globale-filmfestival schwerpunkt israel

Im Rahmen des Schwerpunkts zu Israel
zeigen wir auf dem globale-filmfestival 2010 in Berlin
zwei Filme der israelischen Filmemacherin Anat Zuria,
die Zusammenhang und Problematik zwischen jüdisch/orthodoxer Religion und Geschlechterverhältnis aus einer feministischen Perspektive thematisieren.
Filmgespräche und Diskussion mit der Filmemacherin Anat Zuria.

www.globale-filmfestival-org
Kino Moviemento, Kottbusser Damm 22

„Sentenced to Marriage“
Sa. 29.5. 20:30
Anat Zuria, Israel, 2004, 65 min hebräisch meU
Der Dokumentarfilm zeigt die absurden und erniedrigenden Folgen der Abwesenheit einer säkularen Ehe -und Scheidungsgesetzgebung in Israel. Frauen haben danach kein Recht die Scheidung zu fordern, selbst wenn der Ehemann bereits mit einer anderen Frau zusammenlebt. Der Film zeigt den jahrelangen Scheidungsprozess einiger Frauen der zugleich in einen Kampf gegen das rabbinische Gericht mündet.

„Black Bus“
Sa. 29.5. 22:30
Anat Zuria, Israel 2009, 76 min hebräisch meU.
„Black Bus“ beleuchtet die patriarchale Struktur von ultraorthoxen Gemeinden in Israel aus der Sicht von zwei Aussteigerinnen, die sich mit der untergeordneten Rolle der Frauen in diesen Gemeinschaften nicht abfinden wollten. In sogenannten Black Busses sitzen die Passagiere nach Geschlechtern getrennt, Männer vorne, Frauen hinten.


27 Antworten auf “globale-filmfestival schwerpunkt israel”


  1. 1 Mara 24. Mai 2010 um 12:46 Uhr

    „Der Dokumentarfilm zeigt die absurden und erniedrigenden Folgen der Abwesenheit einer säkularen Ehe -und Scheidungsgesetzgebung in Israel.“

    Hä? Gerade die so genannte „Zivilehe“ ist ein Verstoß gegen die Trennung von Staat und Religion. Der Staat kann keine Ehe stiften, sondern lediglich Partnerschaften zivilrechtlich absichern – was in Israel auch der Fall ist, sowohl bei verschieden- als auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren.

  2. 2 Julinoir 24. Mai 2010 um 13:42 Uhr

    @ Mara:
    Laut dem englischen Wikipedia hört sich das alles ein bisschen anders an als von dir behauptet:
    „Jewish marriage and divorce in Israel is under the jurisdiction of the Chief Rabbinate of Israel, which defines a person’s Jewish status strictly according to halakha. The rabbinate’s standards and interpretations in these matters are generally used by the Israeli Interior Ministry in registering marriages and divorces.
    Halakhic and biblical restrictions on marriage are applied in Israel. So, for example, in Israel a kohen may not marry a convert to Judaism. […]
    The issue of civil marriages is a major issue for secular Jews, as well as members of non-Orthodox streams of Judaism, who are required to meet the Orthodox standards to be capable of marrying in Israel. There is a debate over whether civil marriages would divide the Jewish people in Israel by increasing inter-faith marriages and marriages which do not meet halakhic requirements, and over the character of the Jewish state. [… ]The status quo creates difficulties for people who, for whatever reason, cannot marry or divorce within the system, or who do not want to marry in a religious ceremony.“
    http://en.wikipedia.org/wiki/Marriage_in_Israel
    „Same-sex marriage in Israel is supported by most of the population according to a poll from 2009. Currently it is not possible to conduct ceremonies since all marriages in Israel are performed under the auspices of the religious authority of the religion to which the couple belongs. Foreign same-sex marriages, however, are recognized. Furthermore, like unmarried opposite-sex couples, same-sex couples in Israel can access nearly all of the rights of marriage in the form of unregistered cohabitation status (akin to common-law marriage).“
    http://en.wikipedia.org/wiki/Same-sex_marriage_in_Israel

    Also: Ja, es gibt bestimmte Formen der zivilrechtlichen Absicherung, aber grundsätzlich werden Ehen in Israel nach religiösen Gesetzen geschlossen, sind also nicht wirklich säkular, was wiederum für einige Menschen Probleme verursacht. Mir ist auch unklar, wie du zu dem Schluss kommst, die Zivilehe stünde im Widerspruch zum Säkularismus. Zivilehen sind nichts viel anderes als die von die genannte „zivilrechtliche Absicherung“ einer Partnerschaft von zwei Menschen. Nicht, dass man daran nicht Kritik haben könnte, aber Einmischung in Religion sehe ich da zunächst nicht.

