Judith Butler in Berlin: Rassismus-Kritik, Demokratie-Ideale und wenig zu Anti-Kriegspolitik

Judith Butler war in den letzten Tagen (und ist vielleicht auch noch) in Berlin. Zwei Auftritte sorgen für Aufsehen: Ein Vortrag in der Berliner Volksbühne, der zum Thema „Queere Bündnisse und Antikriegspolitik“ angekündigt war, tatsächlich sich aber nur wenig darum drehte. Zum anderen ihre Rede, mit der sie die Verleihung eines ihr angetragenen Zivilcourage-Preises ablehnte.

Judith Butler am 18.06.2010 in der Berliner Volksbühne: Bild von tigerclaws, Lizenz (via Theater bloggen)

Hier ein Überblick zu den Diskussionen, die anderenorts im Netz dazu bereits geführt werden:

I. Zur Nicht-Annahme des Preises

► Judith Butler: CSD nicht antirassistisch genug
http://www.l-talk.de/gesellschaften/judith-butler-csd-nicht-antirassistisch-genug.html
(vollständige Abschrift des Videos mit der Rede)

► Mehr Unbehagen der Geschlechter
http://www.l-talk.de/gesellschaften/mehr-unbehagen-der-geschlechter.html
(Kommentar zur Rede)

► Judith Butler lehnt Zivilcouragepreis ab!
http://transgenialercsd.wordpress.com/2010/06/19/judith-butler-lehnt-zivilcouragepreis-ab/
(Presseerklärung vom transgenialen CSD, der am kommenden Samstag [26.6.] in Berlin stattfindet, dazu und andere weiterführende links [u.a. zur mainstream-Presseberichterstattung])

► Gut so, Judy!!! – Judith Butler lehnt Preis für Zivilcourage auf Berlins Mainstream-CSD vor dem Brandenburger Tor ab
http://imgartenmitsatie.twoday.net/stories/6388559/
(ein weiterer Kommentar dazu)

und dortselbst

► ein ausführlicher Leserin-Kommentar von Halina Bendkowski:
warum ich martin dannecker zum zivilcouragepreis gratuliere und –aber- nicht judith butler

► Rhizom: Zwei Kurzmeldungen dazu
http://rhizom.blogsport.eu/2010/06/20/judith-butler-verweigert-preisannahme/
und
http://rhizom.blogsport.eu/2010/06/20/von-dieser-rassistischen-komplizenschaft-muss-ich-mich-distanzieren/

► Eine radikale Geste mit schalem Nebengeschmack
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/06/20/eine-radikale-geste-mit-schalem-nebengeschmack/
(Kritische Anmerkungen aufgrund der Presseberichterstattung)
und
Abschrift der Preis-Annahme-Verweigerungsrede von Judith Butler beim CSD in Berlin
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/06/20/abschrift-der-preis-annahme-verweigerungsrede-von-judith-butler-beim-csd-in-berlin/
(Kritische Anmerkungen aufgrund des Video-Mitschnittes)

► Christopher Street Day 2010
http://prekaer.info/index.php/component/content/article/78-kultur/3027-christopher-street-day-2010.html
(Kurzer Bericht vom mainstream-CSD insgesamt)

II. Zum Vortrag von Freitagabend in der Berliner Volksbühne

► Judith Butler: Queere Bündnisse und Antikriegspolitik
http://rhizom.blogsport.eu/2010/06/17/judith-butler-queere-bundnisse-und-antikriegspolitik/
(Vortragsankündigung mit kontroversen LeserInnen-Kommentaren)

► Judith Butler in der Volksbühne
http://theater.blogsport.de/2010/06/19/judith-butler-in-der-volksbuehne/
(Bericht von der Veranstaltung)

► Dis-Identification means to transform the imperialist war into revolutionary civil war!
http://maedchenblog.blogsport.de/2010/06/20/dis-identification-means-to-transform-the-imperialist-war-into-revolutionary-civil-war/
(Stellungnahme zu dem angekündigten Thema [Antikriegspolitik])


15 Antworten auf “Judith Butler in Berlin: Rassismus-Kritik, Demokratie-Ideale und wenig zu Anti-Kriegspolitik”


  1. 1 yori 21. Juni 2010 um 8:37 Uhr

    hier die offizielle presseerklärung der in den prozesz involvierten gruppe suspect:
    http://nohomonationalism.blogspot.com/2010/06/judith-butler-refuses-berlin-pride.html

  2. 2 TaP 21. Juni 2010 um 9:53 Uhr

    Auch Das Ende des Sex: Biologisches Geschlecht ist gemacht. kommentiert die Ablehnung des Preisannahme. Überschrift: „Wir wollten nie normal werden!“ Hat das Butler in der nicht aufgezeichneten Anfangssequenz ihrer Rede gesagt? Oder ist das die Meinung von Heinzi, dem Autor des Beitrages?

    So sehr das zu de-konstruktivistischer Politik passen würde – zu der eher von modernem Universalismus (Freiheit, Demokratie und keine Gewalt) getragenen Rede von Freitagabend scheint mir das nicht so richtig zu passen. Die Rede war eher ein Beklagen der ‚Ungerechtigkeit‘ der Welt als die Einnahme einer antagonistischen Position.

