Auseinandersetzung mit sexualisiertem Übergriff auf „queerer“ Party

Eine aktuelle Geschichte aus Berlin – beispielhaft für fast jede Stadt.

---------- Weitergeleitete Nachricht ----------

Als Veranstalterinnen der FrauenLesbenTrans*-Sexparty “be_cunt” im Ficken 3000° sehen wir uns in der Verantwortung über einen sexualisierten Übergriff in diesem Raum zu informieren. Dieser passierte im April 2010 auf der sich selbst als “queer” bezeichnenden Tanz- und Sexparty “Pork”, die ebenfalls im Ficken 3000 statt findet. Der derzeit alleinige Veranstalter der Party riss einer alleine auf der Tanzfläche tanzenden Frau gegen ihren Willen ihr T-Shirt vom Oberkörper. Außer ihren beiden Begleiterinnen griff niemand ein, obwohl es einige andere Gäste mitbekommen hatten. Die Begleiterinnen stellten den Veranstalter zur Rede, woraufhin er versuchte sie als prüde darzustellen. Er behauptete, sie hätten Probleme mit ihren Körpern, wenn sie sich nicht die Klamotten vom Leib reißen lassen wollen. Er mache das immer und für ihn sei das ein Mittel seine Party aufzupeppen.
Wir erfuhren später direkt von den anwesenden Frauen von dem Vorfall. Da wir im selben Club eine Party machen, sahen wir uns in der Verantwortung, der Sache nachzugehen. Wir gingen zu einer der darauf folgenden Partys und sprachen den Veranstalter auf die Situation an. Eine Klärung war nicht möglich, stattdessen bekamen wir folgende Reaktionen:
Er reiße den Leuten immer die Klamotten vom Körper. Gender sei für ihn egal, wir seien alle Tiere und somit alle gleich. Frauen sollten nicht immer so tun, als würden sie von der ganzen Welt unterdrückt, Frauen versklavten sich selber, wenn sie nicht so “frei” wären, ihre “Titten” zu zeigen. Wir sollten allen unseren “feministischen Freundinnen, die ihre Titten nicht zeigen wollen, sagen, dass sie nicht zu Pork kommen sollen”.
Zu erwähnen ist noch, dass nirgendwo – weder im Internet, noch auf Flyern – angekündigt wird, dass es zu solchen Übergriffen kommen kann.

Was geschehen ist begreifen wir eindeutig als sexualisierten Übergriff, die Aussagen des Veranstalters sind schlicht sexistisch. Zudem zeigt sich exemplarisch, wie es öfter in Teilen der queeren Szene vorkommt, dass winzige Brocken queerer Theorie aufgeschnappt, aus dem Zusammenhang gerissen und dazu genutzt werden, sexistisches, übergriffiges Verhalten zu rechtfertigen.
Für uns ist klar: Gender ist konstruiert, aber nicht “egal”. Es ist ein wirkmächtiges Konzept und das Patriarchat existiert leider (immer noch). Sexpartys sind toll, wenn alle Spaß haben und sie einen geschützten Raum für alle bieten. Und die absolute Mindestregel muss gegenseitiger Respekt und Einvernehmlichkeit sein.

Wir – als Veranstalterinnen von “be_cunt” – distanzieren uns ausdrücklich von einem solchen Verhalten. Wir legen bei unserer Party großen Wert auf einen respektvollen, antisexistischen Umgang miteinander. Da es leider viel zu wenig antisexistische Sexpartys gibt, die Möglichkeiten, solche zu organisieren begrenzt sind und wir diese Partys wichtig finden, werden wir in dem Raum bleiben und versuchen, weiterhin eine Party zu veranstalten, auf der sich alle wohl und sicher fühlen können.