  3. 3 peng 24. Mai 2010 um 19:53 Uhr

    gibt es eigentlich für nichtberliner auch eine möglichkeit die filme irgendwo zu sehen/zu erwerben?

  4. 4 Mara 24. Mai 2010 um 20:11 Uhr

    Eben, Ehen können in Israel ausschließlich nach den jeweiligen religiösen Gesetzen (Judentum, Christentum, Islam, etc.)geschlossen werden – wo ist das Problem? Niemand MUSS heiraten, da es ja auch die Möglichkeit einer „Lebenspartnerschaft“ gibt – mit den gleichen Rechten, die Ehepaare genießen (inklusive Adoptionsrecht). „Ehe“ ist ein religiös geprägter Begriff und sollte daher meiner Meinung nach den Religionen vorbehalten bleiben. Wenn ich mich dafür entscheide, katholisch zu heiraten, kann ich mich auch nicht nachher über das „böse“ Scheidungsverbot der Kirche empören.

  5. 5 Dr_in 24. Mai 2010 um 21:42 Uhr

    Bedenklich antisemitisch

  6. 6 rhizom 25. Mai 2010 um 3:33 Uhr

    Ja, man muss einfach jeden fundamentalistischen Schwachsinn verstehen, wenn’s um Israel geht.

  7. 7 Julinoir 25. Mai 2010 um 10:20 Uhr

    @ Mara:
    Das Ehe ein religiös geprägter Begriff ist, ist eine nicht weiter begründete Setzung von Dir – das ist aber eigentlich auch egal. In der Doku scheint es darum zu gehen, das es durchaus Menschen gibt, die mit der bestehenden Gesetzgebung is Israel Probleme haben, und das wird gezeigt. Das wird von deiner Kritk nicht berührt.

  8. 8 Mara 25. Mai 2010 um 13:22 Uhr

    Natürlich ist die Ehe ein religiöses und patriarchales Konstrukt, das rein gar nichts „Fortschrittliches“ an sich hat. Deshalb wird sie ja auch von Feministinnen seit Jahrzehnten kritisiert. (BTW: Die so genannte „Homo-Ehe“ hat mit emanzipatorischer Politik ebenfalls nichts zu tun.)

    „Ja, man muss einfach jeden fundamentalistischen Schwachsinn verstehen, wenn’s um Israel geht.“

    Wer behauptet das denn? Im Übrigen ist Israel weitaus säkularer und weltoffener als Deutschland – oder wurde die Kirchensteuer hierzulande mittlerweile abgeschafft, Abtreibung problemlos zugänglich gemacht und gleichgeschlechtlichen Paaren das Adoptionsrecht eingeräumt?

  9. 9 n.n. 25. Mai 2010 um 13:51 Uhr

    Israel weltoffen? Hast du mal von den Checkpoints oder den Sperranlagen („MAuer“) im Westjordanland gehört?

  10. 10 TaP 25. Mai 2010 um 14:02 Uhr

    „Natürlich ist die Ehe ein religiöses und patriarchales Konstrukt, das rein gar nichts ‚Fortschrittliches‘ an sich hat.“

    Daß die Ehe etwas Fortschrittliches sei oder daß sie nicht patriarchal sei, hat ja hier auch keineR behauptet. Julinoir wollte wissen, was Dich zu der Auffassung führt: „‚Ehe‘ ist ein religiös geprägter Begriff und sollte daher meiner Meinung nach den Religionen vorbehalten bleiben.“

    Erklär‘ doch vielleicht einfach mal:

    ++ Was verstehst Du genau unter „Ehe“? Wann (unter welchen historischen Umständen) ist die Institution „Ehe“ (so wie Du sie verstehst) entstanden? Und inwiefern spielte dabei Religion eine besondere Rolle? Falls Deines Erachtens die Religion dagegen erst später hinzugekommen ist: Warum kann diese Verknüpfung Deines Erachtens später nicht auch wieder gelöst werden?

    ++ Was hat es heute noch mit Religion (!) zu tun, wenn zwei atheistische Menschen standesamtlich heiraten?

