Deutschlands Frauenpolitik ist tot

Ob die Frauenpolitik in Deutschland je aus den Kindesschuhen gewachsen ist, sei nun mal dahin gestellt. Mit Kristina Köhler, ähh neuerdings Schröder (jaja die Ehe), als „Frauen“-Minsterin wird sie allerdings endgültig zu Grabe getragen .

Denn die neue, alte deutsche Frauenpolitik heißt jetzt Familienpolitik. Also Reproduktionsorgane auf Vorderfrau bringen, Ladies.

„Die Strukturen und Kulturen benachteiligen nicht nur Frauen, sondern Menschen, die Fürsorgeaufgaben in der Familie übernehmen.“

Die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen sowie die mangelnde Präsenz von Frauen auf Führungsposten „ist nicht das Ergebnis bewusster, schenkelklopfender Diskriminierung“, sagte Schröder. Sondern es sei in den Vorstandsetagen eine „familienfeindliche Kultur zementiert“. Dies aber mit der „Brechstange“ einer Quotenregelung anzugehen, sei „wie Cortison – die Symptome verschwinden, die Ursachen bleiben“.

(taz)

Mit ihrem fanatischen Festhalten an traditionellen Familie- und Rollenbildern, ist Schröder die Personifikation des „Backlash“, welcher durch neokonservative Weltanschauung versucht die gesellschaftlichen Errungenschaften des 20ten Jahrhunderts zu revidieren. Darunter fällt auch ein Frauenbild fernab vom „Mutter sein“.
Eine Frauenpolitik, die sich für reproduktive Rechte und wirkliche Gleichstellung einsetzt wird dadurch unmöglich.
Es ist zwar nicht verwundernd, dass Deutschland unter schwarz-gelb in der Frauenpolitik diese Wende einschlägt, aber trotzdem erschreckend. Vor allem wenn man bedenkt, dass Deutschland in Sachen Frauenrechten (europaweit) hinterher hinkt: die Pille danach ist nicht rezeptfrei, Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch werden nicht liberalisiert sondern verschärft, Einkommensschere, Frauendomäne Teilzeit, Armutsrisiko alleinerziehende Mutter, Gewalt gegen Frauen, Quotenparanoia etc.
Auch von der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften will Schröder nichts wissen.

Es gäbe also was zu tun, derzeit wird Frau Schröder aber dafür bezahlt Kindergärten aufzufordern mehr Ritterburgen für die Jungs zu malen und nicht nur weiblich anmutende Schmetterlinge, oder auch dafür die angeblich grassierende „Deutschenfeindlichkeit“ zu stoppen.


13 Antworten auf “Deutschlands Frauenpolitik ist tot”


  1. 1 Berta Gieselbusch 05. März 2010 um 15:51 Uhr

    Aktuelle Zahlen zur Einkommensschere gibt’s bei Spiegel Online.

  2. 2 Christian 05. März 2010 um 16:41 Uhr

    Da betrachtet eine Polikterin Kindererziehung nicht mehr als Frauensache, sondern als Familiensache und damit auch als Männerproblem und will sich dafür einsetzen es für beide Geschlechter leichter zu machen sich für eine Kindererziehung zu entscheiden und Kinder und Karriere zu vereinbaren und das soll nur schlecht sein?

    Damit verwirklicht sie doch zumindest einen Teil feministischer Forderungen.

  3. 3 miri 05. März 2010 um 17:47 Uhr

    TOD oder TOT???

  4. 4 wolf_confetti 05. März 2010 um 18:30 Uhr

    tot nicht tod

  5. 5 dodo 06. März 2010 um 12:23 Uhr

    Christian, jetzt zügel deinen Beißreflex und überleg mal: nur weil sie Männer als aktive Väter unterstützt, isses ganz toll oder wie?

    Man kann Familien- und Frauenpolitik nicht einfach in einen Topf werfen, viele Frauen SIND nämlich keine Mütter und werden es auch nie sein. Indem sie diese FFrauen und deren Nöte ignoriert, reduziert sie das Frau- aufs Muttersein.

    Statt diesen Mythos von wegen arme Jungs werden diskriminiert wegen verweiblichter Schulen mit Kohle zu unterstützen, könnte sie nämlich auch richtige Frauenpolitik machen, nämlich eine, die sich auch Frauen als Menschen jenseits der Gebärfähigkeit widmet.

