Käßmann geht – Femistinnen sprechen

Margot Käßmann Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, gibt ihren Posten wegen Trunkenheit am Steuer auf. Mal abgesehen von der fragwürdigen Existenzberechtigung einer solchen Organisation, stellt sich die Frage in wie weit ihr Geschlecht bei dieser Entscheidung von Bedeutung war.
Dazu äußerten sich sowohl Alice Schwarzer als auch Monika Hauser.

Ich bedauere den Rücktritt von Margot Käßmann sehr! Und ich finde es falsch, dass sie diese dramatische Konsequenz gezogen hat. Falsch für uns Frauen, falsch für die fortschrittlichen ProtestantInnen in Deutschland – und falsch für sie selbst. […]
Zweifellos hat auch Scheinheiligkeit in ihren eigenen Reihen zum Rücktritt beigetragen. Zu vielen konservativen Kräften war dieser dritte Makel deutlich einer zu viel: Erstens Frau, zweitens geschieden, drittens ein Glas zu viel getrunken. Doch hatte ja der Rat der evangelischen Kirche ihr gleichzeitig sein Vertrauen uneingeschränkt ausgesprochen.

(Alice Schwarzer, SpiegelOnline)

„Margot Käßmann ist eine Persönlichkeit mit hoher Integrität. Ihr Rücktritt ist ein Modell für alle, die in der Öffentlichkeit stehen. Bei anderen Machteliten wie etwa den katholischen Bischöfen muss man immer lange warten, bis jemand zurücktritt.“

(Monika Hauser, taz)


9 Antworten auf “Käßmann geht – Femistinnen sprechen”


  1. 1 schokolade 26. Februar 2010 um 1:53 Uhr

    bin nicht so schwarzer fan, aber ehrlich gesagt war das genau mein erster gedanke – von einem mann wäre zwar auch sofort der rücktritt verlangt worden, aber der hätte versucht das auszusitzen. man denke nur an althaus der eine frau umgefahren hat und dann sogar noch versucht hat daraus kapital zu schlagen. mein zweiter gedanke war allerdings, das mir die kirche und ihr personalquatsch eigentlich ziemlich egal ist.

  2. 2 JollyOrc 26. Februar 2010 um 9:32 Uhr

    Wasser predigen & Wein trinken – wer das tut und dabei ertappt wird sollte, unabhängig von Amt oder Geschlecht darüber nachdenken, ob man am richtigen Ort ist.

    Ich rechne Frau Kässman ihren Rücktritt hoch an, da sie damit meines Erachtens ihre Organisation glaubwürdiger da stehen lässt, als all diejenigen, die sagen „ist doch nur halb so wild“.

    Damit hat sie wohl, man verzeihe mir den Ausdruck ausgerechnet im feministischen Umfeld, mehr Eier in der Hose als die meisten anderen kirchlichen Würdenträger von denen man in letzter Zeit etwas gehört hat.

  3. 3 mysa 26. Februar 2010 um 10:38 Uhr

    Wer den Rücktritt auf’s Geschlecht schiebt tut dem Feminismus keinen Gefallen.
    Frau Käßmann hatte hohe moralische Ansprüche gestellt, es gibt da noch recht junge Äusserungen über Alkohol am Steuer.
    Das es so gekommen ist bedauere ich wirklich, keine Krokodilstränen an der Stelle, insbesondere weil Frau Käßmann ja die EKD wieder etwas zurückrudern lassen wollte, Richtung des kirchlichen Kerngeschäftes.
    Und ein paar unangenehme Fragen muss sie sich leider Stellen lassen.
    Bei 1,5 der Polizei was von einem Glas erzählen, das erinnert an Äusserungen der CSU darüber wieviel man so auf dem Oktoberfest trinken darf.
    Warum in ihrer Gehaltsregion ein Taxi nicht möglich ist wäre eine weitere, oder eben ob sie nicht ein Alkoholproblem hat.
    Das ist alles sehr bedauerlich, gerade weil sie ja eine tolle Ratsvorsitzende war.

    Achjo, Eier?

    „She’s gots so much clit, she don‘t need no balls“ :)>-

  4. 4 12monkey 26. Februar 2010 um 12:11 Uhr

    Ich glaube das hatt weniger etwas damit zu tun, dass sie jetzt eine Frau ist. Vielmehr hat viele konservative sie auf dem Kicker, da sie erstens für eine etwas liberalen Kurs innerhalb der Kirche stand und dann noch sich aktiv in die Bundespolitik eingemischt hat. (z.B.Afghanistan) Ich glaube mit dem Bier war nur ein Aufhänger um sie unter Feuer setzen zu können. Das nun zusätzlich „Bier trinken ist unweiblich“ etc. ist glaub ich eher ein Nebenefffekt. Der sie noch besser angreifbar macht. Denn wenn selbst die Bildzeitung zweimal Seite 1 sich mit ihr beschäftigt ist es meistens eine Kampagne dahinter und insbesondere wenn es gleichzeitig andere attraktivere Theme gibt (kath. Kirche und Kindesmissbrauch)

  5. 5 okrinom 27. Februar 2010 um 16:17 Uhr

    Sie hat Mist gebaut, andere Menschen gefährdet und muss die Konsequenzen tragen. Wer die Moralkeule vorher schwingt und selbst diesen Ansprüchen nicht genügt muss halt gehen.