15 Antworten auf “Auseinandersetzung mit sexualisiertem Übergriff auf „queerer“ Party”


  1. 1 Christan 13. Mai 2010 um 17:32 Uhr

    Beispielhaft für jede Stadt? Nicht in jeder Stadt dürfte es Sexparties in einem Club wie dem „Ficken 3000″ geben, bei denen das Motto zum einen „I don‘t want your identity – I just want a piece of your meat“ und zum anderen „Drink – Dance – Strip – Fuck“ ist.
    Nicht dass das jemanden das Recht gibt gegen den Willen die Kleider runterzureissen (etwas anderes wäre es, wenn die Gäste wussten, dass das passiert, oder es auf der Party erkennen konnten) Aber den Einleitungssatz finde ich etwas begründungsbedürftig.

  2. 2 nummer.drei 13. Mai 2010 um 17:40 Uhr

    Das konkrete Setting ist wohl nicht beispielhaft, da hast du recht. Aber einige der Handlungen, Reaktionen, des Kontextes etc. durchaus:
    - Ein linkes/antisexistisches Projekt, dass sich mit einer unerwarteten Grenzüberschreitung auseinandersetzen muss, in einem Rahmen, den es selbst temporär als Schutzraum definiert
    - Die Situation, dass eine Handlung als grenzüberschreitend wahrgenommen wurde, was mit Vorwürfen der Prüderie und Lustfeindlichkeit beantwortet wird
    - die auseinandersetzung queer vs. queerfeminismus

  3. 3 bla 13. Mai 2010 um 18:13 Uhr

    das Ficken3000 ist kein linkes/antisexistische projet, sonder ein sexclub. es ist auch „temporär“ kein schutzraum.
    dass die party „queer“ genannt wird ist von den veranstaltern nicht emanzipativ gemeint, sieht man an den Mottos die Christian oben nennt.

    Das grenzüberschreitende verhalten des pork-machers ist trotzdem nicht ok, ebenso wie das oft grenzüberschreitende verhalten des besitzers vom F3000 nicht ok ist. aber es ist eben nicht das XB.

  4. 4 panda 13. Mai 2010 um 18:43 Uhr

    Eh was? Nur weil ich auf eine Sexparty gehe verliere ich automatisch das Recht darauf mein T-Shirt anzubehalten?
    Was? WAS?
    Wo lebt denn dieser Veranstalter? In ner Höhle?
    Ich hoffe mal dass die Veranstalterinnen von “be_cunt” doch noch andere Räumlichkeiten finden.

  5. 5 illith 14. Mai 2010 um 23:33 Uhr

    ok ich oute mich mal als langweilige landpomeranze. xD was genau ist ein sexclub? sowas wie ein swingerschuppen in hip oder wie?

  6. 6 nummer.drei 17. Mai 2010 um 8:15 Uhr

    @bla: Das „Projekt“ habe ich auch nicht auf das ficken3000 bezogen, das ist eben ein Raum, der von verschiedenen Projekten genutzt wird. be_cunt habe ich gemeint.

  7. 7 moi 19. Mai 2010 um 14:59 Uhr

    @illith: also das f3000 ist ursprünglicher schwuler sexclub mit darkroom und öffnet sich jetzt für „neue“ queere parties. meiner meinung nnach nicht aus überzeugung sondern wegen gewinnmaximierung. der besitzer ist schon imer total übergriffig und hat da einen kleinen lakaien gefunden der das scheibar gerne weiter führt…ekelig !!!