    Weiter heißt es in dem Beitrag von Das Ende des Sex:

    „Der eigentliche, der transgeniale CSD kritisiert all dieses noch, fordert andere Politik, ökonomische Umverteilungen, ein Ende von Rassismus und Sexismus, und von Kriegen. Vielfältige Lebensweisen sollen möglich sein, statt Ehe zu fordern. Sexistische, rassistische, homophobe Diskriminierungen sollen ein Ende haben.“

    Schön wäre es – nur kommt der Begriff „sexistisch“ in dem tCSD-Aufruf 2010 genauso wenig vor wie die Begriffe „Feminismus“, „feministisch“ und bspw. „Geschlechterverhältnis“.

  3. 3 TaP 21. Juni 2010 um 10:54 Uhr

    Noch mehr Nachträge:

    ► Judith Butler lehnt Zivilcourage-Preis ab
    http://www.queer.de/detail.php?article_id=12336
    (mit umfangreicher Kommentar-Diskussion)

    ► Den Hass bekämpfen
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/den-hass-bekaempfen/1864232.html
    (Bericht über den Volksbühnen-Vortrag)

  4. 4 TaP 21. Juni 2010 um 13:09 Uhr

    Und noch zwei Nachträge:

    ► Judith Butler und die radikale Demokratisierung (des CSDs)
    http://www.queer-o-mat.de/172/Judith-Butler-und-die-radikale-Demokratisierung-des-CSDs.html (via http://www.iheartdigitallife.de/links-for-2010-06-21/)

    „Der Punkt ist demnach nicht, queer zu sein, um daraus einen Anspruch an Widerspruch zu erheben, sondern ganz grundlegend gegen Homo-und Transphobie als Formen der Verletzung von Menschenrechten zu sein.“

    Was ist denn an der Beklagung der „Verletzung von Menschenrechten“ „grundlegend“ – außer, daß sich das grundlegend im Rahmen des herrschenden Diskurses bewegt?
    Diese Art und Weise Kritik zu üben, verkennt, daß moderne Herrschaft und Ausbeutung einerseits und Menschenrechte andererseits sich überhaupt nicht ausschließen. ‚Menschenrechtsverletzung‘ sind der Exzess moderner Herrschaft und Ausbeutung; radikal wäre den fein-säuberlichen, menschenrechtlich gestriegelten Normalfall von moderner Herrschaft und Ausbeutung zu kritisieren.

    „Im Kampf darum, Rechte einklagbar zu machen, könne das Gesetz als politisches Instrument nutzbar gemacht werden, so dass sich kein naturalistisches Verständnis von Recht voraussetzen ließe, sondern eine Performativität von Recht ermöglicht würde.“

    „kein naturalistisches Verständnis von Recht“ – das hat sie eben nicht gesagt. Sie hat sich zwar auch nicht explizit zu einem Naturrecht bekannt (wie sollte sie das auch als theoretische De-Konstruktivistin?!), aber genau das (irgendeine Art von Naturrecht) setzt ihre freitagabendliche Reduktion von Politik auf Rechtsphilosophie voraus.

    „In der Wiederholung von Rechtsakten ließen sich schließlich Verschiebungen einbasteln, so dass z.B. die gewalttätigen Praktiken der Polizei gegenüber Transgender-Personen als kriminell verurteilbar anerkannt würden.“

    Kritisch zu einer derartigen Strategie der „Verschiebung“ ohne explizite Rechtsänderung siehe: http://maedchenblog.blogsport.de/2010/06/20/dis-identification-means-to-transform-the-imperialist-war-into-revolutionary-civil-war/#comment-42610, Absatz 3.

    „Zum Thema der radikalen Demokratisierung passend, lautet das Motto des Transgenialen CSDs dieses Jahr ‚Gewaltige Zeiten – gewaltiger queerer Widerstand!‘, wobei sich auch hier ein kritischer Blick auf die Definition eines gewaltigen Widerstandes lohnt. Solange mit gewaltig gemeint ist, sich mit vereinten Kräften und nicht vereinten Fäusten zu wehren, soll und muss es sich lohnen, Spaßbremse zu sein (so titelte die taz in Bezug auf die Kritik Butlers am C(omercial)CSD).“

    Ist das nicht naiv? Der BRD-Staat und seine Verbündeten führen Krieg mit Panzern und Kampfflugzeugen; Polizisten haben Pistolen und Gummiknüppel, und private sexistische, homo- und transphobe Schläger benutzen mindestens Fäuste – aber wir sollen selbst auf die Fäuste verzichten?! -

    und nur unsere „vereinten Kräften“ verwenden? Aber worin bestehen denn diese Kräfte? Im besseren Argument gegen Interessen?

    Eine solche Kritik reduziert die Differenz zwischen tCSD und cCSD auf eine kulturalistisch-moralische – und überläßt dem queeren mainstream letztlich das politische Feld.

    Und auch bei
    http://www.mykath.de/index.php?showtopic=23549&st=150
    wird darüber diskutiert…

  5. 5 TaP 22. Juni 2010 um 8:32 Uhr
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