Wie war das nochmal mit Vergewaltigungen

Kiely Williams, eine us-amerikanische Sängerin, bejubelt in ihrem Song „Spectacular“ Sex ohne Erinnerung.

Die Sache klingt dann ungefähr so:



Last night I was drunk
I don‘t remember much
But what I do constant pictures
Thats how going I was
But he was tall and he was buying
So I gave him a trying
Said he was like a stallion
And the man wasn‘t lying

Last I remember I was face down
Ass up, clothes off, broke off, dozed off
Even though I‘m not sure of his name
He could get it again if he wanted
Cause the sex was spectacular

You can say what you want but
You can call me a slut but
What he did to me last night felt so good
I must have been on drugs
I hope he used a rubber
Or I‘mma be in trouble

Ein guter Kommentar zu dem Song findet sich auf Shakesville

Because her song isn‘t, after all, about a „twenty-something who goes out and gets a little bit too drunk and goes home with a guy whose name she can‘t quite remember.“ Her song is about a woman who „dozed off“ and „blacked out“ and „must have been on drugs“ because she can‘t even remember whether the man she was with used a condom. That’s not a booze-fueled one-night-stand. That’s a rape.

Even if someone is sober enough to consent and gives enthusiastic consent for sexual activity (an issue around which the song skirts), continuing to „have sex“ with a sleeping or unconscious person is rape. Consent can be withdrawn at any point during a sexual act, and ergo the ability to withdraw consent is part of a consensual sex act. Consent isn‘t an on-off switch. Consent is an active entity.

The idea that saying „yes“ means saying yes to everything no matter what happens is a narrative of the rape culture.

Sehr treffend formuliert auch Jaz auf RH Reality Check

Also, she is completely nonchalant about the fact that she doesn‘t know if her partner used a condom but hopes so because that could cause her „trouble.“ Yes, Kiely, you could end up with a sexually transmitted infection or an unintended pregnancy (or both). So in this scenario, you don‘t know this guy’s name, or anything about him, except that he bought you lots of alcohol and that you wanted to run out of his home as fast as possible (which sounds like regret and embarrassment). It couldn‘t have been that spectacular then.

Ich denke auch, dass die positive Darstellung eines solchen Erlebnisses nicht unproblematisch ist. Denn leider leben wir immer noch in einer Welt in der einige Männer versuchen, sich Frauen mit Alkohol und Drogen den Körper gefügig zu machen und ihnen ihre Entscheidungsfähigkeit „will ich überhaupt Sex mit dieser Person“ zu rauben.
Die Frau sagt dann vielleicht nicht mehr „Nein“, Vergewaltigung bleibt es aber trotzdem.


24 Antworten auf “Wie war das nochmal mit Vergewaltigungen”


  1. 1 dodo 16. April 2010 um 7:14 Uhr

    hier reagiert sie auf die kritik persönlich:
    http://www.youtube.com/watch?v=QbMfzkZXUIU&feature=player_embedded

    …allerdings kann zumindest ich nicht gerade viel mit der antwort anfangen3:-o

  2. 2 illith 17. April 2010 um 0:59 Uhr

    üble scheiße.
    kann mir nur vorstellen, dass das ein bewusster provo-promo-move ist?! weil abgesehen von dieser spectacular-line in der hook (die find ich sehr ’stimmungsvoll‘) scheint mir das lied auch recht grottig zu sein

  3. 3 brunhilde 17. April 2010 um 19:56 Uhr

    „not every song has a greater message to the world“
    also,das ist ja mal eine aussage..unglaublich,sowas zu singen und dann sowas dazu zu sagen..entweder ist sie total unrefklektiert oder sie hat einfach gemerkt,wie unmöglich der text ist und muss sich rechtfertigen.

    außerdem stellt sie dann auch noch eine verbindung mit diesem „i kissed a girl“-song her..das macht das ganze noch schlimmer..

    oh mensch..ich kann das echt nicht glauben,wie viele missbrauchte mädchen bekommen denn bei dem lied trigger-erlebnisse?!
    allein deswegen sollte diese kiely sich schon bewusst sein,dass das lied eine tiefere bedeutung hat und absolut unmöglich ist.

