Hilfe, das neue deutsche Frauenbild kommt

Lena Meyer Landrut, Eurovision Song Contest Gewinnerin, ist neue deutsche Vorzeigefrau. Sie verkörpert laut Stefan Raab „ein schönes, neues Frauenbild aus Deutschland“. Sie ist braunhaarig (auf blond wurde verzichtet, die Affinität zu blonden Haaren hat den Deutschen im Laufe der Geschichte nicht allzu viele Sympathien eingebracht), kindlich und sieht in kurzen schwarzen Kleid heiß aus.
Ihr Äußeres verspricht also, bis auf die Haarfarbe, nicht sehr viel Neues. Wenn man sich dann hoffnungsvoll dem Text des Schlagers Satellit zuwendet, wird man ebenfalls bitter enttäuscht.
Statt einem neuen Frauenbild, spiegelt dieser alte, heteronormative Machtverhältnisse in Beziehungen wieder.

I went everywhere for you
I even did my hair for you
I bought new underwear, they’re blue
And I wore ‘em just the other day

Love, you know I’ll fight for you
I left on the porch light for you
Whether you are sweet or cruel
I’m gonna love you either way

Lena, oder sagen wir das lyrische Ich, macht alles für ihren Mr.Right, auch wenn dieser „grausam“ ist.

You sometimes make me sad and blue

Neben Selbstaufgabe lieben Frauen natürlich auch Leiden. Für den Richtigen nimmt frau das alles in Kauf – Hauptsache unter der Haube.

I saved the best I have for you

Denn was wäre die neue, deutsche Frau ohne die Anspielung auf die gute, alte Jungfräulichkeit.

Einen üblen Beigeschmack hinterlässt aber nicht nur das armselige Frauenbild im Text, sondern auch die Extraportion Nationalismus, die solche Events zu Tage bringen.


37 Antworten auf “Hilfe, das neue deutsche Frauenbild kommt”


  1. 1 Domme 30. Mai 2010 um 23:04 Uhr

    Du hast Recht was das Frauenbild und den Nationalismus (Die hat gewonnen, nicht Deutschland!) angeht, aber wenn man’s genau nimmt gibt der Text auf das Geschlecht des oder der besungenen, so weit ich ihn kenne, keinen Hinweis..

  2. 2 Der Ekelbaron 30. Mai 2010 um 23:22 Uhr

    Jippie… endlich hat mal wer den Text verstanden… Der war mir schon länger ein Dorn im Auge…
    Man sollte aber auch den Hintergrund berücksichtigen und das ganze nicht in einer oberflächlichen Kritik der deutschen Ideologie enden lassen.
    Den Song hat soweit ich weiß der Herr Raab geschrieben. (Der sich *weibliche Verliebtheit scheinbar so vorstellt…) Er hat ihn aber erstmal garnicht für Lena geschrieben, sondern für eine weit divenhaftere Mitbewerberin, zu der er traurigerweise vielleicht sogar passte.
    Lenas Image und der Inhalt des Songs sind deshalb zwei Paar Schuhe. Lena ist nur ins Finale gekommen, weil sie eher das Gegenteil der Textbotschaft ausgestrahlt hat. Ihr Habitus ist bougeois, wenn nicht aristokratisch. Auch Bewegung und Outfit waren nie besonders Sexualisiert. Deshalb wurde sie von weiblich/heterosexuellen Zuschauern weniger als potentielle Konkurrentin wahrgenommen sondern als potentielle beste Freundin.
    Die Frage bleibt natürlich, warum niemanden diese Diskrepanz zwischen dem Text und der Performance zu stören scheint. Mich erinnert das sehr an diese Alpha-Mädchen-Philosophie nach dem Motto Unternehmensberaterin werden und sich trotzdem von Männern die Tür aufhalten lassen. In die Schublade passt sie ME besser als in die (sexistische) Kategorie „Frolleinwunder“.

  3. 3 Der Ekelbaron 30. Mai 2010 um 23:37 Uhr

    @ Domme: Wenn die oberen Textzeilen von einem *Mann gesungen würden, wäre „Schwul“ wohl eine der harmloseren Reaktionen…
    Da wird schon ziemlich eindeutig mit schockierender Klischeehaftigkeit ein altertümliches Frauenbild verbreitet…

    Andererseits ist das Grundmotiv ungefähr das selbe wie in „Mond“ von Dota Kehr, der nun wirklich niemand sexistische Tendenzen unterstellen würde.

