Glück gehabt in einer „Rape Culture“

Ein ganz normales Wochenende, man ist unterwegs man trifft Freund_innen von Freund_innen man quatscht, man lacht. Mit machen Menschen unterhält man sich besonders gut und nach 1 bis 2 Stunden gibt es dann keinen logischen Grund mehr warum aus zwei Heimwegen nicht einer werden sollte. So auch letztes Wochenende. Ich finde mich also gegen 5 Uhr Nacht in der Wohnung eines Bekannten, alles ist schön und nach dem obligatorischen im Gang rumknutschen liegen wir auch schon im Bett. Eins kommt zum anderen und letztendlich beschließen wir miteinander zu schlafen. Soweit kam es dann aber doch nicht, kurz vor knapp wollte ich nicht mehr, ich habe dies also formuliert: „Nein, ich glaub es geht doch nicht!“, mein Gegenüber war erstaunt, wahrscheinlich auch enttäuscht, hat es aber vollkommen akzeptiert, ohne blöden Kommentar oder sonstiges. An der Geschichte ist also eigentlich nichts spannendes und der Grund warum ich mich entschieden habe hier so aus dem Nähkästchen zu plaudern ist ein anderer als die Reaktion des Mannes.

Was mich nämlich wirklich erstaunt hat war die Reaktion meiner Mitmenschen, denn allen denen ich die Geschichte erzählte, waren erstaunt, dass ich „aus der Sache so gut rausgekommen bin.“ Denn „immerhin war ich schon nackt in seinem Bett und da hätte ja weiß Gott was passieren können“. Viele stellten also fest, ich „hätte Glück gehabt!“

Glück bedeutet für mich als Frau also, dass wenn ich mich ins Bett eines Mannes lege und nicht mit ihm Sex haben will, dass dieser mich dann nicht dazu zwingt.
Würde er meinen Willen nicht akzeptieren wäre das dann „normal“ oder „Pech gehabt“ oder vielleicht „selbst Schuld“. Und was geht überhaupt in den Köpfen der Menschen vor die dieses „Glück gehabt“ formulieren. Verliere ich als Frau die Entscheidungsgewalt über meinen Körper wenn ich mich nackt in ein fremdes Bett lege, Nein, auch dann habe ich noch das Recht nicht mit jemanden Sex haben zu wollen. Und wenn der Andere dies akzeptiert sollte es nicht „Glück“ sein sondern verdammt nochmal „normal“!


19 Antworten auf “Glück gehabt in einer „Rape Culture“”


  1. 1 Vortex 18. Mai 2010 um 20:37 Uhr

    erstmal: ich kann das annähernd verstehen und finde das ist ein toller beitrag. danke! ich gebe mal zu bedenken, dass aber tatsächlich die zahl der vergewaltigungen die so stattfinden (oder allgemein in wohnungen) höher ist, als andere formen. ich glaube daher, dass es ein tatsächlich höheres risiko ist, was man da eingegangen ist. kein vorwurf, keine konnotation. verstehst du was ich meine?

  2. 2 TaP 18. Mai 2010 um 21:06 Uhr

    „Und was geht überhaupt in den Köpfen der Menschen vor die dieses ‚Glück gehabt‘ formulieren. Verliere ich als Frau die Entscheidungsgewalt über meinen Körper wenn ich mich nackt in ein fremdes Bett lege, Nein, auch dann habe ich noch das Recht nicht mit jemanden Sex haben zu wollen.“

    Hast Du denn Anhaltspunkte, daß das, was Dein zweiter Satz beschreibt, tatsächlich in dem Kopf Deiner Bekannten herumging?
    ‚Glückt gehabt‘ drückt ja zunächst einmal nur aus, daß es hätte leicht anders ausgehen können – was wiederum nur eine realistisch (oder vielleicht dann doch zu pessimistische) Sichtweise auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse, aber nicht, daß das, was häufig vorkommt, auch billigenswert ist.

    „Und wenn der Andere dies akzeptiert sollte es nicht ‚Glück‘ sein sondern verdammt nochmal ‚normal‘!“

    Eben „sollte“. Aber ist es das auch in der heutigen Gesellschaft?

