Rap, der zum Nachdenken anregt

Allzu oft bestehen Rap-Lieder ja aus hirn- und geschmacklosen Texten, die vor Klischees, Sexismen und Diskriminierung jeglicher Art nur so strotzen; die Inhalte besagter Lieder stehen oft hinter diesen Diskriminierungen zurück oder sind erst gar nicht erkennbar.

Ganz anders kommt allerdings das Rap-Lied „Thou shalt always kill“ der britischen Künstler Dan Le Sac und Scroobius daher.
Das Lied ist dank britischem Akzent nicht nur schön anzuhören, es gibt in ratschlagartiger Form Denkanstöße in verschiedene Richtungen.
Auch in antisexistische und feministische Richtung:

„Thou shalt not use poetry, art or music to get into girls pants. Use it to get into their heads.“

Hier richten sich die Künstler klar gegen das Bild der Frau als Objekt, dass es (in diesem Falle mit Kunst) zu erobern gilt hin zur Frau als Subjekt, welche durch Kunst zu neuen, von dem/der Künstler/in angedeuteten Ansichten gelangen möchte. Ganz klar wird hier also statt der allzu üblichen Körperlichkeit eine Geistigkeit angesprochen.

„Thou shalt remember that guns, bitches and bling were never part of the four elements and never will be.“

Diese Zeile kann als offene Kritik am Genre des Rap verstanden werden, welches sich durch Statussymbole definiert und auch Frauen zu solchen Symbolen macht. Statt die drei oben genannten „Elemente“ anzunehmen, definieren die britischen Künstler andere Kunstelemente. Diese werden auch in einem Kreidebild im Hintergrund dargestellt. Durch die Aussage, dass genannte Statussymbole nicht zu diesen Elementen der Kunst gehören, wird zu Diskussionen über ein neues Kunstverständnis angeregt; es stellt sich dir Frage, ob stumpfer Rap mit diskriminierenden Inhalten überhaupt als Kunst aufgefasst werden kann.

Insgesamt bieten die Künstler eine erfreulich gesellschaftskritische Art des Rap, die zu eigenem Denken anregt und sich nicht in den ausgetretenen Fußspuren des Mainstream-Raps rumtreibt.


14 Antworten auf “Rap, der zum Nachdenken anregt”


  1. 1 lacyuu 10. Mai 2010 um 23:44 Uhr

    Find ich toll, dass hier auch Dan le Sac vs. Scroobius Pip entdeckt wurde. Das Lied ist schon seit langem mein absoluter Liebling und der Beweis, dass Hip Hop net generell kacke sein muss.
    Neben den Stellen „use it to get into their heads“ und den 4 Elements enthält das Lied noch weitere Stellen die erwähnenswert sind:
    so z.B. dass net alle kinderfreundlichen älteren Männer Pädophile sind und es übt irgendwie Kritik an den ganzen Popsongs mit wenig Inhalt, die aber mit hübschen Hintern „garniert“ werden. Und er in Strapsen is‘n toller Anblick.

    Auf jeden Fall auch hörenswert: The Beat that my Heart skipped.
    Schön zu hören, dass Männer sich auch beim Flirten mehr Gedanken machen, als ne Frau nur ins Bett bekommen zu wollen.

  2. 2 jali 11. Mai 2010 um 7:40 Uhr

    Sehr erfrischend. Obwohl ich eigentlich gar keinen Hip Hop mag.
    Neben den gesellschaftskritischen Aspekten gefallen mir die kleinen Spitzen und Sticheleien sehr gut: „Thou shalt not watch Hollyoaks“. Großartig, dem kann man sich nur aus vollem Herzen anschließen!

  3. 3 posiputt 11. Mai 2010 um 8:07 Uhr

    if i may: kleine korrektur. die beiden nennen sich „dan le sac vs. scroobious pip“ (der pip fehlte! oh my).

    und am rande hoffe ich, dass hier nicht der eindruck entsteht, rap sei in den letzten 30 jahren noch nie auf diese art inhalte gekommen. wobei mir jetzt nichts explizit feministisches einfaellt (gibts aber doch sicher auch). inhaltlich und foermlich sind dlsvssp weit voraus, aber selbst die fantastischen vier (und ueberhaupt die ganzen bekannteren fruehen deutschrapper) haben sich schon anfang der neunziger kritisch mit den rap-klischees auseinandergesetzt (und das in ihren texten ;))

    ende des besserwissermodus. the fantastischen vier are just a band :)

  4. 4 posiputt 11. Mai 2010 um 8:12 Uhr

    kann man das nicht noch in die nettiquette eingliedern?
    „thou shalt not make repetitive generic comments!“

  5. 5 Kratzbürste 11. Mai 2010 um 8:54 Uhr

    „Thou shalt remember that guns, bitches and bling were never part of the four elements and never will be.“

    Ich glaube, hier geht es weniger um „Kunstelemente“ als vielmehr um die 4 Elemente des Hip Hop: Rap, Graffiti, Breakdance und DJing.

    Naja und „guns, bitches und bling bling“ gehören da eben eigentlich nicht dazu

  6. 6 martin 11. Mai 2010 um 12:26 Uhr

    „Do you love hip-hop but hate to be exposed to misogynistic, homophobic, racist/anti-Semitic* and violent lyrics? The songs listed below run the gamut from old-school rap to the newest hip-hop, mainstream to underground, socially conscious to mindlessly fun. The songs were recorded by female and male artists.“
    http://www.nownyc.org/women/images/feminist_certified_rap_and_hiphop_songs.pdf

  7. 7 illith 11. Mai 2010 um 13:18 Uhr

    und am rande hoffe ich, dass hier nicht der eindruck entsteht, rap sei in den letzten 30 jahren noch nie auf diese art inhalte gekommen. wobei mir jetzt nichts explizit feministisches einfaellt (gibts aber doch sicher auch).

    ja, zb in meinen alten werken ;)
    www.iLL-ATTACK.de -> unten rechts.

    onT:
    der track hat auf jeden fall seine momente, meinen geschmack trifft er aber nicht so – zu hektisch und zu wenig gereimt.