    Liegt wohl einfach am Thema („Love, oh love“), dass in unserer Gesellschaft eben radikal unterschiedliche Spielregeln und Identitäten für Ms und Ws bereithält. Die Grenzen zwischen einem authentischen Liebeslied (Dota) und plattem Sexismus (Raab) können da ganz schön fließend sein…

  4. 4 illith 31. Mai 2010 um 4:33 Uhr

    da fand ich den text von Stefanie Heinzmann, der ‚vorgängerin‘ von Lena kritischer. klick
    und das besonders, weil DIE nun wirklich vergleichsweise rollenunkonform war (zumindest gemessen an ihren branchen-kolleginnen).

  5. 5 trxie 31. Mai 2010 um 7:42 Uhr

    wenn ich an lena denke fällt mir nicht direkt der text des liedes ein. sie ist selbstbewusst und entscheidet selbst mit wem sie reden möchte, mit wem nicht und welche themen sie meiden möchte. sie weiß also genau was sie will. also hat stefan raab recht. ich habe gegen diese bezeichnung nichts auszuzsetzen.

  6. 6 Cyrano 31. Mai 2010 um 9:50 Uhr

    Dass das Geschlecht im Text nicht angesprochen wird, mag sein, allerdings deutet nichts, aber auch gar nichts im Text auf eine Subversion des gängigen Schemas hin. So braucht der Text eben dadurch, dass den Fans in der Regel klar ist, wer sich für wen blaue Unterwäsche kauft, die Nägel bunt malt etc… das dann auch gar nicht mehr auszuformulieren. Die Selbstverständlichkeit, mit der Satelite das Bild einer verliebten, auf „Den Einen“ gepolten Frau, die für Ihn alles tun würde, zeichnet, verlässt sich bereits auf die Selbstverständlichkeit, mit der dieses Bild gesellschaftlich verankert ist. Dass es dabei tatsächlich weniger auf den Text für sich als auf die Präsentation, und hier besonders auf die Sängerin ankommt, lässt sich leicht vergegenwärtigen, wenn man sich die Wirkung ausmalt, die der gleiche Text hätte, würde ihn, sagen wir, Wainwright vortragen. Oder Johnny Cash, um das ganze ins Groteske zu wenden…

  7. 7 Eilan 31. Mai 2010 um 10:03 Uhr

    Den Text hat nicht Herr Raab geschrieben, das Lied stammt von einem Paar aus den USA ;)

  8. 8 Mirabella 31. Mai 2010 um 10:45 Uhr

    Also erstmal wurde das Lied nicht von Stefan Raab, sondern von zwei amerikanischen Songwritern (Mann und Frau) geschrieben.

    Des Weiteren zeigt der Text einfach nur eine romantisch verträumte Vorstellung von Liebe – wie vielleicht auch ein Märchen. Und wie wir alle wissen, spiegeln die wenigsten Songtexte die Wirklichkeit wieder.

    Unabhängig vom Lied, mag ich Lena nicht. Sie erscheint mir nicht besonders symphatisch, sondern eher berechnend und kamerageil (was schon ihr Nacktauftritt in der Fake-Reality zeigt). Es ist viel mehr eine gespielte Unschuld, die sie im präsentiert, um besser anzukommen.

  9. 9 Pascal 31. Mai 2010 um 11:23 Uhr

    Man könnte sowas ja auch „ironische Brechung“ nennen… ;)

  10. 10 leonie 31. Mai 2010 um 12:42 Uhr

    @trixie: woher weißt du, dass sie nur redet mit wem sie will? Ich nehmen jetzt mal nicht an, dass sie zu dem Song hätte „Nein“ sagen können und trotzdem „unser Star für Oslo“ geworden wäre.