    Du hast ja selbst die Überschrift „Glück gehabt in einer ‚Rape Culture‘“ gewählt…

  3. 3 jali 19. Mai 2010 um 8:01 Uhr

    @Tap: Das sehe ich irgendwie anders: Eine solche Äußerung ist nicht nur ein Zeichen von „Kulturpessimismus“ (mal ganz abgesehen von einer gehörigen Portion Männerfeindlichkeit, die aus solchen Worten spricht), sondern auch ein Stück weit ein persönlicher Angriff auf Leonie. Es schwingt nämlich unausgesprochen der Vorwurf mit, dass sie nicht beurteilen könne, ob ein Mann, mit dem sie mitgeht, vertrauenswürdig ist.
    Natürlich steckt man/frau nie im Kopf des anderen, aber der unausgesprochene Vorwurf gedeiht auf dem selben Boden, auf dem -sollte frau ihr Gegenüber falsch eingeschätzt haben, und Opfer eines Übergiffes werden- das „selber Schuld, sie ist ja mitgegangen“ blüht.
    Beide Ausssagen, die Schuld beim Opfer eines Übergriffes suchen (ein Vorwurf, der besonders in Fällen von Date-Rape oft erhoben wird), ebenso wie die Aussage sie habe „Glück gehabt“, sprechen der Frau die Fähigkeit ab, eigenverantwortlich und rational entscheiden zu können, ob ein Mann vertrauenswürdig ist oder nicht, und sie entsprechend mit zu ihm nach Hause gehen will. Damit maßen sich letztlich wieder Leute an, über die Sexualtät anderer urteilen zu dürfen.

  4. 4 bigmouth 19. Mai 2010 um 8:14 Uhr

    @TaP: du hältst es für „realistisch“, dass die meisten männer in dieser situation vergewaltigen würden?

  5. 5 Kratzbürste 19. Mai 2010 um 8:23 Uhr

    @jali

    Ich verstehe nicht ganz, warum mit der Aussage „Glück gehabt“ eine Schuld bei (potentiell) Betroffenen gesucht wird. Ich sehe das auch so wie TaP als Spiegelung der gesellschaftlichen Realität. Und ich glaube auch, dass wenn ich z.B. mit jemandem mitgehe, ich nie 100% sicher sein kann, dass es nicht zu übergriffigem Verhalten kommt, obwohl ich dass eigenverantwortlich und rational entschieden habe.
    Das Problem (und die „Schuld“) liegt doch bei den Personen, die ein „Nein“ eben einfach so übergehen.

  6. 6 TaP 19. Mai 2010 um 10:11 Uhr

    @ bigmouth:
    Ich schrieb: „realistisch (oder vielleicht dann doch zu pessimistische)“.
    Und genau so war es auch gemeint.

    @ jali:
    „Es schwingt nämlich unausgesprochen der Vorwurf mit, dass sie nicht beurteilen könne, ob ein Mann, mit dem sie mitgeht, vertrauenswürdig ist.“
    Über unausgesprochen Gemeintes lassen sich nun einmal schwierig Aussagen treffen. Deshalb hatte ich ja nachgefragt: „Hast Du denn Anhaltspunkte, daß das, was Dein zweiter Satz beschreibt, tatsächlich in dem Kopf Deiner Bekannten herumging?“
    Wenn Leonie bspw. nachgefragt hat/hätte: „Sag‘ mal, wie meinst Du das denn jetzt?!“, und dann sind/wären entsprechende Antworten gekommen, ließe sich viel besser erkennen, was die Leute gemeint haben.

    Immerhin scheint es sich nicht um irgendwelche Leute gehandelt zu haben, sondern um welche, mit denen sie näher zu tun und vielleicht auch schon mal über Feminismus und Vergewaltigungen, „Nein heißt nein“ usw. diskutiert hat. Also kann doch nicht einfach – es sei denn, es würde unterstellt werden*, Leonie sei sehr großzügig bei der Auswahl ihrer näheren Bekannten – die Leute würden eine Schuldumkehr meinen, obwohl sie sie nicht ausgesprochen haben.

    Wie Vortex schreibt: „ich gebe mal zu bedenken, dass aber tatsächlich die zahl der vergewaltigungen die so stattfinden (oder allgemein in wohnungen) höher ist, als andere formen.“ Die Risikoeinschätzung, die sich in „Glück gehabt“ artikuliert, kann sich doch genauso gut aus einer feministischen Analyse speisen, wie mit „Glück gehabt“ eine Schuldumkehr gemeint gewesen sein kann.

