Archiv für Mai 2010

Hilfe, das neue deutsche Frauenbild kommt

Lena Meyer Landrut, Eurovision Song Contest Gewinnerin, ist neue deutsche Vorzeigefrau. Sie verkörpert laut Stefan Raab „ein schönes, neues Frauenbild aus Deutschland“. Sie ist braunhaarig (auf blond wurde verzichtet, die Affinität zu blonden Haaren hat den Deutschen im Laufe der Geschichte nicht allzu viele Sympathien eingebracht), kindlich und sieht in kurzen schwarzen Kleid heiß aus.
Ihr Äußeres verspricht also, bis auf die Haarfarbe, nicht sehr viel Neues. Wenn man sich dann hoffnungsvoll dem Text des Schlagers Satellit zuwendet, wird man ebenfalls bitter enttäuscht.
Statt einem neuen Frauenbild, spiegelt dieser alte, heteronormative Machtverhältnisse in Beziehungen wieder.

I went everywhere for you
I even did my hair for you
I bought new underwear, they’re blue
And I wore ‘em just the other day

Love, you know I’ll fight for you
I left on the porch light for you
Whether you are sweet or cruel
I’m gonna love you either way

Lena, oder sagen wir das lyrische Ich, macht alles für ihren Mr.Right, auch wenn dieser „grausam“ ist.

You sometimes make me sad and blue

Neben Selbstaufgabe lieben Frauen natürlich auch Leiden. Für den Richtigen nimmt frau das alles in Kauf – Hauptsache unter der Haube.

I saved the best I have for you

Denn was wäre die neue, deutsche Frau ohne die Anspielung auf die gute, alte Jungfräulichkeit.

Einen üblen Beigeschmack hinterlässt aber nicht nur das armselige Frauenbild im Text, sondern auch die Extraportion Nationalismus, die solche Events zu Tage bringen.

Good Night Daddy´s Pride

Am 12. Juni wollen Väterrechtler in Wien auf die Straße gehen. Mehr Infos zu den antifeministischen Stellungen der Maskulinisten und zur Gegendemo findet ihr hier.

Anti-Choice Terror

Ein Video des „Center for Reproductive Rights“ zeigt die Schikanen mit denen „Abortion Providers“ in den USA täglich konfrontiert sind.

Diese Art des Terrors auf sämtliche Angestellten, welche die medizinische Dienstleistung „Schwangershcaftsabbruch“ anbieten, ist längst kein auf die USA begrenztes Thema mehr, auch in Europa steigt die Präsenz von den selbsternannten „Lebensschützern“ vor Kliniken. In Frankreich wurden aufgrund dieses Terrors Schutzzonen vor Abtreibungskliniken errichtet. In anderen europäischen Ländern wie Deutschland oder Österreich müssen Frauen, welche eine Abtreibung vornehmen lassen, mit den Schikanen der Fanatiker_innen rechnen. Wirkliche Bestrebungen der Politik dies zu ändern gibt es nicht.

Are you Late – TV-Werbung für Schwangerschaftsabbrüche

Ein TV-Spot der Organisation Mary Stopes International bringt erstmals das Thema „Abtreibung“ in die Fernsehwerbung. Die 30-sekündige Reklame soll Frauen über ihre Optionen im Fall einer ungewollten Schwangerschaft aufklären.
Gegenwind gibt es wie immer von den Kirchenoberhäuptern und von Anti-Choice-Aktivist_innen.

In Deutschland verbietet §219 explizit die Werbung für Schwangerschaftsabbrüche. Diese Regelung erschwert vielen Abtreibungsanbietern, Frauen ausreichend zu informieren.

Miss Aggro 2010

Klingt spannend: „It is very conventional to sexualise, deny or pathologise female aggression. fuck that shit. be straight forward and show your aggression in an honest way! photos, drawings, sounds, poetry, video, sculpture, fashion… free choice of media! for further information visit www.wraah.com

Ne Blume zwischen den Beinen

Die „Terre de femmes “ Startseite zeigt diese Blume:

daneben einen Artikel über Genitalverstümmelungen. Jetzt ist es nicht meine Intention ein so coole Organisation wie „terre de femmes“ zu kritisieren oder in schlechtes Licht zu rücken, aber eine Blume als Anspielung auf eine Vulva finde ich ziemlich abgedroschen. Ich mag zwar Blumen und ich mag Vulvas, aber ich finde nicht das diese beiden Dinge zusammenpassen oder einander abbilden. Die Assoziation ist aber keine neue, Blumen sind schön, rein, duften und haben etwas harmonisches, kurz gesagt sie sind „weiblich“.

