Archiv für Februar 2010

From the universities to the moshpit

Schönes Kathleen Hannah Interview auf GRITtv

„Ich nehme mich zur Frau!“


(Bild von Pinoypie)

Der sogenannte „Traum in weiß“ mal anders:
Crosby hat sich selbst geheiratet.
So „richtig“? Definitionssache. Rechtlich gesehen nicht, aber ich finde es eine der schönsten Hochzeiten, von denen ich gehört habe.

Nach einigen turbulenten Jahren hat sie schlichtweg beschlossen, sich selbst zu lieben, damit JETZT anzufangen…

“So anyway, I just turned 30 & after a year of having my concepts of family, love & all the rest really turned upside down, I decided I wanted to do something, a sort of celebration & commitment to myself,(…).

und hat sich dann selbst gehiratet. Einfach so, ganz für sich allein:

So I bought myself a tiny diamond ring, went to the lovely self-realization gardens here in San Diego & quietly spoke the vows I wrote out loud to myself, looking out over the ocean, in one of my prettiest dresses.

& now I have this ring on my finger that reminds me that I am in control of my experience & my life, & that I am my own partner. When I was putting the whole little idea together, I was reminded of the Gloria Steinem quote, “We are becoming the men we wanted to marry,” (…).

Damit hat sie den Komplex „Heirat“ auf das eigentlich positive reduziert, nämlich ein Liebes- und Treueversprechen. Ohne Brimborium für die Öffentlichkeit, sondern nur für sich selbst. Das könnte man auf so vielen Ebenen aufschlüsseln.
In diesem Falle wirklich: alles Gute zur Vermählung!

New wave Paternalismus?

über babble.com
siehe auch hier.

Geschafft – Spanien setzt Fristenlösung durch

Am Mittwoch hat der spanische Senat der bereits Ende Dezember vom Parlament verabschiedeten Reform der spanischen Abtreibungsgesetze zugestimmt. Damit erhält Spanien endgültig eines der liberalsten Abtreibungsgesetze der Welt. Gleich drei generelle Gesetzesablehnungen sowie 88 Änderungsanträge der konservativen Oppositionspartei sowie verschiedener kleinerer Parteiformationen wurden von einer knappen Mehrheit im Senat abgelehnt. Da die Gesetzesvorlage nicht verändert wurde, braucht das neue Abtreibungsgesetz nicht noch einmal vom Parlament abgesegnet werden und tritt bereits in vier Monaten in Kraft.

Die bisher restriktive Indikationsregelung wird somit durch eine Fristenlösung ersetzt, welche die bisher in Spanien verbotene Abtreibung sogar erstmals als „Recht“ der Frau auf eine „frei entschiedene Mutterschaft“ definiert. Zukünftig sind Abtreibungen demnach bis zur 14. Schwangerschaftswoche legal. Voraussetzung ist lediglich eine schriftliche Beratung in einem Gesundheitszentrum. Bis zur 22. Woche wird eine Abtreibung im Falle schwerer gesundheitlicher Risiken für die Mutter oder von Missbildungen des Fötus möglich sein.

mehr

Wow wow wow, auch mal gute Nachrichten. Schön!

versuchter „Feticide“ als Straftat

Neben dem Fall in Iowa, bei dem eine schwangere Frau angezeigt wurde, da die Ärzt_innen vermuteten sie wollte mit einem Treppensturz eine Fehlgeburt einleiten ( das Mädchenblog berichtete), diskutiert der Senat und Kongress in Utah nun den Versuch eine Fehlgeburt einzuleiten unter Strafe zu stellen.

The bill passed by legislators amends Utah’s criminal statute to allow the state to charge a woman with criminal homicide for inducing a miscarriage or obtaining an illegal abortion. The basis for the law was a recent case in which a 17-year-old girl, who was seven months pregnant, paid a man $150 to beat her in an attempt to cause a miscarriage. Although the girl gave birth to a baby later given up for adoption, she was initially charged with attempted murder. However the charges were dropped because, at the time, under Utah state law a woman could not be prosecuted for attempting to arrange an abortion, lawful or unlawful.

The bill passed by the Utah legislature would change that. While the bill does not affect legally obtained abortions, it criminalizes any actions taken by women to induce a miscarriage or abortion outside of a doctor’s care, with penalties including up to life in prison

.

In Deutschland ist der Versuch eine Schwangerschaft abzubrechen zwar eine Straftat die Schwangere kann dafür aber nicht belangt werden.