    Ansonsten schließe ich mich Kratzbürste an: „Und ich glaube auch, dass wenn ich z.B. mit jemandem mitgehe, ich nie 100% sicher sein kann, dass es nicht zu übergriffigem Verhalten kommt, obwohl ich dass eigenverantwortlich und rational entschieden habe. Das Problem (und die ‚Schuld‘) liegt doch bei den Personen, die ein ‚Nein‘ eben einfach so übergehen.“

    Daß das Problem die Täter sind, heißt doch nicht, daß das Problem und die Täter nicht existieren – und daß das nicht bei einer nachträglichen Überlegung, wie die Situation auch ausgegangen sein können, zu berücksichtigen wäre.

    * Da steckt nämlich auch eine Unterstellung drin.

  7. 7 jali 19. Mai 2010 um 12:27 Uhr

    @Kratzbürste: Ich meine nicht, dass hier ein direkter Schuldvorwurf drinsteckt, es steckt aber eine gewisse Entmündigung darin (ausgedrückt durch den Sprecher).
    Die Realtät ist ist natürlich, dass man niemals wissen kann, was im Kopf seiner Mitmenschen los ist. Aber ein einigermaßen sozialkompetenter Mensch ist durchaus in der Lage eine andere Person einzuschätzen, und daraus für sich abzuleiten, wieviel Vertrauen man/frau dieser Person entgegenbringen möchte.
    Das unausgesprochene in „Glück gehabt“ ist, dass Leonie (oder jede andere Frau, die mit jemandem fremden oder nicht so gut Bekannten) nach Hause geht, nicht fähig ist, auf Grund ihrer vorhergehenden Beobachtung und Einschätzung dieser Person ein Vertrauen aufzubauen, das auf einer kompetenten Einschätzung des Gegenüber basiert. Der Sprecher/ die Sprecherin -aus seiner oder ihrer vermeintlich überlegenen Position heraus das aber der Meinung ist dies sehr wohl zu können (im Zweifelsfall sogar ohne den betreffenden Mann selber zu kennen). Damit wird Leonies eigene Entscheidungsfähigkeit indirekt in Frage gestellt.
    Ich denke, dass die Denkweise, die dahinter steckt, dieselbe ist die -sollte frau sich in ihrer Einschätzung fatal geirrt haben- zur Unterstellung einer Mitschuld führt. Und sei es nur um die eigene vermeintlich überlegene Position zu halten („Hätte sie auf mich gehört…“). Das die alleinige Schuld ganz objektiv ausschließlich beim Angreifer liegt, ist dabei für die Bewertung durch den Sprecher von untergeordneter Bedeutung.
    Die Aussage stellt für den Sprecher lediglich eine Bestätigung bestehender Vorurteile dar: Eine Frau, die sich mit einem Fremden Mann einlässt werde eben vergewaltigt; schätzt sie die Gefahr zu gering ein, sei sie halt dumm (und daher ja auch irgendwie selber schuld, wenn es dann passiert).
    Das die Realitäten ganz andere sind, spielt dabei für den Sprecher keine Rolle. Sieht man sich die gerade erschienene Kriminalstatistik 2009 an, sieht man, dass die Zahl der Straftaten wider die sexuelle Selbstbestimmung gegenüber 2008 erneut um 2,1% gesunken sind (zum Glück). Dabei sind von den rund 200000 registrierten Fällen etwa 65% sog. Beziehungstaten (diese ANgabe ist von 2008, die aktuelle Auswertung scheint noch nicht raus zu sein!), d.h. Täter und Opfer kannten sich schon vor der Tat, und standen in einer irgendwie gearteten persönlichen Beziehung. Rein nach der Faktenlage, müsste man, der „Glück gehabt“-Logik folgend, also jeder Frau, die ein einer festen Beziehung lebt, jeden Tag an dem ihr Lebensgefährte sie nicht vergewaltigt hat, sagen: „Da hast Du aber Glück gehabt“.

    @TaP: Ich kenne Leonie nicht, und weiß nur über sie, was sie hier im Blog von sich preisgibt. Ob, wie und in welcher Beziehung sie zu den Menschen steht, zu denen sie mit nach Hause geht, geht mich auch rein gar nichts an, deswegen will ich darüber auch nicht spekulieren. Was ich allerdings grundsätzlich unterstelle, ist, dass sie absolut in der Lage ist, einzuschätzen wem sie wie weit vertrauen möchte, und diese Einschätzung so gut durchführen kann, wie dies eben möglich ist. Genau deswegen glaube ich, dass es nämlich eben gerade nicht allein „Glück“ gewesen ist, wie die beschriebene Sache ausging, sondern auch Menschenkenntnis.

