann soll das auch ok sein.
Jetzt dem behaupteten* kapitalistischen Gebot zur Intim-Op ein an antikapitalistisches Verbot der Intim-Op gegenüberzustellen klingt für mich spontan nicht sehr emanzipativ, sondern eher so als sollte hier ein ideologischer Konflikt auf den Rücken von Frauen ausgetragen werden…
Wäre es der selbstbestimmung von Frauen in dieser Situation nicht eher förderlich wenn im Vorfeld der Op noch eine unabhängige Psychologische Beratung empfohlen (vorgeschrieben?) wird. Das könnte den Frauen vllt. eher helfen zu erkennen ob sie es nur aus Druck von außen, aufgrund einer gestörten Selbstwahrnehmung oder einfach aufgrund vom eignen Schönheitsempfinden machen wollen. Dann könnten sie möglicherweise besser eine selbstbestimmte Entscheidung treffen.
Den Holzhammer „Intim-Op = kapitalistisch = Böse“ finde ich zu simpel.
* In dem Artikel wird gesagt, dass ein kapitalistisches Schönheitsideal angestrebt wird. Einige Absätze später heißt es aber, dass es überhaupt keine Norm gibt. Ja was denn nun? Entweder es gibt eine „kapitalistische“ Norm (über deren richtigkeit sich sicher streiten lässt) oder es gibt sie nicht. Beides geht nicht. Dass mir eine solche noch nicht untergekommen ist will nix heißen.
PS: Der Vergleich mit Genitalverstümmelung hinkt auch extrem. Ist denn nicht die Freiwilligkeit das entscheidende Kriterium?
Den Frauen die eine Intim-Op machen die Fähigkeit zur freien Entscheidung pauschal abzusprechen sehe ich sehr kritisch. Wo ist der Unterschied wenn Frauen von Männern untertrückt werden, die meinen zu wissen was gut für sie ist, oder wenn Frauen von Frauen unterdrückt werden, die meinen zu wissen was gut für sie ist. Ist nicht beides abzulehnen?
Da leonie den Artikel unkommentiert verlinkt hat, ist nicht klar, was sie über die Sache denkt. Die Ansichten, die im Text zitiert werden, sind jedenfalls ordentlicher Quatsch:
„Das ist alles reine Körperverletzung“ (Heidi Besas)
Die Modifikation des Körpers durch freiwillig erfolgte Operationen ist im Leben keine Körperverletzung, höchstens für Leute, die jegliche Veränderung der organischen Natur ablehnen. Das ist ein zutiefst reaktionärer Standpunkt, der den Menschen (hier: Frauen) die Kontrolle über ihren eigenen Körper entziehen und sie geradezu zu Verbrechern machen will. In Zeiten der cyborg-Theorie mutet das beinahe mittelalterlich an.
„Da wird ein Schönheitsideal der modernen, kapitalistischen Welt suggeriert. Und man glaubt, Schönheit sei mit Geld und chirurgischen Eingriffen zu kaufen.“ (nochmal Besas)
Da das Empfinden von Schönheit zwar subjektiv verschieden ist, jedoch stets gesellschaftlich bedingt, referiert Besas da nichts als Tatsachen, die nicht mit ihrer Moral übereinstimmen, und allein deswegen nicht sein dürfen.
„Eine Genitalverstümmelung ist in dem Moment vorhanden, wenn etwas weggenommen wird – also auch, wenn die Labien verkleinert werden“
Analog ließe sich behaupten, Warzenentfernung sei Hautverstümmelung, Ohrringe sind Ohrläppchenverstümmelung und wer sich einen Tumor entfernen läßt, verstümmele sich in Wirklichkeit… Man sollte den Willen der Menschen doch mal soweit ernst nehmen, daß sie selbst entscheiden können, was sie mit ihrem Körper anstellen und was nicht, und auf die absurden Vorstellungen einer dahergelaufenen psychologischen Beraterin gut verzichten können.
