Femen – ukrainische Girl-Power

Die jungen Frauen der Gruppe Femen mischen die ukrainische Gesellschaft schon seit längerem mit provokanten Auftritten, sowohl in Wort als auch in Kleidung, auf. Sie setzen auf nackte Haut und laute Straßenaktionen.
Ihre wohl bekannteste Aktion war das Projekt „Die Ukraine ist kein Bordell“. Damit wollten sie auf den Sextourismus nach Osteuropa und speziell in die Ukraine aufmerksam machen.

Obwohl ich die vergangenen Aktion alle super-cool finde, ist die Neue irgendwie, naja…
Femen ruft die Freundinnen und Ehefrauen der Kabinettsmitglieder zum Sexboycott auf. Damit sollen sie solidarisch gegen die sexistischen Äußerungen des ukrainischen Regierungschefs Nikolai Asarow protestieren.
Protest ok, aber Sexboycott um Männer zu „bestrafen“ löst bei mit immer ein ungutes Gefühl aus. Klingt es doch danach als hätten Frauen nur den Männer zuliebe Sex und können gern auch mal drei Monate darauf verzichten bis der Mann dann macht was frau will. Frauen sollten andere Mittel zum Kampf finden statt ihre Sexualität zu limitieren. Die Männer kommen bei der Sache auch nicht gerade besser weg, kaum bekommen sie keinen Sex mehr ändern sie ihre Meinung, triebgesteuert wie sie sind.
Also, blöde Idee. Aufmerksamkeit erlangen sie dadurch aber sicher.


24 Antworten auf “Femen – ukrainische Girl-Power”


  1. 1 n.n. 24. März 2010 um 13:07 Uhr

    Wie kannst du das denn verurteilen, wenn du es „super-cool“ findest mit Bikinigirls (also Tits‘n'Ass) gegen Prostitution zu agitieren?

  2. 2 n.n. 24. März 2010 um 13:09 Uhr

    Nachtrag: Was ist eigentlich in deinen Augen provokant wenn sich Frauen ausziehen und wenn man gegen Prostitution vorgeht? Bzw. in welcher Welt lebst du, in der so etwas provokant wäre?

  3. 3 fab 24. März 2010 um 19:11 Uhr

    @leonie:
    Was gibt es an Bordellen und Sextourimus zu kritisieren?

  4. 4 leonie 25. März 2010 um 0:41 Uhr

    @fab: Ausbeutung.

    @n.n: das erste verstehe ich nicht. Das zweite, es ist „provokant“ in einer Gesellschaft in der Menschen welche politisch aktiv sind, meist angezogen/bekleidet sind. Weibliche Nacktheit ist in unserer Gesellschaft nun mal noch „provokant“. Das hat jetzt nicht persönlich was mit mir zu tun.

  5. 5 Cyrano 25. März 2010 um 1:39 Uhr

    @fab: Kritik an „Sextourismus“ & Bordellen (so sie im Kapitalismus-affirmativen Rahmen verbleibt), wäre erstmal darauf anzuklopfen, ob sie im Einverständnis mit den Sexarbeiterinnen (bzgl Arbeitsbedingungen etwa, Lohn, etc…) geäußert wird, oder ob die Kampagne auf das gute Image der Ukraine abziehlt… aus nem kurzen Überfliegen der verlinkten Website möchte ich keine voreiligen Schlüsse ziehen, dort wird“Ukrainia is not a Brothel“ als „national Programm“ bezeichnet, u. von den Interessen der Prostituierten steht da nix …
    auf russisch u. ukrainischensprachigen Seiten ist aber vielmehr info enthalten… werd ich mir vielleicht mal mit wacherem Kopf zu Gemüte führen…

  6. 6 t 25. März 2010 um 8:37 Uhr

    „@fab: Ausbeutung.“

    endlich eine lohnarbeitskritik, leonie?!

    und weibliche nacktheit ist in unserer gesellschaft provokant? wen provoziert das denn wozu? pressefotografen dazu den auslöser zu drücken?! wie provokant!

  7. 7 leonie 25. März 2010 um 9:43 Uhr

    Was heißt hier endlich mal, ich hab mich ja wohl nie für Ausbeutung ausgesprochen, natürlich findet Ausbeutung auch an anderen Arbeitsstellen statt.
    Komm mal runter…

  8. 8 oma hertha 25. März 2010 um 13:11 Uhr

    „lohnarbeitskritik“ meint t. nicht „ausbeutung“.