  4. 4 hannah 17. April 2010 um 23:21 Uhr

    wow, das macht mich echt wütend.
    keine normale frau, die ich kenne, wäre stolz auf so ein erlebnis, egal wie gut der sex auch gewesen sein mag.
    was ich auch wirklich fragwürdig finde, ist eine zeile in der zweiten strophe, in der sie sich fragt ob er wohl ein kondom benutzt haben mag. hiv und hep c olé kann man da wohl nur sagen…

  5. 5 illith 18. April 2010 um 22:25 Uhr

    naja, aber daran, dass der Sex dermaßen spektakulär war, kann sie sich ja glücklicherweise noch erinnern 8-|

  6. 6 frankenstein 19. April 2010 um 9:06 Uhr

    ich finde es schon ein bisschen problematisch „sex ohne erinnerung“ per se mit einer vergewaltigung gleichzusetzen. klar ist es das eindeutig, wenn jemand eine person mit alkohol gefügig macht und sie in ihrem hilflosen zustand zu sex zwingt. aber von zwang ist hier ja erstmal keine rede, oder?
    das alkoholisierte menschen zu hemmungsloserem verhalten neigen weiß jeder, und ist für viele auch grund zum trinken. das man so ein verhalten im nachhinein oft bereut ist auch kein geheimnis. ich finde es aber schon komisch, wenn man dann andere für die dinge, die man in diesem zustand freiwillig tut, verantwortlich macht. wenn ihr sagt, dass man alkoholisiert keinen freien willen besitzt und gar nicht nein sagen kann, dann liegt es wohl in der macht jedes einzelnen sich nicht zu betrinken, oder nicht? wie gesagt, bei zwang ist alles ganz eindeutig, aber „nur“ weil sie sich an nichts erinnern kann – er vielleicht auch nicht – ist es doch nicht gleich eine vergewaltigung!?

    den song finde ich zwar auch recht bescheuert, aber vielleicht wirkt er ja abschreckend und animiert weniger zum nachahmen.

  7. 7 laylah 19. April 2010 um 12:27 Uhr

    mann, frankenstein. da steht ganz klar, dass sie weggepennt ist. alles lesen, zu allem äußern.

  8. 8 Christian 19. April 2010 um 14:24 Uhr

    @laylah

    Sie erinnert sich, dass der Sex gut war. und das letzte an das sie sich erinnert war, dass sie nackt auf dem Bett liegt. Das soll nach einvernehmlichen Sex ja durchaus vorkommen.

    Dannach folgt eine „ich muss auf Drogen gewesen sein, sonst mache ich ja keine One-Night-Stands“-Rechtfertigung. Sie ist ja schließlich ein gutes Mädchen.

  9. 9 frankenstein 19. April 2010 um 22:16 Uhr

    mann, laylah. mein fehler. und dennoch, den kommentar darüber, ab wann was vergewaltigung sein soll finde ich dürftig.

  10. 10 illith 19. April 2010 um 23:54 Uhr

    @christian:
    nein, das sagt sie nicht.

    ob man dieses fiktive geschehen nun vegrgewaltigung nennen kann, kann ich für mich nicht beantworten, da mir die geschilderte situation aus meiner perspektive nicht schlüssig erscheint – also dass man während nem filmriss gefickt wird, wovon man kaum noch was weiß, den akt aber trotzdem als so unglaublich spektakulär bewerten kann – :-?

    auf jeden fall ist das stück kackscheiße, weils im schlimmstenfall die einschätzung und daraufhin das verhalten einer person, in diesem fall eines jungen/mannes dahingehend beeinflussen könnte, dass eine tatsächliche vergewaltigung stattfindet – die das fragliche mädchen oder die frau dann ganz und gar nicht spectacular findet. so casper/jenny-style.
    (also vermutlich hat dieses eine lied nicht eine derartige macht, aber ich mein im verbund mit anderen entaprechenden medialen bildern)

  11. 11 Christian 20. April 2010 um 13:23 Uhr

    @ilith
    Bitte sag mir am Text wo da steht, dass sie während eines Filmrisses gefickt wurde.

    Zunächst sagt sie mal, dass sie sich an nicht viel erinnert (don´t remember much). Also nicht an gar nichts, wie es bei einem Filmriss wäre. Zumal sich das erinnern auf den Abend und nicht unbedingt auf den Sex bezieht.

    An den scheint sie sich sehr gut zu erinnern:

    „Said he was like a stallion
    And the man wasn‘t lying“
    „He could get it again if he wanted
    Cause the sex was spectacular“
    „What he did to me last night felt so good“

    ALso wo genau steht da, dass sie nicht mehr klar im Kopf war?
    Zumal wir auch nicht wissen, wie es bei ihm aussah.

    Immerhin sagt sie auch, dass man sie von ihr aus auch als Schlampe bezeichnen könnte:

    „You can call me a slut but“

    das läßt immerhin darauf schließen, dass sie meint selbst etwas getan zu haben, was die Bezichnung „Schlampe“ rechtfertigt, also wohl eher ein aktives Verhalten.