  11. 11 prinzessin leia 31. Mai 2010 um 12:53 Uhr

    was die „analyse“ des songtextes angeht, stimme ich vollkommen mit dem blogeintrag überein. schon seit der wahl des songs hab ich mich daran gestört. mein verhältnis dazu war ein sehr ambivalentes, irgendwo zwischen rythmisch mitwippen und fluchen.
    trotzdem besteht, und das wurde hier in kommentaren auch schon angebracht, durchaus eine differenz zwischen der person, die den song performt und dem inhalt. lena ist in meinen augen durchaus eine selbstbewusste junge frau, die auf eigenen beinen steht. das kommt nicht zuletzt in dem von ihr geschriebenen song „love me“ zum ausdruck, in dem ganz und gar nicht davon die rede ist, dass sie wie ein satellit um ihren mr. right kreisen wird, egal, wie dieser sie behandelt.
    „but as long as you‘ll love me / i will still love you / but if you don‘t love me I will go“
    das ist schon ein meilenweiter unterschied. und wie gesagt, dieser text stammt von lena selbst und spiegelt, so schätze ich das zumindest ein, ihre person wesentlich besser wieder. leider wurde sie eben gezwungen, das furchtbar reaktionäre und sexistische „satellite“ zu singen.
    was ich allerdings kein stück nachvollziehen kann, ist die kritik an lenas outfit. wo bitte schön ist das ein problem, wenn sie in dem kleid heiß aussieht? ich glaube über solch einen dogmatismus sollte ein moderner feminismus hinaus sein. zumal mensch lena nicht unbedingt vorwerfen kann, dass sie ihre kleidung getreu dem motto „sex sells“ auswählen würde. ganz im gegenteil, einige haben ihren kleidungstil gar als bieder bezeichnet. gerade auch im vergleich zu manch anderen kandidatinnen des wettbewerbes. ein problem wäre ihr heißes schwarzes kleid lediglich dann, wenn lena darauf reduziert werden oder sich selbst darauf reduzieren würde. das ist aber nicht der fall.
    sonst bin ich euch sehr dankbar, dass ihr auf den sexistischen und mononormativen gehalt des songtextes aufmerksam gemacht habt.

    p.s. der nationalismus, der mit der ganzen farce einhergeht, löst bei mir ebenso brechreiz aus.

  12. 12 linsentrug 31. Mai 2010 um 18:39 Uhr

    Toller Beitrag!

    „I am not the kind of girl/ Who takes you to a world / That’s far behind /But if you want me to replay / You need a little time / To rewind“ – Lena Mayer-Landsrut: „Nullsummenspiel oder: der leiernde Kassettenspieler, easy-touch, im Ausverkauf“

    Holen wir uns den Kassettenspieler, das funkelnde Ding! Wir brauchen gefällige Frauen, die die harte Hand beschwören. Sie hält uns im Orbit. Ich denke, wieder und wieder stimmt man uns auf Gefolgschaft ein.

  13. 13 trxie 31. Mai 2010 um 20:31 Uhr

    @ leonie:
    sie lehnt jede interviewanfrage der bild ab und geht auch auf keine privaten frage ein.

  14. 14 Juni 31. Mai 2010 um 20:52 Uhr

    Das Lied ist nicht subversiv? :o Ich fühle mich verarscht.

  15. 15 negative potential 31. Mai 2010 um 23:25 Uhr

    da fand ich den text von Stefanie Heinzmann, der ‚vorgängerin‘ von Lena kritischer.

    Wanda Jackson ist aber viel cooler.

  16. 16 hanni 01. Juni 2010 um 0:22 Uhr

    ich hab ja mit ziemlicher freude die diskussion um ihren akzent auf spon verfolgt (wegen dessen ich persöhnlich das lied nur schwer ertragen kann, mal abgesehen von dem text, den ich so interpretiert habe, dass es um eine stalkerin geht, die nicht checkt, dass ihr schwarm nichts von ihr will – Where you go, I’ll follow
    You set the pace, we’ll take it fast and slow
    I’ll follow in your way,
    You got me, you got me
    A force more powerful than gravity
    It’s physics, there’s no escape
    - für mich klingt das irgendwie zumindest nach einer sehr einseitgen anziehungskraft), jedenfalls kam da bei den kommentaren rum, dass eh keiner auf den text achtet. entweder, weil man den text nicht verstehen kann – wegen des akzents – oder die leute ham argumentiert, es gehe bei popsongs ja nicht um den text, deswegen sei die ganze akzentdiskussion albern, lena hat ne tolle ausstrahlung, was sie wie singt ist da egal. ( kann man sich alles hier angucken http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,694730,00.html)
    das is doch irgendwie ob des inhalts des liedes fast beruhigend, dass da anscheinend niemand genau hinhört. erinnert mich nur leider hierdran:
    http://www.youtube.com/watch?v=Nr_bizbxTiU
    so gesehen: danke, dass auch mal jemand auf den inhalt eingeht!