  8. 8 someoone 19. Mai 2010 um 15:44 Uhr

    Die Party ist eine Sexparty, auf der Leute miteinander trinken und ficken sollen, und die sich nie als Queer bezeichnet hat.
    Einfach nur als Sexparty, die für alle egal welchen Genders oder auch nicht und egal welcher Sexualität(en) offen ist.
    Natürlich ist das irgendwie queer, aber in erster Linie ist die Pork eine Party in einem fast ausschließlich schwulem Fick-Schuppen. Das Motto der Party ‚drink – dance – strip – fuck‘ steht überall groß auf den Flyern und Web-Ankündigungen, und wird vom Veranstalter und einigen Gästen sehr ernst genommen, für sich selbst und für alle Gäste. Daher fordert er auch gerne alle GästInnen zum Strippen auf, wobei er auch gerne mal an deren T-Shirts fasst. Das ist zwar für viele äußerst nervig, aber bei dem Party-Motto und in dieser Location auch nicht wirklich überraschend. Es ist nicht das Silverfuture oder ein anderer Schutzraum, sondern ein Sex-Club, der schon im Namen verrät welches Niveau und welche Intentionen dort zu erwarten sind. An normalen Nächten gehen dort Männer rein die anonymen und schnellen Sex mit irgendeinem anderen Mann suchen. Oft gänzlich ohne verbale Kommunikation. Auf der Pork ist es auch oft so, nur dass zusätzlich noch DJs da sind, getanzt und mehr konsumiert wird. Wie es auf der Be Cunt ist kann ich nicht beurteilen.
    Der Veranstalter der Pork selbst hat keinen queer-feministischen oder auch nur College- oder sonstigen Bildungs-Hintergrund, er lebt von Sex-Work und der Pork, aufgrund seiner Nationalität auch ohne Anspruch auf staatliche Hilfe, Krankenkasse etc. Durch diese Umstände und die durch den Veranstaltungsort oder das Party-Motto geprägte Haltung ist seine Kommunikationsweise evtl eine andere als die der Betroffenen.

    Es kommt auch recht oft im F3 vor, dass Leute herausgeschmissen werden, weil sie andere belästigen oder bedrängen, allerdings sind dort die Grenzen an welchen etwas als distanzlos empfunden wird anders gesetzt ist als in Schutzräumen.
    Das F3 ist Sonntags offen für alle, und alle miteinander, aber es hat nie gesagt, dass an diesen Abenden keine plumpen Anmachen oder sexualisiertes Kennenlernen mehr stattfinden.

    Und so sehr ich auch selbst vom Veranstalter oder auch anderen Gästen auf der Pork genervt bin, ich bin immer gerne hingegangen. Weil es einfach egal ist ob jemand trans, cis, bi, schwul, hetero, lesbisch, 18, 90, groß, klein, dick, dünn, arm, reich, Uni, Bauarbeiter, Stricher oder sonstwas ist.
    Die Party ist zwar durchaus betrunkener, weniger interlektuell und deutlich physischer als andere, aber ich hatte nie das Gefühl mich dort im Notfall nicht sicher fühlen zu können.

    Das alles entschuldigt nichts, aber es erklärt evtl warum er meint, es sei ihm egal und die GästInnen seien vielleicht auf der falschen Party oder in der falschen Location.

  9. 9 dodo 19. Mai 2010 um 17:23 Uhr

    „Das Motto der Party ‚drink – dance – strip – fuck‘ steht überall groß auf den Flyern und Web-Ankündigungen, und wird vom Veranstalter und einigen Gästen sehr ernst genommen, für sich selbst und für alle Gäste.“

    Trotzdem bin ich der Meinung, daß man sich dann schon selbser entscheiden können muß, WANN man die hüllen fallen läßt.

  10. 10 kalle 19. Mai 2010 um 17:23 Uhr

    unabhängig von diskussionen über einen sexualisiertem übergriff…
    wenn ich auf eine party gehe, ziehe ich mir was cooles an und wenn mir dann einfach jemand mein t-shirt vom körper reisst (ich nehme jetzt einfach mal es geht dabei kaputt) wäre ich echt angepisst und könnte könnte ungemütlich reagieren!!!

  11. 11 mensch 25. Mai 2010 um 13:12 Uhr

    was ich an dem text etwas ungut finde, ist die objekt-position in die der text die betroffenen Person setzt. hat sie der Veröffentlichung überhaupt zugestimmt? klaro ist das auch ein Skandal egal wie die betroffene das bewertet, aber vielleicht ist ihr die aufmerksamkeit auch unrecht