  8. 8 leonie 19. Mai 2010 um 12:59 Uhr

    Ok.. es geht hier doch vor allem darum, dass ich nicht in einer Gesellschaft leben will in der es „Glück“ ist nicht vergewaltigt zu werden. Viele Frauen sehen das aber so und nehmen den Status quo einfach hin, was ich erstaunlich finde. Dieses „Glück gehabt“ ist ja ein sehr passives Ding, es heißt ich begebe mich in eine Situation und der andere entscheidet dann ob ich „Glück“ habe oder „Pech“. Was ich auch wirklich erschreckend daran fand, war dass es für viele Frauen eben durchaus normal ist, wenn ein Mann in dieser Situation die Grenze überschreitet und hier liegt das Problem, denn solange dieses Verhalten als „normal“ akzeptiert wird, ändert sich nicht viel in den Köpfen. Und es wird mir indirekt gesagt, dass ich ja weiß was normal ist, wenn es also normal abläuft ist es zwar nicht meine Schuld, aber ich darf/kann/sollte nicht überrascht sein über so ein Verhalten = Ist halt so, war schon immer so wird auch so bleiben etc.

    Und genau hier sehe ich das Problem, dieses damit abfinden der Frauen und gleichzeitig agieren im System einer „rape culture“.

    Ich habe die Sache am Anfang auch nur Frauen erzählt, durchaus aus emanzipatorischen Background, aus Interesse habe ich es dann auch ein paar Männern erzählt und diese waren nicht so erstaunt über das korrekte Verhalten ihres „Geschlechtsgenossen“ sondern fanden es durchaus „normal“ zu akzeptieren, wenn jemand keinen Sex will. Auch interessant die „Glück gehabt“-Ladies würden es bei einem Mann der in ihrem Bett liegt auch akzeptieren, wenn dieser keinen Sex will. Vielleicht ist dieses Verhalten also „normal“ und alles anderes nur total daneben. Und Frauen wird es nur erzählt, dass so was normal ist, damit sie sich hinterher nicht beschweren können und es so hinnehmen…

  9. 9 dodo 19. Mai 2010 um 18:12 Uhr

    Ich sehe das so wie Leonie (wenn ich sie richtig verstanden habe): Reaktionen auf solche oder ähnliche Situationen sind meist von einem „es HÄTTE was passieren können“ begleitet.
    Und das allein ist schon aussagekräftig genaug, was rape culture betrifft: obwohl die chance, bei so etwas zum sex gezwungen zu werden, nicht automatisch gegeben ist und in den meisten Fällen wohl nicht stattfinden wird: die chance, DAß es passieren könnte, egal wie minimal, ist stets in unseren köpfen verankert.
    und wenn ich es noch so sehr asolut okay finde, wenn leonie oder ich oder sonstwer sich wie oben beschrieben verhält – im hinterkopf ist immer dieses leise „er hätt ein arschloch sein können“, ob ich will oder nicht.
    Und diese Tatsache, dieses Bewußtsein um die (reelle oder übertriebene Gefahr/Angst/…) ist es, was über eine Gesellschaft viel aussagt. Und zwar nix gutes.

  10. 10 Jali 19. Mai 2010 um 19:03 Uhr

    @leonie: Ich glaube da sind wir gar nicht weit auseinander, auch wenn wir die Sache ein bischen von unterschiedlichen Seiten angehen. Der springende Punkt ist IMHO nicht mehr, wie hoch die Gefahr tatsächlich ist, dass sich eine Frau, die sich auf ein Tete-A-Tete einlässt, Opfer einer Vergewaltigung wird, sondern wie hoch diese Gefahr eingeschätzt wird. In einer Angst-Gesellschaft, wie die in er wir derzeit leben, zementieren sich Vorurteile sehr viel leichter, weil dieses „es könnte ja was passieren“, nicht aus den Köpfen zu bekommen ist. Es ist in diesem Fall die Angst, die gesellschaftliche Normen fixiert, nicht mehr irgendwelche moralischen Wertvorstellungen aus der Spätantike. Das Ergebnis ist aber dasselbe.
    Und, das ist meine These dazu, das ist genau der Boden auf dem das unselige Argument gedeiht, eine Frau sei ja selber schuld, wenn wenn sie vergewaltigt wird. Diesmal ist es eben nicht ihre angebliche Unmoral, sondern ihre mangelnde Vorsicht. Das führt dann umgekehrt dazu, dass Männer, die ohnehin finden, es sei ja nichts dabei, sich den Sex einfach „zu nehmen“, sich genau damit zu rechtfertigen versuchen. Insofern arbeiten unglückseligerweise Frauen, gerade dadurch, dass sie sich in Panik versetzen lassen, unfreiwillig daran mit, bestehende Verhältnisse zu zementieren, anstatt etwas zu ändern.