  9. 9 Maria 25. März 2010 um 18:07 Uhr

    „Weibliche Nacktheit ist in unserer Gesellschaft nun mal noch „provokant“. “

    @ leoni

    Bitte? In welcher Gesellschaft lebst du eigentlich? Ich brauche mich doch nur in einen Bus setzen und sehe permenant mehr weibliche nackte Haut als männliche. Es ist seit Jahren so, dass Kleidung für Frauen weniger Stoff hat als für Männer. Ich sehe nur die tiefen Dekoltees von jungen Damen, hohe Röcke und lange Beine, während Männer – die ich viel lieber nackt sehen würde :D – kaum Hosen tragen die das Knie erreichen und eher 3/4 sind als kurz.

    Nacktheit ist zumindest in Deutschland keine Provokation mehr. USA – okay. Aber nicht hier.

  10. 10 Cyrano 25. März 2010 um 21:05 Uhr

    Also. Was sich auf der russischen Wikipedia findet, klingt recht realpolitisch orientiert einerseits (so wird die besetzung aller wichtigen Ministerämter mit Männern kritisiert, ungleiche Löhne von WahlhelferInnen, etc…), und andererseits führt FEMEN Proteste durch wie die Störung einer Misswahl mit der Bergündung
    „модели на конкурсах красоты — товар. Они скорее выступают в роли наложниц на арабском рынке, и совсем не являются самостоятельными, красивыми и независимыми женщинами … “ – etwa: „Die Models in Schönheitswettbewerben sind Waren. Eher sind sie in der Postion von Konkubinen auf dem arabischen Markt (Basar), und vor allem sind sie nicht unabhängig, schöne und unabhängige Frauen…“.
    Was nun die Aktion „kein Bordell“ betrifft, so gibt Wikipedia wenig her, aber der folgende Spiegel Artikel gibt nen guten Einblick: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,639108,00.html
    Das klingt für mich, selbst wenn ich nur mit den Erwartungen Gleichberechtigung/Skandalisieren gefährlicher Arbeitsverhältnisse rangehe, wenig sympathisch. „Heute gehen wir auf Patroullie“, heißt es da (meines wissens keine Doppeldeutigkeit, „auf den Strich gehen“ ist damit nicht gemeint), und „Wir erkennen Ausländer an ihren Gesichtszügen und an ihrer Kleidung … Wir wollten die Sexsucht einiger Ausländer heilen.“ Einerseits heißt es, 60% aller Prostituierten in Kiew seien Studentinnen, andererseits, wer „Prostituierte besucht“ helfe der Mafia. Der Spiegel führt als Argument gegen „Sextourismus“ dann auch noch das Verbot der Prostitution in der Ukraine an, aber das, denke ich, kann übergangen werden…
    Bis jetzt habe ich das ungute Gefühl, dass die Sexarbeitrinnen selbst als Teil des Problems gesehen werden:
    „“Lassen Sie sich nicht mit Prostituierten ein. Besuchen Sie lieber das Museum unseres Nationaldichters Michail Bulgakov.“

  11. 11 finny 26. März 2010 um 18:58 Uhr

    auch wenn die inhalte und aktionsformen nicht 100 % mit den eigenen idealen übereinstimmen, ich bewerte es trotzdem sehr positiv. man muss sich schließlich vor augen halten, dass es die ukraine ist und nicht deutschland – und dass es deswegen auch nicht an „hiesigen maßstäben“ gemessen werden kann, sondern vor dem hintergrund, dass in der ukraine bisher in der art wenig bis gar nix lief, betrachtet werden muss! dass da jetzt was läuft, ist doch super!

    artikel zu femen in der süddeutschen: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/453752/1/1#texttitel

  12. 12 Hinweis 27. März 2010 um 11:49 Uhr

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1103152/

    DEUTSCHLANDFUNK Sendung:
    Hörspiel/Hintergrund Kultur Dienstag, 16.03.2010
    Redaktion: Hermann Theißen 19.15 ? 20.00 Uhr

    In langen Schürzen würde man uns nicht beachten
    Zivilgesellschaftliche Aufbrüche in der Ukraine
    Von Anastasia Vinokurova