„Ich vermute, dass es letztlich die Lust des Mannes steigert.“
Was bedeutet, daß alle Frauen, die Intim-OPs vornehmen lassen, willige, selbstredend heterosexuelle Lustobjekte ohne eigene Interessen sein müssen. Zumindest in Besas‘ Welt. Ne, is‘ klar.
Weitaus richtiger wäre doch, zugleich gesellschaftliche Normen bzw. das, was dafür gehalten wird, kritisch zu betrachten und gleichzeitig keine natürliche Ursprünglichkeit (weiblicher) Körper zu glorifizieren. Weder der durch Gene bestimmte Körper noch der modifizierte Körper ist per se richtig.
Wenn Petra Bentz sagt: „Keine Frau weiß, wie Frau in dem Bereich auszusehen hat. Es gibt so eine große Vielfalt – eine wahnsinnige Bandbreite, die die Natur ausgebreitet hat.“, dann muß ergänzt werden, daß auch ein operierter Intimbereich nicht grundsätzlich verkehrt sein muß. Gleiches gilt für Männer und jeden anderen. Das ist denn auch ein weiterer Kritikpunkt am Artikel, daß Geschlechtsumwandlung dem Dogma der körperlichen Unverfälschtheit offensichtlich widersprechen, aber überhaupt nicht erwähnt werden. Aber ach, sich auch das körperliche Geschlecht auszusuchen, nicht nur das soziale, ist sicher auch „Genitalverstümmelung“.
„Ich kenne mich mit dem Thema Feminismus noch nicht so gut aus wie ich gern möchte, aber war das Credo nicht: Die Frau soll tun was sie möchte?“
Kurz gesagt: Nein.
Ist das normal, daß jedes Kommentar von mir erst freigeschaltet werden muß?
@ Raphael Grande:
„In dem Artikel wird gesagt, dass ein kapitalistisches Schönheitsideal angestrebt wird. Einige Absätze später heißt es aber, dass es überhaupt keine Norm gibt. Ja was denn nun? Entweder es gibt eine „kapitalistische“ Norm (über deren richtigkeit sich sicher streiten lässt) oder es gibt sie nicht.“
Das sind zwei verschiedene Personen mit unterschiedlichen Ansichten, die im Artikel zitiert werden. Ich für meinen Teil würde behaupten, daß es verschiedene Normen gibt, die nur in beschränkten gesellschaftlichen Bereichen gelten.
Solchen Normen muß man aber schon folgen wollen. Das kann man wiederum kritisieren. Nur sollte man dabei nicht in so reaktionäre Naturalismen verfallen wie es Besas tut.
Was mir nun noch an deinem Kommentar genauso negativ auffällt wie am Artikel, ist die Aufrechterhaltung des Geschlechtsdualismus. Als würde das, was für Frauen gilt, nicht auch für Männer gelten. und umgekehrt. Da kommt viel zu viel vor als Spezifikum, was keines ist. In der Kommentarspalte bei „diestandard.at“ wird das auch richtig angemerkt, daß Intim-OPs nun wirklich keine Angelegenheit sind, die einzig Frauen betrifft. Und für alle scheint es ausgemachte Sache zu sein, daß es Männer gibt, daß es Frauen gibt, und sonst nichts.
Dieses Telefoninterview in der CROMAG ist keine wortgetreue Widergabe des Gesagten, sondern entstammt der „Feder“ der Journalistin und gehört zur Pressefreiheit.
Wer über den Artikel diskutiert und genau wissen möchte, was der Verein FORWARD-Germany STOPPT weibliche Genitalverstümmelung, INTEGRA, deutsche Netzwerk gegen FGM, EuroNet FGM sowie das Interafrican Commitee zum Thema Intimchirurgie zu sagen haben, hat die Möglichkeit sich u.a. auf unserer homepage: www.forward-germany.de zu informieren.
selbstverständlich sollen alle an ihrem körper rumoperien (lassen) können, wie sie lustig sind. hinterfragbar wäre das welt- und selbstbild, das einen menschen zu der ansicht bringt, das wäre irgendwie notwendig oder sinnvoll.