  17. 17 kinky 01. Juni 2010 um 2:41 Uhr

    @ trxie

    wenn ich an lena denke fällt mir nicht direkt der text des liedes ein. sie ist selbstbewusst und entscheidet selbst mit wem sie reden möchte, mit wem nicht und welche themen sie meiden möchte.

    nein, stefan raab entscheidet, mit wem sie reden möchte und wem nicht. also ihr management, das halt beurteilt, wie sie sich verkaufen soll um erfolgreich zu sein.
    warum fällt dir denn nicht der text des liedes ein, wenn du an lena denkst? zu ihr gehört doch nicht nur ihr aussehen und auftreten, sondern auch das was sie sagt. sie hält den text ja für vertretbar. würde sie den total scheiße finden, hätte sie sich geweigert, damit aufzutreten.
    und wenn stefan raab sagt, sie verkörpert ein neues frauenbild aus deutschland, was ist denn das bisherige frauenbild aus deutschland, das dem gegenübersteht?
    und dann werden die beiden auch ernsthaft für das bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. was ist denn ihr verdienst? einen schlagerwettbewerb gewonnen zu haben. für deutschland steht da tatsächlich mehr auf dem spiel: das volk zusammen zu schweißen mit deutschlandfahnen und bratwurst. kritik an den verhältnissen wird so zur nestbeschmutzung. es wird klargestellt und das muss noch nicht einmal offen ausgesprochen werden, wer zu dem volk gehört und wer nicht: „unsere lena“ (bild) gehört dazu und „unsere jungs“ bei der fussball-wm auch, migrant_innen, die hier leben, eher nicht und menschen, die sich wagen hierherkommen zu wollen, die lässt man im mittelmeer lieber ertrinken.
    es geht doch auch darum in der konkurrenz der nationalstaaten zu zeigen, dass deutschland wieder wer ist und die führung in europa oder der welt übernehmen kann und auch nach belieben krieg führen kann. der schlussstrich unter die ns-zeit wird gezogen, in dem zusammenhang ist ja auch oft die rede vom „fräuleinwunder“.

    @ illith
    ja das ist echt eklig, wird vielleicht auch zu wenig thematisiert… ach scheiße.

  18. 18 Prometheus 01. Juni 2010 um 2:45 Uhr

    Lieber mädchenblog, bin hier durch zufall(long story) hergekommen.

    Der sonf reimt sich und hat einige wörter die etwas zueinander passen. Es ist Pop, das hat nicht immer sinn.
    In der idealisierten Liebe machen auch Männer viel für Frauen.
    überspitz, ist jede Erfindung seit dem Feuer ja nur gemacht worden um Frauen zu beeindrucken.
    Die „Liebe“ ist einfach eine droge die uns verrückt werden lässt.
    „Schönes neues Frauenbild“ ist sie sicher nicht. Wobei ich ja gerne frage wie den so ein bild aussehen soll? Ich als Mann bin da ja noch verwirrter als die Frauen. Eine Unternehmensberaterin oder der merkel z.b. soll/kann7darf ich die Tür nicht aufhalten?

    @sexuäle botschaft:
    zitat EL MUNDO:“die deutsche lolita“
    Sasha Grey:“What sells is young girl gets tricked into doing things“
    Die kleine Unschuldige war ja schon immer ein beliebtes Motiv.
    Das wirkt auf männer zumindest am anfang sehr reizvoll. Zum glück scheint bei ihr auch etwas mehr dahinter zu stecken.

  19. 19 Entdinglichung 01. Juni 2010 um 12:36 Uhr

    kein Wunder, dass selbst Obersexist Jürgen Elsässer das Lied gut findet ;-(

  20. 20 domme 01. Juni 2010 um 12:44 Uhr

    hm, also wenn ich mir nur vorstellen kann, dass der Song sich um Mr. Right dreht und mir auch sicher bin, dass der Rest der Welt das auch nicht anders sieht, dann ist die Heteronormative Schere aber auch noch ziemlich tief in meinem Kopf.