  11. 11 rhizom 25. Mai 2010 um 14:11 Uhr

    Also in Deutschland gibt’s keinen schwulenhassenden religiösen Extremisten als Innenminister. Und was die rechtlichen Regelungen in bezug auf gleichgeschlechtliche Paare angeht, ist keine davon durch die Knesset gegangen, sondern es handelt sich ausschließlich um Fallentscheidungen von Gerichten, nicht um Gesetze – sagt die arabisch-israelische LGBT-Aktivistin Haneen Maikey in Ha‘aretz:

    „It´s really pathetic that the Israeli state has nothing besides gay rights to promote their liberal image,“ says Maikey. „Ridiculous, and in a sense hilarious, because there are no gay rights in Israel. There are specific court cases that, when won, allowed certain individuals for instance to adopt a child. What is worth noting is that these decisions are case-specific, in the sense that they are made for this specific case, for this specific child and for these two mothers. You cannot build a human rights campaign on court cases that are not ratified.“

  12. 12 Julinoir 25. Mai 2010 um 14:55 Uhr

    Mal kurz zur Metaebene:
    - ich glaube nicht, dass eine Diskussion auf der Ebene „Deutschland ist weltoffener/besser/toleranter als Israel“ bzw. umgekehrt irgendeinen Erkenntnisgewinn bringt. Insgesamt scheinen mir hier viele Äußerungen in eine unsachliche Richtung zu gehen, ich möchte euch bitten, das zu vermeiden, wenn ihr Kommentare abgebt.
    - interessant finde ich, dass die bloße Ankündigung eines, in diesem Fall israelischen, Doku-Films derart heftige Reaktionen auslöst – da muss sofort nachgewiesen werden, dass der Staat Israel an und für sich homophob ist (rhizom), und der sofortige Hinweis auf Checkpoints und Mauer darf auch nicht fehlen – allerdings ohne Anbindung ans Thema (Eherecht in Israel und damit einhergehende soziale Probleme für bestimmte Menschen) oder eine argumentative Unterfütterung des Zusammenhangs mit „Weltoffenheit“ (was soll das eigentlich sein?). Andere (Dr_in) scheinen es als „antisemitisch“ zu begreifen, dass überhaupt auf einem Filmfestival eine israelische Doku gezeigt wird, was mir wiederum auch nicht recht einleuchtet.
    Also, meine werten Da_men und Herre_n, ruhig Blut, einmal tief durchatmen, vielleicht nochmal einen Blick in die Netiquette werfen, und dann höflich und sachlich weiter diskutieren. Thanks.

  13. 13 Mara 25. Mai 2010 um 14:58 Uhr

    „Hast du mal von den Checkpoints oder den Sperranlagen („MAuer“) im Westjordanland gehört?“

    Hast DU schon mal vom antisemitischen Terror von Hamas und Konsorten gehört, der die Checkpoints und den Sicherheitszaun überhaupt erst NOTWENDIG gemacht hat?

    „Was verstehst Du genau unter „Ehe“?“

    Eine Verbindung von Mann und Frau (im Islam auch mehrere Frauen) zum Zweck der Kinderzeugung. Eine progressive, laizistische Lösung würde folgendermaßen aussehen: Abschaffung der standesamtlichen Ehe, stattdessen Einführung eingetragener Partnerschaften für verschieden- und gleichgeschlechtliche Paare. Daneben sollen die diversen Religionsgemeinschaften das Recht haben, nach ihren jeweiligen Vorschriften Ehen zu stiften. Des Weiteren darf die Ehe zwischen Mann und Frau auch nicht mehr unter dem „besonderen Schutz“ des Staates stehen.

    „Und was die rechtlichen Regelungen in bezug auf gleichgeschlechtliche Paare angeht, ist keine davon durch die Knesset gegangen, sondern es handelt sich ausschließlich um Fallentscheidungen von Gerichten“

    Und? Außerdem gibt es in Israel sehr wohl Parteien, die sich massiv gegen jegliche Homophobie und Diskriminierung im Alltag einsetzen (Avoda, Meretz, „Grüne“).

  14. 14 Mara 25. Mai 2010 um 15:02 Uhr

    Hier noch mal relevante Fakten zum Thema „Lesben- und Schwulenrechte in Israel“:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Gay_rights_in_Israel

    Das kann sich durchaus sehen lassen.