§ 218
Schwangerschaftsabbruch

(4) Der Versuch ist strafbar. Die Schwangere wird nicht wegen Versuchs bestraft.

Erst eine durchgeführte, geglückte Abtreibung ist strafbar.

(1) Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Handlungen, deren Wirkung vor Abschluß der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.

(3) Begeht die Schwangere die Tat, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Dass man nicht im Strafgesetztbuch sondern eher im Grundgesetz auf das Thema Schwangerschaftsabbruch stoßen sollte, fordern Feminist_innen schon seit jeher. Die Tendenz der letzten Jahre geht aber genau in die entgegengesetzte Richtung. Abbrüche werden mit immer restriktiveren staatlichen Gesetzen belegt und Frauen dadurch weitgehend kriminalisiert.

Wooow, Berlin

Von März bis Mai geht in Berlin echt einiges. Zum einen findet die beeindruckende Veranstaltungsreihe reclaim feminism an den verschiedensten Orten statt und am ersten Märzwochenende ist überdies das Who cares?-Event zu Queerfeminismus und Ökonomiekritik. Achachach, können nicht andere Städte auch so motivierte Menschen beherbergen?

Feminist Mom

Eine langjährige Intenetfreundin hat in einer Diskussion vor kurzem etwas geäußert, was ich so schön zusammenfassend finde, daß ich es hier poste. Warum gerade für sie als junge Mutter Feminismus so wichtig ist:

Sometimes I think becoming a mother and getting married has made me encounter even more oppression then I already had encountered.
Whenever I take my kids to the doctors or someone calls for Adam or someone finds out I‘m married they automatically call me Mrs. Scavitto and when I try to correct them they usually try to start an argument with me about how I‘m obviously not committed if I wouldn‘t take HIS last name.
Also with respect to my children, I had started to feel equal to men until I had kids. Then all of a sudden all responsibility was laid on me by strangers, family,everyone. I“m a bad mother if I want to go out with friends to a bar but he can do it four times a week and he’s still a great father if he changes a fucking diaper.
Women are constantly being criticized as soon as they have offspring by everyone except the few, rare individuals that have adapted to modern times. Even other mothers criticize other mothers.
I‘ve recently started taking boxing and muay thai lessons. It’s a struggle to ever get a partner in the class-normally the instructors have to place me with someone, they they‘re awkward about hitting me because obviously I‘ll cry if I get hit-I‘m a girl, I can‘t take it.
One day the instructor kicked me in the mouth and my mouth swelled up. It was my fault for not blocking. Everyone immediately stopped and apologized and he asked me if I was okay. I simply responded with-“I gave birth, this is nothing compared to labor.“
Women are considered weaker in society and if you come across as strong you‘ll be treated like a freak.
People who say feminism isn‘t needed must be complacent with the way they‘re treated. I‘m not. Women are treated like a minority therefore they need a strong support system. Feminism does that. Someone who says you should call yourself a humanist because you‘re separating yourself from the majority must think the same thing for people of minorities who have strong support systems for their ethnic group. Racism isn‘t dead and those people affected need that support. Sexism isn‘t dead and women need support as well.

Falls wer Zeit für ne Übersetzung hat, kann er sie ja reinstellen.
xoxo

Frauenhass im Netz – Was tun? Ein paar (persönliche) Vorschläge

Obwohl die großartige leonie schon einen langen Beitrag aus der GOWS zum Thema „Frauenhass im Netz“ gepostet hat, will ich auch nochmal explizit auf folgenden Beitrag von der Mädchenmannschaft hinweisen: „Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen!“ Anna schreibt in diesem Artikel von ihren persönlichen Erlebnissen mit antifeministischen Trollereien zu ihren Artikeln und fragt sich, was mensch denn wirklich tun kann, um den Trollereien aus dem Weg zu gehen.

Folgende Empfehlungen würde ich persönlich zu antifeministischen Anfeindungen im Netz aussprechen:

  • Macht weiter! Zeigt Euren Beitrag Euren queer-feministischen Freund_Innen und holt Euch moralische Unterstützung!
  • Löscht antifeministische Beiträge einfach. Mal ehrlich, niemand muss sich auf unkonstruktiver, angreifender Ebene mit dem Thema auseinandersetzen.
  • Don‘t feed the trolls. Wenn Ihr nicht löschen könnt oder löschen wollt, dann geht einfach nicht auf stichelnde Beiträge ein. Meistens sind wilde Streierein beabsichtigt, und Ihr tut den Angreifern einen Gefallen, wenn Ihr drauf eingeht.
  • Falls Ihr doch drauf eingehen wollt, tut es mit kühlem Kopf und mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es schiefgehen kann. Mit manchen Menschen lässt sich einfach nicht diskutieren. In dem Fall könnt Ihr noch auf Lösungsvorschläge von weiter oben zurückgreifen.