    Vielleicht hilft ein bisschen mehr Humor: Stellt euch einfach vor es wäre für eine Frau. Genauso kann man sich vorstellen, dass James Blunts, ebenso kischtig und unterwürfig Songtexte, an einen Mann addressiert sind..

  21. 21 Cyrano 01. Juni 2010 um 14:20 Uhr

    -- „hm, also wenn ich mir nur vorstellen kann, dass der Song sich um Mr. Right dreht und mir auch sicher bin, dass der Rest der Welt das auch nicht anders sieht, dann ist die Heteronormative Schere aber auch noch ziemlich tief in meinem Kopf.“

    Na so ein quatsch. Das ist eine absolut vernünftige Schlussfolgerung auf der Basis des Textes, der Inszenierung drumherum, sowie dessen, was von den Fans als Reaktion antizipiert wird. Ganz ohne irgendwie einen Zusammenhang zwischen den persönlichen Beziehungsvorlieben der Sängerin und dem Lied herzustellen, einfach nach der Marktlage, lässt sich erklären, dass „stellt euch vor es ist für eine Frau“ höchstens als unbedeutende Nebeninterpretation zugelassen werden kann, für die nix, aber auch gar nix spricht.
    Gerade denen, die nicht bereit sind, sich mittels idealistischer Spielereien sich die Welt so zurecht zu drehen, dass sie widerspruchsfrei und bonbonbunt ist, die „heteronormative Schere“ vorzuwerfen ist schon unglaublich dreist…

  22. 22 domme 01. Juni 2010 um 18:56 Uhr

    @cyrano
    vielleicht kam das falsch rüber.
    ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass es eine große heterosexuelle mehrheitsinterpretation gibt. Fand es aber dann auch ein bisschen witzig mir vorzustellen es wäre nicht so. Und viel besser fand ich die Idee die uneindeutigkeit mit der der Text des Liedes tatsächlich formuliert ist vielleicht einfach mal auszunutzen und es tatsächlich ins Gegenteil zu verkehren.

    Weil das was hier passiert, nämlich einen der viele relativ banalen Popsongs (das es genug gibt die die unterwürfigkeit krasser sind ist oben schon bemerkt) und dessen Sängerin zu einem neuen Leitbild zu stilisieren. fand ich einfach etwas übertrieben.. gerade im Vergleich zu den Beiträgen die sonst in diesem Blog gepostet werden, gehört das Thema zu einem, in der Auswirkung, der banaleren und böte eine prima gelegenheit da mal mit etwas humor dranzugehen..

    versöhnlichst,
    domme

  23. 23 Cyrano 01. Juni 2010 um 20:30 Uhr

    @domme
    Naja, wenn jemand das wirklich versuchen würde, etwa durch ein Cover, dass diese blinde Stelle ausnutzt, um die Stoßrichtung des Liedes zu unterlaufen, gerne. Das wäre aber was ganz andres, als es sich einfach, gegen die derzeitige Realität, vorzustellen.
    Aber was grade abgeht kitzelt bei mir kaum die Lachmuskeln, da wird mit aller Gewalt eine zusehends stark national aufgeladene Identifikationsfigur geschaffen, deren „Natürlichkeit“ und „Authenzität“ die Massen eint (je länger darauf wieder aller Vernunft beharrt wird, dass „Lena“ nun aber wirklich authentischer, weniger „Künstlich“ als andere Musiker und Musikerinnen sei, um so aggressiver Klingt der Ruf, ganz unverkrampft Deutschland sein zu können)…
    Ob nun tatsächlich dieser eine Songtext allein die Relevanz hat, die wir ihm zumessen, ist durchaus fraglich, denn für das Gesamtbild sind sicherlich die Lena-Interviewmaratons, Welcome-Parties etc…

  24. 24 negative potential 01. Juni 2010 um 20:55 Uhr

    ich hab ja mit ziemlicher freude die diskussion um ihren akzent auf spon verfolgt

    Also, Lenas gesprochenes Englisch ist wirklich ausgezeichnet. Ja, beim Singen klingt es dann ein bisschen komisch, weil diese Synthese aus amerikanisches/britisches/australisches Englisch so künstlich klingt.