    Die verdächtigen Sätze sind dann ja wohl nur:

    I must have been on drugs
    I hope he used a rubber

    Daraus wird geschlossen, dass sie zu besoffen war um einzuwilligen. Aber das sie beide in Geilheit und Besoffenheit einfach nicht mehr an ein Kondom gedacht haben, sondern eben nur noch an Sex und sie sich am nächsten Morgen nicht mehr sicher ist, was genau alles passiert ist, ist genauso möglich.

    Wer mal betrunken einvernehmlichen Sex hatte, der kennt die Sorge ob man auch an die verhütung gedacht hat durchaus. Ich war auch schon erleichtert das Kondom neben dem Bett liegen zu sehen.

    „Must have been on drugs“ scheint mir hier eher eine Entschuldigung zu sein. Es wird nicht gesagt, dass er dafür verantwortlich ist. Es scheint mir eher, dass sie die Nacht schön fand, sie aber nicht dem entspricht, was sie sonst so macht.

    Sie sagt im übrigen auch nicht, dass sie seinen Namen nicht kennt, wie in den Analysen oben behauptet, sondern, dass sie sich bei seinem Namen nicht sicher ist.

  12. 12 dodo 20. April 2010 um 15:31 Uhr

    sicher kann man nicht 100% sagen, ob die frau in der story jetzt definitiv vergewaltigt wurde, sehr viele fakten gibts ja nicht – darüber hat die verfasserin sich anscheinend ja auch keine gedanken gemacht.

    aber es „riecht“ danach. sie sagt, der sex sei spektakulär gewesen, kann sich aber nicht mal daran erinnern, ob ein kondom benutzt wurde – wie viel vom sex weiß sie dann überhaupt noch? kann jemand, der derart weggetreten ist, überhaupt noch seine zustimmung geben?

    und da gibt es eben auch dummerweise das problem, daß – so blöd es klingen mag – manche frauen nicht wissen, daß sie vergewaltigt wurden und sich das nachher schönreden, sozusagen auch als psychischen selbstschutz und verdrängung.
    ich erinner mich da an ein abendlanges gespräch mit ner gerichtspsychologin, und anscheinend kommt es gar nicht so selten vor, daß mädels in solchen situationen nicht begreifen, daß bewußtlos gevögelt werden vergewaltigung ist. und sich dadurch „selbst schuldig“ fühlen, als hätte der täter sich richtig benommen, sie aber nicht. und dann wird das ganze aus scham und psychischem selbstschutz anderen gegenüber (und schließlich auch sich selbst gegenüber) als „spontaner, geiler sex“ deklariert, um nicht die opfergefühle ertragen zu müssen, um sich nicht die angst eingestehen zu müssen, daß man sich in einer situation befand, in der man null kontrolle über den eigenen körper hatte und jemand das ausnutzte. so kann man drüber reden (sich das „von der seele reden“), ohne sich mit dem eigentlichen problem, der eigentlichen, tiefgehenden verletzung, stellen zu müssen.
    stichwort rape culture…

    und mit dem hintergrund find ich das lied eben auch irgendwie sehr beklemmend.

  13. 13 gtz 20. April 2010 um 19:15 Uhr

    daß mädels in solchen situationen nicht begreifen, daß bewußtlos gevögelt werden vergewaltigung ist

    hat denn eine vergewaltigung stattgefunden, wenn sich niemand vergewaltigt fühlt? nach welchem maßstab denn?

  14. 14 laylah 21. April 2010 um 22:14 Uhr

    gtz: wer nicht weiß, was eine vergewaltigung ist, weil er zb noch nie von sowas gehört hat, kann sich auch nicht „vergewaltigt fühlen“. leugest du jetzt einfach den von dodo beschriebenen mechanismus – wenn ja, bitte substanzieller – oder was soll die frage?

    frankenstein: du wirfst hier irgendwem vor, „„sex ohne erinnerung“ per se mit einer vergewaltigung gleichzusetzen“. falls das ne übersetzung von

    Consent can be withdrawn at any point during a sexual act, and ergo the ability to withdraw consent is part of a consensual sex act. Consent isn‘t an on-off switch. Consent is an active entity.

    sein sollte, isses ne ziemlich schlechte. du müsstest schon (wie christian, warum auch immer der hier noch posten darf) argumentieren, sie wäre halt erst NACH dem sex „face down, ass up“ weggepennt. find ich erstma nich sehr plausibel.