  11. 11 Fred 20. Mai 2010 um 18:44 Uhr

    Also für mich als Mann ist das „ganz“ normal wie du schreibst. Deine Bekannten die von „Glück gehabt“ etc. reden sind Männern gegenüber voreingenommen. Das ist alles.

  12. 12 yasi 20. Mai 2010 um 22:57 Uhr

    @Fred:
    „Deine Bekannten die von „Glück gehabt“ etc. reden sind Männern gegenüber voreingenommen. Das ist alles.“

    Oder aber du schließt von dir als Mann auf Männer im allgemeinen und verkennst damit, dass die sog. „Voreingenommenheit“ aus Erfahrungen in einer patriarchalen heteronormativen Lebensrealität entstanden ist.

  13. 13 Flip 21. Mai 2010 um 6:41 Uhr

    „Deine Bekannten die von „Glück gehabt“ etc. reden sind Männern gegenüber voreingenommen. Das ist alles.“

    oder du schließt von dir als mann auf frauen im allgemeinen. die erfahrungen, die mensch als frau macht sind nunmal völlig andere und diesen perspektivwechsel kannst du nur bis zu einem gewissen grad nachvollziehen.

    für dich als mann ist es ja auch völlig normal auf partys nicht sexuell belästigt zu werden, eine dunkle straße nachts alleine wohl wahrscheinlicher nicht als angstraum wahrzunehmen (weil dich die sit. nicht im „rape culture-modus“ an ein szenario erinnert, in dem du gleich das opfer bist), wenn ein anderer mann hinter dir läuft…etc.

  14. 14 Pascal 31. Mai 2010 um 12:20 Uhr

    Na, also was jetzt? Ist es denn nun „ganz normal“, wenn man im Bett feststellt, dass es „doch nicht passt“ und dann einfach nach Hause geht. Oder ist es eben doch „Glück gehabt“, weil wir uns in einer patriarchalen heteronormativen Lebensrealität befinden, in denen die Erfahrungen von Frauen nunmal völlig andere sind. Nämlich, dass es eben nicht „ganz normal“ sei, aus einem Männerbett unvergewaltigt zu steigen, und es dann ja wohl nur „Glück“ oder wahlweise der kompetenten und, souveräne Reaktion der krisenerprobten Frau zu verdanken sein kann, dass nichts passiert ist?

    Wo liegt denn der Konsens? Ist es denn wirklich so, dass man als Frau jederzeit mit einer Vergewaltigung zu rechnen hat, oder sind Vergewaltigungen doch „die Ausnahme“?

    Denn in „Glück gehabt“ schwingt für mich nicht nur die Unterstellung mit, frau würde zu unvorsichtig sein oder sich in eine Opferrolle drängen lassen, sondern unausgesprochen und sehr deutlich, dass ein Mann mit Erektion im Bett quasi eine Naturkatastrophe ist, eine Flutwelle oder ein Wirbelsturm die wahllos und unaufhaltsam auf dich zu rollen, gegen die du machtlos bist und wo es dann eben schieres Glück ist, dass sie dich verschont und jemand anderen erwischt haben.

    Und von diesem Männerbild fühle ich mich weder erfasst noch ist es mir bisher begegnet – und ich bin auch schon bei ein paar Männern im Bett gelandet. Glück gehabt?

  15. 15 naja 12. Juni 2010 um 20:30 Uhr

    Also ich würde behaupten, dass rumquengeln, nochmal nachfragen, ein bißchen pushy sein eine relativ normale Reaktion darstellt – umgekehrt abhängig zu Alter, Empathie und „politischem Bewußtsein“.

    Und die meisten lernen halt irgendwie damit umzugehen – dreimal nein sagen, Leute raushauen, oder sich „breitschlagen lassen“. Wenn mensch will kann „breitschlagen lassen“ auch als Vergewaltigung definiert werden.