    Aber diese ganze diskussion um ihren akzent ist sowieso total überzogen, zumal Englisch Muttersprachler nicht so pingelig sind was Akzente betrifft. Oft gelten „europäische“ Akzente als sexy.

  25. 25 Zenon R. 01. Juni 2010 um 23:47 Uhr

    Naja, wenn jemand das wirklich versuchen würde, etwa durch ein Cover, dass diese blinde Stelle ausnutzt, um die Stoßrichtung des Liedes zu unterlaufen, gerne. Das wäre aber was ganz andres, als es sich einfach, gegen die derzeitige Realität, vorzustellen.

    Stimmt – sowas wurde ja bereits sehr gelungen mit einem Song von Taylor Swift vollzogen ♥ – zumindest auf dem visuellen Wege. /click/

  26. 26 Flip 02. Juni 2010 um 1:19 Uhr

    ich find es überhaupt viel unbehaglicher, dass der ganze nationalismus der damit einhergeht vielmehr sexismus impliziert.

    ich meine, es gibt sexistische pop-songs und das ist einer davon. schlimm genug und auch richtig den text auseinander zu nehmen, aber ich denke dass die nationalistische grundstimmung, die sich mit jedem deutschland-abgefeiere wie z.b. dem ESC-sieg (egal welcher dt. act es nun sei) generell mehr als konsens festigt und sich auch agressiver manifestiert noch viel mehr auswirkungen auf die rolle von frauen bzw. deren gegenentwürfe hat, als es irgendein echt depperter song-text haben kann.

    das strukturelle prinzip was mit nationalismus einhergeht wird hier verfestigt und reicht sich als „das volk“ „von unten“ die hand mit der frauenfeindlichen familienpolitik „von oben“ als der aktuellen regierung.

    insofern hätte auch ein act wie serbien z.b. für dt. antreten können, als nationalistischer sympathieträger funktioniert selbst ein queer- bzw. LGBT-act als vehikel um das volk vor dem hintergrund patriarchaler rollenbilder auf ihr gemeinsames schicksal einzuschwören und so in der konsequenz frauen zu gebährwerkzeugen fürs nationale kollektiv zu erniedrigen.

    ich finde das muss herausgestellt werden, wenn über den ESC debattiert wird…das problem heisst deutschland bzw. patriarchat/nation und muss so behandelt werden.

  27. 27 Flip 02. Juni 2010 um 1:21 Uhr

    ach so nur zur info serbien wäre trotzdem besser für alle gewesen:

    --> http://www.youtube.com/watch?v=DC7L6SDPL4A&feature=player_embedded

  28. 28 suav 02. Juni 2010 um 11:20 Uhr

    „Nach Auffassung der Liedautoren ist Satellite „ein kleines übersprudelndes (bubbly) Lied, das einfach und süß ist und mit einem lustigen Text“ („Det er en lille „bubbly“ sang, som er temmelig enkel og sød og med en sjov tekst“). Es bestehe aus drei Akkorden. Die Texterin Julie Frost erklärt, dass es um all die verrückten und geheimen Dinge gehe, die ein Mädchen tue und fühle, wenn es verliebt sei. Ein Mann könne sie dazu bringen, alles Mögliche zum gleichen Zeitpunkt zu fühlen – glücklich, aber verstört und hilflos.“
    Sagt Wikipedia.

    Scheiß Lied. Noch mehr stört mich aber das Fahneninferno. Haben die Elendsgestalten nichts anderes, woran sie sich und ihren Patriotismus hochziehen können?

  29. 29 StreetKatze 02. Juni 2010 um 11:35 Uhr

    It’s not about lyrics to a cheesy popsong. It’s about how you are and how you act.

    Lena takes up space, she is sometimes rude and blunt (like Raab, learned from the best(!!!)) and she doesn‘t really seem to care what people say about her.

    That is a good new german image of the women. A women that doesn‘t need to be on the cover of FHM to know she has reached far.

    I love her. Think she’s absolutely great.

  30. 30 melodie 03. Juni 2010 um 10:56 Uhr

    Hallo.