  15. 15 Mara 25. Mai 2010 um 15:06 Uhr

    @ Julinoir: Irgendwie hast du Recht, wahrscheinlich ist die „Diskussion“ hier aber ohnehin sinnlos.

  16. 16 rhizom 25. Mai 2010 um 15:24 Uhr

    Was nützt denn eine angeblich schwulenfreundliche Partei, wenn sie mit religiösen Rechtsextremisten koaliert? Das kann man sich doch an den Arsch stecken. Und Meretz, die einzige israelische Partei, die neben der arabisch dominierten KP für ein Ende der Besatzung eintritt, ist leider im Rahmen des jüngstens Rechtsrucks der israelischen Gesellschaft in völliger Bedeutungslosigkeit versunken.

    Übrigens ist bei meinem letzten Kommentar aus unerfindlichen Gründen der Link nicht übertragen worden. Er heißt: ‚Stop using Palestinian gays to whitewash Israel’s image‘ (Ha‘aretz, 01.10.2009)

    Ein schöner Hintergrundartikel ist auch „‚Queer‘ As A Tool Of Colonial Oppression: The Case Of Israel/Palestine“ von Blair Kuntz.

  17. 17 TaP 25. Mai 2010 um 15:45 Uhr

    „Eine progressive, laizistische Lösung würde folgendermaßen aussehen: Abschaffung der standesamtlichen Ehe, stattdessen Einführung eingetragener Partnerschaften für verschieden- und gleichgeschlechtliche Paare.“

    Meinetwegen – was das die Beseitigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare anbelangt. Nur – was ich immer noch nicht verstehe: Geht es Dir um den terminologischen Unterschied zwischen dem Wort „Ehe“ und dem Wort „eingetragene Lebenspartnerschaft“?

    Oder soll es zwischen bei dem, was bisher „Ehe“ war, und dem, was in Zukunft „eingetr. Lp.“ sein soll, auch in der Sache einen Unterschied geben (außer dem, daß der Unterschied zwischen homo- und hetero/a/sexuellen Paaren aufgehoben wird)?
    Soll bspw. das Scheiden erleichtert werden? Sollen Unterhaltspflichten abgeschafft werden? etc. – Und falls ja: Warum bedarf es dann noch einer Institution und des Aktes der staatlichen Eintragung? – Warum reicht dann nicht einfach eine private Feier, falls die Leute irgendetwas feiern wollen?

    Du hattest ja zunächst geschrieben:

    „Die so genannte ‚Homo-Ehe‘ hat mit emanzipatorischer Politik ebenfalls nichts zu tun.“ (Mara, 25.05.; 13:25 h)

    Inwiefern es denn für Dich relevant, ob die Angleichung zwischen homo- und hetero/a/sexuellen Paaren unter dem Namen „Ehe“ oder „eingetr. Lp.“ stattfinden?

    Oder noch mal anders gefragt: Warum willst Du die Institution „Ehe“ nicht ersatzlos abschaffen, sondern durch die Institution „eingetr. Lp.“ ersetzen? Und: Inwiefern spielt dafür die Religion (!) eine Rolle?

  18. 18 n.n. 25. Mai 2010 um 16:07 Uhr

    Hi Mara,
    dann hatte ich dich einfach falsch verstanden. Wenn deine Position eigentlich die ist, dass Israel zwar doch nicht so „weltoffen“ ist, dass aber diese Abschottungs- und Eingrenzungspolitik nur eine Reaktiona suf „antisemitischen Terror“ darstellt.

    Hallo Julinoir,
    ich glaube du versagst vollständig bei deinem löblichen Versuch hier die Metaebene anzusprechen. Tatsächlich greifst du in die Diskussion ein. Das geschieht durch einen kleinen Fehler (kritischer gesagt: simpler Trick): Du wirbelst den zeitlichen Ablauf der Kommentare durcheinander. Anstatt den philosemitischen Eifer (den du ja selbst erkennst) eines dr_in an den Anfang zu setzen beziehst du dich auf Kommentare (rhizom) die sich bewusst auf diesen und auf einen späteren Kommentar (n.n.) zu Mara beziehen. Was dabei herauskommt ist deutlich. Diskussionbeiträge werden in antisemitische Diskussionsmuster eingebettet und so suggeriert es handele sich um themenfremde Beiträge die einfach mal an jeder Stelle auf Israels Untaten hinweisen wollen. Das erkennen auch bekennende Israelfans und bedanken sich für die Schützenhilfe (Mara). Das ist nichts anderes als ein verächtliche machen der Teilnehmer an der Diskussion und sollte eigentlich nicht von der nettiquette gedeckt sein. Also: Wenn du, Julinoir, schon vorgibst hier neutral und moderierend eunzugreifen, dann tu das. Wenn du dich mit deiner Agenda an der Diskussion beteiligen möchtest dann tu auch das, aber bitte trenne beides voneinander. Das gebietet die Fairness den Diskutierenden über. Vielleicht solltest auch du dir die nettiquette eingedenk meiner Hinweise nochmal reinziehen. Danke.