  16. 16 jacko 21. Mai 2011 um 6:30 Uhr

    @naja: du konkretisierst das problem an einem praxisnahen beispiel.
    und ich sehe das anders. wenn eine frau oder ein mann keine lust hat, ist es meiner meinung nach völlig ok, „nachzuhaken“. ich finde es sehr steif, in dem moment nicht über das „problem“ zu diskutieren. und wieso ist breitschlagen lassen (überreden, gar überzeugen) eine vergewaltigung. sicherlich stimme ich darin überein, dass es rapes (der fremde hinterm busch) und rapes in beziehungen gibt.aber beim breitschlagen lassen wird aus einem klaren nein ein „na gut“ oder sogar „ja“. dass die frau oder der mann den sex anschließend dann doch bereut aus irgendeinem grund macht die vorherige entscheidung nicht zu einer vergewaltigung.
    wieviele frauen hätten mich schon vergewaltigt (und ich als mann akzeptiere da sogar gewalt)? ein weiteres problem ist, dass frauen allzu oft emotional unsicher sind und den sex revuepassieren lassen, während dem mann das passierte eigentlich egal ist.

  17. 17 jacko 21. Mai 2011 um 6:41 Uhr

    exkurs:
    PROSTITUTION.

    gesellschaftlich wird immer gesagt:
    gut, dass es bordelle gibt, denn sonst gäbe es mehr vergewaltigungen. durch zuhälterei etc. werden frauen zum sex gedrängt und ich gehe eigentlich von vielen fällen EKEL aus, so dass der sex nicht wirklich gewollt ist.
    ist jeder freier ein vergewaltiger?

  18. 18 jacko 21. Mai 2011 um 15:50 Uhr

    @leonie: ich find deine geschichte übrigens sehr hilfreich.
    und es kommen mir stündlich neue gedanken zum thema.
    du schreibst, ihr hattet beschlossen miteinander zu schlafen. und kurz vor knapp cancelst du die sache.
    ich kann mich sehr gut in die rolle des mannes hineinversetzen. und ich glaube, du sagst es genau richtig: der mann ist erstaunt und enttäuscht. und ist es ok, wenn der mann auch innerlich wütend und verärgert ist? genervt? und sich von dir wegdreht und schlafen will und gar nichts mehr sagt?
    ich weiß nicht, warum, aber gerade beim thema sex scheint diese verärgerung des mannes nicht ganz „nett“ oder „okay“ zu sein.
    hättet ihr euch zum schwimmen verabredet -der mann freut sich drauf- und du sagst vorher ab, ist verärgerung doch irgendwie auch ok.aber ich will das gar nicht so geschlechterspezifisch trennen.
    dann noch zwei wichtige punkte: das erstaunt sein wird zugleich von einer angst begleitet. die unsicherheit, der zweifel des mannes an sich. der gedanke unmittelbar vorm canceln etwas falsch gemacht zu haben.
    punkt zwei: angst des mannes, dass das wegdrehen oder die verärgerung fehlinterpretiert wird und am nächsten tag als „bedrängen“ oder „kein nein zu akzeptieren“ ausgelegt wird.
    dabei muss es bei dem verärgert sein gar nicht mal direkt um den nicht stattgefundenen sex gehen, sondern vielleicht auch darum, dass der mann vielleicht auch etwas verliebt ist in die frau und sich von der sache mehr verspricht.. gar eine beziehung will.
    ich bin mir sicher, dass die angeblichen vergewaltigungsfälle in der presse in zukunft zunehmen werden. wobei ich glaube, dass oftmals nicht die kommunikation im bett gestimmt hat.
    andererseits muss man solche konflikte nicht unbedingt provozieren.

  19. 19 Heinz_Rüdiger 25. Juni 2012 um 7:51 Uhr

    Und was geht überhaupt in den Köpfen der Menschen vor die dieses „Glück gehabt“ formulieren.

    Naja, es ist nicht gerade abwegig, dass einem bei dieser Erzählung Fälle einfallen, die anders ausgegangen sind.

    …auch dann habe ich noch das Recht nicht mit jemanden Sex haben zu wollen. Und wenn der Andere dies akzeptiert sollte es nicht „Glück“ sein sondern verdammt nochmal „normal“!

    Das ist verdammt richtig.

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