  12. 12 someoone 25. Mai 2010 um 13:18 Uhr

    Was mich wundert, ist dass die Be Cunt, nachdem sie sich eindeutig vom Veranstalter der Pork und der Pork distanziert, es verantworten kann ‚weiterhin‘ im F3 zu bleiben, bzw wie sie dort jemals etwas veranstalten konnten. Und es ist kein Argument, dass man nicht weiß welchen Raum man sonst nutzen könnte.
    Es ist allgemein bekannt, dass der Betreiber vom F3 keine Gelegenheit auslässt physisch übergriffig gegenüber möglichst jungen und dichten Männern/Jungs zu werden. Schlimmstenfalls während diese betrunken oder ähnliches irgendwo eingeschlafen sind.
    Dies sind auch den Be Cunt BetreiberInnen bekannte Tatsachen.
    Da die Be Cunt sich eindeutig von sexuellen oder sexualisierten Übergriffen distanziert, sollte sie meiner Ansicht nach nichts im F3 veranstalten und damit den Besitzer finanziell und werbewirksam unterstützen.
    Da sich die Be Cunt aber offensichtlich nicht für den Betreiber ihres Veranstaltungsortes und wo die Gewinner der Bar an ihren Abenden hingehen interessiert, frage ich mich doch ein wenig wozu sie jetzt diese Mail schreiben…

    Kalle: Natürlich, jedeR würde vermutlich ausrasten, wenn sie/er gegen seinen Willen ausgezogen wird oder die Kleidung kapputt geht. Es wurde aber nur am T-Shirt gezogen, und das passiert einfach jeder/m auf der Party. Und es weiß jedeR vorher, dass sie/er auf eine gemischte (Gender und Sexualitäten) Sex-Party geht, auf der es unter anderem darum geht zu strippen und zu ficken.

  13. 13 panda 26. Mai 2010 um 9:00 Uhr

    „Und es weiß jedeR vorher, dass sie/er auf eine gemischte (Gender und Sexualitäten) Sex-Party geht, auf der es unter anderem darum geht zu strippen und zu ficken. “

    *rolleyes* Dass jemand sowas schreibt und sich dabei nicht total lächerlich vorkommt ist traurig.
    Erst recht nachdem der nachfolgende Satz nun schon zigmal gesagt wurde.
    Egal wo ich hingehe, ICH entscheide wann und ob ich strippen oder ficken will.

    Mir ist auch schleierhaft wieso es so wichtig ist zu _erklären_ weshalb der Veranstalter dies und das…
    Was hilft uns dass?
    Der ist ein erwachsener Mensch, der sehr genau weiß was er tut und dem auch klar zu sein scheint dass nicht jeder das gut findet, aber es ist ihm wohl egal dass sich Leute auf seiner Party unwohl fühlen wenn man sie unfreiwillg strippen lässt.

    So „allgemein bekannt“ wirds ja nicht sein wenns Leute gibt die nicht wissen was ihnen da blühen kann.

  14. 14 TaP 26. Mai 2010 um 12:31 Uhr

    @ panda:

    „Egal wo ich hingehe, ICH entscheide wann und ob ich strippen oder ficken will.“

    Ja, das ist richtig und gegen someoone zu betonen. -

    Allerdings würde ich mich someoone insofern anschließen, als ich mich auch etwas wundere, daß die PartyveranstalterInnen ausschließlich den Location-Besitzer kritisieren (sie kritisieren ihn zweifelsohne zurecht!) – und zu ihrer eigenen Auswahl der Location gar nichts sagen.

    Die Location scheint ja einschlägig bekannt zu sein (s. die diesbzgl. Kommentare). Und mich haben schon die Anzeigen für den Laden, die ich vor längerer Zeit mal sah (aber keine genauere Erinnerung mehr), hinreichend abgeschreckt, in Erwägung zu ziehen, in den Läden zu gehen.

    In Anbetracht des Anspruchs für eine FrauenLesbenTrans*-Sexparty einen zumindest zeitweilig geschützten Raum bereit zu stellen, wäre etwas mehr Sorgfalt wohl schon passend.

  1. 1 Maedchenmannschaft » Blog Archive » Durch die Blogs Pingback am 15. Mai 2010 um 9:44 Uhr

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