  15. 15 frankenstein 22. April 2010 um 10:32 Uhr

    @laylah: ich hab bereits geschrieben, dass es mein fehler war. ich habe nicht richtig gelesen.
    mir stellt sich bei dem ganzen aber dieselbe frage wie gtz. ab wann ist es richtig von vergewaltigung zu sprechen.
    hier wird zwar viel und oft von deutungshoheit, aber wenn eine frau sagt, sie fühlt sich nicht vergewaltigt, dann ist sie im unrecht und muss sich eigentlich als opfer fühlen?

  16. 16 posiputt 22. April 2010 um 17:55 Uhr

    „hat denn eine vergewaltigung stattgefunden, wenn sich niemand vergewaltigt fühlt? nach welchem maßstab denn?“

    hat denn mord stattgefunden, wenn niemand sich ermordet fuehlt?

  17. 17 Christan 23. April 2010 um 6:43 Uhr

    @posiputt

    wenn das Opfer noch fühlen kann, dann ist es zumindest kein vollendeter Mord, allenfalls kein Mordversuch.
    Hat der Täter in Abstimmung mit dem Opfer gehandelt ist es eine Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB) und kein Mord.

  18. 18 mysamysa 23. April 2010 um 8:44 Uhr

    @ Posiputt

    Frag das doch zB mal nen Henker.
    Die Frage ist durchaus berechtig, wie einige, auch ich hier in leider zensiert, schon feststellten.

  19. 19 dodo 24. April 2010 um 15:40 Uhr

    was ist denn das für eine frage… wenn ner frau eingetrichtert wird, nur das klischeemäßige „fremder-zieht dich aufm dunklen nachhauseweg hintern busch und du wehrst dich mit händen und füßen“ sei vergewaltigung und alles andere nicht – und sie deswegen ihren opa, der sie 1x iner woche vergewaltigt, nicht anzeigt – wurde sie dann etwa NICHT vergewaltigt? weil ihr die korrekte definition von vergewaltigung nicht bekannt war?
    sie fühlt sich deswegen trotzdem mißbraucht, scheiße, sie ist opfer, ihr sexualleben ist gestört, psychische traumata etc. – aber es ist daNn keine vergewaltigung, weil sie es nicht unter diesem wort „ablegt“? ich bitte dich.
    es glauben auch immer noch viele frauen, wenn ihr ehemann sie zum sex zwingt, sei’s keine vergewaltigung, weil sie ja verheiratet sind – auch wenn das (wenn auch erst seit kurzer zeit) rechtlich gesehen ein ganz klarer fall von vergewaltigung ist. die psychischen, phyischen usw. auswirkungen sind aber eben trotzdem die einer vergewaltigung, der täter handelte als vergewaltiger, gnaz unabhängig davon, ob das opfer dieses wort gebraucht.
    interessanter artikel auch bei happy feminist (ne amerikanische anwältin), wirklich lesenswert:
    http://happyfeminist.typepad.com/happyfeminist/2006/01/loooong_post_on.html

    alles in allem geht es hier ja gar nicht darum, drüber zu streiten, OB die fiktive person in dem lied jetzt definitiv 100%ig vergewaltigt wurde – das ist insofern schon gar nicht möglich, weil die verfasserin des liedes sich null gedanken drüber gemacht hatte und es keine konkreten hinweise gibt, die irgendwas „beweisen“.
    es geht eben darum, daß sie sich KEINE gedanken drüber gemacht hat, bzw. recht naive oder (der rape culture gegenüber) sehr ignorante. das an sich ist schon aussagekräftig genug.

  20. 20 leonie 24. April 2010 um 18:33 Uhr

    Ich finde es sollten sich alle noch einmal diese Sätze zu Gemüte führen, stehen zwar im Post schon genau so, aber hier noch einmal.

    Even if someone is sober enough to consent and gives enthusiastic consent for sexual activity (an issue around which the song skirts), continuing to „have sex“ with a sleeping or unconscious person is rape. Consent can be withdrawn at any point during a sexual act, and ergo the ability to withdraw consent is part of a consensual sex act. Consent isn‘t an on-off switch. Consent is an active entity.

    The idea that saying „yes“ means saying yes to everything no matter what happens is a narrative of the rape culture.

  21. 21 trostlos 01. Mai 2010 um 12:48 Uhr

    ich finde man kann dort von vergewaltigung sprechen weil die sängerin sich ja VOR dem sex nicht dazu entschieden hat.
    man kann sich nicht danach dazu entscheiden weils dann ja schon passiert ist

  22. 22 Sagi 23. Januar 2011 um 3:33 Uhr

    „Kackscheiße“ ist ein zu schwaches Wort…:o

  1. 1 Kommentare – Der Alltag als Bloggerin « mädchenblog Pingback am 18. April 2010 um 17:08 Uhr
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