„Unsere stammesgeschichtliche Haut“

Profil, ein österreichisches Nachrichtenmagazin, setzt sich für die großen Unterschiede zwischen den (2!) Geschlechtern ein. In einem Artikel mit dem viel versprechenden Titel „Testosteron: Was macht den Mann zum Mann?“ lassen uns die RedakteurInnen wissen, dass ein Mann nun mal ein Mann ist, aber „eine feministisch verblendete Gesellschaft wünscht sich einen Mann, der keiner mehr ist. Der Widerstand wächst.“
Wer nach diesem ersten Absatz noch weiter liest erfährt auch gleich was den alles männlich ist. Waffen zum Beispiel, wer hätte es gedacht.

Die auf männlich gepolte Verschaltung des Gehirns reicht dennoch aus, um oft schon beim Kleinkind eindeutiges Machoverhalten aufkommen zu lassen. „Kaum können Buben krabbeln, steuern sie schon aufs Kriegsspielzeug zu, Mädchen auf den Lippenstift der Mutter“, beschreibt der Wiener Gynäkologe und Hormonforscher Markus Metka, Autor oder Mitautor einschlägiger Bücher („Der Mann 2000“, „Die Phyto-Hormonrevolution“) das Phänomen frühzeitiger Männlichkeit. Viele Eltern, die ihrem Spross aus Angst vor allzu männlicher Prägung jegliches Kriegs- und Gewaltspielzeug versagten, müssen dann enttäuscht ­miterleben, wie sich ihr Vierjähriger aus ­Legobausteinen ein Schießeisen bastelt. Und kaum findet der eben erst dem Kleinkindalter entwachsene Bub einen Prügel am Wegesrand, schwingt er ihn schon als ­Waffe.

Alles hormonell natürlich, Gesellschaft und Sozialisation spielen da sicherlich keine Rolle, die Gene des Mannes sind voller Panzer und Schwerter. Also es lebe das Testosteron und der Krieg!

Und woher kommts, Darwin lässt grüßen, von den Schimpansen natürlich.

Verhaltensforscher und Psychologen ziehen Vergleiche zu unseren nächsten Verwandten: Die Schimpansenmännchen heben einen Stein vom Boden auf, um ihn zu werfen, oder sie nehmen Stöcke, um damit aufeinander loszugehen. Die Weibchen nehmen einen Stein, um damit eine Nuss zu knacken, einen Stock, um damit nach verborgener Nahrung zu stochern. Ihre Handlungen sind auf Ernährung der Nachkommen ausgerichtet. Im Kreis einer wandernden Horde bewegen sich die Weibchen mit ihren Jungen in der Mitte, auch der Alphamann, der Rudelführer, hat seinen Platz im Zentrum. „Wer an der Peripherie herumläuft und alle Risiken trägt, das sind die jungen Männchen. Die machen dort allen Unsinn und sind die Kundschafter“, erklärte der emeritierte Zürcher Psychiatrie-Professor Jules Angst in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Wir Männer haben von diesem Risikoverhalten einiges in unserem Genpool.

Dem wissenschaftlichen Unsinn aber noch nicht genug es geht weiter denn auch Männer haben Emotionen, zumindest in den Eiern.

Nicht ohne Grund wird die männliche Emotion oft als „aus den Eiern kommend“ beschrieben, was sich etwa bei siegreichen Sportlern häufig in Form eines vorgeschobenen Unterkiefers, einer geballten Faust und eines Urschreis manifestiert. Die Demonstration der Kraft, des sportlichen Erfolgs hat zu einem nicht unbeträchtlichen Teil mit dem maskulinen Sexualhormon zu tun – durch regelmäßiges körperliches Training steigt die Testosteron-Basiskonzentration im Blut.

Der Artikel und die darin enthaltenen unhaltbaren Aussagen lassen sich aber sogar von meinem Bett aus widerlegen:

Ein typischer Indikator sei das Längenverhältnis von Zeige- und Ringfinger, so die Forscher: Ein längerer Ringfinger spreche für eine höhere Testosteronkonzentration und männlichere Gesichtszüge.