  19. 19 admin 25. Mai 2010 um 16:10 Uhr

    Stellungnahme des Mädchenblog-Teams zum Kommentar von n.n., 25. Mai 2010 um 16:07 Uhr

    I.
    Nach Diskussion und trotz Bedenken haben wir uns entschlossen, den Kommentar von n.n freizuschalten. Denn n.n. bemängelt zurecht , dass Julinoir in ihrem Kommentar zu den vorhergehenden deren Reihenfolge durcheinander gebracht hat. In der Tat ist der Ausdruck „weltoffen“ nicht zuerst von israel-kritischer Seiten, sondern von Mara in die Diskussion eingeführt worden.

    II.
    Auch wenn „weltoffen“ ein vager Ausdruck ist, scheint es uns allerdings alles anderes als zwingend, diesen Ausdruck nun zum Anlass zu nehmen, als Kommentar zu einem Beitrag zum Thema „jüdisch/orthodoxe Religion und Geschlechterverhältnis“ (!) nun über „Checkpoints oder […] Sperranlagen (‚MAuer‘) im Westjordanland“ zu schreiben.

    Speziell drehte sich die Diskussion bis dahin im die Ankündigung des ersten Films, wo von der „Abwesenheit einer säkularen Ehe -und Scheidungsgesetzgebung in Israel“ gesprochen wird. Dieser Darstellung hat Mara wie folgt widersprochen: „Ehen können in Israel ausschließlich nach den jeweiligen religiösen Gesetzen (Judentum, Christentum, Islam, etc.)geschlossen werden – wo ist das Problem? Niemand MUSS heiraten, da es ja auch die Möglichkeit einer ‚Lebenspartnerschaft‘ gibt – mit den gleichen Rechten, die Ehepaare genießen (inklusive Adoptionsrecht).“
    Und ergänzend führt Mara aus: „Im Übrigen ist Israel weitaus säkularer und weltoffener als Deutschland – oder wurde die Kirchensteuer hierzulande mittlerweile abgeschafft, Abtreibung problemlos zugänglich gemacht und gleichgeschlechtlichen Paaren das Adoptionsrecht eingeräumt?“

    Gegen diese Auffassung und Darstellung ist der Hinweis auf „Checkpoints oder […] Sperranlagen“ gar kein Einwand, sondern ein Themenwechsel.

    Insofern schließen wir uns insg. der Kritik von Julinoir an:
    „interessant finde ich, dass die bloße Ankündigung eines, in diesem Fall israelischen, Doku-Films derart heftige Reaktionen auslöst – […] und der sofortige Hinweis auf Checkpoints und Mauer darf auch nicht fehlen – allerdings ohne Anbindung ans Thema (Eherecht in Israel und damit einhergehende soziale Probleme für bestimmte Menschen)“

    III.
    Was den Kommentar von dr_in anbelangt, so hatte Julinoir geschrieben:
    „Andere (Dr_in) scheinen es als ‚antisemitisch‘ zu begreifen, dass überhaupt auf einem Filmfestival eine israelische Doku gezeigt wird, was mir wiederum auch nicht recht einleuchtet.“

    In der Tat bleibt in dem Einwurf von dr_in unklar, worauf sich denn eigentlich der Antisemitismus-Vorwurf genau bezieht. Folglich bleibt auch unklar, was dr_in denn gegen vermeintlichen Antisemitismus verteidigt.

    Der bis dahin streitige Diskussionspunkt war allerdings wie (bereits in Punkt II. ausgeführt) die Frage, ob in Israel eine „Abwesenheit einer säkularen Ehe -und Scheidungsgesetzgebung“ zu verzeichnen ist bzw. wie diese Abwesenheit in Anbetracht des Vorhandenseins einer zivilrechtlich abgesicherten „Möglichkeit einer ‚Lebenspartnerschaft‘“ zu beurteilen ist.