    Ich möchte hier nur mal anmerken, dass es auch andersherum viele viele Jahre funktioniert hat. Im deutschen Minnesang sind es die Minner, also die Männer, die alles für ihre Minnedame tun und sie besingen. Auch hier taucht oft die paradoxe Situation auf, dass der Minner seine Dame besingt und sie auch eindeutig werben möchte, da diese edel und besonders gesellschaftsfähig erscheint, sollte sie ihm aber nachgeben, wäre sie nicht mehr erstrebenswert, da sie ihren Glanz verliert (grob gesagt).
    Ich sehe hier ganz viele Parallelen zwischen Minnesang und vor allem der verklärten Sicht der Hohen Minne und dem, was mit Lena passiert. Das Lied hat einen Text, der (von einem Mann gesungen) locker als moderner Minnesang durchgehen könnte. Nun ist Lena aber eine Frau. Was sagt uns das? Müssen wir deshalb zurück in die 50er Jahre und uns mit schürzentragenden Hausfrauen auf Printwerbung herumschlagen?
    Können wir als selbstbewusste, junge, lebensbejahende Frauen nur dann unsexistisch behandelt werden, wenn man uns zu weiblichen Männern macht?
    Dass Lena natürlich nur deshalb einschlägt wie eine Bombe, weil sie jedes Lolita-Image auf die Spitze treibt und mit ihrer „ach so alternativen rotzigen“ Art natürlich für Lacher sorgt, steht ausser Frage. Vielmehr sollte man sich überlegen, ob Lena deshalb so erfolgreich ist, weil sie in jedem Mann fragwürdige Gedanken aufkeimen lässt, oder deshalb, weil die Massen genau das sehen wollen: ein (vordergründig) ehrliches, fröhliches Mädchen, das irgendwie sexy ist aber auch unerreichbar.
    Tja. Dürfen Frauen nur dann erfolgreich sein, wenn sie mit hochgeknöpfter Bluse in Büros auf und abgehen oder können wir zu einem Frauenbild kommen, das uns Frauen gestattet, unsere Weiblichkeit zu leben undzwar so, wie wir es wollen und nicht so, wie wir uns zeigen wollen, damit Männer uns heiß finden und wir unter die Haube kommen. Ich plädiere hier für junge Frauen, die sich trauen zu sagen: Ich bin jung und gesund, ich sehne mich nach Liebe und ich würde wirklich gerne Mutter werden, bevor ich 30 bin. Ich wünsche mir Kinder, ein stabiles Heim und einen Mann, dem ich vertrauen kann.“ Steckt in einer solchen Äußerung nicht genauso viel Mut, wie im tief ausgeschnittenen Top und dem Minirock, der eher als breiter Gürtel einzustufen wäre?

    Lena verkauft sich nur über Sex. Und wenn schon nicht mit sexy Dessous, dann zumindest durch die irgendwie verbotene Attraktivität einer unschuldigen jungen Frau.

    Was sagt uns das? Ich meine, Lena zeigt uns wieder, was (auch unter Frauen!) heute als emanzipiert gilt: Freizügig, selbstbewusst, kokett, hinreißend hübsch, attraktiv, feminin aber doch nicht mütterlich, erfolgreich.
    Sind das nicht Attribute, die wir Frauen eigentlich nicht benötigen,um uns als emanzipiert sehen zu können? Mir fehlen in dieser Reihe genau 3 Dinge: Liebe zu sich selbst, das Bewusstsein, dass ein Kinderwunsch zum Leben einer Frau gehört, Familiensinn.

    Man kann dazu nun dies oder jenes sagen. Ich sehe in Lena eine neue Barbie, mit angeblich modernen Attributen, aber letztlich sehe ich in den abweisenden Minnedamen des hohen Sanges mehr Emanzipation als in heute „modernen“ jungen Frauen wie Lena, die sich nur aus einem Grunde so geben, wie sie, nämlich aus der Sucht nacht Aufmerksamkeit heraus, besonders nach männlichem Interesse. Lena lebt seit langem alleine mit ihrer Mutter. Ich wollte es nur gesagt haben.

  31. 31 Yo 03. Juni 2010 um 19:38 Uhr

    Who is Lena???

