13. März, GÖ: neither your beauty nor your beast

Göttingen, Dorf der schönsten Fem-Demos, läd auch in diesem Jahr rund um den Frauenkampftag ein:



Und der Aufruf in voller Pracht:

Lebendig sein bedeutet vielfältig sein. Wir feiern diese Vielfalt, verkörpern sie und zeigen das auch in der Öffentlichkeit.
Wir entscheiden selbst, was wir mit unserem Körper tun oder lassen: Ob wir abtreiben oder nicht, oder ob wir uns die Beine rasieren, ob und wie wir uns schminken, ob wir eine Diät durchhalten wollen oder nicht, ob wir uns in Form bringen wollen, nur um unsere Arbeitskraft besser verkaufen zu können…
Wir sind im Rollstuhl unterwegs, hinken, tragen Brillen und benutzen Krücken. Und wir haben keine Lust, dass wir durch fehlende Fahrstühle, zu enge Gänge, Kopfsteinpflaster, etc. in unserer Bewegungsfreiheit behindert werden.
Wir sind angeblich zu fett, zu dürr, zu behaart, zu groß oder zu klein. Und wir sehen nicht ein, dass wir deswegen weniger begehrenswert sein sollen und die schlechteren Jobs abbekommen, mal ganz abgesehen von der Zumutung überhaupt lohnarbeiten zu müssen.
Wir entsprechen nicht der gesellschaftlichen Körpernorm von schlank, jung, fit, gesund, Weiß, eindeutig Mann oder Frau und heterosexuell.
Und das ist auch gut so.
Wir wehren uns gegen den patriarchalen Blick auf unsere Körper. Der hat viele Gesichter.
Er kommentiert oder belächelt unser Aussehen, er ist abfällig, mitleidig und aufdringlich. Er packt uns in Schubladen, die wir uns nicht aussuchen können, er verweigert uns Zugänge zu Jobs, Bildung, Wohnungen, Anerkennung, Liebe und Sex. Er erklärt uns für krank oder pervers. Manchmal kommt er sogar in der Form vermeintlicher Komplimente daher, à la „Du hast aber abgenommen“.
Er begegnet uns in den Kleidergrößen bei H&M, wenn uns keine einzige Hose passt, in der Drogerie, wo wir hautfarbene Pflaster kaufen und feststellen müssen, dass sie alle rosafarben sind, im Krankenhaus, wo wir erniedrigenden oder unnötigen Behandlungen und Diagnosen ausgesetzt werden, in den Medien, wo Menschen wie wir entweder gar nicht abgebildet sind oder als lächerliche Freaks auftauchen und im warenförmigen Kapitalismus, in dem wir gesund, fit, attraktiv, appetitlich und leistungsstark zu sein haben und in romantischen Zweierbeziehungen, in denen das Gleiche gilt.

Wir verweigern uns diesen menschen- und lebensfeindlichen Blicken: Wir sind weder eure Schönen noch eure Biester. Wir sind uns selbst genug.
Wir laden dazu ein, phantasievoll und lautstark für ein selbstbewusstes, angstfreies Leben zu demonstrieren.
Die Demo steht in der Tradition des Frauenkampftages am 8. März, dessen 100jährigen Geburtstag wir dort zusammen feiern wollen.
Ihr könnt uns auch bei der Demovorbereitung helfen. Wir sind an euren Erfahrungen, sich gegen patriarchale Blicke zu wehren, interessiert. Diese würden wir gerne als Ergänzung zu den Redebeiträgen während der Demo vorlesen. Falls euch also Episoden/Anekdoten/Ereignisse einfallen, in denen ihr dem Patriarchat ein kleines Schnippchen schlagen konntet oder es sich selbst ad absurdum geführt hat, schreibt es auf und schmeißt es entweder in den FemKo-Briefkasten im Buchladen oder schickt es an femo_demo@web.de

„Neither your beauty nor your beast. Wider den patriarchalen Blick“
Sa, 13.03.2010, Beginn: 13.00Uhr, Gänseliesl

Anschließend Soliküche im Juzi!


6 Antworten auf “13. März, GÖ: neither your beauty nor your beast”


  1. 1 nonono 04. März 2010 um 18:51 Uhr

    Ist vielleicht ’ne blöde Frage, aber ist das so gedacht, dass sympathisierende Kerle da auch mitlaufen können oder lieber eher nicht?

  2. 2 Christian 04. März 2010 um 19:09 Uhr

    [patriarchischer Blick]
    „Er kommentiert oder belächelt unser Aussehen, er ist abfällig, mitleidig und aufdringlich. Er packt uns in Schubladen, die wir uns nicht aussuchen können, er verweigert uns Zugänge zu Jobs, Bildung, Wohnungen, Anerkennung, Liebe und Sex. Er erklärt uns für krank oder pervers.“

    Stimmt, Frauen würden nie nie nie das Aussehen eines Mannes kommentieren oder belächelen, abfällig sein oder mitleidig oder aufdringlich. Männer werden auch nie in Schubladen gesteckt, in die sie nicht wollen, und welche Frau hat schon mal einem Mann Anerkennung, Liebe oder sogar Sex verweigert. Männer wurden noch nie als krank oder pervers angesehen.

    Diese Einladung hat ein so klares Feindbild, dass es weh tut. Es grenzt die Beteiligungen von Frauen (zB im Krankenhaus) und ihr eigenes Verhalten vollkommen aus.

  3. 3 nummer.drei 04. März 2010 um 21:45 Uhr

    am besten du fragst bei femo_demo ät web . de nach…

  4. 4 hmmm 05. März 2010 um 3:50 Uhr

    wir, wir, wir – und dann nen dgb logo – also meins ist das nicht

  5. 5 lc 05. März 2010 um 15:20 Uhr

    ich weiß nicht wie die demo-veranstalter_innen das halten, aber ganz grundsätzlich finde ich, dass „sympathisierende kerle“ sich vielleicht überlegen sollten, ob sie nicht anders solidarisch sein können. z.b. in dem sie mal reproduktionsarbeiten übernehmen die ansonsten frauen* machen müssten (die vielleicht sogar deshalb nicht zur demo gehen können). typen müssen nicht immer ganz vorn und laut schreiend mit dabei sein um zu beweisen, wie solidarisch und profeministisch sie doch nicht sind.

  6. 6 n.n. 06. März 2010 um 16:06 Uhr

    „wir, wir, wir – und dann nen dgb logo – also meins ist das nicht“
    Natürlich ist das nicht deins, sondern das Logo der DGB Jugend. Das hast du doch selbst erkannt, Silly :d/

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