    Streitpunkt waren also nicht jüdische religiöse Gesetze, sondern die Gesetzgebung des israelischen Staates. In die Diskussion DARÜBER den Begriff „antisemitisch“ (dr_in) einzuführen, ist in der Tat „nicht recht einleuchte[nd]“, wie Julinoir zu recht kritisiert hat.

    Nun gegen dr_in mit dem genauso begründungslosen Vorwurf „philosemitischen Eifer“ zu kontern, ist genauso deplatziert wie der Antisemitismus-Vorwurf – und umso überflüssiger, als Julinoir den Kommentar von dr_in bereits kritisiert hatte.

    IV.
    Auch, wenn n.n. meint, Julinoir über unsere Netiquette belehren zu können und zu sollen („Vielleicht solltest auch du dir die nettiquette eingedenk meiner Hinweise nochmal reinziehen.“), sollte n.n. diesen Vorschlag dringend selbst beherzigen.

    1. n.n. schreibt u.a.: „Wenn du, Julinoir, schon vorgibst …“
    „vorgeben“ impliziert den Vorwurf einer böswilligen Absicht (im Unterschied zum Vorwurf unabsichtlichem Fehlermachens). Nichts deutet darauf hin, dass Julinoir aus böswilligen Motiven die Reihenfolge der Kommentar (s. Punkt I.) verwechselt hatte; auch n.n. führt dafür keine Anhaltspunkte, geschweige denn Beweise an. Wir verweisen auf Punkt 6. der Netiquette: „Statt Unterstellungen zu posten – erstmal nachlesen, ob das wirklich geschrieben wurde. Oder noch besser: bei Unklarheiten erstmal nachfragen.“
    Statt Juli Noir vorzuwerfen, sie würde vorgeben (!) „neutral und moderierend“ in die Dikussion einzugreifen, tatsächlich aber „Teilnehmer an der Diskussion“ „verächtlich machen“ (n.n.), hätte sich n.n. auf eine sachliche Richtigstellung des Chronologiefehlers beschränken sollen – und bei Interesse sich noch sachlich erkundigen können, wie es zu dem Irrtum gekommen ist.

    2. Außerdem heißt es in Punkt 6. unserer Netiquette: „Was uns sehr wichtig ist, ist ein respektvoller Umgang miteinander und ein konstruktiver, interessierter Diskussionsstil.“

    Damit ist ein persönlich angreifender, vorwurfsvoller – auf vermeintlich böse Absichten statt auf das tatsächlich Geschriebenen Bezug nehmender – Tonfall wie der von n.n. unvereinbar: „du versagst vollständig“; „durch einen kleinen Fehler (kritischer gesagt: simpler Trick)“;

    3. Punkt 7. der Netiquette lautet: „Versuche, die Diskussion an sich zu reißen, sind nicht im Sinne des Mädchenblogs. Genausowenig väterliches ‚von oben herab‘-Gehabe.“

    n.n. schreibt: „Vielleicht solltest auch du dir die nettiquette eingedenk meiner Hinweise nochmal reinziehen.“

    Dieser belehrende Tonfall („Vielleicht solltest auch du dir […] eingedenk meiner Hinweise […]“) fällt genau unter „väterliches ‚von oben herab‘-Gehabe“, das wir im Mädchenblog nicht wollen.

    V.
    Wir haben uns aus zwei Gründen entschlossen, n.n.s Kommentar trotz dieser Netiquetten-Verstöße zu veröffentlichen:

    1. Uns erscheint wichtig, dass n.n. auf den Chronologiefehler von Julinoir hinweist.

    2. Wir wollen aber nicht eine geschönte – um die Netiquette-Verstöße einfach bereinigte – Version von n.n.s Kommentar veröffentlichen. Wir denken, alle Diskussionsbeteiligten sollen wissen, wie n.n. tatsächlich geantwortet hat.

    Wir verbinden dies mit einem deutlichen Hinweis auf die Netiquetten-Verstöße und der Ankündigung im Wiederholungsfall tatsächlich nicht mehr freizuschalten.

    Da es auch schon ein Kommentar von n.n. war, der den Ausschlag dafür gab, dass wir das Moderieren der Kommentare eingeführt hatten*, schreiben wir das nicht zum Spaß, und erklären auch nicht aus Langweile so detailliert, worin n.n.s Netiquetten-Verstöße liegen.