Mein Ringfinder ist länger und war es auch schon immer, ich bin aber weder männlich noch habe ich männliche Gesichtszüge. Ich bin eher das, was man nach gängiger Vorstellung als „weiblich“ bezeichnen würde und wenn ich einen Stein finden würde, würde ich zuallererst die Profil-Redaktion damit bewerfen.


9 Antworten auf “„Unsere stammesgeschichtliche Haut“”


  1. 1 Ben 16. Mai 2010 um 20:22 Uhr

    „…und wenn ich einen Stein finden würde, würde ich zuallererst die Profil-Redaktion damit bewerfen.“ Happy hunting!

    Mir geht dieser ganze biologistische Quark ja extrem auf die Nerven. Und das am Sonntag Abend. :-(

  2. 2 Laura 16. Mai 2010 um 22:38 Uhr

    Na das ist ja interessant, da muss ja mit meinem Bruder und mir irgendwas ganz schrecklich schief gelaufen sein, als ich täglich ein neues Baumast-“Schwert“ nach Hause brachte und mit Pfeil und Bogen oder Steinschleuder durch die Gegend rannte, während er glücklich mit seinen Puppen spielte! Ach, aber mein Ringfinger ist ja auch deutlich länger als mein Zeigefinger, dass erklärt das dann natürlich. =)

  3. 3 illith 16. Mai 2010 um 23:27 Uhr

    ich hab total „weibliche“ Formen, ein mackeriges auftreten, kann nicht einparken und hab nen deutlich längeren Ringfinger. Hilfe, ich bin verwirrt! was ist mit mir?

  4. 4 dodo 17. Mai 2010 um 1:12 Uhr

    illith, das bedeutet wahrscheinlich, du wärst eine lausige schimpansenfrau:d

  5. 5 Magarethe 17. Mai 2010 um 13:08 Uhr

    Zum Teufel mit den Biologismen und Maskulisten! Lasst den Feminismus endlich auferstehen, dass er die _ganze_ Gesellschaft durchdringt. Gender statt Darwin!

  6. 6 denkwerkstatt 17. Mai 2010 um 19:48 Uhr

    ich musste heute auch schon nach luft ringen nach dieser lektüre…

  7. 7 rosa*zelle 20. Mai 2010 um 21:36 Uhr

    au weia, der gipfel ist ja wohl die rede von der „feministisch verblendeten gesellschaft“.

    ganz ähnliche kastrationsängste liegen m.E. vor, wenn vertreter_innen „harter“ wissenschaften (biologie, medizin) glauben, sich gegen einen vermeintlich immer mächtiger werdenden „antibiologismus“ wehren zu müssen, also ängsten davor, dass „die genderforschung“ die liebgewonnene biologische basis einfach „wegkonstruieren“ wolle, und das gehe ja wohl nicht mit rechten dingen zu.

    dazu passt dann auch, was harald martenstein in der ZEIT schreibt, und worüber ich heute den ganzen tag den kopf geschüttelt habe:
    „Zwischen Männern und Frauen existieren, auch im Verhalten und im Alltag, eine ganze Reihe Unterschiede, die biologisch bedingt sind und nichts mit Gesellschaft zu tun haben, sie können auch nicht wegerzogen werden. Diejenige Strömung der Gender Studies, die diese offensichtliche Tatsache leugnet, hat etwa so viel mit Wissenschaft zu tun wie der Voodoo-Kult auf Haiti.“ (http://www.zeit.de/2010/17/Martenstein).

  8. 8 illith 21. Mai 2010 um 0:22 Uhr

    na zum glück hat der allwissende Harald das jetzt mal klargestellt.

  1. 1 Der Mann, ein hormongesteuertes Tier « denkwerkstatt Pingback am 17. Mai 2010 um 19:47 Uhr

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