Dass eine Vulva aber nicht immer blumig duftet und Ort höchster Reinheit ist, weiß nicht nur Charlotte Roches „Helene“, sondern sollten auch ein paar mehr Menschen realisieren.

Dazu Helene:

Mir ist klar geworden, dass Mädchen und Jungs unterschiedlich beigebracht kriegen, ihren Intimbereich sauber zu halten. Meine Mutter hat auf meine Muschihygiene immer großen Wert gelegt, auf die Penishygiene meines Bruders aber gar nicht. Der darf sogar pinkeln ohne abwischen und den Rest in die Unterhose laufen lassen.
Aus Muschiwaschen wurde bei uns zu Hause eine riesen-ernste Wissenschaft gemacht. Es ist angeblich sehr schwierig eine Muschi wirklich sauberzuhalten. Das ist natürlich total Unfug. bisschen Wasser, bisschen Seife, schrubbel-schrubbel. Fertig.
Bloß nicht zu viel waschen. Einmal wegen der wichtigen Muschiflora. Dann aber auch wegen dem für Sex sehr wichtigen Muschigeschmack und -geruch. Das soll ja nicht weg.

Blumenbilder für Vulvas hätten Helenes Mutter wohl gefallen…

Merkel und die Frauen

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel befindet sich derzeit auf Staatsbesuch in Saudi-Arabien, neben den obligatorischen Treffen mit den Mächtigen des Landes, wollte Frau Merkel auch ganz explizit die Geschäftsfrauen des Landes treffen um mit ihnen über Emanzipation quatschen. Die saudi-arabische Führungsriege hat dieses Verhalten nicht unbedingt begeistert, immerhin spornt Frau Merkel mit diesem Treffen die Debatte über die rückschrittlichen Frauenrechte im Land erneut an.

Also eigentlich ein cooles Verhalten der deutschen Kanzlerin und es hat mich sogar ein bisschen gefreut, dass sich Frau Merkel angesichts der patriarchalen Verhältnisse im Land so weit aus dem Fenster wagt.

Die Freude stellt sich aber gleich wieder ein, wenn man bedenkt wie wenig Engagement Frau Merkel für Frauen* im eigenen Land zeigt. Nach typisch westlicher Manier macht sie lieber auf Missstände in anderen Kulturen aufmerksam, statt sich den Problemen im eigenen Umfeld zu widmen. Das Statement dieser Aktion ist ganz klar „Uns Frauen im Westen gehts ja eh gut“, die anderen haben Probleme wir nicht! Da kann dann auch schon mal eine Frau Schröder als Frauenministerin rekrutiert werden und die Frauenquote konsequent abgelehnt werden. Wirklich Schade!

Dafür haben wir jetzt aber keine Zeit

Einen Reader mit dem Titel „Dafür haben wir jetzt aber keine Zeit“, in dem diverse queer-/feministische Texte zusammengestellt wurden, gibt es zum Download beim Antisexistischen Aktionsbündnis München

Maggi fix und her mit den Rollenbildern

Der ganz normale Wahnsinn – eine Maggi-Werbung lässt mal wieder kein Klischee in Sachen „Geschlechter“ aus. Zu sehen ist eine glücklich geschäftige Frau in der Küche, Seite an Seite mit ihrer Tochter. Was die beiden tun? Ganz klar sie kochen „Hackfleisch Gemüsepfanne“ für „ihre Männer“, die gerade in der Scheune mit Holzarbeit beschäftigt sind. Wie männlich! Und richtige Männer brauchen bekanntlich Fleisch und Frauen die dieses zubereiten. Frauen hingegen sind ja eher der Gemüsetyp, deshalb stellt die Maggi-Kochstudio-Tante am Schluss fest „Wenn es allen schmecken soll“, bei diesem viel sagenden Satz schwingt die Kamera von den glücklich schlingenden Männern zu den kichernden Frauen. Ja Gemüse und Fleisch, das freut den Haussegen und auch die nächste Generation kleiner Mädchen und Jungen wird im Maggi-Kochstudio mit Glutamat und Rollenbildern sozialisiert.

Der Papst treibt ab

Hihi…