    Punkt 14. der Netiquette lautet: „Konstruktive Kritik ist immer erwünscht. Aber wenn wir das Gefühl haben, dass uns sozusagen im eigenen Wohnzimmer jemand auf den Teppich kotzt, müssen wir das nicht als gegeben hinnehmen.“

    Ein halbes Jahr nachdem die Netiquette veröffentlicht ist, sollte dies auch n.n. beachten, ansonsten wird n.n. unsere Beiträge in Zukunft anderswo kommentieren (oder es ganz sein lassen) müssen.

    (Dieser Kommentar wurde zurückdatiert, damit er direkt unter dem betreffenden Kommentar von n.n. steht)

    *
    Leonie: „ich sehe nicht ein warum classless hier nicht schreiben dürfen sollte!!“

    Antwort n.n.: „wenn sich die maedchenblog-Teammitglieder als kleine Schwestern großer Politmacker so wohl fühlen, dann kann ich das nur nicht weiter unterstützen.“

    Antwort Julinoir: „Wir haben keine Lust, uns als ‚kleine Schwestern von Politmackern‘ titulieren zu lassen. Das ist ein klassisches sexistisches ‚Argument‘ – verhält frau sich politisch nicht genehm, wird sie wohl von irgendwelchen Polittypen dominiert. Das ist ein ziemlich billiger Versuch, uns die Fähigkeit zu politischem Denken und Handeln abzusprechen.“

  20. 20 rhizom 25. Mai 2010 um 17:33 Uhr

    Wenn das mit der Ehe alles nur religiöse Privatsache sein soll, fragt man sich allerdings, warum daraus materielle Rechtsfolgen resultieren.

    Hierzulande regt man sich so auf, wenn Multikulturalisten vorschlagen, Teile der Schari‘a im Zivilrecht zu implementieren. Zu Recht, denn es ist einfach skandalös, Leute in einem säkularen Zeitalter in standesamtlichen Fragen einem diskriminierenden, mittelalterlichen religiösen Recht zu unterwerfen, das Frauen systematisch benachteiligt. Aber auf einmal, wenn es um die Halacha geht, was gar nichts anderes als das jüdische Pendant zur Schari‘a ist, sollen wir uns auf einmal aufgeschlossen dazu stellen und das sogar als ein Positivum der israelischen Gesellschaft verbuchen? Bitte, das ist doch philosemitische Heuchelei!

    Ich meine, es ist absolut die Sache der Israelis selbst, ob sie sich von homophoben, relgiösen Fundamentalisten auf der Nase herumtanzen lassen wollen oder nicht. Aber ich weigere mich, das mit wesentlich anderen Augen zu sehen als die Praxis der meisten muslimischen Länder, die die Schari‘a ebenfalls auf das Zivilrecht begrenzen, wo es dann seine diskriminierenden Wirkungen vor allem an den Rechten von Frauen entfaltet.

    Ich hasse es, wenn Leute mit zweierlei Maß messen. Das ist Philosemitismus, und als solcher kaum besser als sein Gegenteil. (Ein Schritt härter ist es dann allerdings, wenn man seine Augen auch noch vor dem religiös imprägnierten Sexualstrafrecht in den USA verschließt, das Jugendliche für einverständlichen Oralverkehr schon mal gerne 10 Jahre hinter Gitter bringt, wie im Falle Genarlow Wilsons oder Matthew Limons. Da sind iranische Verhältnisse wirklich nicht mehr weit, auch wenn das hierzulande praktisch überhaupt nicht thematisiert wird, weil es sich ja schließlich um einen westlichen Staat handelt, der sich als internationaler „Garant der Menschenrechte“ aufspielt und man ihm das gerne unbesehen abnimmt.)

  21. 21 mettskillz 27. Mai 2010 um 18:36 Uhr
  22. 22 rhizom 29. Mai 2010 um 4:00 Uhr

    Wenn hier schon so seltsame Denunziationen veröffentlicht werden, die wirklich nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem Thema dieses Threads zu tun haben, möchte ich mettskillz doch mal bitten, uns zu demonstrieren, wo Herr Finkelstein den Holocaust relativiert hätte und was das genau mit meiner Person zu tun hat. Wenn er das nicht kann, dann bitte ich, den Kommentar zu löschen.

  23. 23 l 31. Mai 2010 um 7:32 Uhr

    Bedenklich antisemitisch

    eh, schon wieder so ne brutale antisemitische jüdin. da muss doch endlich mal jemand durchgreifen!! grigat hat’s der israelischen regierung auch schon mal empfohlen: daumen drauf auf linke israelis äh antisemit_innen!