  8. 8 frankenstein 11. Mai 2010 um 18:06 Uhr

    „dass net alle kinderfreundlichen älteren Männer Pädophile sind“

    stimmt zwar, möchte hier aber onT erwähnen, dass nicht pädophile zu ächten sind, sondern pädosexuelle, also nur die, die ihre neigung ausleben.

  9. 9 mensch im mohn 11. Mai 2010 um 20:55 Uhr

    Zum Thema Hiphop mit feministischen Inhalten:
    Bei der Mädchenmannschaft gabs doch vor kurzem Mal dieses Interview mit der HipHopperin Sookee. Auf myspace: http://www.myspace.com/sookeeberlin

  10. 10 Cyrano 11. Mai 2010 um 21:19 Uhr

    „Ich glaube, hier geht es weniger um „Kunstelemente“ als vielmehr um die 4 Elemente des Hip Hop: Rap, Graffiti, Breakdance und DJing.

    Naja und „guns, bitches und bling bling“ gehören da eben eigentlich nicht dazu“

    Sehe den progressiven Kontext da höchstens partiel.

    Fiel mir schon bei den an sich interessanten einleitenden Zitat schwer:

    „Thou shalt not use poetry, art or music to get into girls pants. Use it to get into their heads.“

    Nun gut: a) da ist die Beschränkung auf Rap/HipHop.
    b) gerade das „pants“ Zitat währ natürlich auf jederlei „Kunst“ auszuweiten, aber dann: warum? Bzw.: Genauer: Warum kann das eine „pants“ mit dem andren“ „Heads“ nicht zusammenfallen? Das würde natürlich voraussetzen, dass die Bereitschaft, Kunst wahrzunehmen, vielleicht gemeinsam zu schaffen, oder sich auszutauschen, mit körperlichem Bedürfnis zusammenfällt. Aber wie ist denn das „to use peotry“ zu verstehen? Muss man sich das hier be-sprochene theorethische „girl“ so blöd vorstellen, dass sie sich von „Poetry“ ins Bett verarschen lässt? Fällt mir schwer, das so zu denken, viel eher wird wohl ein (halbwegs) gemeinsames set an Werten geteilt, dessen ungeachtet wird hier aber eine Art Kunst auf Frauen zu benutzen gegen eine andre ausgespielt. Genieaesthetik.
    Daher wieder a): Es geht wohl um Dinge, die für HipHop szwnetypisch sind, bzw. die sich international am Markt durchgesetz haben. Entsprechend wendet die Gruppe sich an Leute, die auf das stehen, was eben Mainstream ist, bling&bla, wurde oben schon zitiert, und nun soll das eben nicht mehr zentral sein:
    „Thou shalt remember that guns, bitches and bling were never part of the four elements and never will be.“
    Das ist natürlich einfach erstens objektiv unwahr, solange eben die kritisierten Elemente dominant sind, aber die Kritik ginge durchaus in die richtige Richtung. Was aber sicher stören sollte ist diese Naturalisierung, dieser Schrei nach Authenzität: „the four elements“. Da stellt man doch den guten HipHop gegen den schlechten, den authentischen gegen den verfäschten. Das ignoriert die Geschichte, gerade die Umstände unter denen sich „guns, bitches und bling bling“ zu bestimmenden Symbolen herausbilden konnten.
    Nun möchte ich gar nicht die Band/Gruppe/Whatever groß angreifen, das Ganze mag in dieser Stoßrichtung schon Sinn machen, wenn den zu hoffen ist, dass hier auch Leute erreicht werden, die vorher anders dachten. Aber dieses Richtiges X gegen falsches X ausspielen halte ich für eine unkluge Herangehensweise. Suggeriert halt immer nen unschuldigen Ursprung…

    Cyrano

  11. 11 Franky Kubrick Chakuza 15. Mai 2010 um 18:19 Uhr

    Danke für den Artikel. Ich mag Rap in allen Facetten. Das gefällt mir auch sehr. :)>-

  12. 12 zuckers 17. Mai 2010 um 12:32 Uhr

    nach all den „shall nots“ am ende mit „shall allways kill“ zu enden erscheint mir nicht sehr progressiv oder gar unterstützenswert. ein lied nur aus regeln, wo der junge mann bescheid weiss und dem rest erklärt, was sie alles nicht dürfen umd dann zu sagen töten sollen sie. finde ich eher eklig.

  13. 13 Senf 22. Mai 2010 um 15:34 Uhr

    „Thou shalt remember that guns, bitches and bling were never part of the four elements and never will be.“

    Diese Aussage hört man so oder ähnlich schon seit mehr als dreißig Jahren von so orthodoxen Vier-Elemente-HipHoppern, eine wirklich neue „Anregung“ ist das nicht. Mit Gesellschaftskritik sollte man das auch nicht verwechseln, die Kritik bezieht sich nur auf die HipHop-Szene und ihre Dogmen bzw. deren Nicht-Einhaltung.

  14. 14 guter rap ist rar 09. Juni 2011 um 8:27 Uhr

    … aber es gibt ihn, den guten Rap! Ganz wichtig!
    Wahre Musik muss unterstützt werden!

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