  6. 6 fortschritt 06. März 2010 um 16:45 Uhr

    Naja, ich finde das Zitat von der Ministerin schlecht gewählt. Es ist ja in der Tat so, dass viele männerdominierten Berufe eben auf typisch männliche Lebensstile ausgelegt sind und eben nicht auf typisch weibliche. U.a. deswegen wird ja auch Teilzeit und Co gefordert. Gut, das tut Schröder nicht und im Zitat gehts auch eher um den Quoten-Bash von ihr (vermute ich). Trotzdem unglücklich gewählt.

    Was die Frau dann tatsächlich tut, spricht für sich.

  7. 7 Christan 06. März 2010 um 17:40 Uhr

    @dodo

    Sie es doch mal so:
    Jemand der für Frauenpolitik ist muss nicht für Quoten sein oder?

    Die Hauptgründe für geringere Löhne und schlechtere Aufstiegschancen für Frauen sind doch wohl:

    - falsches Studienfach
    - häufigeres Aussetzen wegen Kinderbetreuung, gefolgt von geringerer Flexibilität für Überstunden etc durch Kinderbetreuung
    - geringere Wahrscheinlichkeit für einen Partner, der ihnen hiervon den Rücken frei hält

    Aus Wikipedia:
    „Als eines der wesentlichen Hindernisse für den Aufstieg von Frauen stellte eine Erhebung von McKinsey vorherrschende Erwartungen heraus, die sich an dem Modell eines Mannes orientieren würden, dessen Frau die Verantwortung für Haushalt und Familie trage. Erwartungen wie die einer uneingeschränkten Mobilität, ständigen Verfügbarkeit und ununterbrochener Berufsbiografie grenzten insbesondere Mütter aus. In Deutschland beispielsweise besteht vielfach, auch unter Frauen in leitenden Positionen, die Ansicht, dass man ab einer bestimmten Hierarchieebene eine klare Entscheidung zwischen Elternschaft und Karriere trefen müsse“

    Verbessert man die Familienfreundlichkeit oder zumindest die Akzeptanz der Fremdbetreuung dann ist ein wesentliches Hindernis beseitigt. Dadurch können Frauen mehr zeigen was sie können, es steigen mehr Frauen auf und es gibt mehr weibliche Vorbilder. Was wieder mehr Frauen motiviert den gleichen Weg zu gehen.

    Das Betonen, dass das Patriarchat bekämpft werden muss oder das Frauen vorurteilen ausgesetzt sind wird hingegen Frauen eher abschrecken diesen Weg zu gehen, da sie erhebliche Schwierigkeiten erwarten und das nicht gerade anspornt.

    Zu den anderen Problemen:
    - die Pille danach nicht freizugeben finde ich nicht per se frauenfeindlich. Man kann es für besser halten, aber es kann auch ein schutz sein, da sich viele eben nicht so gut auskennen und die Pille danach unnötigerweise einwerfen würden
    - Schwangerschaftsabbruch ist bis zur 12 Woche grundlos möglich. Die verschärfungen sind eher im detail.
    - Frauendomäne Teilzeit wird durch familienfreundlichere Unternehmen angegangen, zudem ist eine verdreifachung der Kindergärtenplätze geplant
    - Gewalt gegen Frauen: Was genau wollt ihr da noch an Regelungen? Das Gewaltschutzgesetz ist recht umfassend.
    - armutsrisiko alleinerziehnder Frauen: wird ebenfalls bekämpft, wenn Unternehmen familienfreundlicher werden und diese dann arbeiten können. Was wären eure Maßnahmen?
    - Gleichstellung homosexueller Partnerschaften: GErade eine Reform gewesen, das Partnerschaftsgesetz gibt nahezu die gleichen Rechte wie hetreosexuellen. Was sind die konkreten Forderungen?

  8. 8 dodo 06. März 2010 um 21:59 Uhr

    christian – du mußt mir nicht beweisen, daß Familienpolitik sinnvoll ist und für Frauen von Nutzen sein kann. Das wissen wir alle schon.
    Dabei ignorierst du völlig meinen Einwand: daß Frauenpolitik nicht nur für die Frauen da sein darf, die Kinder haben!

