Muttermilcheis als profitorientiertes Produkt

„Two shambolic nimwits trying to blag a million pounds, by any means possible in 90 days.“

Das sind vier Typen aus Großbitannien, die sich vorgenommen haben, mit aus Sicht des Mainstreamverständnisses durchgeknallten Aktionen, wie zum Beispiel „Das kleinste Festival der Welt“, welches in einem Wohnzimmer stattfand, 1 Millionen Pfund zu verdienen. Das Ganze innerhalb von 90 Tagen. Falls sie das Ziel erreichen sollten (was bei gerade mal etwas über 4000 verdienten Pfund unrealistisch erscheint), sollen mit dem Geld junge unabhängige Filmemacher aus Großbritannien unterstützt werden.

So weit, so gut.

Eine dieser Aktionen ist jedoch höchst unreflektiert und spiegelt, das Bild der Frau in der patriarchischen Gesellschaft, in der wir alle leben, wieder: die Vier stellen Eiscreme aus Muttermilch her, die ihnen eine Bekannte „gespendet“ hat. Nun versuchen sie, die Eiscreme an Jugendliche in einem Park zu verkaufen. Natürlich ist die Bekannte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr anwesend; wie einer der netten Herren auf Nachfrage bemerkt (O-Ton!), „ist sie zuhause und passt auf das Baby auf“. Damit ist das Rollenklischee bereits bedient.

Desweiteren wird die Bekannte durch die gesamte Durchführung der Eisaktion aus ihrer Menschlichkeit und ihrer dem Mann gleichberechtigten Stellung, die sie, wie sich hiermit wieder einmal zeigt, höchstens auf dem Papier inne hatte, herausgenommen und muss, wenn auch nicht in einer so ausweglosen Weise und durchaus freiwillig, das unterdrückte und qualvolle Schicksal einer „Milch“Kuh teilen.
Sie produziert ein Produkt, welches ihr abgesprochen wird, damit ein Mann damit Profit machen kann, während sie daheim das Kind hütet.

Das Prinzip der Ausbeutung der Frau geht hier also noch ein Stück weiter; statt „nur“ den weiblichen Körper in Abbildungen fragwürdiger Schönheitsideale abzuwerten, wird die Frau hier als Produktlieferantin ausgenutzt und mit einem nichtmenschlichen Tier, seiner/ihrer Existenz als Produzent/in und seinem/ihrem Leiden, gleichgesetzt. Es werden also hier nicht „nur“ sexistische Strukturen der Gesellschaft, sondern auch speziesistische Strukturen derselben deutlich.

Wie hier deutlich, reichen solche Beweise der Ungleichberechtigung auch in Bereiche hinein, die die/der durchschnittliche Verfolgerin/ Verfolger des Blogs höchstwahrscheinlich als Spaß identifizieren würde.


5 Antworten auf “Muttermilcheis als profitorientiertes Produkt”


  1. 1 ichgehschlafen 27. März 2010 um 13:31 Uhr

    Total unlogisch in meinen Augen, was du da schreibst. Schauen wir uns doch die Situation an:

    Sie produziert ein Produkt, welches ihr abgesprochen wird, damit ein Mann damit Profit machen kann, während sie daheim das Kind hütet.“

    Sorry, das stimmt so einfach nicht. Erstens, die Frau hat mit dieser Situation überhaupt nichts zu tun, d.h. warum in aller Welt sollte sie in dieser Sequenz erscheinen? Vielleicht hat sie überhaupt kein Bock, gefilmt zu werden? Vielleicht ist der Typ einfach ein Trottel, wenn er ihr automatisch die Kindeserziehung überträgt, aber das ist vollkommen unabhängig von dem, was die beiden da versuchen.

    Männer produzieren keine Muttermilch. Also ist es klar, dass sie sich an eine Frau wenden. Was mich zu der Frage bringt, wo du siehst, dass da irgend etwas abgesprochen wird? Es geht um eine Idee, die man witzig oder nicht witzig finden kann, darin jetzt die große kapitalistische Entrechtung der Frau zu sehen, ist in meinen Augen nicht ersichtlich bzw. herbeifabuliert. Schließlich – und darum geht es bei der Profitgeschichte – gibt es ja nicht mal einen Arbeitsvertrag.

    Sorry, ich kann damit hinten und vorne nichts anfangen.

  2. 2 Kathleen 27. März 2010 um 22:13 Uhr

    doofe doofe scheisse, diese sendung.

    kleines detail am rande:

    sollte es im ersten satz nicht „„Two shambolic D IMIWITS (nicht nimwits) trying to blag a million pounds, by any means possible in 90 days.“ heissen? also „dummköpfe“?

  3. 3 Magarethe 28. März 2010 um 12:46 Uhr

    Die Typen sind wirklich das hinterletzte und bestätigen leider alle Klischees die ich von dummen, sexistischen Männern habe! Traurig, dass Großbritannien sowas nicht zensiert oder unter Strafe stellt…

  4. 4 Jakob 10. April 2010 um 10:55 Uhr

    Nette Idee aber nicht konsequent genug umgesetzt, diese Kunstaktion. Intelligenter wäre es gewesen, tatsächlich die Frauen zum Produktionsinstrument zu degradieren, indem von für die einen bunte Eiswerbung und für die anderen Flyer wie „Attraktiver Nebenverdienst – wir kaufen ihre Muttermilch!“ verteilt wird. Oder eine Frau stellt sich selber hin und versteigert ihre Muttermilch etc. Ich finde Kunst darf das und sollte auch provozieren. Aber bitte dann intelligent und konsequent anstatt so doof wie die Typen.

  5. 5 marcy 11. April 2010 um 5:31 Uhr

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