  24. 24 admin 01. Juni 2010 um 8:57 Uhr

    Rückdatierte Stellungnahme des Mädchenblog-Teams zum Kommentar von n.n., 25. Mai 2010 um 16:07 Uhr, siehe:

    http://maedchenblog.blogsport.de/2010/05/23/globale-filmfestival-schwerpunkt-israel/#comment-42148

  25. 25 TaP 01. Juni 2010 um 11:54 Uhr

    @ l:

    Warum muß der von Julinoir schon bemängelte Diskussionsstil („interessant finde ich, dass die bloße Ankündigung eines, in diesem Fall israelischen, Doku-Films derart heftige Reaktionen auslöst“) nun auch noch fortgesetzt werden?

    In Bezug auf welche Person legst Du dr_in satirisch die Worte „eh, schon wieder so ne brutale antisemitische jüdin.“ in den Mund?

    Soll das dr.in.s Gedanke über die Filemacherin oder unsere Autorin sein?

    Ob die Filmemacherin Jüdin ist, wissen wir aus der Ankündigung jedenfalls nichts. In der Ankündigung steht „israelischen Filmemacherin Anat Zuria“ – zur religiösen und/oder kulturellen (Selbst)identifizierung steht da nichts. Das einzige, was sich aus der Ankündigung noch ergibt ist, daß sie der „jüdisch/orthodoxer Religion“ kritisch gegenübersteht.

    Von „durchgreifen“ steht auch nichts in dem Kommentar von „dr_in“ oder ansonsten in dem thread. Der Namen „grigat“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Grigat) kam bisher in dem thread auch nicht vor. Warum also „dr_in“ mit ihm in einen Topf werfen?

    Pkt. 8 der netiquette: „Vorsicht mit Sarkasmus/Ironie/Insidern. Die werden nicht immer und von allen verstanden und können unbeabsichtigt eine sehr feindselige Atmosphäre auslösen.“ ---

    War vielleicht eineR bei den Filmen am Samstag und will darüber etwas schreiben?

  26. 26 l 01. Juni 2010 um 18:19 Uhr

    Ob die Filmemacherin Jüdin ist, wissen wir aus der Ankündigung jedenfalls nichts.

    eh. aber es gibt nicht nur diese ankündigung.

    ich wüsste ja gerne, was „verdächtig antisemitisch“ ist. wenn eine jüdische filmemacherin sich kritisch mit fundamentalismus auseinandersetzt, oder wenn das produkt dieser auseinandersetzung (auch) in berlin gezeigt wird? oder die ankündigung hier?

    Vorsicht mit Sarkasmus/Ironie/Insidern

    stimmt. manchmal geht’s aber nicht anders. ihr könnt meine kommentare ja löschen.

  27. 27 TaP 01. Juni 2010 um 22:46 Uhr

    „ich wüsste ja gerne, was ‚verdächtig antisemitisch‘ ist. wenn eine jüdische filmemacherin sich kritisch mit fundamentalismus auseinandersetzt, […]“

    Ich für meinen Teil würde sagen: Für die Beantwortung Deiner Frage spielt überhaupt keine Rolle, ob die Filmemacherin jüdisch ist.

    Genauso wie auch Frauen misogyn, anti-feministisch, sexistisch sein können und ArbeiterInnen sozialpartnerInnenschaftlich und kleinbürgerlich-aufstiegsorientiert statt klassenkämpferisch und system-umstürzend usw. -

    Darauf, daß dr_in keine Argument dafür bringt, daß vorliegend irgendetwas antisemitisch sein soll, hatte Julinoir schon hingewiesen – und dr_in scheint auch keines nachtragen zu wollen. Damit hat sich die Sache doch erledigt, oder?

    „ihr könnt meine kommentare ja löschen.“

    Wir löschen ja nicht, weil wir gerne löschen, und haben auch nicht die netiquette geschrieben, um Anlässe zum Löschen zu haben.

    Wir sind nur der Ansicht: „Oft entstehen unnötige Streitigkeiten, weil einander falsch verstanden wurde oder sich wer nur unglücklich ausgedrückt hat.“ Und deshalb sagen wir: „bei Unklarheiten erstmal nachfragen.“ (Pkt. 6) – statt zurückzukoffern.

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