Polnische Abtreibungsgegner_innen machen den Mixa

Auf dem Plakat steht: „Die Abtreibung für polnische Frauen wurde am 9. März 1943 von Adolf Hitler eingeführt.“
Dieser Wahnsinn scheint nötig, da „sanfte Methoden“ im Kampf gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht wirksam waren, so Mariusz Dzierzawski, Organisator der Aktion. Was er mit „sanften Methoden“ meint bleibt aber schleierhaft. Vielleicht die Gesetzeslage, welche eine der restriktivsten in Europa ist. In Polen sind Abbrüche mit Ausnahme von Vergewaltigung oder Inzest verboten. Ärzte haben das Recht einen Abbruch aus „moralischen Gründen“ zu untersagen, auch wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist.
Diese Praxis hat verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit der weiblichen Bevölkerung.
So wurde Polen im März 2007 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt, da einer Frau mit einer schweren Augenkrankheit eine Abtreibung aus gesundheitlichen Gründen verweigert worden war. Die Frau ist seit der Geburt des Kindes fast blind.

Sanft kann auch nicht das mit der Wende neu eingeführte Familienfach „Erziehung und Familienleben“ sein, welches Sexualkunde ersetzt. Dort wird Frauen schon von Kindesbeinen eingebleut, dass Abtreibung Mord ist und eine Frau die abtreibt ein herzloses Wesen ist, welches wider ihrer Natur handelt.

Der Hitler Vergleich ist aber nichts neues, auch Walter Mixa, deutscher Katholik in Führungsposition, setzte Frauen, welche selbstbestimmt über ihren Körper entschieden mit Hilter gleich. Er betonte sogar, dass die Zahle der Abbrüche die Zahl der Todesopfer im Holocaust weit überholt hat.

Polen, welches vor 1990 ein liberales Abtreibungsgesetz hatte, änderte dies unter dem starken Einfluss der katholischen Kirche auf den Staat. Seither ist Polen eine „Provinz“ des Vatikan, mit allen negativen Auswirkungen für die Frauenrechte.

(dieStandard.at)


5 Antworten auf “Polnische Abtreibungsgegner_innen machen den Mixa”


  1. 1 Christian 04. März 2010 um 14:53 Uhr

    Vielleicht sollten auch die Abtreibungsbefürworter ihr Arsenal erweitern indem sie nicht nur auf das „Selbstbestimmungsrecht der Frau abstellen“, sondern auch darauf, dass das Abtreibungsrecht auch den Männern erheblich zugute kommt. Schließlich erspart das Abtreibungsrecht der Frau auch den Männern einiges, wenn sie in diesem Moment oder mit dieser Frau keine Kinder wollen.

    Ich bin zB aus vollkommen eigennützigen Gründen für ein Abtreibungsrecht, weil ich nicht will, dass bei einer Panne in der Verhütung keine Wahl bleibt als ein Kind zu bekommen, was mich erheblich einschränken würde.

  2. 2 n.n. 04. März 2010 um 17:39 Uhr

    „Polen, welches vor 1990 ein liberales Abtreibungsgesetz hatte, änderte dies unter dem starken Einfluss der katholischen Kirche auf den Staat. Seither ist Polen eine „Provinz“ des Vatikan, mit allen negativen Auswirkungen für die Frauenrechte.“

    Also ich glaub ja auch, dass der Untergang der Volksrepublik Polen da etwas mit zu tun hat. Diesen Staat, auf den da Bezug genommen wird, gab es vor 1989 nicht. Da sieht man übrigens mal wieder bestens, was passiert wenn man das Schwert aus der Hand lässt…

  3. 3 frankenstein 04. März 2010 um 18:01 Uhr

    @christian: und wenn die frau das kind aber bekommen will? das abtreibungsrecht ist ein recht auf abtreibung, deswegen werden trotzdem nicht alle frauen, die ungewollt schwanger geworden sind, abtreiben wollen. sie haben das recht das alleine zu entscheiden.
    man sollte mal das familienbild überdenken und endlich über die existenzsicherung der menschen reden, damit nicht mehr über „eltern“pflichten und unterhaltskosten diskutiert werden muss und der bauch einer frau nur noch sie etwas angeht.

  4. 4 Christian 04. März 2010 um 19:00 Uhr

    @frankenstein
    ich schrieb ja „das Abtreibungsrecht der Frau“. Wenn sie das Kind bekommen will bin ich wohl machtlos. Mehr als einen Überzeugungsversuch kann ich nicht machen.

    Aber wenn ich das Recht auf Abtreibung stärke, dann eben nicht für die Frau sondern weil ich will, dass überhaupt eine Abtreibung möglich ist, wenn eine Frau von mir schwanger ist und ich mir wünsche, dass sie diese Option nützt.

    Wenn man will, dass Männer für Abtreibung sind, dann bringt es wenig es als reines Frauenrecht darzustellen. Es ist eben auch ein Recht, dass Männern nützt.

    Eine Existenzsicherung ist teuer. Ich denke vom unterhaltsmodell kommen wir so schnell nicht weg. Und so lange es besteht geht es eben auch den Vater was an und damit nützen liberale Abtreibungsgesetze auch dem Mann.

  1. 1 „weil es möglicherweise Entschuldigungsgründe gibt“ « mädchenblog Pingback am 01. April 2010 um 10:54 Uhr

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