    Hochachtung und Respekt sind da völlig fehl am Platze, der Rücktritt ist eine Selbstverständlichkeit gewesen und hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.

    Nur weil es merkbefreite männliche Gestalten gibt, die auf Biegen und Brechen an ihrem Sessel klebten (Althaus) und letztlich doch gehen mussten, ändert das an Frau Käßmanns Verhalten und dessen Einordnung gar nichts.

    Der Vorwurf von Frau Schwarzer, dass ein Mann nicht gegangen wäre, ist Quatsch. Auch ein Huber hätte das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht überstanden. Ich finde ehrlich gesagt schwer nachzuvollziehen, dass ich einer Straftäterin, welche u.U. schweren Schaden an anderen Verkehrsteilnehmern aus reiner Bequemlichkeit billigend in Kauf genommen hat (nichts anderes macht jemand der sich Besoffen hinters Steuer setzt) auch noch applaudieren soll nur weil sie eine Frau ist.

    Von mir aus können die den gesamten Rat mit Frauen besetzen, aber besoffenen Autofahrern steht im Zusammenahng mit dieser Tat überhaupt kein Respekt zu.

    Dass rumschwadronieren von Frau Schwarzer bei dradio ist schon schwer zu ertragen.

    „Offensichtlich habe sich Käßmann nach ihrem Vergehen „fundamental in Frage gestellt gesehen“

    Ja natürlich, sie erzählt einen vonwegen Alkohol hinterm Steuer und Drogen und setzt sich dann selbst strunzbesoffen hinters Steuer? Wie könnte man sich denn noch mehr selbst demontieren?

    „Sie sei der Überzeugung, dass die Mehrheit der Männer wegen einer solchen Sache nicht zurück getreten wäre, betonte Schwarzer. Die tief ethisch denkende Käßmann habe sich in dieser Frage strenger beurteilt als es ein Kollege in einer vergleichbaren Situation getan hätte.“

    Logische Schlussfolgerung ist also das Frau Käßmann eine höherwertige Ethik besitzt als alle anderen Kollegen? Woher weiß Frau Schwarzer das bitte? Leitet sie das nur aus der Tatsache ab, dass es Frau Käßmann ist?

    Darüber hinaus bewerte die Gesellschaft Alkoholkonsum immer noch unterschiedlich: „Ein Mann, der trinkt, der ist fidel.“ Dagegen frage man sich bei einer Frau: „Hat die Kummer? Was säuft die denn da weg?“

    Oh mann. Frau Käßmann kann von mir aus 10 Liter Schnaps am Tag saufen, aber sie soll mit 1,5 Promille verdammtnochmal ihre Finger vom Steuer lassen.

    Wird Zeit dass Frau Schwarzer aufs Altenteil geschickt wird finde ich.

  6. 6 Rike 27. Februar 2010 um 20:12 Uhr

    Antje Schrupp hat zu dem Thema einen -wie ich finde- sehr guten Artikel geschrieben. http://www.netvibes.com/susanhadagun#General

    Ich war sehr enttäuscht, als ich gehört habe, dass Käßmann mit 1,5 Promille Auto gefahren ist. Ich hatte mir -ohne jemals sonderlich viel von der EKD mitgekriegt zu haben- einiges von ihr erhofft. Aber Trunkenheit am Steuer ist für mich ein absolutes Unding. Egal Frau, Mann oder anders definiert.

    Ich denke schon, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem raschen Rücktritt und der Tatsache, dass Käßmann eine Frau ist (siehe Antje Schrupp). Aber dennoch bin ich nicht der Ansicht, dass sie im Amt hätte bleiben sollen, um sich als Verfechterin des Feminismus zu zeigen.

  7. 7 mysa 28. Februar 2010 um 12:48 Uhr

    Diesen Link von Telepolis möchte ich an dieser Stelle als Antwort nicht vorenthalten.

    http://www.heise.de/tp/blogs/6/147163

  8. 8 Ben 28. Februar 2010 um 13:43 Uhr

    Mit ihrem Rücktritt hat Frau Käßmann aus meiner Sicht der evangelischen Kirche einen großen Dienst erwiesen. Die EKD sieht sich als moralische Instanz und Frau Käßmann hat so sicher zur Glaubwürdigkeit der Kirche beigetragen. Ich hoffe nur, dass sie wieder zurück kommt.

    Zu AS: Dumm wie immer. Man merkt deutlich, dass Moral für sie keine Rolle spielt und dass sie Frau Käßmann an den Maßstäben der Machtpolitik misst. Aber was will man erwarten – ihre ganze Korrumpiertheit hat sie bei ihrer BILD-Werbung bereits gezeigt und es ist nur natürlich, von sich auf andere zu schließen.

  1. 1 Maedchenmannschaft » Blog Archive » Genderissimi: News from the blogs Pingback am 27. Februar 2010 um 10:19 Uhr

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