  32. 32 schokolade 04. Juni 2010 um 8:23 Uhr

    „Liebe zu sich selbst, das Bewusstsein, dass ein Kinderwunsch zum Leben einer Frau gehört, Familiensinn.“

    was hat kinderwunsch und „familiensinn“ genau mit emanzipation zu tun?

  33. 33 frankenstein 04. Juni 2010 um 11:09 Uhr

    ist ja überhaupt ein ding, dass hier jemand genau weiß, was „zum leben einer frau“ gehört. 8-|

  34. 34 Cyrano 04. Juni 2010 um 12:10 Uhr

    @Melodie

    Wer versucht, moderne Phänomene mittels historischer Parallelen einzuordnen, sollte sich doch zumindest bemühen, die jeweiligen Besipiele historisch dann auch richtig einzuordnen, sowie den jeweiligen Geltungsbereich abzustecken. (Da du letztlich die Hohe Minne letztlich nur als Einleitung benutzt, um zu denunzieren, was im bürferlichen Sinne als emanzipiert gelten kann, und die Kernfamilie zu stärken, ist das für dich wahrscheinlich wenig relevant, aber immern: vielleicht für andre).
    Die Hohe Minne ist ein Standesphänomen und als solche auf den Adel beschränkt. Sie markiert in sofern einen Fortschritt, als dass sie in einer Idealen Welt der Dichtung die unmittelbare Gewaltförmigkeit der Geschlechtsbeziehung aufhebt, indem sie die Frau (und nur eine Ideale Frau) als unerreichbar glorifiziert, und so die Bemühungen des Minnesängers vom Erfolg=Koitus auf die Formale Ausgestaltung des per definitionem nie Erfolgreichen Aktes der Werbung verlagert. Die Ausgestaltung, nicht die Eroberung bestimmt die Anerkennung, die ideale „Liebe“ wird um ein aesthetisches Moment erweitert. Ob die Minne u. verwandte Phänomene (Petrarkismus) auch das Verhältniss zwischen Geschlechtern insgesammt zu „zivilisieren“ half, möchte cih nicht beurteilen, immerhin: Für die erreichbaren Frauen galten die Regeln der Minne nicht.
    Und tatsächlich entwickelten sich im weiblichen Petrarkismus Gegentendenzen, denen ein emanzipatorisches Potential zugeschrieben werden kann, entweder indem Lyrik, die aus der Perspektive der Besungenen geschrieben war, sich jene langsam zum aktiven Part entwickelte, oder dadurch, dass die Frau den Mann ansang. Bestehen blieb lange das idealisierte, die sublimation „irdischer Triebe“ im „Transzendentalen“.
    Nichts, aber auch gar nichts hat das mit einem modernen Popsong zu tun, der einen Unbekannten ansingt. Die Idealisierung, die dort vorgenommen wird, ist die Idealisierung des je einzelnen, die mit dem Liebesgefühl vielleicht einher geht, sie ist konkret anwendbar, bezieht sich auf empirische Phänomene, d.h. besungene Handlungen können reale Handlungen sein… Dass der / die Besungene dennoch Leerstelle bleibt, liegt weniger daran, dass ein Liebesideal zelebriert werden soll, als daran, dass sich die Rezipienten direkt angesprochen fühlen sollen. Des weiteren ist nunmal, was im 13Jahrhundert und früher vielleicht als Progressiv angesehen werden könnte, es unter veränderten Bedingungen nichtmehr.
    Die Schlussfolgerung, bei der du von Minne zu weiblicher Minne zu Sexualisierung springst, macht dann gar keinen Sinn mehr, weshalb ich mir nur noch erlaube, die Frage zu stellen, ob wenn „ein Kinderwunsch zum Leben einer Frau gehört“ (Würde „Lena“ das propagieren, würde sie sich darüber verkaufen, nicht?), und du nicht möchtest, dass sich jemand über Sex verkauft, eigentlich weißt, wo die Kindelein herkommen???

    Cyrano

  1. 1 Lena-Manie « haut ant haar Pingback am 01. Juni 2010 um 15:30 Uhr
  2. 2 Wir (!) sind Grand Prix « rosa zelle Pingback am 02. Juni 2010 um 15:03 Uhr
  3. 3 Milan Stanković – Ovo je Balkan « Loveli Anarchi Sound Crew Pingback am 11. Juni 2010 um 13:47 Uhr

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