Frauenhass im Netz

Facebook kann man lieben oder hassen, informativ kann es aber alle mal sein. So habe ich heute über die prima Facebook-Gruppe „Girls On Web Society“ eine Mail über „Frauenhass im Netz“ erhalten. Weil diese so super ist, will ich sie euch nicht vorenthalten.

Liebe Ladys,

für Frauen ist Bloggen etwas anderes als für Männer. Denn die machen selten die Erfahrung von sexistischen Kommentaren und frauenfeindlichen Angriffen. Für viele Bloggerinnen dagegen sind diese Alltag.

Es gibt Frauenhass im WWW seit es das Internet gibt. Die meisten Frauen nehmen dies hin, meistens sind die Kommentatoren anonym und es damit schwierig, sie zu belangen. Und so wie einem früher die Mutter riet, abends nicht durch dunkle Gassen zu schleichen, verzichten heute viele Frauen darauf, unter ihrem echten Namen zu schreiben – oder sie verzichten gleich ganz, gesellschaftskritische Ansichten im Netz zu veröffentlichen.

Doch immer mehr Bloggerinnen wollen sich mit diesem Tabu nicht mehr abfinden und schreiben ihre Erfahrungen auf. Deswegen schicke ich heute eine kleine, auf jeden Fall unvollständige Liste von Lese-Empfehlungen rum – mit der Bitte, das Thema auch im eigenen Blog aufzugreifen. Sei es mit einem eigenen Beitrag, mit Verlinkungen, oder zum Beispiel bei Annas Text, der heute auf der Mädchenmannschaft erschienen ist, direkt mit dem Angebot versehen, diesen als Gastbeitrag in eurem eigenen Blog einzubinden:
http://maedchenmannschaft.net/„ihr-durchtriebenen-miesen-fotzen

Das Piratenweib schreibt regelmäßig über ausfällige Kommentare von Kommentatoren, zum Beispiel hier:
http://www.piratenweib.de/?p=813

Paula Z. hat in ihrem Taz-Blog über ihre Begegnungen mit Maskulisten geschrieben:
http://blogs.taz.de/paulaz/2006/07/15/maskulisten/

Nele Tabler schreibt über den Versuch, Bedrohungen aus der Online-Welt in der Offline-Welt zur Anzeige zu bringen:
http://karnele.de/index.php?option=com_content&view=article&id=153:gewalt-gegen-bloggende-frauen&catid=28:thema-frau&Itemid=58

Mädchenmannschaftskolumnistin Stephanie Mayfield bekam nach einem Blogeintrag über ihre Körpergröße Morddrohungen:
http://maedchenmannschaft.net/feuerspuckende-drachen/

Lantzschi begründet, warum sie alles löscht, was sie nicht mehr als höflich empfindet:
http://medienelite.de/2010/02/05/halt-den-ball-flach-schlampe/

Und Antje Schrupp überlegt, wie generell damit umzugehen sei, dass Männer gern mal die Debatten dominieren und Frauen mit anderer Meinung runterputzen:

http://antjeschrupp.com/2010/01/05/die-sache-mit-den-besserwisserischen-mannerkommentaren-in-feministischen-blogs/

Wenn ihr weitere Texte empfehlen wollt oder eure Gedanken zum Umgang mit Frauenhass im Netz teilen wollt, habe ich hier einen Diskussionsstrang eingerichtet:
http://www.facebook.com/topic.php?topic=11988&uid=80145135378

Wir hoffen sehr, dass das Thema in Zukunft stärker diskutiert wird. Denn an einem zivilisierten Umgang miteinander und an einem Klima im Netz, in dem Frauen sexistische Angriffe nicht als gegeben hinnehmen müssen, sind wir ja alle interessiert.

We‘re suffering under the mass delusion that women […] have achieved equality.

Die wunderbare Jessica Valenti erklärt warum Frauen eben noch nicht gleichberechtigt sind.