    Jeweils am 24. August feiert die Ukraine sich selbst. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde an diesem Tag 1991 die Gründung des unabhängigen demokratischen Staates Ukraine verkündet. Die 24-jährige Kiewerin Anna Hutsol sieht allerdings keinen Grund zum Feiern: „In 18 Jahren entwickelte sich die Ukraine zu einem Staat der Willkür der Machthaber. Für den Rest der Bürger wird weder rechtlicher noch wirtschaftlicher Schutz gewährleistet.“

    Anna und die im Jahr 2008 von ihr gegründete Fraueninitiative FEMEN kämpfen in erster Linie für die Rechte der ukrainischen Frauen, gegen Prostitution und Sex-Tourismus und ermuntern ihre Mitbürger zum aufrechten Gang. Die Mittel sind einfach, aber wirksam: Mit öffentlichen Performances in sexy Outfits wird Aufmerksamkeit hergestellt und über Missstände in der ukrainischen Gesellschaft aufgeklärt. „In langen Schürzen würde man uns nicht beachten“, erklärt Anna. Die Popularität der Gruppe wächst, nach einem Jahr hat FEMEN über 20.000 inoffizielle Mitglieder.

  13. 13 illith 27. März 2010 um 12:12 Uhr

    onT:
    bei dem letzten absatz stimme ich (zur abwechslung mal ;) ) absolut mit dir überein, leonie.

  14. 14 dodo 29. März 2010 um 14:55 Uhr

    @maria:
    ich denke, leonie wollte darauf hinweisen, daß BESTIMMTE frauen in BESTIMMTEN situationen eben doch nackt provokant sind.

    von models auf den von dir zitierten plakaten, sexarbeiterinnen etc. ist es natürlich zu erwarten und nicht provokant. klar.

    aber von frauen mit feministisch-politischen anliegen, da erwartet das klischee doch eher birkenstock und latzhosen-alt68erinnen mit nem anti-sextourismus transpi iner hand statt bikini-feministinnen.
    von dem her is da durchaus provokation mit im spiel.

  15. 15 ticke 30. März 2010 um 23:43 Uhr

    „aber von frauen mit feministisch-politischen anliegen, da erwartet das klischee doch eher birkenstock und latzhosen-alt68erinnen mit nem anti-sextourismus transpi iner hand statt bikini-feministinnen.“

    das klischee ist doch noch aus den 80ern, dodo. das heutige klischee hat provokation durch nackte haut als ein sehr zentrales moment. das haben madonna und andere angefangen und ist nun langsam auch bis in die hinteren ecken der gesellschaft durchgedrungen.

  16. 16 Tom 10. November 2010 um 11:33 Uhr

    @fab Zwangsprostitution, Menschenhandel

  17. 17 Alex 22. Februar 2011 um 13:39 Uhr

    wo bekommt man solche t-shirts wie sie im fernsehen anhatten??

  18. 18 Michael Schwalbe 04. Mai 2011 um 9:37 Uhr

    Der einzige Unterschied zwischen diesen „Frauen“ und Prostituierten ist das nicht vorhandene finanzielle Interesse, aber ansonsten kämpfen sie mit identischen Waffen. Vielleicht sollten die Mädels lieber ein Bordell aufmachen und dort die Staatsgäste beglücken, so erreichen Sie wesentlich mehr.

  19. 19 31. Mai 2011 um 16:26 Uhr

    Die Mädels gehen noch weiter. Sie protestieren auch gegen Babyhandel, gegen Verweltigungen, gegen Unrecht etc. und nicht nur nackt

  20. 20 joachim Luettecke 17. Juni 2011 um 20:11 Uhr

    Da wehren sich Menschen auf – offentsichtlich zumindest medienwirksame Art – gegen als Unrecht / Mißstand empfundene Zustände.
    Keine Gewehre, keine Bomben, keine Toten und Verletzten, kein materieller Schaden.
    Über das „Fein-Tuning“ der politischen Aussagen kann man streiten.
    Aber insgesamt:
    Civilcourage ! Finde ich gut.
    Gruß Joachim
    (Sorry, wenn „mädchenblog“ nur für Mädchen ist, bin über Suchfunktion hier gelandet…)

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