    „Das Betonen, dass das Patriarchat bekämpft werden muss oder das Frauen vorurteilen ausgesetzt sind wird hingegen Frauen eher abschrecken diesen Weg zu gehen, da sie erhebliche Schwierigkeiten erwarten und das nicht gerade anspornt.“
    Was schlägst du denn als Alternative vor? Das Kind NICHT beim Namen nennen, so tun als sei alles prima, wenn das gar nicht der Fall ist? Na, das nenn ich ja mal nen Masterplan…

    „Zu den anderen Problemen:
    - die Pille danach nicht freizugeben finde ich nicht per se frauenfeindlich. Man kann es für besser halten, aber es kann auch ein schutz sein, da sich viele eben nicht so gut auskennen und die Pille danach unnötigerweise einwerfen würden“
    Der Meinung bin ich nicht. Kein Arzt ist eine Garantie für ausführliche, kompetente Beratung. Abgesehen davon ist diese paternalistische Haltung von wegen „wir müssen die frauen vor sich selbst schützen“ schon arg von hohen roß runter gerufen!
    wenn die frauen so uninformiert sind – ja, wäre es dann nicht frau schröders job, beispielsweise eine aufklärungskampagne zu starten, mit flyern, infoveranstaltungen an schulen, etc. – statt die gängelei durch arztgang zu vertreten und den frauen gar nicht die chance läßt, verantwortung für ihren körper zu übernehmen
    „– Schwangerschaftsabbruch ist bis zur 12 Woche grundlos möglich. Die verschärfungen sind eher im detail.“
    ja, und wie man so schön sagt: der teufel steckt im detail. bzw. die konsequenzen.
    „Gewalt gegen Frauen: Was genau wollt ihr da noch an Regelungen? Das Gewaltschutzgesetz ist recht umfassend.“
    ist es wohl nicht, sonst wär ja alles prima. isses aber nicht, gewalt gegen frauen ist immer noch hoch im kurs, also muß noch viel mehr getan werden. stichwort frauenhäuser, selbstverteidigungskurse etc.,… es geht ja schließlich nicht nur um gesetzgebung

    undundund… ich hab jetzt nicht vor, die ganzen feministischen grundthemen aufs neue von vorne aufzurollen, aber wer meint, mit etwas familienpolitik, so wie schröder es anpeilt, sei das ganze feld „frauenpolitik“ abgedeckt, ist entweder ignorant oder naiv.

  9. 9 schokolade 07. März 2010 um 14:12 Uhr

    also christian nervt echt ab. er entlarvt sich mit jedem post mehr als maskulinist und ich finde da muss man auch gar nicht weiter diskutieren, das dreht sich eh nur im kreis. ich auf jeden fall moechte diesen quatsch hier nicht weiter lesen muessen, jeder punkt den er auflistet beweist das er sich entweder keine gedanken gemacht hat oder sich keine machen will. ich habe auch keine lust das jetzt alles punkt fuer punkt darzulegen weil ich nicht finde, dass die becshaeftigung mit maskulinistischen argumenten hier soviel platz einnehmen sollte.

  10. 10 dodo 07. März 2010 um 15:31 Uhr

    ^ich versteh schon, was du meinst. Da die Hoffnung halt zuletzt stirbt, denk ich mir, vielleicht bleibt doch was an argumenten bei ihm hängen.

  11. 11 n.n. 07. März 2010 um 17:09 Uhr

    Ja, dodo, vielleicht lernt er mal was. Bis dahin fände ich es aber angebracht alle seine Behauptungen und unsinnigen Aussagen zu entfernen und lediglich die ernst gemeinten und belegte Aussage stehen zu lassen. Das erspart uns alle ein paar graue Haare.

  12. 12 Rutchen 08. März 2010 um 14:53 Uhr

    Unsere >Familienministerin> könnte auch für bessere und auch mehr Kinderbetreuung sorgen, dann wäre das Überstundenproblem geklärt….
    Außerdem ist der moderne Mann auch gleichberechtigt und hilft im Haushalt oder passt auf die Kinder auf. Meine Mutter hat sich lange nur um ihre zwei Töchter gekümmert, aber nach der geburt der 3. Tochter wollte sie das nicht mehr. Sie hat eine neue Stelle angenommen. Seitdem schmeißt mein Vater genauso wie meine Mutter den Haushalt!!!

  1. 1 Genderblog » Kristina Schröders Gleichstellungskonzept Pingback am 09. März 2010 um 11:46 Uhr

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